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OD WH

Vergleichsstück · Deutschland (Oberndorf am Neckar)

Heckler & Koch P7 (PSP)

Fertigung
Heckler & Koch GmbH
Kaliber
9 × 19 mm
Zeitraum
1976–2008
Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden

Vergleichsstück — nicht Teil des Untersuchungsraums. Dieser Eintrag stützt sich auf ZWEI HERSTELLERQUELLEN (das englischsprachige Bedienungshandbuch der P7-Reihe, Fassung März 2007, und die Patentschrift US 4,132,023 der Heckler & Koch GmbH mit Priorität vom 19. Juni 1976), auf einen forensischen Fachaufsatz und im Übrigen auf Netz- und Sekundärdarstellungen. Ein Objektbefund liegt NICHT vor; kein Stück wurde eingesehen, zerlegt oder vermessen. AUS DER HERSTELLERQUELLE stammen: die Beschreibung des Gassystems, die drei Aufgaben des Spanngriffs einschließlich des Lösens des Verschlussfangs, die Haltekraft von rund 1,5 Pfund, der Griffwinkel von 110 Grad, der kalt gehämmerte Polygonlauf, die Aussage, das genutete Patronenlager werfe auch ohne Auszieher aus, der Auszieher als Ladeanzeige, die Warnung vor Bleigeschossen, die Reinigungsvorschrift für den Zylinder samt Sonderwerkzeug und 500-Schuss-Intervall, die zweifache Warnung vor dem Aushängen der Fallsicherungsfeder, die eingeschränkte Teileaustauschbarkeit zwischen den Ausführungen und die drei zulässigen Bedienfolgen. AUS DER PATENTSCHRIFT stammt die Lagerung des Spanngriffs an der vorderen unteren Griffkante und der Weg über Schlepp- und Übertragungshebel zum Schlagbolzenträger; eine frühere Fassung dieses Eintrags ließ den Spanngriff „oben gelagert" sein und seinen oberen Schenkel den Schlagbolzen unmittelbar zurückziehen — das war in sich widersprüchlich (ein oben gelagerter Hebel bewegt sein oberes Ende nicht) und ist durch die Patentschrift widerlegt. Die Haltekraft ist mit zwei Werten überliefert: rund 1,5 Pfund (etwa 7 N) nach dem Handbuch, 8,9 N nach der englischsprachigen Übersichtsdarstellung; auch die Spannkraft schwankt (70 N dort gegen „13 pounds", also rund 58 N, in einer amerikanischen Zeitschriftendarstellung). GEMESSEN ist keiner dieser Werte. WIDERSPRÜCHLICH ist die Zahl der Nuten im Patronenlager: Die englischsprachige Übersichtsdarstellung nennt achtzehn, die forensische Fachveröffentlichung dagegen SIEBZEHN bei 0,45 mm Nutbreite mit Ende 9,5 mm vor dem Hülsenboden. Der Eintrag folgt keiner der beiden Zahlen im Text, weil die forensische Angabe gemessen, die andere übernommen ist; der Widerspruch steht hier offen und ist an einem Objektstück in Minuten zu klären. NICHT BELEGT sind: die Masse des Schlittens, der Durchmesser der Gasbohrung, ihr genauer Abstand vom Patronenlager und die Mündungsgeschwindigkeit — für keine dieser Größen nennt eine der eingesehenen Darstellungen einen Wert. Der Zylinderdurchmesser von 7 mm und die Druckfläche von rund 9 mm stammen aus der deutschsprachigen Darstellung und sind KEINE Werksangabe. Die daraus im Text gezogene Folgerung, die Bremskraft erreiche etwa drei Fünftel der Rücklaufkraft, ist eine Rechnung dieses Registers aus dem Flächenverhältnis (7 zu 9 im Durchmesser, also 0,60 in der Fläche) und unterstellt gleichen Druck auf beiden Flächen; tatsächlich liegt der Zylinderdruck wegen der Drosselung darunter, der wahre Wert also niedriger. Der Überschlag ersetzt keine Messung. EBENFALLS EIGENE BEWERTUNG und keine Quellenaussage ist die Feststellung, die Bremskraft klinge ab, statt sich zu verdichten: Sie folgt daraus, dass der Zylinder nur über die Gasbohrung mit dem Laufinneren verbunden ist und der Rücklauf den Gasraum vergrößert. Dieselbe Frage ist beim Eintrag zur Steyr GB ausführlich behandelt, dort allerdings in der Gegenrichtung, weil deren Ringraum sich beim Rücklauf VERKLEINERT. ZUR ABSTAMMUNG: Dieser Eintrag behauptet KEINE Linie von Suhl nach Oberndorf. Die in der Nachschlagewerksliteratur gebräuchliche Bezeichnung „Barnitzke-System" für gasgebremste Masseverschlüsse ist nach der im GB-Eintrag geführten Prüfung ein Literaturname und keine Herstellerangabe; die im Prüfverfahren zur Steyr-Patentschrift von 1972 entgegengehaltene Schrift von Joseph Destree aus Brüssel mit belgischer Priorität von 1929 beschreibt eine gasgebremste Bauart fünfzehn Jahre vor Barnitzke. Für die P7 liegt kein Dokument vor, das auf eine der älteren Konstruktionen Bezug nimmt. Die Angabe zu den tödlichen Unfällen in Niedersachsen stammt aus der deutschsprachigen Übersichtsdarstellung ohne Aktenbeleg; nachprüfbar ist allein die zugrundeliegende technische Eigenschaft, und die steht im Handbuch des Herstellers. Die Beständezahlen für Bayern und Sachsen (2002) sowie die Ablösedaten stammen aus derselben Darstellung. Maßangaben schwanken je Ausführung; die hier genannten sind der englischsprachigen Übersichtsdarstellung entnommen. DAS LASTENHEFT der westdeutschen Polizeien (1976; höchstens 1 kg, höchstens 180 × 130 × 34 mm, 10.000 Schuss Lebensdauer, schnell zu ziehen, mit Patrone im Lager sicher zu führen) steht in einer englischsprachigen Netzdarstellung zu den Erprobungen; ein Dokument des Beschaffungsvorgangs lag NICHT vor. BERICHTIGUNG IN EIGENER SACHE: Eine frühere Fassung dieses Eintrags führte im Lastenheft zusätzlich „mindestens 500 J Mündungsenergie" und „beidhändige Bedienbarkeit". Beides steht dort nicht; die Zahl 500 bezeichnet in der Quelle den Umfang eines Schnellfeuerversuchs (500 Schuss), nicht eine Energie. Ebenso wenig belegt die Quelle den in einer früheren Fassung hergestellten unmittelbaren Zusammenhang mit dem Anschlag von 1972; sie datiert das Lastenheft auf 1976 und nennt als Anlass die Gewalttaten der 1970er Jahre allgemein. Die im Text aus dem Lastenheft gezogene Folgerung, einzelne Forderungen schlössen bestimmte Bauarten aus, ist eine Bewertung dieses Registers und keine Quellenaussage. Die Angabe zur P7K3, sie arbeite ohne Gasbremse mit einem hydraulischen Puffer, stammt aus einer Netzdarstellung und ist am Objekt nicht nachgeprüft.

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Die P7 hält ihren Lauf beim Schuss auf eine Weise hinten zu, die sonst kaum eine Pistole verwendet. Bei den meisten Pistolen dieser Art sind Lauf und Schlitten — das bewegliche Oberteil, das die Patrone einführt und die leere Hülse auswirft — im Augenblick des Schusses verhakt; bei schwächeren Pistolen sind sie gar nicht verbunden, dort hält allein das Gewicht des Schlittens dagegen. Die P7 tut weder das eine noch das andere. Ihr Lauf ist fest mit dem Griffstück verbunden und bewegt sich beim Schuss nicht. Unter ihm sitzt eine kleine Bohrung, ein Zylinder, und in diesen taucht von vorn ein Kolben, der fest am Schlitten hängt. Dicht vor der Stelle, an der die Patrone liegt, führt ein Loch aus dem Lauf in den Zylinder. Beim Schuss strömt heißes Gas hinein und drückt den Kolben nach vorn, also gegen die Richtung, in die der Rückstoß den Schlitten treibt. Der Kolben ist dabei absichtlich dünner als der Innenraum der Patrone, auf den der Druck nach hinten wirkt: Die haltende Kraft bleibt kleiner als die treibende, der Schlitten wird also nur langsamer und nie festgehalten. Sobald das Geschoss den Lauf verlassen hat, fällt der Druck, das Gas strömt durch dasselbe Loch zurück, und der Schlitten läuft frei nach hinten, wirft die leere Hülse aus und führt beim Vorlauf die nächste Patrone zu. Die zweite Eigenheit ist der Griff: An seiner Vorderseite liegt ein breiter Hebel, der beim Umfassen eingedrückt wird. Über zwei kleine Zwischenhebel spannt er dabei die Feder des Stifts, der später auf den Zünder der Patrone schlägt. Beim Loslassen fährt der Hebel heraus und entspannt sie wieder. Ein Sicherungshebel fehlt und wird nicht gebraucht. Der Zylinder unter dem Lauf wird beim Schießen allerdings spürbar heiß.

Vergleichsstück. Gehört nicht zur Fertigung im Untersuchungsraum; steht hier als Maßstab.

Die P7 ist das lehrreichste Gegenstück zur Makarow. Sie löst dasselbe Grundproblem und überschreitet dabei genau die Grenze, an der die Makarow endet. Und sie ist die zweite von drei Serienwaffen, die dieses Register für den gasgebremsten Masseverschluss führt; die erste stammt aus Suhl, die dritte aus Steyr.

Konstruktion

Der Lauf ist fest mit dem Griffstück verbunden und bewegt sich beim Schuss nicht. Unter ihm liegt eine Bohrung, der Gaszylinder; in ihn taucht von vorn ein Kolben, der am Schlitten sitzt. Dicht vor dem Patronenlager führt eine Querbohrung aus dem Lauf in diesen Zylinder. Was danach geschieht, beschreibt der Hersteller in seinem Handbuch selbst: Ein Teil des Treibgases strömt durch die Bohrung in den Zylinder, wirkt dort auf den Kolben und verzögert den Rücklauf des Schlittens, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat; danach lässt der fallende Druck den Schlitten zurücklaufen.

Zwei Merkmalsachsen sind auseinanderzuhalten, weil sie hier auseinanderfallen. Die Verriegelungsart ist: keine. Das Ladeprinzip ist: Rückstoß. Die Gasbremse gehört zu keiner von beiden; sie tritt als drittes Merkmal hinzu. Ein Gasdrucklader ist die P7 gerade nicht, denn ihr Gas treibt nichts an. Es hält auf. Derselbe Prüfsatz wie beim Volkssturmgewehr trägt auch hier: Ein Loch im Lauf beweist keinen Gasdrucklader, sondern nur, dass der Konstrukteur Gas gebraucht hat.

Warum die Waffe trotz der Bremse überhaupt aufgeht, steht in einem Flächenverhältnis. Der Zylinder misst nach der deutschsprachigen Darstellung 7 mm, die Fläche, auf die der Druck im Patronenlager nach hinten wirkt, rund 9 mm.

Eigene Rechnung, keine Quellenaussage. Flächen verhalten sich wie die Quadrate der Durchmesser: 7² zu 9² ist 49 zu 81, also 0,60. Bei gleichem Druck auf beiden Flächen erreichte die Bremskraft damit rund drei Fünftel der Rücklaufkraft. Gleich sind die Drücke nicht: Das Gas muss erst durch die Bohrung, und der Zylinderdruck bleibt darunter. Der wirkliche Wert liegt also niedriger. Beide Betrachtungen führen zum selben Schluss: Der Schlitten wird verlangsamt und nie gesperrt. Eine Auslegungsrechnung ist das nicht; dafür fehlt die Masse des Schlittens, die keine der eingesehenen Darstellungen nennt.

Der zweite Punkt betrifft das Ende des Vorgangs, und er ist der Grund, aus dem dieser Eintrag umgeschrieben wurde. Naheliegend wäre der Gedanke, der Zylinder arbeite zusätzlich als Luftfeder. Bei der P7 lässt sich das nicht einmal formulieren. Der Rücklauf zieht den Kolben aus dem Zylinder heraus und vergrößert den Gasraum, statt ihn zu verkleinern; und der Zylinder bleibt über dieselbe Bohrung mit dem Laufinneren verbunden, in das das Gas nach dem Geschossaustritt zurückströmt. Die Bremskraft klingt also ab. Sie ist eine Bremse aus dem Laufdruck und kein pneumatischer Dämpfer.

Dass der Lauf feststeht, ist der dritte Punkt und der Grund für den Ruf der Waffe in der Präzision. Bei einem Kippverschluss nach Browning muss der Lauf nach jedem Schuss dieselbe Lage zum Griffstück wieder einnehmen. Hier kann er gar nicht wandern.

Zuletzt der Spanngriff. Er ist kein Griffsicherungsbügel, wie ihn amerikanische Konstruktionen kennen, sondern ein Spannhebel: Eingedrückt spannt er den Schlagbolzen, ausgefahren entspannt er ihn. Wie er das tut, steht nicht im Handbuch, sondern in der Patentschrift, mit der Heckler & Koch die Konstruktion 1977 anmeldete. Der Hebel schwenkt danach um eine Achse an der vorderen unteren Griffkante; über einen auf derselben Achse sitzenden Schlepphebel und einen daran angelenkten Übertragungshebel wird der Schlagbolzenträger nach hinten geschoben und die Schlagbolzenfeder gespannt. Für die Bestimmungsarbeit ist daran zweierlei wichtig: Der Weg führt über drei bewegliche Zwischenglieder, und die Bewegungsrichtung des Hebels ist dieselbe wie die des Abzugs — die Patentschrift führt das ausdrücklich als Vorzug an.

Der Hersteller nennt dem Hebel drei Aufgaben — spannen, sichern, den Verschlussfang lösen. Die vierte, die man ihm gern zuschreibt, hat er nicht: Er ersetzt die Ladeanzeige nicht, das tut der vorstehende Auszieher.

Zwei Bauformen derselben Bremse

Das Register führt drei Serienwaffen mit gasgebremstem Masseverschluss. Sie unterscheiden sich weniger im Prinzip als in zwei Größen: wo angezapft wird und wie die Bremskammer gebaut ist.

Zwei Bauformen derselben Bremse
VG 1-5 (1945)H&K P7 (1976)Steyr GB (1981)
Patrone7,92 × 33 mm Kurz9 × 19 mm9 × 19 mm
Lauflänge374–380 mm105 mm136 mm
BremskammerRingraum zwischen Lauf und mitlaufendem Rohreigener Zylinder unter dem LaufRingraum zwischen Lauf und Verschluss
Anzapfungvier Bohrungen rund 63 mm vor der Mündungeine Bohrung dicht vor dem Patronenlagerzwei Bohrungen rund 81 mm vor der Mündung
Anteil des Geschossweges bis dahinrund fünf Sechstelwenige Prozentrund ein Drittel
Kammervolumen beim Rücklaufwird größerwird größerwird kleiner

Die letzte Zeile ist der Grund, warum der GB-Eintrag eine ganze Seite auf die Frage verwendet, ob dort zusätzlich pneumatisch gedämpft wird, und dieser Eintrag nicht. Bei der GB verkleinert der zurücklaufende Verschluss die Ringkammer, und die Steyr-Patentschrift von 1972 beansprucht daraus ausdrücklich eine Bremswirkung; der GB-Eintrag weist sie zurück, weil die Kammer über dieselben Bohrungen mit dem Laufinneren verbunden bleibt. Bei der P7 stellt sich die Frage gar nicht erst, weil der Kolben aus dem Zylinder herausfährt.

Die zweite Zeile von unten ist die für die Auslegung wichtigere. Die P7 zapft dort an, wo der Druck am höchsten ist und am stärksten von der Ladung abhängt. Genau das erklärt die zweite Steyr-Patentschrift von 1974 zum Vorteil: Nur nahe am Patronenlager hänge die Bremskraft merklich von der Ladungsstärke ab. Die P7 hat diese Lage von Anfang an.

Was hier nicht behauptet wird. In der Nachschlagewerksliteratur heißt der gasgebremste Masseverschluss vielfach „Barnitzke-System”, nach dem Chefkonstrukteur der Gustloff-Werke in Suhl. Der GB-Eintrag hat den Namen geprüft: Er stammt aus der Sammler- und Nachschlagewerksliteratur und nicht von einem Hersteller, die beiden Steyr-Patentschriften nennen Barnitzke nicht, und die im Prüfverfahren von 1972 entgegengehaltene Schrift des Brüsseler Erfinders Joseph Destree mit belgischer Priorität von 1929 beschreibt eine gasgebremste Bauart fünfzehn Jahre vor ihm. Für die P7 gilt dasselbe und noch etwas mehr: Es liegt kein Dokument vor, das die Oberndorfer Konstruktion auf irgendeine ältere bezieht. Dieser Eintrag stellt die Waffe deshalb neben das Volkssturmgewehr und behauptet keine Abstammung. Die Übereinstimmung ist eine des Wirkprinzips; sie ist am Bauteil nachprüfbar und sagt über Kenntnisnahme nichts. Siehe Methodik.

Entwicklung

Anlass war eine Ausschreibung, kein Markteinfall. Abgelöst werden sollten die P 38/P 1 und die kleinen Pistolen im Kaliber 7,65 × 17 mm, zu denen die Walther PP gehört. Eine erste Erprobungsrunde von 1974 lief noch auf die schwächere 9 × 18 mm Ultra hinaus; erst angesichts der Gewalttaten der 1970er Jahre fiel die Entscheidung auf die volle 9 × 19 mm, und 1976 erging das neue Lastenheft. Es war ungewöhnlich genau, und es erklärt die Konstruktion besser als jede Absichtserklärung: höchstens 1.000 g, höchstens 180 × 130 × 34 mm, mindestens 10.000 Schuss Lebensdauer, schnell zu ziehen und mit Patrone im Lager sicher zu führen. Erprobt wurde gegen diese Forderungen mit einem Dauerschussversuch über 10.000 Schuss mit Reinigung alle 1.000, einem Schnellfeuerversuch über 500 Schuss und Präzisionsschießen auf 25 m.

Drei dieser Forderungen sind an der fertigen Waffe wiederzufinden. Die Gewichts- und Maßgrenze schließt einen Verschluss aus, der die 9 × 19 mm allein mit Masse hält; die Forderung nach sicherem Führen bei Patrone im Lager schließt den gespannten Schlagbolzen aus; die Forderung nach sofortiger Schussbereitschaft schließt den Handgriff am Entspannhebel aus. Übrig bleibt etwas, das beim Zugreifen spannt. Auch die Lebensdauerforderung hat eine bauliche Spur: Nach der englischsprachigen Darstellung war die Schließfeder der begrenzende Teil, und die drei beschafften Waffen lösten dasselbe Problem auf drei verschiedene Weisen — Walther mit dem Doppelfedersystem der P 38, SIG Sauer mit einer schweren geflochtenen Feder, Oberndorf mit der Gasbremse. Die Antwort aus Oberndorf hieß zunächst PSP für Polizei-Selbstlade-Pistole und wurde 1976 vorgestellt; beschafft wurden am Ende drei Waffen — neben der PSP als P7 die Walther P5 und die SIG Sauer P225 als P6.

Für dieses Register ist dabei die Herkunft der Häuser aufschlussreich: Walther wurde 1886 in Zella-Mehlis gegründet, J. P. Sauer & Sohn bestand seit 1751 in Suhl. Beide gingen nach 1945 in den Westen — Walther nach Ulm, Sauer nach Eckernförde. Von den drei Pistolen, welche die Erprobung überstanden, stammen damit zwei aus Betrieben des Untersuchungsraums. Nur Heckler & Koch war eine westdeutsche Neugründung.

Was Oberndorf beitrug, war nicht die Gasbremse, sondern deren Verbindung mit dem Spanngriff. Die Bremse löst ein mechanisches Problem: die volle 9 × 19 mm ohne Verriegelung und ohne schweren Schlitten. Der Spanngriff löst ein Bedienproblem, und beide zusammen ergeben eine Waffe, die sich in ihrer Logik von der Thüringer Linie so weit entfernt wie keine andere dieses Registers.

Fertigung

Gefertigt wurde ausschließlich in Oberndorf, mit einer Ausnahme: In Mexiko lief eine Lizenzfertigung beim Departamento de Industria Militar. Deren Ausführung P7M13S trägt auf Verlangen des Bestellers zusätzlich einen Sicherungshebel am Griffstück und ist damit das Gegenteil dessen, wofür die Konstruktion angetreten war. Die Fertigung in Oberndorf endete 2008, für die P7M13 bereits 2000.

Varianten

Varianten
BezeichnungKaliberMagazinMerkmal
PSP9 × 19 mm8Ursprungsausführung, Magazinhalter am Griffboden, kein Hitzeschild
P7M89 × 19 mm8größerer Abzugsbügel, Hitzeschild, beidseitige Magazinhebel
P7M139 × 19 mm13zweireihiges Magazin, breiteres Griffstück
P7M10.40 S&W10verstärkte Ausführung, deutlich schwerer
P7K37,65 mm, 9 mm kurz, .22 lfB8–10Wechselläufe; nicht gasgebremst, sondern reiner Masseverschluss mit hydraulischem Puffer
P7M7.45 ACPPrototypen, nicht in Serie
P7PT89 × 19 mm PT8Übungsausführung für Kunststoffgeschosse

Die K3 ist der aufschlussreichste Eintrag dieser Liste. Für die schwächeren Patronen reichte der gewöhnliche Masseverschluss, und an die Stelle des Gaszylinders trat ein geschlossener hydraulischer Puffer. Wer eine P7 in der Hand hat und keinen Gaszylinder findet, hat eine K3 vor sich und keine ausgeschlachtete P7. Der Puffer gilt als Schwachpunkt der Ausführung: Er verschleißt, und ein verbrauchter Puffer legt die Waffe lahm.

Verwendung

Geführt wurde die Waffe vor allem von deutschen Polizeibehörden und Spezialkräften. Genannt werden die GSG 9 und die Feldjägertruppe der Bundeswehr im Personenschutz; bei den Länderpolizeien lief sie bis weit in die 2000er Jahre, in Bayern nach der deutschsprachigen Darstellung bis 2018/2019. Für 2002 werden dort 880 Stück und in Sachsen 65 genannt. Der zivile Absatz lag schwerpunktmäßig in den Vereinigten Staaten.

Für die Bestimmung

Bei dieser Waffe entscheidet sich der Zustand nicht am Laufinneren, sondern an zwei Flächen, die man erst sieht, wenn der Schlitten herunter ist.

  1. Gaszylinder und Kolben. Erster Prüfpunkt. Verfärbung und geringe Rückstände am Kolben sind nach Herstellerangabe normal und müssen nicht entfernt werden; Riefen, Aufwürfe oder aufgebohrte Kanten sind es nicht. Der Hersteller verbietet für den Zylinder Reibahlen und Bohrer, für den Kolben harte Bürsten und Stahlwolle — wer diese Spuren findet, weiß, wie das Stück behandelt wurde. Bleirückstände deuten auf Munition, die der Hersteller ausschließt.
  2. Das Nutbild auf der Hülse. Die Nuten des Patronenlagers zeichnen sich außen auf der Hülse ab und enden nach der forensischen Messung 9,5 mm vor dem Boden. Ihre Zahl ist strittig: siebzehn nach der Messung, achtzehn nach der Übersichtsdarstellung. Wer ein Stück zerlegt hat, kann diese Frage entscheiden.
  3. Der Auszieher. Er steht bei geladener Kammer vor und ist die Ladeanzeige. Bemerkenswert ist die Herstellerangabe, die Waffe werfe auch ohne ihn aus — als Prüfmerkmal heißt das umgekehrt: Eine P7, die auswirft, beweist noch nicht, dass ihr Auszieher in Ordnung ist.
  4. Die Fallsicherung. Ihre Feder lässt sich beim Reinigen aushängen; der Hersteller verlangt nach jeder Reinigung eine Sichtprüfung. Bei einem gebrauchten Stück gehört diese Prüfung zur Zustandsbeurteilung, und sie ist nicht von außen zu leisten.
  5. PSP oder M8. Der Magazinhalter sitzt bei der PSP am Griffboden, bei der M8 als beidseitiger Hebel hinter dem Abzugsbügel; das Hitzeschild im Abzugsbügel hat nur die M8 und die späteren. Weil nicht alle Teile zwischen den Ausführungen austauschbar sind — auch das eine Herstellerangabe —, sind Mischstücke ein Befund und keine Nebensache.
  6. Ein Sicherungshebel am Griffstück ist kein Umbau, sondern ein Herkunftsmerkmal: Er kennzeichnet die mexikanische Lizenzausführung P7M13S.
  7. Die Oberfläche. Heckler & Koch lieferte ab Werk auch vernickelte Ausführungen. Eine vernickelte P7 ist deshalb nicht ohne Weiteres nachbehandelt; entschieden wird das an der Beschriftung und an den Kanten, nicht an der Farbe.

Einordnung

Noch interessanter als die Mechanik ist die zweite Achse. Die Walther PP beantwortete 1929 die Frage, wie man eine geladene Waffe sicher trägt, mit drei Bedienelementen: Spannabzug, Entspannhebel, Ladeanzeige. Diese Lösung setzte sich weltweit durch; siehe Abzugs- und Sicherungssysteme.

Die P7 beantwortet dieselbe Frage mit einem einzigen Element, und dieses Element ist kein Hebel. Es ist der Griff selbst. Wer zugreift, spannt; wer loslässt, entspannt. Es gibt keinen Zustand, in dem die Waffe gespannt aus der Hand gelegt werden könnte. Radikaler ist ein Gegenentwurf kaum denkbar: statt weiterer Bedienelemente gar keines.

Der Preis dieser Radikalität steht im Handbuch des Herstellers, und er ist selten zitiert worden. Die Waffe unterscheidet nicht, in welcher Reihenfolge Abzug und Spanngriff betätigt werden; sie löst auch aus, wenn der Finger zuerst am Abzug war. Damit fällt genau die Trennung weg, die der Spanngriff herstellen soll. Für die 1990er Jahre werden mehrere tödliche Unfälle in Niedersachsen darauf zurückgeführt.

Durchgesetzt hat sich der Spanngriff nicht; er blieb eine Einzelerscheinung. Die Thüringer Linie aus Spannabzug und Entspannhebel beherrschte den Behördenmarkt von den 1950er bis in die 1980er Jahre. Der Endpunkt ist sie damit nicht. Mit der Glock 17 (1982) und der Walther P99 (1996) trat ein drittes Konzept an: vorgespannter Schlagbolzen, gleichbleibender Abzugswiderstand, weder Spannabzug noch Entspannhebel. Dieses Konzept prägt die Behördenbeschaffung seit den 1990er Jahren.

Für dieses Register ist die Reihenfolge aufschlussreich. Die Lösung von 1929 setzte sich nicht durch, weil sie alternativlos war, sondern weil sie sich gegen die Alternativen ihrer Zeit als praktikabler erwies; abgelöst wurde sie ihrerseits, als eine vierte Antwort auftrat. Die P7 ist der ambitionierteste der Gegenentwürfe und derjenige, der am gründlichsten scheiterte: technisch überlegen in der Sicherheitslogik, unterlegen in Fertigungsaufwand, Preis und Handhabungsgewohnheit.

Ein zweiter Befund gehört daneben. Die P7 und die Steyr GB traten 1982/83 in derselben österreichischen Erprobung gegeneinander an, die P7 in einer geringfügig geänderten Ausführung als P 80. Gewonnen hat keine von beiden, sondern die Glock 17 mit rund 33 Teilen und einem Polymergriffstück. Zwei aufwendige Gegenentwürfe, dieselbe Bauart, dasselbe Ergebnis: Der gasgebremste Masseverschluss ist an seinem Fertigungsaufwand gescheitert und nicht an seiner Physik.

Waffenrechtliches

Die P7 ist eine halbautomatische Selbstladepistole ohne Dauerfeuer und damit keine Kriegswaffe nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Als Kurzwaffe für Zentralfeuermunition ist sie erlaubnispflichtig; die Magazine bleiben mit acht bis dreizehn Patronen unter der Grenze, die die Waffenliste für Kurzwaffen bei mehr als zwanzig zieht. Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft. Siehe Methodik.

Offene Forschungsfragen. Erstens die Zahl der Nuten im Patronenlager: siebzehn nach der forensischen Messung, achtzehn nach der Übersichtsdarstellung — an einem zerlegten Stück in Minuten zu entscheiden. Zweitens die Maße des Gassystems: Durchmesser der Gasbohrung, Abstand vom Patronenlager, freie Länge und Volumen des Zylinders. Keine der eingesehenen Darstellungen nennt sie, und ohne sie bleibt jede Aussage über den Bremsverlauf qualitativ. Drittens die Masse des Schlittens, ohne die sich die Auslegung nicht nachrechnen lässt. Viertens die Unfälle in Niedersachsen: Existieren Untersuchungsberichte, und was sagen sie über die Reihenfolge der Bedienschritte?

Konstruktion

Verschluss
Gasgebremster (gasdruckverzögerter) Masseverschluss, nicht verriegelt. Keine Verriegelungsart im eigentlichen Sinn: Lauf und Schlitten sind zu keinem Zeitpunkt formschlüssig gekuppelt. Dicht vor dem Patronenlager abgezweigtes Gas wirkt in einem Zylinder unter dem Lauf auf einen Kolben, der am Schlitten sitzt und nach vorn gedrückt wird. Der Zylinderdurchmesser beträgt nach der deutschsprachigen Darstellung 7 mm gegen eine Druckfläche von rund 9 mm an der Patrone; die Bremskraft bleibt damit stets kleiner als die Rücklaufkraft. Patronenlager mit Druckausgleichsrillen.
Ladeprinzip
Rückstoßlader, unverriegelt, gasgebremst — kein Gasdrucklader: Das abgezweigte Gas treibt nichts an, es wirkt der Öffnung entgegen. Der Lauf ist fest mit dem Griffstück verbunden und läuft nicht zurück. Verriegelungsart (keine) und Ladeprinzip (Rückstoß) sind hier zwei getrennte Merkmalsachsen; die Gasbremse gehört zu keiner von beiden, sondern kommt als drittes Merkmal hinzu.
Zuführung
Einreihiges Stangenmagazin zu 8 Patronen (PSP, P7M8); P7M13 mit zweireihigem, nach oben auf eine Reihe verjüngtem Magazin zu 13, P7M10 zu 10. Nach dem Handbuch des Herstellers steht das Magazin trotz des Griffwinkels von 110 Grad „annähernd senkrecht" zur Seelenachse; gemessen ist das hier nicht, und 110 Grad sind rechnerisch 20 Grad davon entfernt
Abzug
Einstufiger Abzug mit gleichbleibendem Widerstand bei jedem Schuss, nach der englischsprachigen Darstellung rund 20 N. Kein Spannabzug, kein Vorspannweg — das Spannen leistet der Spanngriff
Sicherung
Spanngriff an der Griffvorderseite mit drei Aufgaben: Er spannt den Schlagbolzen beim Umfassen, entspannt ihn beim Loslassen und löst den Verschlussfang. Gelagert ist er nach der Patentschrift an der vorderen unteren Griffkante und wirkt über Schlepp- und Übertragungshebel auf den Schlagbolzenträger. Zum Spannen sind rund 70 N nötig, zum Halten danach nur noch rund 7 N nach dem Handbuch des Herstellers (1,5 Pfund) beziehungsweise 8,9 N nach der englischsprachigen Übersichtsdarstellung. Ersetzt Sicherungshebel, Entspannhebel und Spannabzug in einem Bedienelement; hinzu kommt eine innenliegende Fallsicherung
Visierung
Feste offene Visierung mit Balkenkorn und Rechteckkimme, drei Leuchtpunkte; Visierlänge 148 mm. Höhe über wechselbare Korne, Seite über die verschiebbare Kimme

Maße und Leistung

Länge
171 mm (P7M8); PSP 166 mm, P7M13 und P7M10 je 175 mm; Breite 29 mm
Lauflänge
105 mm, Polygonprofil, kalt gehämmert, Dralllänge 250 mm; P7K3 mit 96,5 mm
Gewicht
rund 780 g (P7M8) und 785 g (PSP) ohne Magazin; P7M13 850 g, P7M10 1.250 g
Magazin
8 Patronen einreihig (PSP/P7M8); 13 (P7M13), 10 (P7M10)
V₀
Nicht belegt. Keine der eingesehenen Darstellungen nennt für diese Waffe einen Messwert; bei 105 mm Lauf ist die Größenordnung der 9 × 19 mm aus kurzem Lauf zu erwarten, gerechnet oder gemessen ist das hier nicht

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Ruhelage — geladen und trotzdem entspannt

    Patrone im Lager, Schlagbolzen entspannt, Spanngriff ausgefahren. Der Kolben steht im Zylinder, die Schließfeder liegt um den feststehenden Lauf. Ein Sicherungshebel ist nicht vorhanden und nicht nötig: Ohne eingedrückten Spanngriff steht der Schlagbolzen nicht unter Federkraft, und eine innenliegende Fallsicherung hält ihn vom Zündhütchen fern.

  2. 2

    Spannen durch Umfassen

    Der breite Hebel an der Griffvorderseite schwenkt nach der Patentschrift des Herstellers um eine Achse an der vorderen unteren Griffkante; beim Zugreifen taucht deshalb sein oberer Teil in den Griff ein. Auf den Schlagbolzen wirkt er nicht unmittelbar: Auf derselben Achse sitzt ein Schlepphebel, an dessen freiem Ende ein Übertragungshebel angelenkt ist, und dessen abgewinkelte Kante schiebt den Schlagbolzenträger nach hinten und spannt dabei die Schlagbolzenfeder. Dafür sind rund 70 N aufzuwenden; ist der Zustand erreicht, genügen nach dem Handbuch etwa 7 N (1,5 Pfund), um ihn zu halten. Der Schütze kann die Hand also lockern, ohne die Waffe zu entspannen.

  3. 3

    Auslösen und Zündung

    Der Abzug gibt den Schlagbolzen frei; der Widerstand ist bei jedem Schuss derselbe, weil der Abzug nichts zu spannen hat. Ein Hahn ist nicht vorhanden, ebenso wenig ein Vorspannweg.

  4. 4

    Erste Rücklaufphase und Gaseintritt

    Der Gasdruck presst den Hülsenboden gegen den Stoßboden, der Schlitten läuft an. Gebremst wird er von Anfang an, denn die Anzapfung sitzt dicht vor dem Patronenlager: Das Geschoss hat sie nach wenigen Millimetern passiert. Das Gas tritt in den Zylinder unter dem Lauf und legt sich gegen die Stirnfläche des Kolbens, der nach vorn gedrückt wird — gegen die Richtung, in die der Schlitten will.

  5. 5

    Die Kraftbilanz — gebremst, nicht gesperrt

    Die Wirkfläche im Zylinder ist kleiner als die Fläche, auf die der Druck im Patronenlager nach hinten wirkt: 7 mm Zylinderdurchmesser gegen rund 9 mm an der Patrone. Schon aus dem Flächenverhältnis folgt, dass die Bremskraft bei gleichem Druck nur etwa drei Fünftel der Rücklaufkraft erreicht, und der Druck im Zylinder liegt wegen der Drosselung an der Bohrung ohnehin darunter. Der Schlitten wird deshalb nie festgehalten, sondern nur verlangsamt.

  6. 6

    Druckabfall — warum die Bremse abklingt

    Sobald das Geschoss die Mündung verlassen hat, fällt der Laufdruck. Der Zylinder bleibt über dieselbe Bohrung mit dem Laufinneren verbunden, und das Gas strömt dorthin zurück. Hinzu kommt, dass der zurücklaufende Schlitten den Kolben aus dem Zylinder zieht und den Gasraum vergrößert. Beides senkt den Druck; verdichtet wird nichts. Die Gasbremse ist eine Bremse aus dem Laufdruck und kein pneumatischer Dämpfer.

  7. 7

    Auszug unter Restdruck, Auswurf, Rücklaufende

    Der Auszug beginnt, während im Lager noch Druck steht. Deshalb trägt das Patronenlager Längsnuten, durch die Gas außen an der Hülse entlangströmt und sie von der Wandung löst; sie enden nach der forensischen Messung 9,5 mm vor dem Hülsenboden. Die Wirkung reicht so weit, dass der Hersteller festhält, die Waffe werfe auch ohne Auszieher aus. Der Auszieher übernimmt dafür eine zweite Aufgabe: Er steht vor und dient als Ladeanzeige.

  8. 8

    Verschlussfang, Vorlauf, Zuführung

    Nach dem letzten Schuss fängt der Verschlussfanghebel den Schlitten in der hinteren Lage. Gelöst wird er nicht nur über den Hebel, sondern auch über den Spanngriff — dessen dritte Aufgabe. Die Schließfeder treibt den Schlitten vor, der Stoßboden nimmt die oberste Patrone aus dem Magazin und schiebt sie ins Lager; der Hersteller führt die günstige Zuführung darauf zurück, dass das Magazin trotz des Griffwinkels von 110 Grad annähernd senkrecht zur Seelenachse stehe. Zugleich taucht der Kolben wieder in den Zylinder ein.

  9. 9

    Entspannen durch Loslassen

    Wird der Griff losgelassen, fährt der Spanngriff aus und entspannt den Schlagbolzen. Es gibt keinen Zustand, in dem die Waffe gespannt aus der Hand gelegt werden könnte. Der Preis dafür steht im Handbuch des Herstellers: Die Waffe unterscheidet die Reihenfolge nicht und löst auch dann aus, wenn der Abzug zuerst durchgezogen wird.

Gasgebremster Masseverschluss — unverriegelt, Bremse aus Pulvergas

Schemaskizze, nicht maßstäblich

1 2 Bremskraft 3
  1. 1 Ausgangslage: Kein Riegel, keine Rollen. Der Verschluss wird nur von seiner Masse und der Schließfeder gehalten — wie beim einfachen Masseverschluss.
  2. 2 Gasentnahme als Bremse: Beim Schuss strömt Pulvergas durch Bohrungen aus dem Lauf in einen Ringraum oder Zylinder und drückt dort gegen eine Fläche der beweglichen Baugruppe. Diese Kraft wirkt der Öffnungsbewegung ENTGEGEN — der Gasdruck bremst den Verschluss, statt ihn wie beim Gasdrucklader anzutreiben.
  3. 3 Abklingen: Sobald der Laufdruck fällt, strömt das Gas durch dieselben Bohrungen zurück; die Bremskraft klingt ab, und der Verschluss öffnet. Der Ringraum verdichtet dabei nicht — es ist eine Druck-, keine Dämpferkennlinie.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

Volkssturmgewehr VG 1-5 (Gustloff)

Gustloff-Werke · Deutschland (Suhl oder Weimar, ungeklärt) · 1944 plausibel
System
Gasgebremster Masseverschluss, Ringraum zwischen Lauf und mitlaufendem Rohr, vier Bohrungen rund 63 mm vor der Mündung, 7,92 × 33 mm Kurz
Unterschied
Dieselbe Grundidee in anderer Bauform: Das Volkssturmgewehr macht den Ringraum zwischen Lauf und einem mitlaufenden Rohr zur Bremskammer, die P7 setzt einen eigenen Zylinder mit Kolben unter den Lauf. Vor allem unterscheidet sie der Wirkungszeitpunkt. Suhl zapft nach rund fünf Sechsteln des Geschossweges an, Oberndorf nach wenigen Prozent.
Befund
Der Vergleich zeigt, dass die Bauart zwei sehr verschiedene Auslegungen erlaubt. Eine Abstammung belegt er nicht: Die Übereinstimmung besteht im Wirkprinzip, nicht in der Bauform, und ein Weg von Suhl nach Oberndorf ist hier durch nichts nachgewiesen.

Steyr GB (Pi 18, GB 80)

Steyr-Daimler-Puch AG · Österreich (Steyr) · 1981 plausibel
System
Gasgebremster Masseverschluss ohne eigenen Zylinder; Bremskammer ist der Ringraum zwischen feststehendem Lauf und Verschluss, 9 × 19 mm
Unterschied
Gleiches Kaliber, gleiche Grundidee, gleiches Jahrzehnt, zwei Bauartlösungen. Die P7 baut die Bremskammer als gesonderte Baugruppe unter den Lauf und zapft dicht am Patronenlager an; die GB verwendet den Ringraum zwischen Lauf und Verschluss und zapft nach den Beschreibungen mit Maßangabe rund 81 mm vor der Mündung an. Ein Unterschied wirkt sich unmittelbar auf die Physik aus: Bei der GB verkleinert der Rücklauf die Kammer, bei der P7 vergrößert er sie. Die Frage nach einer pneumatischen Zusatzwirkung, die der GB-Eintrag erörtert und verneint, stellt sich hier also gar nicht erst.
Befund
Der unmittelbarste Vergleich, den die Bauart hergibt. Beide Waffen sind an ihrem Fertigungsaufwand gescheitert und nicht an ihrer Physik; beide unterlagen im selben Jahrzehnt derselben Gegenströmung.

Pistole M (Makarow)

VEB Ernst-Thälmann-Werk und weitere · DDR / Sowjetunion · 1951
System
Unverriegelter Masseverschluss, Spannabzug, Sicherungshebel, 9 × 18 mm
Unterschied
Beide sind unverriegelte Rückstoßlader und lösen dasselbe Grundproblem — wie hält man den Verschluss ohne Verriegelung lange genug zu. Die Makarow antwortet mit Masse und muss dafür die Patrone begrenzen. Die P7 antwortet mit aktiver Bremsung und kann deshalb die volle 9 × 19 mm verwenden.
Befund
Der lehrreichste Vergleich zur Makarow überhaupt: Er zeigt, dass ihre Leistungsgrenze keine Naturkonstante war, sondern die Folge einer Bauartentscheidung. Siehe Verschlusssysteme.

Walther PP

Carl Walther · Deutschland (Zella-Mehlis) · 1929
System
Masseverschluss, Spannabzug, Sicherungs- und Entspannhebel, Ladeanzeige
Unterschied
Die PP löst die Frage des sicheren Tragens mit drei Bedienelementen (Spannabzug, Entspannhebel, Ladeanzeige). Die P7 löst dieselbe Frage mit einem einzigen — dem Spanngriff, der spannt, entspannt, sichert und obendrein den Verschlussfang löst. Die Ladeanzeige übernimmt bei ihr der vorstehende Auszieher.
Befund
Der radikalste Gegenentwurf zur Thüringer Bedienlogik: nicht mehr Bedienelemente, sondern gar keine. Durchgesetzt hat er sich nicht — die P7 blieb ein Sonderweg. Die Thüringer Linie beherrschte den Behördenmarkt bis in die 1980er Jahre und wurde danach ihrerseits vom vorgespannten Schlagbolzenschloss abgelöst.

Pistole 38

Carl Walther · Deutschland (Zella-Mehlis) · 1938
System
Verriegelter Rückstoßlader mit Schwenkriegel, 9 × 19 mm
Unterschied
Gleiche Patrone, gegensätzliche Lösung: Die P 38 verriegelt formschlüssig und lässt den Lauf ein Stück zurücklaufen, die P7 verriegelt gar nicht und lässt den Lauf stehen.
Befund
Zusammen decken beide die konstruktiven Extreme ab, mit denen sich 9 × 19 mm in einer Pistole beherrschen lässt.

Bekannte Schwächen

Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.

  • Erwärmung des Griffbereichs

    Der Gaszylinder liegt unter dem Lauf und unmittelbar über dem Abzugsbügel; bei anhaltendem Schießen wird er heiß, und die Wärme erreicht die Hand am Vordergriff. Der Hersteller hat darauf konstruktiv reagiert: Von der P7M8 an sitzt ein Hitzeschild aus Kunststoff im Abzugsbügel, das die frühe PSP nicht hat. Eine Eigenart der Bauart, kein Defekt — aber eine, die sich am Objekt datieren lässt.

    plausibel

  • Das Gassystem verlangt bestimmte Munition und regelmäßige Reinigung

    Der Hersteller schreibt in Großbuchstaben, dass Bleigeschosse zu Funktionsstörungen führen, weil sie das Gassystem zusetzen, und verlangt Vollmantelgeschosse. Für den Zylinder liegen der Waffe ein eigenes Reinigungswerkzeug und eine eigene Bürste bei; die Hauptreinigung ist nach etwa 500 Schuss oder nach zwölf Monaten fällig, je nachdem was zuerst eintritt. Reibahlen, Bohrer und andere harte Werkzeuge im Zylinder sind ausdrücklich verboten, harte Bürsten und Stahlwolle am Kolben ebenso. Das ist keine Empfehlung, sondern die Bedingung, unter der die Verzögerung ihren Wert behält: Rückstände verändern sie, ohne dass man es der Waffe ansieht.

    gesichert

  • Abzug und Spanngriff sind in der Reihenfolge nicht unterschieden

    Die P7 löst auch dann aus, wenn zuerst der Abzug durchgezogen und danach der Spanngriff eingedrückt wird; das Handbuch des Herstellers führt diesen Weg als eine von drei zulässigen Bedienfolgen ausdrücklich auf. Unter Belastung ist damit die Trennung zwischen Greifen und Schießen aufgehoben, die der Spanngriff eigentlich herstellen soll. Für die 1990er Jahre werden in Niedersachsen mehrere tödliche Unfälle darauf zurückgeführt. Der Sachverhalt ist am Objekt nachprüfbar und keine Frage der Ausbildung allein.

    plausibel

  • Die Fallsicherung lässt sich beim Reinigen aushängen

    Der Hersteller warnt an zwei Stellen des Handbuchs davor, den Schlitten mit harten Werkzeugen zu reinigen, weil sich dabei die Feder der Fallsicherung aushängen könne, und verlangt anschließend eine Sichtprüfung. Bei einem gebrauchten Stück gehört diese Prüfung damit zur Zustandsbeurteilung; eine ausgehängte Feder ist von außen nicht zu sehen.

    gesichert

  • Fertigungsaufwand

    Gaszylinder, Kolben, Spanngriffmechanik, kalt gehämmerter Polygonlauf und die dazugehörige Passung machen die Waffe aufwendig und teuer. Sie blieb deshalb ein Sonderweg, während einfachere Konstruktionen den Markt übernahmen. Denselben Weg nahm im selben Jahrzehnt die Steyr GB.

    plausibel

  • Die Ausführungen sind untereinander nur begrenzt austauschbar

    Der Hersteller hält fest, dass zwischen den P7-Ausführungen nicht alle Teile getauscht werden können, und verweist Instandsetzungen an zertifizierte Werkstätten. Am gebrauchten Stück ist das ein Bestimmungsproblem: Mischstücke aus PSP- und M8-Teilen sind möglich und nicht immer offensichtlich, weil sich die Ausführungen äußerlich vor allem am Magazinhalter und am Abzugsbügel unterscheiden.

    gesichert

  • Verschmutzung des Gassystems verändert die Verzögerung

    Wie bei allen Systemen mit Gasentnahme setzen sich Rückstände im Zylinder ab. Anders als bei einem Gasdrucklader gibt es hier keinen Regler, der das auffangen könnte; die Verzögerung ist auf einen Druckverlauf gerechnet und nicht nachstellbar. Bei der Zustandsbeurteilung eines Altstücks ist der Zylinderzustand der erste Prüfpunkt, noch vor dem Laufinneren.

    plausibel

Verwendung

  • Als PSP ab 1979 bei deutschen Polizeibehörden; die GSG 9 der damaligen Bundesgrenzschutzverwaltung gilt als früher Verwender, ferner die Feldjägertruppe der Bundeswehr im Personenschutz
  • Länderpolizeien bis weit in die 2000er Jahre; für 2002 werden Bestände von 880 Stück in Bayern und 65 in Sachsen genannt, in Bayern lief die Waffe bis 2018/2019 aus
  • Lizenzfertigung in Mexiko durch das Departamento de Industria Militar; die dortige Ausführung P7M13S trägt auf Verlangen des Bestellers zusätzlich einen Sicherungshebel am Griffstück
  • Ziviler Absatz vor allem in den Vereinigten Staaten; Fertigung 2008 eingestellt, die P7M13 bereits 2000

Quellen

  1. [Archiv] Heckler & Koch, Bedienungshandbuch P7 Operator's Manual for P7 Series Pistols — P7PSP, P7M8, P7M13, P7M10 , Heckler & Koch Inc., Trussville/Alabama, Fassung März 2007. Herstellerquelle. Abschnitt 2.1 zur Wirkungsweise des Gassystems (Gasbohrung, Zylinder, Kolben, Freigabe nach Druckabfall); Abschnitt 2.2 zu den drei Aufgaben des Spanngriffs und den drei zulässigen Bedienfolgen, Haltekraft rund 1,5 Pfund; Abschnitt 1 zu Polygonlauf, genutetem Patronenlager („will extract and eject an empty shell even if the extractor is missing"), Auszieher als Ladeanzeige und Griffwinkel 110 Grad; Abschnitt 3 zur Warnung vor Bleigeschossen; Abschnitt 6 zur Reinigung des Gaszylinders mit Sonderwerkzeug und Bürste, Intervall 500 Schuss oder zwölf Monate, Verbot harter Werkzeuge, zweifache Warnung vor dem Aushängen der Fallsicherungsfeder Link
  2. [Archiv] Weldle 1977 (H&K-Patentschrift) US 4,132,023 — Self-loading pistol , Anmelderin Heckler & Koch GmbH, Erfinder Helmut Weldle; Priorität 19. Juni 1976, Anmeldung 19. Mai 1977, Erteilung 2. Januar 1979. Herstellerquelle zur Spannmechanik: Der Spanngriff (10) liegt unter dem Abzugsbügel und schwenkt um eine Achse (11) nahe der vorderen unteren Griffkante; auf derselben Achse sitzt ein Schlepphebel (13), an dessen freiem Ende ein Übertragungshebel (20) angelenkt ist, dessen abgewinkelte Kante (24) den Schlagbolzenträger nach hinten treibt und die Schlagbolzenfeder (48) spannt. Ferner der ausdrückliche Vorzug, dass der Spanngriff in derselben Richtung bewegt wird wie der Abzug Link
  3. [Literatur] Krcma 1996 Fluted and Annular Grooved Barrel Chambers in Firearms , Journal of Forensic Sciences, JFSCA, Vol. 41, No. 3, Mai 1996, S. 407–417. Tabelle 3 (Faustfeuerwaffen): H&K P7 mit SIEBZEHN Nuten, Nutbreite 0,45 mm, Nuten enden 9,5 mm vor dem Hülsenboden. Ferner der Befund, dass ein genutetes Patronenlager weder eine Bauart noch die Wirkungsrichtung belegt: In der HK 4 bremsen die Nuten den Auszug, statt ihn zu erleichtern Link
  4. [Online] Wikipedia (en) Heckler & Koch P7 , Gasbremse mit Anzapfung dicht vor dem Patronenlager; Spannkraft 70 N, Haltekraft 8,9 N, Abzugskraft rund 20 N; fester Polygonlauf 105 mm mit Dralllänge 250 mm, P7K3 mit 96,5 mm; achtzehn Nuten im Patronenlager; Visierlänge 148 mm; Maße und Gewichte der Ausführungen PSP, P7M8, P7M13, P7K3 und P7M10; Fertigung 1979 bis 2008, P7M13 bis 2000; Hitzeschild ab P7M8; Lizenzfertigung in Mexiko mit Sicherungshebel (P7M13S); Verwendung bei GSG 9 und Bundeswehr-Spezialkräften Link
  5. [Online] Wikipedia (de) HK P7 , Zylinderdurchmesser 7 mm gegen eine Druckfläche von rund 9 mm und die daraus folgende Feststellung, der Verschluss werde verzögert, aber nicht geschlossen gehalten; Anzapfung „kurz vor dem Patronenlager"; Bestände 880 Stück in Bayern und 65 in Sachsen (2002), Ablösung durch SFP9 in Bayern 2018; tödliche Unfälle in Niedersachsen in den 1990er Jahren durch gleichzeitiges Betätigen von Abzug und Spanngriff Link
  6. [Online] Historical Firearms / The Armourer's Bench West German Police Pistol Trials , Lastenheft der westdeutschen Polizeien von 1976: höchstens 1 kg (2,2 lb/35 oz), höchstens 18 × 13 × 3,4 cm, schnell zu ziehen und mit Patrone im Lager sicher zu führen, Lebensdauer 10.000 Schuss. Erprobung mit 10.000-Schuss-Dauerversuch (Reinigung alle 1.000), 500-Schuss-Schnell- feuerversuch und Präzision auf 25 m; begrenzender Teil war die Schließfeder, die nach rund 1.000 Schuss zum Bruch neigte. Abgelöst werden sollten P 38/P 1 und Pistolen im Kaliber 7,65 × 17 mm; Vorläufer war eine Erprobung von 1974 im Kaliber 9 × 18 mm Ultra. Bewerber Mauser (HsP), Walther (P5), SIG Sauer (P225) und Heckler & Koch (PSP); beschafft wurden P5, P225 als P6 und PSP als P7. Eine Forderung nach einer Mindestmündungsenergie oder nach beidhändiger Bedienbarkeit steht hier NICHT Link
  7. [Online] The Firearm Blog The Rimfire Report: The H&K P7K3 , Die P7K3 arbeitet nicht gasgebremst, sondern als reiner Masseverschluss mit einem geschlossenen hydraulischen Puffer anstelle des Gaszylinders; Wechsel von Lauf, Schlitten und Magazin für .22 lfB. Der Puffer gilt als verschleißanfällig Link
  8. [Auskunft] HKPRO P7 Gas Port , Sammlerforum, keine Werksangabe. Lage der Gasbohrung unmittelbar vor dem Patronenlager auf der 6-Uhr-Position; Zylinder im Griffstück unter dem Lauf, Kolben am Schlitten befestigt und von vorn in den Zylinder tauchend Link
  9. [Online] Bundesministerium der Justiz Waffengesetz, Anlage 2 (Waffenliste) Link