Nachwirkung · Deutschland (Suhl)
Haenel MK 556
- Fertigung
- C. G. Haenel GmbH, Suhl
- Kaliber
- 5,56 × 45 mm NATO
- Zeitraum
- 2016–…
- Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden
Dieser Eintrag stützt sich auf Fachpresse, Gerichtsmitteilungen, eine Übersichtsdarstellung und die Produktdarstellung des Herstellers; ein Stück wurde für ihn NICHT eingesehen oder vermessen. GESICHERT bis gut bezeugt sind: der Zuschlag am 14. September 2020, die Bewertung als technisch etwas besser und wirtschaftlicher, der Widerruf im Oktober 2020, der Ausschluss Haenels im März 2021, die Bestätigung durch das OLG Düsseldorf im Juni 2022, die Vergabe an Heckler & Koch, die Einführung des HK416 A8 als G95A1 und G95KA1 Ende 2022 und der Vertrag Anfang 2023 über 118.718 Waffen mit Auslieferung ab 2026. NEU BELEGT gegenüber der früheren Fassung ist der GEGENSTAND des Patentstreits, den diese ausdrücklich offenließ: Es handelt sich um das europäische Patent EP 2 018 508 B1, das ein Verschlusssystem mit Öffnungen zur Ableitung eingedrungener Flüssigkeit schützt und damit die Fähigkeit betrifft, unmittelbar nach dem Auftauchen zu schießen. DABEI IST GENAU ZU TRENNEN, was welches Gericht entschieden hat. Das Landgericht Düsseldorf entschied am 16. November 2021 im Verfahren 4a O 68/20, dass die halbautomatische Haenel CR 223 dieses Patent verletzt; über die vollautomatische MK 556 hat es in diesem Verfahren NICHT entschieden. Das vergaberechtliche Verfahren betraf dagegen das MK-556-Angebot, und dort stützte sich das Ministerium auf Gutachten externer Patentanwälte. Das Bundespatentgericht wies am 30. September 2022 im Nichtigkeitsverfahren Haenels (7 Ni 29/20 [EP]) das Patent nicht insgesamt ab, sondern hielt es in der von Heckler & Koch verteidigten beschränkten Fassung aufrecht; im Übrigen erklärte es das Patent für nichtig. Die Entscheidung war zum Zeitpunkt der Mitteilung NICHT rechtskräftig; die Berufung zum Bundesgerichtshof stand offen. NICHT BEKANNT ist diesem Register, mit welcher technischen Lösung das MK 556 die Wasserableitung selbst bewerkstelligt — die Fachberichterstattung weist ausdrücklich darauf hin, dass MK 556 und CR 223 hierin voneinander abweichen können. Der Eintrag behauptet deshalb nicht, dass die Waffe die patentgegenständlichen Öffnungen trägt. Der Eintrag stellt diese drei Verfahren getrennt dar, weil ihre Vermengung der verbreitete Fehler in der Darstellung dieses Vorgangs ist. NICHT BELEGT ist die Mündungsgeschwindigkeit; die genannten Größenordnungen sind eine Abschätzung dieses Registers für 5,56 × 45 mm NATO aus den angegebenen Lauflängen und ausdrücklich kein Werkswert. WIDERSPRÜCHLICH beziehungsweise unscharf ist die Verwandtschaft mit dem CAR 816: Die Übersichtsdarstellung spricht davon, dass das MK 556 zahlreiche Merkmale mit dem CAR 816 teile und von Haenel in Lizenz für das Mutterhaus Caracal gefertigt werde. Eine Aufstellung, welche Baugruppen gleich und welche verschieden sind, lag NICHT vor; der Eintrag behauptet deshalb weder Baugleichheit noch Eigenständigkeit. ZUR ZURECHNUNG: Die heutige C. G. Haenel GmbH steht in keiner durchgehenden Betriebslinie zu dem Haus, das 1938 den Entwicklungsauftrag für den Maschinenkarabiner erhielt — dazwischen liegen Sequester 1946, Demontage, volkseigener Betrieb und Wiedergründung nach 1990; seit 2007/2008 gehört das Unternehmen über die Merkel-Gruppe zu Caracal International in Abu Dhabi und damit zum EDGE-Konzern. Der Eintrag benennt das ausdrücklich, weil die frühere Fassung die Fortsetzung stärker betonte, als die Zuschreibungsregeln dieses Registers es tragen. ZUR GATTUNG: Die Einordnung als Sturmgewehr folgt der Regel, dass die Patronenklasse entscheidet; die 5,56 × 45 mm NATO ist nach der Systematik dieses Registers eine innere Mittelpatrone. Nachwirkungseintrag — nicht Teil des Untersuchungsraums 1871–1990.
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Technisch ist dieses Gewehr unauffällig, und das ist keine Herabsetzung — es folgt dem Bauprinzip, das für diese Waffenklasse seit Jahrzehnten weltweit üblich ist. Den Lauf schließt hinten eine bewegliche Baugruppe aus zwei Teilen. Der vordere Teil trägt mehrere Nasen, die hinter passende Flächen am hinteren Laufende gedreht sind und ihn dort festhalten; der hintere Teil ist schwerer und führt den vorderen. Während das Geschoss durch den Lauf fliegt, zweigt eine Bohrung in der Laufwand einen Teil der heißen Pulvergase ab. Sie treffen nicht unmittelbar auf die Baugruppe, sondern auf einen kurzen Kolben, der ihr einen Stoß versetzt und dann stehen bleibt; alles Weitere geschieht durch die Bewegung, die dieser Stoß erzeugt hat. Der hintere Teil läuft zuerst ein Stück allein, dann verdreht eine schräge Führung den vorderen und löst dessen Nasen aus den Flächen. Erst danach läuft die ganze Baugruppe zurück, die leere Hülse wird herausgezogen und ausgeworfen, das Schlagsystem gespannt. Eine Feder schiebt alles wieder nach vorn, dabei rutscht die nächste Patrone aus dem Magazin in den Lauf, und der vordere Teil dreht sich zurück hinter die Flächen. Der Schütze kann zwischen Einzelschuss und Dauerfeuer umschalten. Zwei Eigenheiten fallen auf. Die Gasbohrung ist verstellbar: Sitzt ein Schalldämpfer auf der Mündung, staut sich mehr Druck im System, und die Waffe würde ohne gedrosselte Entnahme zu hart arbeiten. Und der Kolben arbeitet nur auf kurzem Weg, statt die ganze Strecke mitzulaufen — das hält die bewegte Masse vorn klein und den heißen Ruß aus dem Inneren der Waffe heraus.
Nachwirkung. Diese Waffe liegt außerhalb des Untersuchungszeitraums 1871–1990. Sie steht hier, weil sie die Fertigungslinie des Registers bis in die Gegenwart fortsetzt — und weil sich an ihr zeigen lässt, wie weit eine solche Fortsetzung trägt.
Konstruktion
Das MK 556 ist ein Gewehr der AR-Bauform: geteiltes Gehäuse aus Ober- und Unterteil, Pistolengriff, Schaft in der Verlängerung der Seelenachse, Normmagazin, durchgehende Montageschiene. Diese Bauform hat sich seit den 1960er Jahren international durchgesetzt, und daran ist nichts Anstößiges; sie zu übernehmen ist heute keine Anleihe, sondern die Voraussetzung dafür, überhaupt anzubieten.
Vom Vorbild der M16 trennt die Waffe ein Merkmal, und es ist das, worauf es in dieser Klasse seit Jahrzehnten ankommt: Statt das abgezweigte Gas durch ein Rohr in den Verschlussträger zu leiten, stößt es einen kurzen Kolben, der seinen Impuls an den Träger übergibt und dann stehen bleibt. Der heiße, rußhaltige Gasstrom bleibt damit im Gasblock. Was dabei zu zahlen ist, ist ein härterer Stoß statt eines gleichmäßigen Schubs und eine stärker beanspruchte Führung des Trägers.
Die zweite Eigenheit ist die verstellbare Gasentnahme. Ihr Zweck ist der Betrieb mit Schalldämpfer. Ein Dämpfer verlängert den Weg, den das Gas nach dem Austritt zurücklegt, und hält den Druck an der Entnahmestelle länger hoch; ohne Drosselung liefe der Verschluss zu schnell und zu weit zurück. Zwei Betriebszustände, ein Regler — die Lösung, für die ältere Konstruktionen zwei verschiedene Federn brauchen.
| MKb 42(H), 1942 | MK 556, heute | |
|---|---|---|
| Grundkonzept | Mittelpatrone, Einzel- und Dauerfeuer, Gasdrucklader | unverändert |
| Verriegelung | Kippblock | Drehkopf mit mehreren Warzen |
| Kolben | Langhub, fest mit dem Träger | Kurzhub, mit Impulsübergabe |
| Patrone | 7,92 × 33 mm Kurz (Kurzpatrone) | 5,56 × 45 mm NATO (innere Mittelpatrone) |
| Gasentnahme | fest | regelbar, für Schalldämpferbetrieb |
| Magazin | hauseigen | Normmagazin nach dem Entwurf der STANAG 4179 |
| Fertigung | Blechpressteile als Neuerung | moderne Fertigungsverfahren, Wechselläufe |
Bemerkenswert ist die erste Zeile. Das Konzept, das 1942 in Suhl formuliert wurde, ist unverändert; Verriegelung, Kolbenbauart, Kaliber und Fertigungsverfahren haben seither jeweils gewechselt. Darauf läuft der Befund hinaus, den dieses Register über die Region zieht: Ihr dauerhafter Beitrag liegt nicht in einzelnen Bauteilen, sondern in Konzepten.
Zur Systematik siehe Ladeprinzipien und Patronenklassen.
Entwicklung
| Zeitpunkt | Vorgang |
|---|---|
| 2017 | Die Bundeswehr beginnt das Vorhaben „System Sturmgewehr Bundeswehr” zur Nachfolge des G36. |
| 14. September 2020 | Das Verteidigungsministerium gibt bekannt, dass das neue Sturmgewehr von C. G. Haenel in Suhl kommen soll, rund 120.000 Stück. Der MK 556 wird als „technisch etwas besser” und „wirtschaftlicher” bewertet als der konkurrierende HK416. |
| Oktober 2020 | Der unterlegene Mitbewerber Heckler & Koch legt Beschwerde ein. Das Ministerium widerruft die Zuschlagsentscheidung wegen des Verdachts auf Patentverletzung. |
| 2020/21 | Externe Patentrechtsgutachter kommen zu dem Ergebnis, dass eine Patentverletzung vorliegt. |
| März 2021 | Das Ministerium schließt Haenel vom Vergabeverfahren aus und will den Auftrag an Heckler & Koch vergeben. |
| 16. November 2021 | Das Landgericht Düsseldorf entscheidet im Verfahren 4a O 68/20, dass die halbautomatische Haenel CR 223 das Patent EP 2 018 508 B1 verletzt. Über das MK 556 entscheidet es nicht. |
| Juni 2022 | Das Oberlandesgericht Düsseldorf weist Haenels sofortige Beschwerde zurück: Der Ausschluss war rechtmäßig. |
| 30. September 2022 | Das Bundespatentgericht hält das Patent in der von Heckler & Koch verteidigten beschränkten Fassung aufrecht; nicht verteidigte Ausführungsformen fallen weg. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. |
| Dezember 2022 | Der HK416 A8 wird als G95A1 und G95KA1 neue Basiswaffe. |
| Anfang 2023 | Vertrag über 118.718 Gewehre, rund 85 Prozent mit 16,5-Zoll-Lauf, Auslieferung ab 2026. |
| Ergebnis | Den Auftrag erhielt Heckler & Koch. Haenel liefert das Standardgewehr der Bundeswehr nicht. |
Siehe dazu die Korrektur zum Vergabeverfahren, mit der dieses Register den früheren, unvollständigen Stand richtiggestellt hat.
Der Patentstreit
Worum es ging, ließ die frühere Fassung dieses Eintrags offen. Es lässt sich benennen.
Streitgegenstand war das europäische Patent EP 2 018 508 B1, das ein Verschlusssystem für Handfeuerwaffen mit Öffnungen zur Ableitung eingedrungener Flüssigkeit schützt. Gemeint ist die Fähigkeit, unmittelbar nach dem Auftauchen zu schießen — im militärischen Sprachgebrauch over the beach. Der technische Kern ist schlicht: Wasser lässt sich nicht zusammendrücken. Steht es im Verschlussbereich, so arbeitet die Baugruppe beim Vorlaufen dagegen, und der Ablauf ist gestört. Öffnungen an der richtigen Stelle lassen es ablaufen, bevor der Verschluss schließt.
Drei Verfahren sind zu trennen, und ihre Vermengung ist der verbreitete Fehler in der Darstellung dieses Vorgangs.
- Das Vergabeverfahren. Gegenstand war das Angebot mit dem MK 556. Das Ministerium stützte den Ausschluss auf Gutachten externer Patentanwälte. Das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigte im Juni 2022, dass der Ausschluss rechtmäßig war.
- Das Verletzungsverfahren. Das Landgericht Düsseldorf entschied am 16. November 2021 im Verfahren 4a O 68/20 über die halbautomatische CR 223 und stellte eine Verletzung fest. Über die vollautomatische MK 556 hat es in diesem Verfahren ausdrücklich nicht entschieden.
- Das Nichtigkeitsverfahren. Haenel griff das Patent seinerseits beim Bundespatentgericht an. Der 7. Nichtigkeitssenat entschied am 30. September 2022 im Verfahren 7 Ni 29/20 (EP). Das Patent fiel nicht, sondern wurde in der beschränkten Fassung aufrechterhalten, die Heckler & Koch verteidigt hatte; im Übrigen wurde es für nichtig erklärt. Gegen das Urteil war die Berufung zum Bundesgerichtshof eröffnet, es war also nicht rechtskräftig.
Wer die Sache verkürzt, verkürzt sie meist in eine von zwei Richtungen: entweder zu „Haenel hat abgekupfert” oder zu „das Patent war ohnehin nichtig”. Beides gibt der Aktenlage nicht her. Was sie hergibt, ist ein bestätigter Ausschluss, eine Verletzungsfeststellung an der zivilen Ausführung und ein in beschränkter Fassung überlebendes Patent.
Fertigung
Die heutige C. G. Haenel GmbH sitzt in Suhl. Sie gehört über die Merkel-Gruppe zu Caracal International in Abu Dhabi und damit zum staatlichen EDGE-Konzern der Vereinigten Arabischen Emirate; der Erwerb der beiden Suhler Häuser erfolgte 2007, die Ausrichtung Haenels auf Verteidigungserzeugnisse 2008. Die Übersichtsdarstellung führt das MK 556 als Erzeugnis, das zahlreiche Merkmale mit dem CAR 816 des Mutterhauses teilt und von Haenel für dieses in Lizenz gefertigt wird. Welche Baugruppen gleich und welche verschieden sind, sagt sie nicht; dieser Eintrag behauptet deshalb weder Baugleichheit noch Eigenständigkeit.
Varianten
| Ausführung | Kennzeichen |
|---|---|
| MK 556 | vollautomatisch, Lauflängen 266, 318, 368 und 408 mm |
| CR 223 | halbautomatische Ausführung für den zivilen und behördlichen Markt; Gegenstand des Verletzungsverfahrens vor dem Landgericht Düsseldorf |
Für die Bestimmung
Diese Waffe ist kein Sammlungsstück, sondern ein Erzeugnis der laufenden Fertigung, und die Fragen, die sich an ihr stellen, sind entsprechend andere als bei einem Altstück. Sie sind dafür schärfer.
- Vollautomat oder Halbautomat? Das MK 556 ist eine Kriegswaffe nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz, die CR 223 ist es nicht. Die beiden sehen einander sehr ähnlich. Bestimmt wird nicht nach dem Aussehen, sondern nach der Abzugsgruppe, der Stellung des Feuerwahlhebels und den zugehörigen Ausnehmungen im Unterteil des Gehäuses. Ein Unterteil mit der Bohrung für die dritte Hebelstellung an einer angeblich halbautomatischen Waffe ist der Befund, auf den es ankommt.
- Woher stammen die wesentlichen Teile? Bei der AR-Bauform sind Lauf, Verschluss und Gehäuse getrennte Handelsgüter, und der weltweite Zubehörmarkt liefert alles davon. Ein Stück kann deshalb aus Teilen mehrerer Herkünfte bestehen, ohne dass es äußerlich auffällt. Geprüft werden Beschriftung und Seriennummer am Gehäuse und ihr Verhältnis zu den Zeichen an Lauf und Verschlusskopf.
- Der Beschuss. Für in Deutschland gefertigte oder eingeführte Waffen ist das Prüfzeichen des zuständigen Beschussamts zu erwarten — für Suhl das dortige. Sein Fehlen ist bei einer Waffe aus laufender Fertigung ein Befund und keine Alterserscheinung.
- Die Reglerstellung und ihre Rastung. Die verstellbare Gasentnahme hat zwei Betriebszustände. Geprüft wird, ob die Rastung noch hält; eine ausgelaufene Rastung stellt sich im Betrieb selbst um und erzeugt Ausfallbilder, die man sonst der Munition anlastet.
- Der Verschlusskopf. An den Warzen und ihren Rastflächen in der Laufverlängerung wird geprüft, ob alle Warzen tragen. Bei einer Waffe, deren Verriegelungskraft in den Lauf und nicht in das Gehäuse läuft, entscheidet dieses Bauteilpaar über alles.
- Der Auswerferstößel und der Verschlussbereich. Der Stößel ist bei dieser Bauform die übliche Ursache unregelmäßigen Auswurfs. Am Verschluss ist außerdem festzustellen, ob er Öffnungen zur Wasserableitung trägt und welcher Bauart sie sind — der Befund ist am Objekt zu erheben und nicht aus der Modellbezeichnung abzuleiten, denn dieses Register weiß nicht, welche Lösung das MK 556 dafür führt. Wo solche Öffnungen sitzen, sind sie zugleich Eintrittswege für Schmutz; verstopfte Öffnungen sind ein Wartungs- und kein Konstruktionsbefund, heben aber die Eigenschaft auf, um derentwillen die Baugruppe gebaut ist.
- Der Betriebsname. Für die historische Zuordnung gilt an dieser Waffe, was am Anfang jeder Zuschreibung in diesem Register steht: Der Name auf dem Gehäuse belegt den heutigen Fertiger, nicht eine Linie zu 1942. Wer ein MK 556 als „Nachfolger des Sturmgewehr 44 aus demselben Haus” beschreibt, beschreibt einen Namen und keinen Betrieb.
Einordnung
1938 erging der Entwicklungsauftrag für den Maschinenkarabiner an C. G. Haenel in Suhl; unter Hugo Schmeisser entstand daraus der MKb 42(H) und das Sturmgewehr 44, die erste in großer Serie gebaute Waffe dieser Gattung.
82 Jahre später hätte ein Betrieb desselben Namens am selben Ort beinahe das Standardgewehr der deutschen Streitkräfte geliefert. Der Zuschlag lag bereits vor und wurde wieder aufgehoben.
Für die Aussagekraft ändert das wenig, für die Genauigkeit alles. Die Suhler Fertigungstradition ist keine abgeschlossene Geschichte; sie war 2020 wettbewerbsfähig genug, eine Ausschreibung zunächst zu gewinnen. Eine Erfolgsgeschichte ist sie trotzdem nicht. Am Ende liefert Heckler & Koch aus Oberndorf, und zwar 118.718 Gewehre.
Zwei Einschränkungen gehören daneben, und beide folgen aus den Zuschreibungsregeln dieses Registers.
Die erste betrifft den Betrieb. Zwischen dem Haus, das 1938 den Entwicklungsauftrag erhielt, und der heutigen C. G. Haenel GmbH liegen Sequester und Demontage 1946, ein volkseigener Betrieb, der unter diesem Namen Luftgewehre und Sportwaffen baute, eine Wiedergründung nach 1990 und seit 2007 die Zugehörigkeit zu einem Konzern in Abu Dhabi. Ein Ort ist kein Betrieb, und eine Namensfortführung ist keine Fertigungslinie. Was in Suhl fortlebt, ist der Waffenbau am Ort — was nicht fortlebt, ist die Firma von 1840.
Die zweite betrifft die Konstruktion. Das MK 556 ist eine Ausführung der international vorherrschenden Bauform und keine eigenständige Antwort. Die einzige Suhler Linie, die sich in ihm wiederfindet, ist die begriffliche: Mittelpatrone, Einzel- und Dauerfeuer, Gasdrucklader. Genau das ist der Befund, den dieses Register über die Region zieht, und er wird nicht dadurch stärker, dass man ihm eine Betriebsgeschichte unterlegt, die es nicht gibt.
Waffenrechtliches
Das MK 556 ist als vollautomatische Handfeuerwaffe eine Kriegswaffe nach dem Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen. Erwerb, Besitz, Überlassung und Beförderung bedürfen einer Genehmigung nach diesem Gesetz; für Privatpersonen kommt sie praktisch nicht in Betracht. Dieses Register führt die Waffe als dokumentiert und ausdrücklich nicht als sammelbar. Die halbautomatische Ausführung CR 223 unterliegt dagegen dem Waffengesetz; halbautomatische Langwaffen mit Wechselmagazin, die einer vollautomatischen Kriegswaffe nachgebildet sind, unterliegen dort eigenen Beschränkungen, ebenso Magazine über zehn Patronen. Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft. Siehe Methodik.
Offene Forschungsfragen. Erstens das Verhältnis zum CAR 816: Welche Baugruppen sind gleich, welche verschieden? Eine belastbare Gegenüberstellung liegt diesem Register nicht vor, und ohne sie bleibt die Frage nach der konstruktiven Eigenständigkeit unbeantwortet. Zweitens der weitere Gang des Patentstreits: Die Entscheidung des Bundespatentgerichts vom 30. September 2022 war nicht rechtskräftig, und ob eine Berufung zum Bundesgerichtshof eingelegt und wie sie entschieden wurde, ist hier nicht nachverfolgt — was nach der Methodik dieses Registers ein Auftrag und keine Entschuldigung ist. Drittens die Frage, ob das MK 556 selbst je Gegenstand einer Verletzungsentscheidung wurde; das Verfahren 4a O 68/20 betraf die CR 223.
Konstruktion
- Verschluss
- Drehkopfverschluss, formschlüssig verriegelt, mit mehreren Verriegelungswarzen. Die Warzen greifen in Rastflächen der Laufverlängerung, nicht in das Gehäuse — der Lauf trägt die Verriegelungskraft also selbst, und das Gehäuse ist von ihr frei. Zweiteiliger Verschluss aus Verschlusskopf und schwererem Verschlussträger; die Drehung besorgt eine Steuerkurve im Träger, die auf einen Steuerbolzen im Kopf wirkt
- Ladeprinzip
- Gasdrucklader mit kurzhubigem Gaskolben (indirekter Gasantrieb), aufschießend, umschaltbar Einzel- und Dauerfeuer. Verriegelungsart und Ladeprinzip sind zwei getrennte Merkmale: verriegelt wird über den Drehkopf, angetrieben wird über abgezweigtes Gas, das einen Kolben stößt und nicht in den Verschlussträger geleitet wird. Kein Laufrücklauf, keine Verzögerungsmasse. Die Gasentnahme ist regelbar, damit die Waffe mit aufgesetztem Schalldämpfer nicht übermäßig hart arbeitet
- Zuführung
- Zweireihiges Stangenmagazin nach dem Entwurf der STANAG 4179 — das Normmagazin dieser Waffenklasse, also nicht das hauseigene Magazin, mit dem Heckler & Koch die HK33 auslieferte
- Abzug
- Umschaltbar Einzel- und Dauerfeuer, beidseitig bedienbarer Feuerwahlhebel. Nach der Werksdarstellung Direktabzug mit rund 32 N Widerstand, wahlweise zweistufig mit rund 15 N Druckpunkt
- Sicherung
- Kombinierter Sicherungs- und Feuerwahlhebel, beidseitig; der Verschlussfang ist gleichfalls beidseitig bedienbar
- Visierung
- Keine mechanische Grundvisierung im herkömmlichen Sinn; durchgehende Montageschiene auf Gehäuse und Handschutz, dazu vier Schienen nach STANAG 4694 am Handschutz für Zieloptik, Nachtsichtgerät und Beleuchtung
Maße und Leistung
- Länge
- 696 bis 923 mm je nach Lauflänge und Schaftstellung (Schiebeschaft mit sechs Rasten, klappbar)
- Lauflänge
- Wahlweise 408 mm (16″), 368 mm (14,5″), 318 mm (12,5″) und 266 mm (10,5″); kaltgehämmert, Dralllänge 178 mm
- Gewicht
- 3,35 bis 3,6 kg je nach Lauflänge
- Magazin
- 30 Patronen, Normmagazin nach dem Entwurf der STANAG 4179
- V₀
- Nicht belegt. Für 5,56 × 45 mm NATO aus 408 mm Lauf liegt die Größenordnung bei 900 bis 940 m/s, aus 266 mm entsprechend deutlich darunter; Abschätzung dieses Registers und kein Werkswert
- Kadenz
- rund 900 Schuss/min in der Ausführung mit Dauerfeuer
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Ausgangslage — verriegelt, Hahn gespannt
Die Patrone liegt im Lager. Die Warzen des Verschlusskopfs stehen hinter den Rastflächen der Laufverlängerung; die Verriegelungskraft läuft damit unmittelbar in den Lauf und belastet das Gehäuse nicht. Der Verschlussträger liegt vorn, sein Steuerbolzen hält den Kopf gedreht. Aufschießend heißt: Der Verschluss ist vor dem Schuss geschlossen — der Grund, warum diese Bauart im Einzelfeuer genauer trifft als eine zuschießende Maschinenpistole.
- 2
Auslösen
Der Feuerwahlhebel gibt den Abzugsweg frei, die Abzugsstange verlässt die Spannrast, der Hahn schlägt auf den Schlagbolzen im Verschlusskopf. Dieser kann den Stoßboden nur erreichen, wenn der Kopf vollständig gedreht ist — eine Zündung bei offenem Verschluss ist ausgeschlossen.
- 3
Gasentnahme und ihre Regelung
Erst nachdem das Geschoss die Entnahmebohrung passiert hat, strömt Gas in den Gasblock über dem Lauf; ein Regler bestimmt, wie viel davon auf den Kolben wirkt. Der Grund ist strömungstechnisch: Ein Schalldämpfer verlängert den Weg des Gases nach dem Austritt und hält den Druck an der Entnahmestelle länger hoch. Ohne Drosselung liefe der Verschluss zu weit zurück.
- 4
Kurzhub des Kolbens und Übergabe des Impulses
Der Kolben läuft nur eine kurze Strecke, stößt gegen den Verschlussträger und bleibt dann stehen; den Rest legt der Träger allein aus der aufgenommenen Bewegung zurück. Zweierlei folgt daraus. Der heiße, rußhaltige Gasstrom bleibt im Gasblock und gelangt nicht in das Innere der Waffe, wie es bei der unmittelbaren Gasabnahme der M16 geschieht; und die vorn bewegte Masse bleibt klein. Der Preis ist ein Stoß statt eines gleichmäßigen Schubs — ein Kurzhubkolben verlangt eine kräftigere Führung des Trägers.
- 5
Leerweg des Trägers
Der Träger läuft zunächst zurück, ohne den Verschlusskopf zu drehen; die Steuerkurve hat an ihrem vorderen Ende einen geraden Abschnitt. Dieser Leerweg ist die Vorentspannung der Konstruktion — er verschafft dem Restdruck im Lauf Zeit, bevor die Verriegelung gelöst wird.
- 6
Drehentriegelung ohne Erstauszug
Die schräge Kurve im Träger nimmt den Steuerbolzen des Verschlusskopfs mit und dreht diesen aus den Rastflächen. Ein Erstauszug entsteht dabei NICHT: Die Warzen der AR-Bauform stehen mit rechtwinkligen Auflageflächen in der Laufverlängerung, die Drehung zieht den Kopf also nicht zugleich zurück. Das unterscheidet die Bauart vom Zylinderverschluss, dessen schräge Steuerfläche die Hülse beim Drehen bereits löst. Gelöst wird sie hier erst, wenn der Träger den Kopf mitnimmt — möglich, weil die Verriegelung bis zum Druckabfall formschlüssig steht. Aus eben diesem Grund und nicht wegen einer Auszugshilfe erübrigt sich das genutete Patronenlager, das rollenverzögerte Waffen brauchen.
- 7
Rücklauf, Auszug, Auswurf
Erst jetzt nimmt der Träger den Kopf mit. Die Auszieherkralle hält den Hülsenrand, den sie beim Zuführen übergriffen hat; ein federbelasteter Auswerferstößel drückt gegen den Hülsenboden und kippt die Hülse aus, sobald der Rand die Kralle freigibt. In diesem Bereich liegen bei Waffen der AR-Bauform die Öffnungen, über die eingedrungenes Wasser ablaufen soll — der Gegenstand des Patents, an dem die Bundeswehr-Vergabe scheiterte. WIE das MK 556 selbst diese Aufgabe löst, ist diesem Register nicht bekannt; die Fachberichterstattung hält ausdrücklich fest, dass MK 556 und CR 223 dafür verschiedene technische Lösungen tragen können.
- 8
Spannen, Unterbrecher und Fangrast
Der zurücklaufende Träger drückt den Hahn nieder. In Stellung Einzelfeuer fängt ihn bei gezogenem Abzug nicht die Abzugsstange, sondern der Unterbrecher an einer zweiten Rast; erst wenn der Finger nachlässt, wird der Hahn übergeben. In Stellung Dauerfeuer entfällt die Unterbrechung, und den Hahn hält eine Fangrast, die der vorlaufende Träger erst in der vorderen Endlage auslöst — dadurch kann keine Zündung vor dem Verriegeln stattfinden.
- 9
Vorlauf, Zuführung, Verriegeln, Verschlussfang
Die Schließfeder treibt den Träger vor. Der Stoßboden nimmt die oberste Patrone aus dem zweireihigen Magazin; die Magazinlippen führen die beiden Reihen oben zu einer zusammen, die Patrone läuft schräg über die Zuführrampe in den Übergangskonus und richtet sich waagerecht aus. Zuletzt dreht die Steuerkurve den Verschlusskopf hinter die Rastflächen. Ist das Magazin leer, hebt der Zubringer den Verschlussfang.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verriegelt: Die Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter den Rastflächen des Gehäuses. Der Lauf steht fest — er läuft nicht mit zurück.
- 2 Gasentnahme: Hinter dem Geschoss strömt ein Teil der Pulvergase durch die Laufbohrung in den Gaszylinder und treibt den Kolben zurück. Der Kolben ist fest mit dem Verschlussträger verbunden (Langhub).
- 3 Entriegelung: Eine Steuerkurve im Träger dreht den Verschlusskopf aus den Rastflächen; erst danach nimmt der Träger ihn nach hinten mit.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
Maschinenkarabiner 42(H) und Sturmgewehr 44
C. G. Haenel · Deutschland (Suhl) · 1942- System
- Gasdrucklader mit Langhubkolben, Kippblockverriegelung, 7,92 × 33 mm Kurz
- Unterschied
- Derselbe Firmenname, derselbe Ort, 74 Jahre Abstand — aber keine durchgehende Betriebslinie, sondern Sequester 1946, Demontage, volkseigener Betrieb und Wiedergründung nach 1990. Geblieben ist das Grundkonzept: Mittelpatrone, Einzel- und Dauerfeuer, Gasdrucklader. Gewechselt haben Verriegelungsart (Kippblock zu Drehkopf), Kolbenbauart (Langhub zu Kurzhub), Patronenklasse (Kurzpatrone zu innerer Mittelpatrone) und Fertigungsverfahren.
- Befund
- Der Vergleich zeigt, wie stabil das 1942 in Suhl formulierte Konzept ist: Die Merkmale, die es ausmachen, haben drei Generationen von Konstruktionsänderungen überdauert. Über die Zurechnung des heutigen Betriebs zum damaligen sagt er nichts.
Heckler & Koch HK33
Heckler & Koch GmbH · Deutschland (Oberndorf am Neckar) · 1968- System
- Rollenverzögerter Masseverschluss, 5,56 × 45 mm NATO
- Unterschied
- Dieselbe Patrone und dieselbe Gattung, zwei entgegengesetzte Antworten auf dieselbe Frage. Die HK33 verriegelt gar nicht, sondern verzögert über Rollen und muss die Hülse deshalb unter Restdruck aus einem genuteten Patronenlager ziehen; das MK 556 verriegelt formschlüssig und gewinnt seine Vorentspannung aus dem Leerweg des Trägers. Die HK33 nimmt kein Normmagazin, das MK 556 nimmt nur eines.
- Befund
- Der Vergleich ordnet den Abstand: Zwischen beiden liegen fast fünfzig Jahre, in denen sich die Bauform, das Magazin und die Zurüstschnittstelle durchgesetzt haben, nicht aber eine bestimmte Verriegelung. Über die Gattung entscheidet weiterhin die Patrone.
MPi AK-74N / MPi AKS-74N
VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa · DDR · 1985- System
- Gasdrucklader mit Langhubkolben, Drehkopfverschluss, 5,45 × 39 mm
- Unterschied
- Die letzte Standardwaffe der NVA und die erste ernstzunehmende deutsche Sturmgewehrentwicklung danach unterscheiden sich weniger, als die politische Distanz vermuten lässt: beide Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss und innerer Mittelpatrone. Getrennt sind sie in der Kolbenbauart — Langhub, fest mit dem Träger verbunden, gegen Kurzhub mit Impulsübergabe — und in der Regelbarkeit der Gasentnahme.
- Befund
- Ein Beleg dafür, dass die Systemfrage — Kolben oder direkte Gasabnahme, Drehkopf oder anderes — quer zu den Blockgrenzen verlief.
M16 / AR-15
Colt und zahlreiche Lizenznehmer · USA · 1963- System
- Gasdrucklader mit unmittelbarer Gasabnahme und Drehkopfverschluss, 5,56 × 45 mm NATO
- Unterschied
- Die Bauform, aus der das MK 556 hervorgeht: geteiltes Gehäuse aus Ober- und Unterteil, Pistolengriff, Schaft in der Verlängerung der Seelenachse, Normmagazin. Der eine wesentliche Unterschied ist der Antrieb — statt das Gas in den Verschlussträger zu leiten, stößt es hier einen kurzen Kolben. Der Ruß bleibt damit vorn.
- Befund
- Das MK 556 ist keine eigenständige Bauform, sondern eine Ausführung der international vorherrschenden. Für den Registerzusammenhang ist das die nüchterne Antwort auf die Frage nach der Suhler Fortsetzung: Was fortlebt, ist ein Betriebsname an einem Ort, nicht eine Konstruktionslinie.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
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Der Kurzhubkolben stößt, statt zu schieben
Ein Kolben, der nur auf kurzem Weg wirkt und dann stehen bleibt, gibt seinen Impuls in kurzer Zeit ab. Die Beschleunigung des Trägers ist entsprechend höher als bei einem Langhubkolben, der über die ganze Strecke mitläuft. Die Bauart hält dafür den Ruß aus dem Verschluss heraus und die Masse vorn klein; sie beansprucht aber die Führung des Trägers stärker und neigt bei unpassender Auslegung zum Verkanten des Trägers im Gehäuse. Der Zielkonflikt gehört zur Bauart und nicht zu dieser Waffe.
plausibel
-
Die regelbare Gasentnahme ist eine Einstellung, die falsch stehen kann
Was mit Schalldämpfer richtig ist, ist ohne ihn zu wenig, und umgekehrt. Ein Regler, der auf Dämpferbetrieb steht, während kein Dämpfer aufsitzt, führt zu Ladehemmungen; einer, der auf offenen Betrieb steht, während ein Dämpfer aufsitzt, führt zu übermäßig hartem Lauf. Beide Fehler sind der Waffe von außen anzusehen — vorausgesetzt, man weiß, wo der Regler sitzt und was seine Stellungen bedeuten. Für die Zustandsbeurteilung heißt das: Die Reglerraste wird geprüft, denn eine ausgelaufene Rastung stellt sich im Betrieb selbst um.
plausibel
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Bauform und Teileverwandtschaft schneiden die Verwechslungsgefahr ein
Die Waffe ist der AR-Bauform so nahe, dass ein erheblicher Teil ihrer Teile dem weltweit verbreiteten Zubehör- und Ersatzteilmarkt entspricht. Für den Betrieb ist das ein Vorteil, für die Begutachtung eine Schwierigkeit: Ein Stück lässt sich aus Teilen verschiedener Herkunft zusammensetzen, und gerade an dieser Bauform ist der Übergang vom halbautomatischen zum vollautomatischen Zustand konstruktiv kurz. Das ist keine Schwäche der Konstruktion, wohl aber eine Eigenschaft, die bei jeder Bestimmung an dieser Waffe zählt.
plausibel
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Der Patentvorwurf betraf eine Baugruppe und nicht eine Randfrage
Gegenstand des Streits war ein Verschlusssystem mit Öffnungen zur Wasserableitung. Ein Gewehr, das nach dem Auftauchen sofort schussfähig sein soll, muss das Wasser aus dem Verschlussbereich loswerden, bevor der Verschluss vorläuft; sonst arbeitet er gegen eine Flüssigkeit, die sich nicht zusammendrücken lässt. Die Lösung sitzt damit nicht am Zubehör, sondern im Kern der beweglichen Baugruppe — und das ist der Grund, warum der Vorwurf das Angebot als Ganzes traf und sich nicht durch eine kleine Änderung ausräumen ließ.
plausibel
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Ein Betriebsname ohne durchgehende Betriebslinie
Der Betrieb, der 1938 den Entwicklungsauftrag für den Maschinenkarabiner erhielt, wurde 1946 sequestriert und weitgehend demontiert; die Anlagen gingen als Reparationsleistung in die Sowjetunion. Was in der DDR unter dem Namen Haenel lief, waren Luftgewehre und Sportwaffen im volkseigenen Betrieb. Die heutige C. G. Haenel GmbH ist eine Gründung nach 1990 und gehört seit 2007/2008 über die Merkel-Gruppe zu Caracal International in Abu Dhabi, das seinerseits zum staatlichen EDGE-Konzern der Vereinigten Arabischen Emirate zählt. Für dieses Register ist das keine Nebensache: Nach der vierten Zuschreibungsregel ist ein Ort kein Betrieb, und eine Namensfortführung ist keine Fertigungslinie.
plausibel
Verwendung
- Am 14. September 2020 als Sieger der Bundeswehr-Ausschreibung zur Nachfolge des G36 bekanntgegeben — als „technisch etwas besser" und „wirtschaftlicher" bewertet als das konkurrierende Angebot über rund 120.000 Gewehre
- Im Oktober 2020 Widerruf der Zuschlagsentscheidung wegen des Verdachts auf Patentverletzung, nachdem der unterlegene Mitbewerber Heckler & Koch Beschwerde eingelegt hatte
- Im März 2021 schloss das Verteidigungsministerium Haenel vom Verfahren aus; das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigte den Ausschluss im Juni 2022 als berechtigt. Den Auftrag erhielt Heckler & Koch — Ende 2022 als G95A1 und G95KA1 auf Grundlage des HK416 A8, Anfang 2023 unter Vertrag über 118.718 Gewehre
- Polen: 546 Waffen im Jahr 2019 beschafft; Ukraine: nach der Übersichtsdarstellung mehr als 5.800 Waffen bis März 2025 geliefert
- Zivile und behördliche Ausführungen werden weiter angeboten
Quellen
- [Online] Wikipedia (en) — Haenel MK 556 , Kurzhubiger Gaskolben mit vom Nutzer verstellbarer Gasentnahme, geschlossener Drehkopfverschluss; kaltgehämmerter Lauf mit Dralllänge 178 mm, A2-Mündungsfeuerdämpfer; Magazine nach dem Entwurf der STANAG 4179, 30 Patronen; Lauflängen 408, 368, 318 und 266 mm, Gewicht 3,35 bis 3,6 kg, Gesamtlänge 696 bis 923 mm, Kadenz 900 Schuss/min; sechsfach verstellbarer Schiebeschaft, vier Schienen nach STANAG 4694; Direktabzug 32 N (die zweistufige Ausführung mit 15 N Druckpunkt nennt die Werksdarstellung); zahlreiche gemeinsame Merkmale mit dem CAR 816 und Lizenzfertigung für Caracal unter EDGE-Eigentum; Patent EP 2 018 508 B1 und Teilnichtigerklärung durch das Bundespatentgericht im September 2022; Polen 546 Waffen 2019, Ukraine über 5.800 Waffen bis März 2025 Link
- [Online] soldat-und-technik.de — System Sturmgewehr Bundeswehr — C.G. Haenel gewinnt Ausschreibung um die G36-Nachfolge Link
- [Online] Augen geradeaus! — Sturmgewehr-Streit: Etappensieg im Patentstreit für Heckler&Koch , Das europäische Patent EP 2 018 508 B1 schützt ein Waffenverschlusssystem mit Öffnungen zur Wasserableitung („over the beach"); das Landgericht Düsseldorf entschied am 16. November 2021 im Verfahren 4a O 68/20, dass die halbautomatische Haenel CR 223 dieses Patent verletzt. Über die vollautomatische MK 556 wurde in diesem Verfahren nicht entschieden; eine Nichtigkeitsklage Haenels lief parallel beim Bundespatentgericht Link
- [Online] Bundespatentgericht — Urteil des Bundespatentgerichts im Rechtsstreit über ein für eine Waffe erteiltes Patent (Pressemitteilung vom 30. September 2022) , 7. Nichtigkeitssenat, Verhandlung im Rechtsstreit C. G. Haenel GmbH gegen Heckler & Koch GmbH über den deutschen Teil des europäischen Patents 2 018 508 (DE 50 2007 002 683); Gegenstand ist ein Verschlusssystem für Handfeuerwaffen und das Problem eindringender Flüssigkeiten. Das Patent wurde in beschränkter Fassung aufrechterhalten; nicht verteidigte Ausführungsformen wurden für nichtig erklärt. Die Entscheidung war nicht rechtskräftig Link
- [Online] soldat-und-technik.de — G95A1 und G95KA1 — HK416A8 wird neue Basiswaffe System Sturmgewehr der Bundeswehr , Ende 2022 Billigung durch Haushalts- und Verteidigungsausschuss; Bestellung von 118.718 Gewehren, davon rund 85 Prozent als G95A1 mit 16,5-Zoll-Lauf und der Rest als Kurzausführung G95KA1 mit 14-Zoll-Lauf; Auslieferung ab 2026 Link
- [Online] C. G. Haenel — Produktdarstellung MK556 Link
- [Online] Wikipedia (en) — Caracal International , Merkel und C. G. Haenel als Tochterunternehmen Caracal Internationals, Caracal seinerseits Tochter des staatlichen EDGE-Konzerns der Vereinigten Arabischen Emirate. Ein Erwerbsjahr nennt diese Fundstelle NICHT; die im Eintrag geführte Angabe 2007 stammt aus der allgemeinen Fachberichterstattung und ist hier nicht einzeln belegt Link
- [Online] Bundesministerium der Justiz — Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen, Anlage (Kriegswaffenliste) Link