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OD WH

Nachwirkung · Deutschland (Oberndorf am Neckar)

Heckler & Koch G3

Fertigung
Heckler & Koch GmbH
Kaliber
7,62 × 51 mm NATO
Zeitraum
1959–…
Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden

Dieser Eintrag stützt sich auf zugängliche Netz- und Sekundärdarstellungen, auf einen forensischen Fachaufsatz und auf Werkstattquellen des Ersatzteilhandels. Eine Werksquelle von Heckler & Koch lag NICHT vor, ebenso wenig ein Objektbefund; kein Stück wurde eingesehen oder vermessen. MEHRFACH ÜBEREINSTIMMEND BELEGT sind: die Entwicklungslinie StG 45(M) bei Mauser unter Ludwig Vorgrimler, deren Weg über Frankreich (AME 49) nach Spanien (CETME) und die Rückführung als G3, die Einführung bei der Bundeswehr im Januar 1959, die rollenverzögerte Bauart mit feststehendem Lauf, das genutete Patronenlager, die wechselbare Abzugsgruppe und die Ablösung durch das G36. Die Zahl der Nuten (zwölf für die gesamte G3-Reihe, achtzehn für die HK33-Familie), ihre Breite von 0,54 mm und das Ende rund 13 mm vor dem Hülsenboden stammen aus einer forensischen Fachveröffentlichung und sind die am besten gestützte technische Einzelangabe dieses Eintrags. WIDERSPRÜCHLICH ist das Verzögerungsverhältnis, und zwar dreifach: Die englischsprachige Übersichtsdarstellung zum G3 nennt 4:1, die deutschsprachige Darstellung derselben Waffe 1:3,4, die deutschsprachige Systematik des Rollenverschlusses allgemein „ca. 3:1" ohne Modellzuordnung. GEMESSEN ist keine der drei Zahlen, und sie stehen hier nebeneinander. Hierzu gehört eine Berichtigung in eigener Sache: Die Belegnotiz des HK33-Eintrags führt die 4:1 auf die deutschsprachige Systematik des Rollenverschlusses zurück; dort steht diese Zahl nach dem für diesen Eintrag eingesehenen Stand NICHT, sondern die allgemeine Angabe „ca. 3:1". Die Fundstelle für 4:1 ist die englischsprachige Darstellung. NICHT BELEGT sind die Massen von Verschlusskopf und Verschlussträger: Keine der eingesehenen Darstellungen nennt sie. Ohne diese Massen ist aus einem Verzögerungsverhältnis keine Öffnungszeit zu rechnen, und der Eintrag setzt deshalb keine Zahlen ein. Der im Text geführte Zusammenhang, dass die wirksame Trägermasse mit dem QUADRAT der Übersetzung wächst, ist eine Rechnung dieses Registers nach der beim StG 45 hergeleiteten Beziehung und keine Quellenaussage. Die Winkelangabe von 45 Grad für das Schließstück des G3 stammt aus einem Sammlerforum, nicht aus einer Werksquelle; ungeklärt ist dabei sogar, ob sie den Gesamtwinkel des Keils oder den Winkel einer Flanke zur Seelenachse bezeichnet. Der Rollendurchmesser von nominell 8,00 mm und die Staffelung in Schritten von 0,02 mm sind durch mehrere voneinander unabhängige Ersatzteilhändler gedeckt, aber nicht durch eine Werksquelle. DER SOLLBEREICH DES VERSCHLUSSABSTANDS beruht auf einer einzigen, unmittelbar abrufbaren Werkstattanleitung; sie nennt 0,25 bis 0,50 mm (0,010 bis 0,020 Zoll), gibt diese Grenzen ausdrücklich für sämtliche rollenverzögerten HK-Waffen von der MP5 bis zum G3 an und behandelt sie als Gut-/Ausschuss-Maß. Eine Werks- oder Armorer's-Manual-Angabe liegt diesem Register NICHT vor; eine frühere Fassung dieses Eintrags nannte einen Sollbereich von 0,3 bis 0,5 mm sowie einen angeblich abweichenden Bereich von 0,004 bis 0,020 Zoll aus einem zitierten Armorer's Manual — beides steht in der Quelle nicht und ist gestrichen. Die Angabe, der Auswerfer sitze als Hebel in der Abzugsgruppe und werde vom zurücklaufenden Verschluss betätigt, stammt aus der englischsprachigen Übersichtsdarstellung zur HK33 und aus Ersatzteilkatalogen; sie gilt der Bauartfamilie und ist am G3 hier nicht gesondert nachgeprüft. ZUR FERTIGUNG: Der Erstauftrag von 150.000 Waffen an Heckler & Koch, die rund 500.000 bei Rheinmetall gefertigten Waffen der 1960er Jahre, die Abgabe von vier Mark je Waffe an den Bund und die Einigung von 1969 (Rheinmetall behält das MG 3, Heckler & Koch wird alleiniger G3-Fertiger) stammen aus einer englischsprachigen Netzdarstellung, die sich ihrerseits auf R. Blake Stevens' Darstellung des Rollenverschlusses stützt. Die Abgabe der Rechte durch den Bund an Heckler & Koch im Jahr 1977 steht dort NICHT; sie stammt aus der englischsprachigen Übersichtsdarstellung. Eine frühere Fassung dieses Eintrags führte 1969 als Rechtetausch und schrieb beide Angaben derselben Quelle zu — das war falsch, weil die Rechte in beiden Fällen beim Bund lagen und nicht bei Rheinmetall. Eine Werks- oder Beschaffungsakte lag nicht vor. Die Gesamtstückzahl schwankt zwischen „rund sieben Millionen" und „über 7,8 Millionen" und ist NICHT ERMITTELBAR. ZUR GATTUNG: Die Einordnung als Selbstladegewehr folgt der Regel, dass die Patronenklasse entscheidet; 7,62 × 51 mm NATO ist die volle Gewehrpatrone. Der Eintrag stand bis vor Kurzem anders. ZUR ZURECHNUNG: Die Herleitung der Rollenidee aus dem MG 42 ist in der Literatur verbreitet, die Urheberschaft der MG-42-Rollenverriegelung selbst jedoch unbekannt, und die entscheidende Umdeutung von Verriegelung zu Verzögerung stammt von Mauser. Für den Untersuchungsraum belegt ist die Serienfertigung der Rollenanordnung in Döbeln, nicht ihre Erfindung; dass die Mauser-Konstrukteure das MG 42 als Vorbild vor sich hatten, ist mit keiner Werksquelle belegt. Die Zurechnung ist deshalb ausdrücklich als indirekt geführt.

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Das G3 kommt ohne jedes Gassystem aus: keine Bohrung im Lauf, kein Kolben, kein Rohr. Es nutzt allein den Rückstoß und muss deshalb selbst dafür sorgen, dass der Lauf nicht zu früh aufgeht. Fest zugesperrt wird er nie — die Waffe bremst nur. Der Lauf bewegt sich auch nicht, er sitzt fest im Gehäuse. Das Stück, das ihn hinten zuhält, besteht aus zwei Teilen: vorn ein leichter Kopf, der an der Patrone anliegt, dahinter ein schweres Trägerstück mit einem keilförmigen Fortsatz. Der Keil greift zwischen zwei Rollen, die seitlich im Kopf sitzen, und drückt sie nach außen gegen schräge Flächen am hinteren Laufende. Beim Schuss schiebt der Druck den Kopf nach hinten. Vorankommen kann er nur, wenn die Rollen an den Schrägen nach innen ausweichen, und jedes Stück, das sie nach innen gehen, wirft das schwere Trägerstück ein Mehrfaches davon nach hinten. Der leichte Kopf muss also erst die große Masse dahinter beschleunigen, bevor er selbst Weg macht. Diese Arbeit ist die Bremse, und sie hält so lange vor, bis der Druck gefallen ist. Danach laufen beide Teile gemeinsam zurück, die leere Hülse fliegt aus, eine Feder schiebt alles wieder vor, der Keil drückt die Rollen erneut nach außen. Ein Merkmal fällt jedem auf, der die Hülsen aufhebt: Sie tragen dunkle Längsstreifen aus Rillen im hinteren Laufstück, in dem die Patrone sitzt. Diese Rillen braucht die Bauart, weil die Hülse noch unter Druck herausgezogen wird; durch sie strömt Gas außen an ihr entlang und löst sie von der Wand. Nach dem letzten Schuss bleibt der Verschluss vorn: Einen Fang für das leere Magazin hat die Waffe nicht.

Nachwirkung. Gefertigt in Oberndorf am Neckar und damit außerhalb des Untersuchungsraums. Der Eintrag steht hier, weil das konstruktive Prinzip auf eine Waffe aus dem Untersuchungsraum zurückgeht.

Die Rollenlinie dieses Registers hat sechs Stationen, und das G3 ist die vierte. Vor ihm stehen das MG 42 von 1942 aus Döbeln, formschlüssig verriegelt; das StG 45(M) von 1944/45 aus Oberndorf, nur noch verzögert und für die Kurzpatrone; der CETME Modelo 58 von 1958 aus Madrid, mit gedrosselter Gewehrhülse. Nach ihm folgen MP5 und HK33. Lückenlos ist die Reihe nicht: Zwischen Döbeln und Oberndorf liegt genau die Stelle, für die der MG-42-Eintrag festhält, dass die Übernahme nirgends mit einer Werksquelle belegt ist. Was die Reihe zusammenhält, ist die Bauform des Verschlusses und kein nachgewiesener Weg.

Entwicklung

Die Frage, wie Heckler & Koch mit der ostdeutschen Waffenfertigung zusammenhängt, hat eine konkrete Antwort. Sie führt über vier Stationen und zwei Länder:

Entwicklung
StationOrtWas geschah
1942Döbeln, SachsenDas MG 42 verriegelt mit Rollen
1944/45OberndorfMauser deutet das Prinzip beim StG 45(M) von Verriegelung zu Verzögerung um — Konstrukteur Ludwig Vorgrimler
1949/50FrankreichVorgrimler arbeitet am AME 49; nicht beschafft
1950erSpanienVorgrimler entwickelt bei CETME daraus ein Selbstladegewehr
1959OberndorfAus der auf 7,62 × 51 mm NATO umgestellten CETME wird das G3

Das Prinzip reiste also aus Sachsen über Württemberg, Frankreich und Spanien zurück nach Württemberg.

Der letzte Schritt war zuerst eine Lizenzfrage und erst danach eine technische. Die Rechte an der CETME-Konstruktion außerhalb Spaniens lagen bei der niederländischen Nederlandse Wapen- en Munitiefabriek; die Bundesrepublik löste das nach der englischsprachigen Darstellung über Lieferverträge für 20-mm-Munition an die Luftwaffe. Von Herbst 1956 bis Januar 1957 lief der Truppenversuch mit dem CETME Modelo A, im Januar 1959 folgte die Einführung.

Zurechnung mit Vorsicht. Die Verbindung ist real, aber indirekt. Der Konstrukteur der MG-42-Rollenverriegelung ist unbekannt, und die entscheidende konstruktive Leistung, die Umdeutung von formschlüssiger Verriegelung zu bloßer Verzögerung, stammt von Mauser und nicht aus Döbeln. Das Register führt die Linie deshalb als Nachwirkung, nicht als Herkunft.

Konstruktion

Der Unterschied zum Ursprung ist der Kern der Sache und wird oft verwischt:

  • MG 42: Die Rollen werden in Ausnehmungen gedrückt und sperren formschlüssig. Der Verschluss kann sich nicht öffnen, solange sie außen sind.
  • G3: Die Rollen stützen sich an schrägen Flächen ab. Sie sperren nicht, sie übersetzen. Um den leichten Verschlusskopf ein Stück zu bewegen, muss der schwere Träger ein Vielfaches davon zurücklegen und dafür stark beschleunigt werden. Das kostet Zeit, und diese Zeit ist die Verzögerung.

Ein rollenverzögerter Verschluss ist damit streng genommen ein Masseverschluss, nur einer, der seine Masse mechanisch übersetzt statt sie einfach zu vergrößern. Siehe Verschlusssysteme.

Zwei Merkmalsachsen sind dabei auseinanderzuhalten, weil sie im Sprachgebrauch regelmäßig zusammenfallen. Die erste ist die Verriegelungsart: Das G3 ist unverriegelt. Die zweite ist das Ladeprinzip: Es ist ein reiner Rückstoßlader mit feststehendem Lauf. Beides muss getrennt benannt werden, denn beide Achsen sind unabhängig besetzbar. Das Gewehr 43 ist gasbetrieben und verriegelt, das FG 42 ebenso, die Makarow rückstoßbetrieben und unverriegelt, die Steyr GB rückstoßbetrieben, unverriegelt und zusätzlich gasgebremst. „Rückstoßlader” allein sagt über die Verriegelung nichts.

Am Objekt hängt alles an einem einzigen Maß. Der Verschlussabstand (der Spalt zwischen Verschlusskopf und Verschlussträger bei angelegten Rollen) bestimmt, wie weit die Rollen vorstehen, und damit die gesamte Bremswirkung. Die deutschsprachige Systematik formuliert das knapp: Ist das Spiel zu klein oder zu groß, werden die Rollen nicht mehr richtig in das Steuerstück gedrückt. Eingestellt wird es über gestaffelte Rollen, nicht über Nacharbeit an den Widerlagern.

Drei Zahlen für dieselbe Übersetzung

Wie stark die Übersetzung ist, sagt jede Darstellung, und keine dieselbe Zahl.

Drei Zahlen für dieselbe Übersetzung
FundstelleAngabeGilt laut Quelle für
englischsprachige Übersichtsdarstellung zum G34:17,62 × 51 mm NATO
deutschsprachige Darstellung zum G31:3,4dieselbe Waffe
deutschsprachige Systematik des Rollenverschlussesca. 3:1die Bauart allgemein, ohne Modell
englischsprachige Übersichtsdarstellung zur HK333:15,56 × 45 mm

Ein Streit um eine Nachkommastelle wäre das nur, wenn die Wirkung linear mit dem Verhältnis wüchse. Sie tut es nicht.

Eigene Rechnung, keine Quellenaussage. Nach der beim StG 45 hergeleiteten Beziehung wirkt der Verschlussträger nicht mit seiner Masse, sondern mit dem Quadrat der Übersetzung darauf. Bei 4:1 wirkt er wie die sechzehnfache Masse, bei 3,4:1 wie die 11,6-fache, bei 3:1 wie die neunfache. Zwischen der höchsten und der niedrigsten überlieferten Angabe liegt damit ein Faktor von 1,8 in der wirksamen Masse. Welche der drei Zahlen stimmt, entscheidet über die Größenordnung der Öffnungszeit und nicht über eine Feinheit. Die Rechnung selbst ersetzt keine Messung; sie zeigt nur, wie teuer die Quellenunsicherheit an dieser Stelle ist.

Auflösen lässt sich der Widerspruch hier nicht, und zwar aus einem benennbaren Grund: Keine der eingesehenen Darstellungen nennt die Massen von Verschlusskopf und Verschlussträger. Ohne sie ist aus einem Verhältnis keine Zeit zu gewinnen. Zwei zerlegte Verschlüsse und eine Waage würden die Frage in einer Viertelstunde entscheiden.

Ein zweiter Punkt gehört dazu, weil er dieses Register selbst betrifft. Der HK33-Eintrag führt die Angabe 4:1 in seiner Belegnotiz auf die deutschsprachige Systematik des Rollenverschlusses zurück. Dort steht sie nach dem hier eingesehenen Stand nicht; dort steht „ca. 3:1” für die Bauart allgemein. Die Fundstelle für 4:1 ist die englischsprachige Darstellung zum G3. Der Befund ändert an der Sache nichts, an der Nachprüfbarkeit aber viel.

Fertigung

Gefertigt wurde das G3 von Beginn an in zwei Häusern. Ende Januar 1959 erhielt Heckler & Koch nach der englischsprachigen Werksdarstellung den ersten größeren Auftrag über 150.000 Waffen, kurz darauf Rheinmetall einen vergleichbaren; in den 1960er Jahren lieferte Rheinmetall rund 500.000 Stück bei etwa 8.000 Waffen im Monat.

Die Fertigungsrechte lagen dabei nicht bei den Fertigern, sondern beim Bund: Heckler & Koch führte nach derselben Darstellung je Waffe vier Mark an ihn ab. Was 1969 endete, war deshalb nicht ein Recht, sondern eine Fertigung. Heckler & Koch unterbot in jenem Jahr die bis dahin allein bei Rheinmetall liegende MG-3-Fertigung; die Häuser einigten sich darauf, dass Rheinmetall das MG 3 behielt und Heckler & Koch alleiniger G3-Fertiger für die Bundeswehr wurde. Die Rechte selbst gab der Bund nach der englischsprachigen Übersichtsdarstellung erst 1977 an Heckler & Koch ab.

Für die Bestimmungsarbeit folgt daraus ein Satz, der dem Karabiner-98a-Fall ähnelt: Nicht jedes G3 ist ein Heckler & Koch. Ein Stück aus der ersten Dekade kann aus Düsseldorf stammen, und die Lizenzfertigungen kommen hinzu.

Varianten

Die Bezeichnungen folgen der Schaftbauform und nicht dem Verschluss, der über die gesamte Reihe derselbe blieb.

Varianten
BezeichnungMerkmal
G3Holzschaft, Klappvisier
G3A1Schiebeschaft aus Metall
G3A2fester Schaft, Drehtrommelvisier
G3A3Kunststoffschaft, frei schwingender Lauf, Drehtrommelvisier
G3A4wie A3, jedoch mit Schiebeschaft
G3KA4Kurzausführung mit 322 mm Lauf
G3 SG/1ausgesuchte Läufe, Zieloptik, geänderter Abzug
PSG1Präzisionsableitung derselben Bauart
HK91halbautomatische Ausführung für den zivilen US-Markt

Verwendung

Die Waffe war von Januar 1959 bis zur G36-Entscheidung im Dezember 1997 Ordonnanzgewehr der Bundeswehr und ist damit die am längsten geführte deutsche Ordonnanzlangwaffe nach 1945. Sie wurde in rund achtzig Staaten eingeführt oder dorthin exportiert und in mindestens fünfzehn in Lizenz gefertigt, darunter Norwegen als AG-3, Schweden als AK4, ferner Portugal, Griechenland, Iran, Pakistan und die Türkei. Die Gesamtstückzahl wird mit rund sieben bis 7,8 Millionen angegeben; eine Werkszahl liegt diesem Register nicht vor.

Für die Bestimmung

Was ein Sachverständiger an dieser Waffe zuerst prüft, ist nicht das Laufinnere.

  1. Der Verschlussabstand. Verschluss vorn, Hammer abgeschlagen, Fühlerlehre zwischen Verschlusskopf und Verschlussträger. Die eingesehene Werkstattanleitung nennt 0,25 bis 0,50 mm (0,010 bis 0,020 Zoll) und arbeitet mit zwei Lehren: Die 0,25-mm-Lehre muss gehen, die 0,50-mm-Lehre darf nicht gehen. Auf die Nachkommastelle kommt es dabei ausdrücklich nicht an; die Anleitung warnt davor, 0,014 gegen 0,019 Zoll auszuspielen. Kein Spalt bedeutet verschlissene Rollen, verschlissenes Schließstück oder ausgeschlagene Widerlager, und die Waffe öffnet zu früh.
  2. Das Nutbild auf der Hülse. Zwölf Längsstreifen im Kaliber 7,62 × 51 mm zeigen auf die G3-Familie, achtzehn auf die HK33-Familie. Die Streifen enden rund 13 mm vor dem Boden; ein Nutbild, das bis an den Boden reicht, gehört zu keiner Waffe dieser Familie. Eine Zahl grenzt allerdings ein und benennt nicht: Sechzehn Nuten führt dieselbe Quelle für CETME M-58, FAMAS und SIG AMT, acht für die Schweizer SIG 510.
  3. Die Rollen. Nennmaß 8,00 mm, gestaffelt in Schritten von 0,02 mm. Eine Rolle in der Hand sagt über das Modell nichts, denn dieselbe Rolle passt in G3, HK33, HK53, MP5 und die CETME-Ausführungen. Übergroße Rollen sind ein Instandsetzungsbefund und kein Mangel.
  4. Das Schließstück. Es bestimmt den Öffnungszeitpunkt und ist wechselbar. Zu welcher Lauflänge und Ladung das eingebaute Stück gehört, sieht man der Waffe von außen nicht an; die Teilenummer sagt es.
  5. Die Abzugsgruppe. In ihr sitzt der Auswerfer. Ein unregelmäßiges oder ausbleibendes Auswurfbild hat seine Ursache deshalb häufig dort und nicht am Auszieher. Rechtlich ist dieselbe Baugruppe der entscheidende Punkt: Sie trägt die Stellung F/20, und sie ist werkzeuglos wechselbar. An einer halbautomatischen Ausführung ist zu prüfen, welche Gruppe eingebaut ist und ob das Gehäuse die vollautomatische überhaupt aufnimmt.
  6. Die Nachschlagsicherung. Die federbelastete Klaue am Verschlussträger fasst in der vorderen Endlage den Verschlusskopf. Fehlt sie oder ist ihre Feder müde, prellt der Träger, die Rollen liegen beim nächsten Schuss nicht voll an, und das Schadensbild wandert auf die Hülse.
  7. Der Puffer. Er sitzt im hinteren Gehäuseteil und fängt die volle Rücklaufenergie ab. Ein ausgeschlagener Puffer zeigt sich an aufgestauchten Hülsenrändern und an verschlagenem Auswurf, bevor am Gehäuse etwas zu sehen ist.

Was gern nachträglich ergänzt wird, ist bei dieser Waffe leicht zu benennen. Halbautomatische Nachbauten aus Bausätzen tragen neu geschweißte oder neu gefertigte Gehäuse; Kennzeichnung, Beschuss und Herstellerangabe gehören dann zum Gehäuse und nicht zum Rest der Waffe. Zwischen deutscher Fertigung, den Lizenzfertigungen und den Nachbauten entscheidet die Kennzeichnung am Gehäuse, nicht die Bauform. Ein Nummerngleichlauf über Gehäuse, Verschluss und Schaft ist bei einer Waffe, die vierzig Jahre im Truppendienst instandgesetzt wurde, ohnehin die Ausnahme und kein Echtheitskriterium.

Einordnung

Neben der technischen Verbindung gibt es eine gegenwärtige. 2020 standen sich Suhl und Oberndorf unmittelbar gegenüber. In der Ausschreibung zur Nachfolge des G36 setzte sich der Haenel MK 556 zunächst gegen Heckler & Koch durch, bewertet als technisch etwas besser und wirtschaftlicher.

Heckler & Koch legte Beschwerde ein. Der Zuschlag wurde im Oktober 2020 widerrufen, Haenel im März 2021 wegen Patentverletzung vom Verfahren ausgeschlossen; das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigte den Ausschluss. Den Auftrag erhielt Heckler & Koch. Oberndorf rüstet die Bundeswehr weiterhin aus.

Für die Systematik dieses Registers ist das G3 an einer zweiten Stelle wichtig. Es ist die einzige Selbstladelangwaffe hier, die ohne jede Gasentnahme auskommt und deren Lauf trotzdem feststeht. Alle anderen Selbstlader dieses Registers lösen die Aufgabe entweder über Gas oder über einen zurücklaufenden Lauf. Wer wissen will, wie schmal diese dritte Spur ist, findet die Antwort in der Verbreitung: Außerhalb der Oberndorfer Familie und ihrer Lizenznehmer hat sie kaum jemand beschritten.

Zur Gattung. Dieses Register führt das G3 als Selbstladegewehr, nicht als Sturmgewehr — gegen den allgemeinen Sprachgebrauch und gegen die Truppenbezeichnung. Der Grund ist die eigene Regel: Die Gattung folgt der Patronenklasse, und 7,62 × 51 mm NATO ist eine volle Gewehrpatrone. Damit steht das G3 neben FN FAL, Gewehr 43 und M1 Garand, nicht neben dem Sturmgewehr 44. Die Dauerfeuerfähigkeit ist im Datensatz an anderer Stelle aufgefangen. Im englischen Schrifttum heißt diese Klasse battle rifle — ein Begriff, den es gerade deshalb gibt, weil die Waffen keine Sturmgewehre sind. Der Eintrag stand bis vor Kurzem anders, siehe Korrekturen.

Waffenrechtliches

Vollautomatische Waffe und damit Kriegswaffe nach dem KWKG. Halbautomatische zivile Ableitungen unterliegen einer eigenen rechtlichen Bewertung; entscheidend ist dabei die eingebaute Abzugsgruppe und die Frage, ob das Gehäuse die vollautomatische aufnehmen kann. Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft. Siehe Methodik.

Offene Forschungsfragen. Erstens das Verzögerungsverhältnis: Welche der drei überlieferten Zahlen gilt, und wie schwer sind Verschlusskopf und Verschlussträger? Zwei zerlegte Verschlüsse und eine Waage entscheiden beides. Zweitens der Sollbereich des Verschlussabstands: Er steht hier auf einer einzigen Werkstattanleitung; ein Werkstatthandbuch des Herstellers würde ihn erst festlegen. Drittens die Winkel: Welchen Winkel trägt das Schließstück des G3 tatsächlich, und was misst die kursierende Zahl „45 Grad” — den Gesamtwinkel des Keils oder den Winkel einer Flanke? Viertens die Fertigungszahlen: Existiert eine Ausbringungsstatistik für die Rheinmetaller G3-Fertigung der 1960er Jahre?

Konstruktion

Verschluss
Rollenverzögerter Masseverschluss, nicht verriegelt. Zweiteiliger Verschluss aus leichtem Verschlusskopf mit zwei seitlichen Rollen und schwerem Verschlussträger mit keilförmigem Schließstück. Die Rollen stützen sich an schrägen Widerlagern der Laufverlängerung ab und übersetzen die langsame Bewegung des Kopfs in eine schnelle des Trägers; formschlüssig gesperrt ist zu keinem Zeitpunkt etwas. Der Lauf steht fest. Patronenlager mit zwölf Längsnuten. Gegen das Prellen in der vorderen Endlage sitzt am Träger eine federbelastete Klaue, die den Verschlusskopf fasst.
Ladeprinzip
Rückstoßlader, verzögert, aufschießend (geschlossener Verschluss). Kein Gaskolben, keine Gasentnahme, kein Laufrücklauf — darin unterscheidet sich das G3 von jeder anderen Selbstladelangwaffe dieses Registers. Verriegelungsart und Ladeprinzip sind hier zwei verschiedene Merkmalsachsen: unverriegelt einerseits, reiner Rückstoßbetrieb andererseits.
Zuführung
HK-eigene Stangenmagazine zu 20 Patronen aus Stahlblech oder Aluminium, daneben Ausführungen zu 5 und 10 für zivile und Präzisionsanwendungen; in Übersichtsdarstellungen werden ferner Trommelmagazine genannt. Ein NATO-Einheitsmagazin nimmt die Waffe nicht.
Abzug
Wechselbare Abzugsgruppe mit Hammerschloss, Stellungen S/0, E/1 und F/20, daneben Gruppen mit Dreischussbegrenzung. Abzugsgewicht nach der englischsprachigen Übersichtsdarstellung 50 bis 55 N. In derselben Baugruppe sitzt der Auswerfer.
Sicherung
Kombinierter Sicherungs- und Feuerwahlhebel in der Abzugsgruppe; die Sicherung sperrt den Abzug, nicht den Verschluss.
Visierung
Drehtrommelvisier mit offener V-Kimme (Stellung 1) und drei Lochkimmen (2 bis 4) für 200 bis 400 m, Korn im Tunnel. Die frühen Ausführungen trugen stattdessen ein Klappvisier.
Schaft
Kunststoffschaft bei G3A3; Holzschaft bei den frühen Ausführungen

Maße und Leistung

Länge
1025 mm (G3A3, fester Schaft); Höhe 220 mm, Breite 58 mm
Lauflänge
450 mm; G3KA4 mit 322 mm
Gewicht
4,38 kg mit leerem Magazin (G3A3); 4,7 kg für die G3A4 mit Schiebeschaft
Magazin
20 Patronen (Stahl oder Aluminium), daneben 5 und 10
V₀
rund 800 m/s; die deutschsprachige Darstellung nennt dazu 2.900 bis 3.400 J Mündungsenergie
Kadenz
600 Schuss/min nach der deutschsprachigen, 500 bis 600 nach der englischsprachigen Darstellung

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Ausgangslage — Verschluss vorn, Hammer gespannt

    Die Patrone liegt im Lager, der Hammer steht gespannt. Die Schließfeder drückt den Verschlussträger und mit ihm das keilförmige Schließstück von hinten zwischen die beiden Rollen; diese werden nach außen in die schrägen Widerlager der Laufverlängerung gedrängt. Zwischen Verschlusskopf und Träger bleibt dabei ein Spalt, der Verschlussabstand. Er ist ein Einstellmaß und keine Toleranz: Er bestimmt, wie weit die Rollen vorstehen, und damit die gesamte Bremswirkung.

  2. 2

    Auslösen und Zündung

    Der Abzug gibt den Hammer frei, dieser schlägt auf den Schlagbolzen im Verschlusskopf. Weil beim Auslösen keine große Masse nach vorn läuft, bleibt die Waffe im Augenblick der Schussabgabe ruhig; deshalb ließ sich aus derselben Bauart mit dem PSG1 ein Präzisionsgewehr ableiten.

  3. 3

    Kraftteilung an der Rolle

    Der Gasdruck presst den Hülsenboden gegen den Stoßboden. Der Verschlusskopf kann nur zurück, wenn die Rollen aus den Widerlagern nach innen ausweichen. Weil das Widerlager schräg steht, zerlegt sich die Kraft an der Rolle: Ein Anteil stützt sich in der Laufverlängerung ab, ein kleinerer drückt die Rolle gegen die Flanke des Schließstücks. Nur der zweite arbeitet.

  4. 4

    Die Übersetzung — woraus die Bremse besteht

    Die Flanke des Schließstücks steht ihrerseits schräg. Jeder Millimeter, den eine Rolle nach innen läuft, wirft den Träger um ein Vielfaches nach hinten. Diese Beschleunigungsarbeit ist die ganze Bremse, und sie wächst mit dem Quadrat der Übersetzung: Bei 4:1 wirkt der Träger wie die sechzehnfache, bei 3:1 wie die neunfache Masse. Die Quellen nennen drei verschiedene Verhältnisse; der Abschnitt „Drei Zahlen" rechnet das durch.

  5. 5

    Auszug unter Restdruck — zwölf Nuten statt Erstauszug

    Einen Erstauszug im Sinne des Zylinderverschlusses hat die Bauart nicht: Der Verschlusskopf dreht nicht, und er beginnt sich zu bewegen, solange noch Druck ansteht und die Hülse an der Wandung des Lagers anliegt. Deshalb trägt das Patronenlager Längsnuten, durch die Gas außen an der Hülse entlangströmt und den Druck ausgleicht. Für die G3-Familie werden zwölf Nuten von 0,54 mm Breite angegeben, die rund 13 mm vor dem Hülsenboden enden.

  6. 6

    Auszieherkralle und Auswerfer

    Sind die Rollen ganz eingetaucht, laufen Kopf und Träger gemeinsam zurück. Aus dem Lager getrieben wird die Hülse überwiegend vom Restdruck; die federbelastete Auszieherkralle im Verschlusskopf hält sie am Stoßboden fest. Ausgeworfen wird sie erst, wenn der Verschluss den Auswerfer erreicht, und der sitzt nicht im Verschluss, sondern als Hebel in der Abzugsgruppe. Wer die Abzugsgruppe tauscht, tauscht den Auswerfer mit.

  7. 7

    Rücklaufende, Puffer, Spannen

    Der Träger spannt auf seinem Weg nach hinten den Hammer und läuft gegen den Puffer im hinteren Gehäuseteil, der die Restenergie aufnimmt. Der Spannschieber bleibt stehen: Er ist mit dem Verschluss nicht gekoppelt.

  8. 8

    Vorlauf, Zuführwinkel, Wiederanlegen der Rollen

    Die Schließfeder treibt den Träger vor. Der Stoßboden fasst die oberste Patrone, schiebt sie über die Zuführschräge nach oben und ins Lager; das Magazin steht dafür annähernd senkrecht unter der Seelenachse. Zuletzt drückt das nachlaufende Schließstück die Rollen wieder nach außen, und der Verschlussabstand stellt sich ein.

  9. 9

    Nachschlagsicherung, Unterbrecher, Verschlussfang

    In der vorderen Endlage neigt der schwere Träger zum Zurückprellen; prellt er, so löst er das Schließstück, und die Verzögerung des nächsten Schusses fällt zu kurz aus. Dagegen fasst eine federbelastete Klaue am Träger den Verschlusskopf. In Stellung E/1 fängt eine Fangklinke den vom Träger neu gespannten Hammer, auch wenn der Abzug gezogen bleibt; erst das Loslassen übergibt ihn wieder an die Abzugsstange. Nach dem letzten Schuss bleibt der Verschluss vorn.

Rollenverzögerung — NICHT verriegelt, nur verzögert, Lauf feststehend

Schemaskizze, nicht maßstäblich

1 Lauf feststehend 2 Lauf feststehend schneller 3 Lauf feststehend
  1. 1 Ausgangslage: Der Lauf steht FEST. Der Verschluss ist zweiteilig — ein leichter Verschlusskopf vorn, ein schwerer Verschlussträger dahinter, dazwischen ein keilförmiges Steuerstück. Die Rollen liegen in Ausnehmungen des Laufhalters, sind aber nicht formschlüssig gesperrt.
  2. 2 Kraftteilung: Der Hülsenboden drückt den Verschlusskopf zurück. Die Rollen laufen auf schrägen Flächen und übertragen dabei den größten Teil der Kraft auf den schweren Träger — der muss sich ungefähr um den Faktor der Flächenneigung schneller bewegen als der Kopf. Der Kopf wird dadurch ausgebremst.
  3. 3 Öffnen: Sobald die Rollen aus den Ausnehmungen heraus sind, laufen Kopf und Träger gemeinsam zurück. Der Verschluss war nie verriegelt — er wurde nur so lange gebremst, bis der Druck gefallen war. Genau deshalb brauchen diese Waffen ein geriefeltes Patronenlager: Die Hülse löst sich unter Restdruck.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

MG 42

Metall- und Lackwarenfabrik Johannes Großfuß · Deutschland (Döbeln, Sachsen) · 1942
System
Rückstoßlader mit Rollenverriegelung, formschlüssig gesperrt
Unterschied
Der Ursprung des Prinzips — aber mit einem entscheidenden Unterschied: Das MG 42 verriegelt formschlüssig; die Rollen sperren. Das G3 verzögert nur; die Rollen stützen sich ab und übersetzen. Mauser deutete das Prinzip von Verriegelung zu Verzögerung um.
Befund
Die Verbindung zum Untersuchungsraum ist real, aber indirekt: Das Prinzip stammt aus Döbeln, seine Umdeutung aus Oberndorf.

Sturmgewehr 45 (StG 45(M), Gerät 06 H)

Mauser-Werke AG · Deutschland (Oberndorf am Neckar) · 1944 plausibel
System
Rollenverzögerter Masseverschluss mit feststehendem Lauf, 7,92 × 33 mm Kurz, nie eingeführt
Unterschied
Der Erfindungsschritt, fünfzehn Jahre früher und für die Kurzpatrone. Das G3 übernimmt die Bauart und hebt sie auf die volle Gewehrpatrone; dafür wächst die wirksame Masse, und mit ihr das Gewicht der Waffe. Für das StG 45 wird ein Verzögerungsverhältnis von rund 3:1 angegeben, für das G3 werden 4:1, 3,4:1 und 3:1 genannt.
Befund
Zwischen beiden liegt der Umweg über Frankreich und Spanien. Was 1945 liegen blieb, kam 1959 als Ordonnanzwaffe zurück — mit einer Patronenklasse, für die es ursprünglich nicht gedacht war.

CETME Modelo 58

Centro de Estudios Técnicos de Materiales Especiales · Spanien (Madrid) · 1958
System
Rollenverzögerter Masseverschluss, 7,62 × 51 mm CETME mit gedrosselter Ladung
Unterschied
Die unmittelbare Vorlage. Gleiche Bauart, gleiche Hülse, andere Ladung: Madrid drosselte die Patrone, um mit der Verzögerung auszukommen, die die Konstruktion hergab. Bonn verlangte die volle NATO-Ladung, und erst dafür wurde die Verzögerung nachgeschärft. Für die Gattung trennt genau das die beiden: Der CETME steht in diesem Register als Sturmgewehr, das G3 als Selbstladegewehr.
Befund
Der Fall zeigt, dass die Gattungsregel dieses Registers quer zur Bauart schneidet. Zwei Waffen mit demselben Verschluss und derselben Hülse stehen in zwei Gattungen, weil die Ladung sie trennt.

Heckler & Koch HK33

Heckler & Koch GmbH · Deutschland (Oberndorf am Neckar) · 1968
System
Rollenverzögerter Masseverschluss, 5,56 × 45 mm NATO
Unterschied
Dieselbe Bauart, eine Patronenklasse tiefer. Gleich geblieben sind Blechpressgehäuse, zweiteiliger Rollenverschluss, Drehtrommelvisier und wechselbare Abzugsgruppe; geändert wurden Schließstückwinkel, Verzögerungsverhältnis und die Zahl der Nuten im Patronenlager — achtzehn statt zwölf.
Befund
Am Objekt ist das der schnellste Weg, die beiden Familien zu trennen: Man zählt die Streifen auf der Hülse.

MPi K / MPi KM

VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa · DDR · 1959
System
Gasdrucklader mit Langhubkolben, Drehkopfverschluss, 7,62 × 39 mm
Unterschied
Im selben Jahr eingeführt, für dieselbe Aufgabe, in beiden deutschen Staaten — und konstruktiv vollständig gegensätzlich: Gasdrucklader mit Drehkopf gegen rollenverzögerten Rückstoßlader, Mittelpatrone gegen volle NATO-Gewehrpatrone.
Befund
Das unmittelbarste Gegensatzpaar der deutschen Nachkriegszeit: zwei Standardgewehre desselben Jahres, die technisch nichts gemeinsam haben. Nach der Gattungsregel dieses Registers stehen sie außerdem in zwei verschiedenen Gattungen.

Haenel MK 556

C. G. Haenel GmbH · Deutschland (Suhl) · 2016
System
Gasdrucklader mit verstellbarer Gasentnahme, Drehkopfverschluss, 5,56 × 45 mm
Unterschied
Zwei Generationen später standen sich beide Häuser unmittelbar gegenüber: 2020 gewann Haenel aus Suhl zunächst die Bundeswehr-Ausschreibung zur G36-Nachfolge gegen Heckler & Koch. Nach Beschwerde von Heckler & Koch wurde der Zuschlag widerrufen, Haenel im März 2021 wegen Patentverletzung ausgeschlossen — vom OLG Düsseldorf bestätigt. Den Auftrag erhielt Heckler & Koch.
Befund
Die aktuellste Verbindung zwischen dem Untersuchungsraum und Oberndorf ist damit keine technische, sondern eine wettbewerbliche — und sie endete zugunsten Oberndorfs.

Bekannte Schwächen

Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.

  • Härtere Hülsenbehandlung

    Weil die Hülse während der Verzögerungsphase noch unter Druck aus dem Lager gezogen wird, weisen G3-Hülsen die charakteristischen Längsriefen der Kammerrillen auf. Für die Bestimmung ist das ein sicheres Erkennungsmerkmal am ausgeworfenen Stück. Für das Wiederladen ist eine solche Hülse dagegen vorgeschädigt, und ein verharztes oder verschmutztes Rillenprofil hebt die Wirkung der Nuten auf: Der Befund zeigt sich dann zuerst an der Hülse und nicht an der Waffe.

    gesichert

  • Der Verschlussabstand als Verschleißmaß

    Die Bremswirkung hängt daran, wie weit die Rollen im angelegten Zustand vorstehen; gemessen wird das über den Spalt zwischen Verschlusskopf und Verschlussträger. Verschleiß an Rollen, Schließstück oder Widerlagern verkleinert ihn, die Waffe öffnet zu früh, und das Schadensbild wandert unmittelbar auf die Hülse. Die eingesehene Werkstattanleitung nennt als Sollbereich 0,25 bis 0,50 mm (0,010 bis 0,020 Zoll) und behandelt das Maß ausdrücklich als Gut-/Ausschuss-Prüfung mit zwei Fühlerlehren dieser Stärke, nicht als abzulesende Zahl. Der Handel hält für die Einstellung Rollen in Übergrößen bereit. Bei jedem Stück dieser Familie ist das Maß vor allem anderen zu prüfen.

    plausibel

  • Die Verzögerung ist auf eine Ladung gerechnet und nicht nachstellbar

    Winkel und Massen eines rollenverzögerten Verschlusses gehören zu einem bestimmten Druckverlauf. Ein Gasdrucklader bekommt einen Regler, diese Bauart nicht; angepasst wird über gestaffelte Schließstücke, die zu Lauflänge und Ladung passen müssen. Schwache Laborierungen liefern zu wenig Impuls, der Verschluss läuft nicht weit genug zurück, und die Zuführung setzt aus. Am Altstück ist deshalb zu fragen, zu welcher Ausführung das eingebaute Schließstück gehört — von außen sieht man es der Waffe nicht an.

    plausibel

  • Volle Gewehrpatrone

    Das G3 blieb bei 7,62 × 51 mm NATO und damit bei der vollen Gewehrpatrone — Dauerfeuer aus der Hand ist entsprechend schwer zu beherrschen. Genau diesen Schritt hatte Suhl 1942 mit der Kurzpatrone bereits getan; siehe Patronenklassen.

    plausibel

  • Kein selbsttätiger Verschlussfang

    Nach dem letzten Schuss bleibt der Verschluss vorn. Der Schütze bemerkt das leere Magazin am ausbleibenden Schuss und nicht an der Waffe, und beim Magazinwechsel muss stets durchgeladen werden. Offen halten lässt sich der Verschluss nur über die Rast des Spannschiebers, also von Hand. Der Nachteil ist bauartbedingt gering — ein Fang müsste den Verschlusskopf fassen, während der Träger weiterläuft —, in der Handhabung aber deutlich; der Handel bietet dafür bis heute Nachrüstlösungen an.

    plausibel

  • Das Gehäuse trägt die bewegte Masse

    Die Verzögerung wird aus beschleunigter Masse gewonnen, und die muss das Blechpressgehäuse führen und am Puffer wieder abfangen. Daraus folgen das Gewicht von 4,38 kg und ein Verschleißschwerpunkt am hinteren Gehäuseteil. Ein müder oder ausgeschlagener Puffer zeigt sich zuerst am Auswurfbild und an aufgestauchten Hülsenrändern.

    plausibel

Verwendung

  • Standardgewehr der Bundeswehr ab Januar 1959; im Dezember 1997 wurde die Ablösung durch das G36 beschlossen. In den Depots liegen nach der deutschsprachigen Darstellung weiterhin mehrere hunderttausend Stück für den Fall der Landesverteidigung
  • In mindestens fünfzehn Staaten in Lizenz gefertigt, darunter Norwegen (AG-3), Schweden (AK4), Portugal, Griechenland, Iran, Pakistan und die Türkei; in rund achtzig Staaten eingeführt oder exportiert
  • Gesamtfertigung nach den Übersichtsdarstellungen rund sieben bis 7,8 Millionen Stück; eine Werkszahl liegt diesem Register nicht vor

Quellen

  1. [Literatur] Krcma 1996 Fluted and Annular Grooved Barrel Chambers in Firearms , Journal of Forensic Sciences, JFSCA, Vol. 41, No. 3, Mai 1996, S. 407–417. Verfasser vormals Leiter der ballistischen Abteilung der Kriminaltechnischen Laboratorien in Toronto und Montreal. Tabelle 1: sämtliche Waffen der G3-Reihe (G3, G3A1 bis A4, G3E, G3k, GR 7, G3/SG1, PSG1, HK91, SR9) mit 12 Nuten; Tabelle 2: die HK33-Familie mit 18; Tabelle 4: Nuten des G3 enden 13 mm vor dem Hülsenboden bei 0,54 mm Nutbreite. Ferner CETME M-58 mit 16, SIG 510/PE 57/Stgw. 57 mit je 8 Nuten. Für diesen Eintrag im Volltext eingesehen; die früher angegebene NCJRS-Abstractseite leitet inzwischen auf die Startseite des Office of Justice Programs um Link
  2. [Online] Wikipedia (en) Heckler & Koch G3 , Verzögerungsverhältnis 4:1 für 7,62 × 51 mm; zweiteiliger Verschluss mit Rollen in Widerlagern der Laufverlängerung; Nachschlagsicherung als federbelastete Klaue am Verschlussträger; genutetes Patronenlager mit zwölf Nuten; Drehtrommelvisier mit V-Kimme und drei Lochkimmen für 200 bis 400 m; Abzugsgewicht 50 bis 55 N; Maße 1025 mm / 450 mm / 4,38 kg (G3A3) und 4,7 kg (G3A4); 800 m/s; 500 bis 600 Schuss/min; G3KA4 mit 322 mm Lauf; Einführung Januar 1959; Abgabe der Fertigungs- und Vertriebsrechte durch den Bund an Heckler & Koch 1977; über 7,8 Millionen Stück; Lizenzfertigung in mindestens 15 Staaten Link
  3. [Online] Wikipedia (de) HK G3 , Truppenversuche mit dem CETME Modelo A vom Herbst 1956 bis Januar 1957; Lizenzweg über die niederländische NWM; Einführung 1959; mechanische Übersetzung „mit einem Verhältnis von 1:3,4"; Druckausgleichsrillen im Patronenlager; 1025 mm Gesamtlänge, 220 mm Höhe, 58 mm Breite, 4,38 kg mit leerem Magazin, rund 800 m/s, 2.900 bis 3.400 J, 600 Schuss/min; Magazine zu 5, 10 und 20; Varianten G3 bis G3A4, G3K, G3 SG 1, G3 DMR; Lizenzen AG-3 und AK4; rund sieben Millionen Stück; Ablösungsbeschluss Dezember 1997 Link
  4. [Online] Wikipedia (de) Rollenverschluss , Systematik der beiden Bauarten. Für den beweglich abgestützten Rollenverschluss: „Durch das Auseinanderdrücken hat der Verschlussträger ein Vielfaches der Strecke des Verschlusskopfes zurückgelegt (Verhältnis ca. 3:1)"; Druckausgleichsrillen; ausdrücklicher Hinweis, dass der Abstand zwischen Verschlusskopf und Verschlussträger genau einzuhalten ist. Eine Angabe 4:1 für das G3 steht hier NICHT Link
  5. [Online] The Armourer's Bench Rheinmetall G3 , Nach R. Blake Stevens, „Full Circle". Erwerb der Rechte über die niederländische NWM gegen Lieferverträge über 20-mm-Munition; weltweite Rechte beim Bund, Abgabe von vier Mark je Waffe durch Heckler & Koch; Erstauftrag über 150.000 Waffen an Heckler & Koch Ende Januar 1959, anschließend ein vergleichbarer an Rheinmetall; rund 500.000 bei Rheinmetall in den 1960er Jahren bei 8.000 Waffen im Monat; 1969 Einigung nach dem Unterbieten der MG-3-Fertigung durch Heckler & Koch — Rheinmetall behält das MG 3, Heckler & Koch wird alleiniger G3-Fertiger für die Bundeswehr. Eine Abgabe von Rechten im Jahr 1977 steht hier NICHT Link
  6. [Online] Wikipedia (en) Heckler & Koch HK33 , Für die Bauartfamilie: federbelastete Auszieherkralle im Verschlusskopf, Auswerfer als Hebel in der Abzugsgruppe, betätigt vom zurücklaufenden Verschluss Link
  7. [Online] HKParts Locking Roller — Plus and Minus Sizes , Gestaffelte Rollendurchmesser zur Einstellung des Verschlussabstands: zehn Größen von 7,90 bis 8,08 mm in Schritten von 0,02 mm, gültig für MP5, G3, HK33, HK53, HK93, CETME und Nachbauten. Ferner Ersatzteillisten mit dem Auswerferhebel als Teil der Abzugsgruppe (HK91/G3 Ejector Lever) Link
  8. [Online] Thin Line Weapons HK Roller-Delayed Bolt Gap — How to Measure and Adjust , Werkstattanleitung, Stand Februar 2026, unmittelbar abrufbar. Tabelle „Bolt Gap": Min 0,25 mm (0,010 Zoll), Max 0,50 mm (0,020 Zoll), gültig für sämtliche rollenverzögerten HK-Waffen „from the MP5 to the G3"; geprüft mit den beiden Fühlerlehren der HK-Armorer-Werkzeuge — geht die 0,25-mm-Lehre, geht die 0,50-mm-Lehre nicht, ist der Zustand in Ordnung. Rollenstaffelung 7,96 bis 8,04 mm in Schritten von 0,02 mm um das Nennmaß 8,00 mm. Ferner der Ablauf des Zyklus einschließlich des Auswerferhebels, den die Verschlussgruppe auf dem Rücklauf betätigt Link
  9. [Online] Wikipedia (de) Sturmgewehr 45 Link
  10. [Online] Wikipedia (en) Ludwig Vorgrimler Link
  11. [Online] Bundesministerium der Justiz Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen, Anlage (Kriegswaffenliste) Link