Stempel- und Beschusszeichenkunde
Stempel sind die Verwaltungssprache der Waffenfertigung — Abnahme, Beschuss, Truppe, Hersteller. Sie datieren und verorten ein Stück, für das keine Papiere mehr existieren. Dieser Teil des Registers ist der jüngste und noch der dünnste.
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Beschusszeichen · Suhl · ab 1893
Beschusszeichen Suhl
Zeichen des Beschussamts Suhl, das seit dem 1. April 1893 durchgehend besteht — über Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Zeit, DDR und Bundesrepublik hinweg. Die Zeichenformen wechselten mit den Systemen; die Institution blieb. Damit ist die Suhler Beschusspraxis das beste Einzelbeispiel für die Leitfrage dieses Registers.
plausibel -
Beschusszeichen · Zella-Mehlis · ab 1893
Beschusszeichen Zella-Mehlis
Zeichen der Beschussanstalt Zella-Mehlis, die am 1. April 1893 den Betrieb aufnahm und 1949 zugunsten Suhls aufgelöst wurde. Ein Zella-Mehliser Zeichen datiert eine Waffe damit zuverlässig auf die Zeit vor 1949 — und verortet sie im ehemals sachsen-coburg-gothaischen Rechtsraum.
plausibel -
Abnahmestempel · Erfurt · ab 1911
Krone über Buchstabe (Erfurter Abnahme)
Militärische Abnahmestempel der Gewehrfabrik Erfurt: eine Krone über dem Kennbuchstaben des abnehmenden Revisionsbeamten, mehrfach auf Verschluss, Rahmen und Kleinteilen gesetzt. Die dichte Stempelung Erfurter Pistolen 08 macht sie zur Referenz für die Abnahmepraxis des Kaiserreichs.
plausibel -
Abnahmestempel · ab 1922
Heeresabnahme — Adler über WaA-Nummer
Abnahmezeichen des Heereswaffenamts: ein stilisierter Adler über einer Zahl. Die Zahl bezeichnet die **Abnahmestelle**, nicht den Hersteller — und eine Abnahmestelle war häufig für mehrere Firmen der Umgebung zuständig. Ein WaA-Stempel belegt deshalb, dass ein Stück vom Heer abgenommen wurde; wo es gefertigt wurde, sagt er nur mittelbar.
plausibel -
Herstellermarke · Magdeburg · ab 1925
Bodenstempel der Polte-Werke: „P", „P154", „aux", „auy"
Herstellerkennungen der größten Munitionsfabrik des Deutschen Reiches — und zugleich der Fall, an dem sich zeigt, warum ein Bodenstempel nicht einmal zuverlässig die richtige Firma benennt: Das „P" war ab 1925 ein Tarnpräfix des Heereswaffenamts. Die angehängten Zahlen bezeichnen fremde Hersteller, nicht Polte.
plausibel -
Sonstige · ab 1930
Sowjetische Instandsetzungszeichen — Arsenale und Reparaturdepots
Zeichen der sowjetischen Grundinstandsetzung: bis in die frühe Nachkriegszeit ein „Р" mit Depotnummer oder Militärbezirkskürzel, danach geometrische Symbole ohne Nummer. Sie belegen eine **Überholung**, nicht die Fertigung — und eines von ihnen wird bis heute für ein ostdeutsches Zeichen gehalten, ohne es zu sein.
ungeklärt -
Herstellermarke · ab 1940
Fertigungskennzeichen (Buchstabencodes ab 1940)
Verschlüsselte Herstellerkennungen der Wehrmacht: ab 1. Juli 1940 angeordnet, ab 1. Januar 1941 verbindlich, in der Endform drei Kleinbuchstaben. Über 9.300 Kennzeichen sind bekannt — sie sind der Schlüssel zur Fertigerbestimmung, und zugleich die häufigste Quelle falscher Ortszuschreibungen.
plausibel -
Abnahmestempel · Suhl · ab 1958
K 100
Abnahmestempel der im VEB Ernst-Thälmann-Werk Suhl gefertigten Pistole M (Makarow). Das Zeichen ist der praktische Schlüssel zur Unterscheidung der DDR-Fertigung von sowjetischer und bulgarischer Lieferung.
plausibel