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Technik · Fertigungsverfahren

Datierung am Objekt

Welche Merkmale wie belastbar datieren — und was sie überhaupt datieren

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Die Rangfolge ist eine methodische Setzung dieses Registers, keine Quellenaussage: Sie folgt daraus, wie stark ein Merkmal normiert und wie eng sein Bezug zur Fertigung ist. Die einzelnen Grundlagen — Beschussrecht, Zeichenformen, Fertigungskennzeichen, Verfahren und Oberflächen — sind in den verlinkten Einträgen je gesondert belegt und tragen deren Belegstatus. Die konkreten Zeichenformen der einzelnen Epochen liegen hier weiterhin nur als Abbildung aus zweiter Hand vor; siehe Beschuss Suhl.

Die Frage „von wann ist das Stück?” ist selten so gemeint, wie sie gestellt wird. Ein Objekt trägt in der Regel mehrere Datierungssignale, und sie datieren verschiedene Vorgänge: der Beschussstempel die Prüfung, das Fertigungskennzeichen die Zuteilung eines Codes, die Oberfläche die letzte Behandlung, ein Bauteil nur sich selbst.

Wer sie gleichsetzt, erhält ein Datum, das zu keinem der Vorgänge gehört. Deshalb steht am Anfang nicht das Ablesen, sondern die Zuordnung.

Rangfolge nach Belastbarkeit

Rangfolge nach Belastbarkeit
RangMerkmalDatiertWarum diese Stellung
1Beschusszeichenden Beschussvorgangstaatlich normiert, gesetzlich vorgeschrieben, über die Systemwechsel hinweg vergleichbar
2Datierte Kennzeichnung — Jahreszahl, Abnahmezeichendie Abnahme bzw. den Fertigungsjahrgangamtlich aufgebracht, aber auf das gekennzeichnete Bauteil bezogen
3Fertigungskennzeichendie Codezuteilung, nicht die Fertigungdie Vergabetranche gibt nur ein frühestens
4Fertigungsverfahreneinen Zeitraum, keinen ZeitpunktVerfahrenswechsel laufen über Jahre und je Bauteil verschieden
5Werkstoff und Oberflächedie letzte Behandlungjederzeit nachträglich veränderbar
Verschleiß und Gebrauchsspurengar nichtssagen etwas über Benutzung, nichts über Herstellung

Rang 1: Das Beschusszeichen

Der einzige Befund, der auf einer gesetzlichen Pflicht beruht und über die politischen Systemwechsel hinweg vergleichbar bleibt. Grundlage ist das Beschussgesetz von 1891; die Beschussanstalten in Suhl und Zella-Mehlis nahmen 1893 den Betrieb auf, 1949 wurden sie zusammengelegt. Nach 1945 bestand in der SBZ und der DDR nur noch das Beschussamt Suhl — allein das ist bereits eine Ortsaussage.

Zwei praktische Anker:

  • Krone über N kennzeichnet den Nitrobeschuss bis 1939/40, Adler über N löst ihn ab. Ein Stück mit Adler-N ist nicht vor 1939/40 beschossen worden. Die Quellen nennen sowohl den
    1. April 1939 als auch den praktischen Beginn im April 1940 — für ein Einzelstück ist deshalb „ab 1939/40” die ehrliche Angabe.
  • In der SBZ und DDR trägt der Beschuss einen Datumscode aus Monat und den letzten beiden Jahresziffern: 1147 steht für November 1947, 250 für Februar 1950. Damit ist die Awtowelo-Zeit auf den Monat genau eingrenzbar — was dort auch nötig ist, weil die Firmenbeschriftung in diesen Jahren nicht eindeutig war.

Was der Beschuss nicht sagt: Er datiert die Prüfung, nicht die Fertigung. Beides fällt normalerweise nahe zusammen, aber ein reparierter oder umgebauter Lauf wird erneut beschossen — dann liegt das jüngere Zeichen Jahrzehnte nach der Herstellung.

Rang 2 und 3: Kennzeichnung ist nicht gleich Kennzeichnung

Am selben Stück treten regelmäßig drei Zeichenarten auf, die verschiedenen Zwecken dienen:

  • Abnahmezeichen — wer für den Auftraggeber abgenommen hat, etwa Krone über Buchstabe für die Erfurter Abnahme 1911–1918 oder K 100 in der DDR.
  • Fertigungskennzeichen — wer gefertigt hat, ab 1940 verschlüsselt in drei Kleinbuchstaben.
  • Beschusszeichen — die gesetzliche Prüfung.

Für die Datierung ist die Unterscheidung entscheidend, weil das Fertigungskennzeichen ein Frühestens liefert und sonst nichts: Die Buchstabengruppen wurden in Tranchen mit bekannten Ausgabedaten vergeben, ein Code sagt also, ab wann er existierte — nicht, wann das Stück gebaut wurde. Codes liefen jahrelang weiter.

Und er sagt nichts über den Ort. Beim Bodenstempel der Polte-Werke geht es sogar noch weiter: Dort benennt das Präfix zeitweise nicht einmal die richtige Firma.

Rang 4 und 5: Verfahren, Werkstoff, Oberfläche

Diese Merkmale datieren nicht auf ein Jahr, sondern grenzen einen Zeitraum ein — und genau so sind sie zu verwenden. Die Einzelheiten stehen in den zuständigen Einträgen und werden hier nicht wiederholt:

  • Fertigungsverfahren — der Übergang vom Zerspanen aus dem Vollen über das Gesenkschmieden zum Blechpressen fällt mitten in den Untersuchungszeitraum. Er verlief je Bauteil unterschiedlich schnell, weshalb ein einzelnes gepresstes Teil noch keine Spätdatierung der ganzen Waffe trägt.
  • Werkstoffe und Oberflächen — dort ist ausgeführt, was eine Oberfläche datiert und was nicht, wie das Spätkriegsbündel aus Werkstoffsubstitution und Phosphatierung zu lesen ist, und mit welcher Prüffolge sich eine nachträgliche Behandlung erkennen lässt.

Die stehende Regel für beide: Sie datieren das Bauteil, nicht die Waffe. Ersatzteile, Instandsetzungen und Umbauten sind der Normalfall, nicht die Ausnahme.

Prüffolge

  1. Beschusszeichen suchen und lesen — Ort, Zeichenform, gegebenenfalls Datumscode. Ergibt den belastbarsten Anker.
  2. Datierte Kennzeichnungen aufnehmen — Jahreszahlen, Abnahme- und Fertigungskennzeichen, jeweils mit Angabe, auf welchem Bauteil sie sitzen.
  3. Nummerngleichheit prüfen. Weichen Teile voneinander ab, ist die Waffe in ihrer heutigen Zusammensetzung jünger als ihr ältestes Teil — und die Datierung gilt ab jetzt je Bauteil.
  4. Verfahren und Oberfläche einordnen — als Zeitraum, nicht als Zeitpunkt, und im Bewusstsein, dass die Oberfläche die letzte Behandlung zeigt.
  5. Ergebnis als Spanne formulieren, mit Angabe, worauf sie sich stützt. Ein Datum ohne Herleitung ist im Gutachten wertlos.

Drei Fehlerklassen, alle im eigenen Korrekturregister belegt

Das Jahr prüft die Zuschreibung. Bevor ein Vorgang einer Waffe zugeordnet wird, ist deren Einführungsjahr dagegenzuhalten. Dieses Register hat einen Großauftrag von 1889 auf eine Konstruktion von 1898 bezogen — Korrektur.

Ein Name gilt erst ab seiner Einführung. Betriebsnamen rückwirkend auf die Vorgängerlinie anzuwenden erzeugt Zirkel; im Suhler Fall schloss sich ein Betrieb der Darstellung nach mit sich selbst zusammen — Korrektur.

Aussagen über den Stand brauchen ein Datum. „Setzte sich durch” ohne Angabe, bis wann, ist nicht überprüfbar und altert still — Korrektur.

Was offen bleibt

  • Die Zeichenformen der einzelnen Epochen. Rechtsgrundlage und Zeiträume sind belegt, die konkreten Formen liegen in den greifbaren Quellen nur als Abbildung aus zweiter Hand vor. Eine daraus rekonstruierte Tafel wäre für die Bestimmung unbrauchbar — deshalb führt die Stempelkunde hier keine. Zugang: bebilderte Anlagen der Beschussverordnung, Auskunft des Beschussamts, Objektbefunde.
  • Die Grenze zwischen Fertigungsstand und Verschleiß. Ob eine rauere Passung aus der Spätkriegsfertigung stammt oder aus Gebrauch, wird in der Sammlerliteratur überwiegend nach Augenschein entschieden. Quantifiziert ist es nicht. Zugang: Maßaufnahme an mehreren Exemplaren verschiedener Fertigungsstände.

Beispiele im Register

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (de) Beschussrecht und Beschusszeichen Link
  2. [Literatur] C.I.P. Beschusszeichen-Tafel „3. Deutschland", Ständige Internationale Kommission für die Prüfung von Handfeuerwaffen Link
  3. [Online] Wikipedia (de) Deutsche Fertigungskennzeichen Link