Modell
Fallschirmjägergewehr 42 (FG 42)
- Fertigung
- H. Krieghoff , Rheinmetall Sömmerda
- Kaliber
- 7,92 × 57 mm
- Zeitraum
- 1943–1945
- Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden
MEHRFACH ÜBEREINSTIMMEND BELEGT sind: die Fertigung bei Krieghoff in Suhl, das Kaliber 7,92 × 57 mm, die Bauart als Gasdrucklader mit Langhubkolben und Drehkopfverschluss, das seitlich links eingeführte Magazin, die Mündungsbremse und die Kombination aus aufschießendem Einzelfeuer und zuschießendem Dauerfeuer. Ein Objektbefund liegt NICHT vor; kein Stück wurde eingesehen, zerlegt oder vermessen, und eine zeitgenössische Dienstvorschrift war für diesen Eintrag nicht zugänglich. DER MECHANISMUS DER UMSCHALTUNG — ein einziger Abzugsstollen, der in zwei seitlich versetzte Rasten des Verschlussträgers greift, und ein Feuerwahlhebel, der ihn in die passende Stellung dreht — stammt aus einer deutschsprachigen Netzdarstellung, deren Seite für diesen Eintrag nur über die Suchmaschinenwiedergabe zugänglich war; der unmittelbare Abruf lieferte eine leere Seite. Gestützt wird die Angabe unabhängig davon durch zwei englischsprachige Darstellungen, die von „two different sear/bolt-carrier notches" sprechen und den Schlagbolzen ausdrücklich am Verschlussträger verorten, freigegeben von der vorderen Rast. Eine Werks- oder Vorschriftenquelle ist keine davon; die Zahl der Rasten und die Freigabe des Schlagbolzens durch die vordere sind damit doppelt gedeckt, ihr SEITLICHER Versatz und die DREHUNG des Stollens dagegen nur einfach und nur aus der unzugänglichen Seite. NICHT AUSDRÜCKLICH BELEGT, sondern aus der Bauart gefolgert ist ferner der Ablauf der Entriegelung: Dass der Verschlussträger zuerst eine Leerstrecke ohne Mitnahme des Verschlusskopfs zurücklegt und die Kurvendrehung den Kopf beim Drehen zugleich ein kleines Stück nach hinten zieht (Erstauszug), sagt keine der eingesehenen Quellen so; die englischsprachige Darstellung sagt allein, die Entriegelung erfolge gegen Ende des Trägerwegs. Eine frühere Fassung dieses Eintrags ließ die Drehung gleich zu Beginn des Trägerwegs geschehen und dabei „den Kopf von der Hülse" lösen — das war in beiden Hälften falsch: Der Erstauszug löst die Hülse vom Patronenlager, nicht den Verschlusskopf von der Hülse, und ohne Rückwärtsweg des Kopfs während der Drehung gäbe es ihn überhaupt nicht. NICHT AUSDRÜCKLICH BELEGT, sondern aus der Bauart gefolgert ist auch der genaue Ort der vorderen Rast: Dass der Träger dort gehalten wird, NACHDEM der Verschlusskopf verriegelt hat und BEVOR der Schlagbolzen das Zündhütchen erreicht, folgt zwingend daraus, dass die Waffe im Einzelfeuer aufschießt und der Schlagbolzen fest im Träger sitzt; eine Quelle sagt es so nicht. Ebenfalls EIGENE FOLGERUNG und keine Quellenaussage ist, dass die Kurvendrehung des Verschlusskopfs den Erstauszug leistet. Die Beschreibung zweier ineinandergesetzter Federn stammt aus einer objektnahen Beschreibung eines modernen NACHBAUS und ist hier deshalb NICHT übernommen; an demselben Nachbau ist die Abzugseinrichtung ausdrücklich geändert. WIDERSPRÜCHLICH sind nahezu sämtliche Maßangaben. Gesamtlänge: 945 mm und 975 mm (deutschsprachige Darstellung), 937 mm und 1.060 mm (zwei englischsprachige). Lauflänge: 500 mm, 508 mm, 525 mm. Gewicht: 4,2 / 4,38 / 4,5 kg für die erste und 4,95 / 5,05 kg für die späte Ausführung. Kadenz: 750 bis 800 Schuss/min gegenüber rund 900 für die erste und 600 bis 750 für die späte Ausführung. Mündungsgeschwindigkeit: 740 gegen 765 m/s, beides ohne Angabe einer Messung. Der Eintrag stellt die Werte nebeneinander und glättet sie nicht. WIDERSPRÜCHLICH ist ferner die Stückzahl: rund 7.000 (zwei englischsprachige Darstellungen), rund 7.500 (deutschsprachige Darstellung), rund 6.000 in der Aufteilung 2.000 zur ersten und gut 3.000 zur zweiten Ausführung (Schweizer Waffen-Magazin 1984) sowie 2.000 zur ersten und rund 5.000 zur zweiten (eine weitere englischsprachige Darstellung). Übereinstimmend ist allein die Größenordnung von rund 2.000 Stück der ersten Ausführung. ZUR ZURECHNUNG: Louis Stange war Konstrukteur bei Rheinmetall-Borsig in Sömmerda; das ist nach der dritten Zuschreibungsregel dieses Registers KEIN Herstellernachweis, sondern eine Personenangabe. Der Eintrag führt Rheinmetall-Sömmerda hier deshalb nicht wegen des Konstrukteurs als Fertiger, sondern weil der eigene Betriebseintrag für 1943 bis 1945 Fertigungsanteile am FG 42 verzeichnet — in geringerem Umfang als bei Krieghoff. Eine Werksquelle für diese Fertigungsanteile lag auch dort nicht vor. L. O. Dietrich in Altenburg wird als dritter Fertiger genannt; der Betrieb ist in diesem Register nicht geführt, und die Angabe stammt aus derselben Sekundärüberlieferung. ZUR GATTUNG: Die Einordnung als Selbstladegewehr folgt der Regel, dass die Patronenklasse entscheidet; 7,92 × 57 mm ist die volle Gewehrpatrone. Der Eintrag stand bis vor Kurzem anders. ZUR BEHAUPTUNG DER EINZIGARTIGKEIT: Eine frühere Fassung dieses Eintrags nannte die Kombination zweier Verschlusszustände eine, die „kaum eine andere Waffe" biete. Das ist zurückgenommen. Das amerikanische Johnson M1941 verwendet dieselbe Umschaltung bereits seit 1941 und auf einem anderen Ladeprinzip; ein Zusammenhang zwischen beiden Konstruktionen ist nirgends belegt.
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Diese Waffe verschießt die volle, kräftige Gewehrpatrone und soll damit trotzdem Dauerfeuer geben können; das bestimmt ihren ganzen Aufbau. Der Ablauf ist zunächst gewöhnlich: Ein Teil der Pulvergase wird durch eine Bohrung aus dem Lauf abgezweigt, drückt auf einen Kolben unter dem Lauf und treibt ihn nach hinten. Der Kolben ist zugleich der Träger des Verschlusses, also des Stahlstücks, das den Lauf von hinten zuhält. Ein Stück weit läuft er allein, ohne den Verschluss zu berühren; in dieser Zeit fällt der Druck im Lauf. Dann erst greift eine schräge Führung im Träger und dreht den Kopf des Verschlusses um die eigene Achse, so dass sich zwei Nasen aus ihren Aussparungen lösen, und erst danach kann der Verschluss zurücklaufen. Die leere Hülse fliegt nach rechts heraus, eine Feder schiebt alles wieder nach vorn, die nächste Patrone kommt aus einem Magazin links an der Seite. Der eigentliche Kunstgriff sitzt im Abzug. Der Zündstift, der die Patrone anschlägt, ist fest mit dem Träger verbunden und hat keine eigene Feder; gezündet wird also durch die letzte Wegstrecke, die der Träger nach vorn zurücklegt. Genau diese Strecke hält der Abzug im Einzelfeuer zurück: Der Lauf ist bereits verschlossen, nur die letzten Millimeter fehlen noch, und die gibt der Abzug frei. Für Dauerfeuer greift dieselbe Abzugsnase in eine zweite, weiter hinten liegende Rast und hält den ganzen Verschluss offen. Der Lauf kühlt dann zwischen den Feuerstößen aus, und keine Patrone kann in einem heißgeschossenen Lauf von selbst losgehen. Umgeschaltet wird, indem der Feuerwahlhebel die Abzugsnase zur passenden Rast dreht. Gegen den harten Rückstoß arbeiten eine Bremse an der Mündung, ein Schaft in gerader Linie hinter dem Lauf und ein Puffer im Schaftrohr.
Das FG 42 ist die technisch anspruchsvollste Waffe aus Suhler Fertigung. Für dieses Register ist sie aufschlussreich, weil sie dieselbe Frage wie das Sturmgewehr stellt und anders beantwortet.
Zur Gattung. Dieses Register führt das FG 42 als Selbstladegewehr, nicht als Sturmgewehr. Die Waffe kann Dauerfeuer, aber die Gattung folgt hier der Patronenklasse, und 7,92 × 57 mm ist die volle Gewehrpatrone. Das Sturmgewehr ist über die Mittelpatrone definiert; ließe man Vollpatronenwaffen zu, verlöre der Begriff seinen Inhalt. Der Eintrag stand bis vor Kurzem anders, siehe Korrekturen.
Konstruktion
Um die volle Gewehrpatrone dauerfeuerfähig zu machen, kombiniert die Waffe mehrere Mittel:
- Einzelfeuer aus dem geschlossenen Verschluss, für bestmögliche Präzision, weil vor dem Schuss keine große Masse in Bewegung ist. Genau das fehlte dem zuschießenden MKb 42(H).
- Dauerfeuer aus dem offenen Verschluss. Das Patronenlager kühlt zwischen den Feuerstößen aus, Selbstzündung durch Hitze ist ausgeschlossen. Dieselbe Logik wie bei der MP 18, hier aber wahlweise zuschaltbar.
- Mündungsbremse, gerade Schaftlinie und Puffer gegen den Rückstoß.
- Ein Zweibein, das die Waffe für die Fallschirmtruppe zugleich zum leichten Maschinengewehr macht; dazu Bajonett und Gewehrgranatgerät.
Verriegelt wird formschlüssig über einen Drehkopf mit zwei Warzen, gesteuert von einer Schrägkurve im Verschlussträger. Der Träger ist zugleich der Gaskolben, und in ihm sitzt der Schlagbolzen — fest, ohne eigene Feder und ohne Hahn dahinter. Dieser eine Umstand trägt die ganze Besonderheit der Waffe, denn er macht den Verschlusszustand zur Sache des Abzugs.
Die Umschaltung
Zwei Feuerarten aus zwei verschiedenen Verschlusszuständen zu bedienen, klingt nach zwei Mechanismen. Das FG 42 kommt mit einem aus.
Weil der Schlagbolzen fest im Verschlussträger sitzt, entsteht die Zündung nicht durch das Loslassen eines Schlagstücks, sondern durch die letzte Wegstrecke des Trägers nach vorn. Wer diese Wegstrecke festhält, hat eine geladene, verriegelte, aber nicht gezündete Waffe. Wer den Träger dagegen ganz hinten festhält, hat einen offenen Verschluss. Beide Zustände unterscheiden sich nur darin, an welcher Stelle der Abzugsstollen zufasst.
Genau das leistet die Konstruktion. Dass es zwei Rasten am Verschlussträger sind und ein einziger Stollen dazwischen wechselt, sagen zwei englischsprachige Darstellungen übereinstimmend („two different sear/bolt-carrier notches”; Freigabe des Schlagbolzens durch die vordere Rast). Dass die beiden Rasten dabei seitlich gegeneinander versetzt sind und der Feuerwahlhebel im Griffstück den Stollen zwischen ihnen dreht, steht dagegen nur in einer einzigen deutschsprachigen Netzdarstellung, die für diesen Eintrag nicht unmittelbar abrufbar war:
| Stellung | Rast | Zustand vor dem Schuss | Was der Abzug freigibt |
|---|---|---|---|
| Einzelfeuer | vordere | Lauf verschlossen, Verschluss verriegelt, Träger kurz vor der Endlage | den Restweg des Trägers, also den Schlagbolzen |
| Dauerfeuer | hintere | Verschluss offen, Lager leer und kühlend | die gesamte Verschlussbaugruppe |
Kein zweiter Stollen, kein zweites Federwerk, kein Umbau am Verschluss. Der Preis ist eine Rastgeometrie, die zwei sehr verschiedene Kräfte aushalten muss: im Einzelfeuer den Rest der Schließfederkraft, im Dauerfeuer die volle Vorspannung der zurückgezogenen Baugruppe.
Was hier gefolgert und nicht belegt ist. Dass die vordere Rast den Träger fasst, nachdem der Verschlusskopf verriegelt hat und bevor der Schlagbolzen anschlägt, sagt keine der eingesehenen Quellen ausdrücklich. Es folgt aber zwingend aus zwei Angaben, die belegt sind: Die Waffe schießt im Einzelfeuer auf, und der Schlagbolzen sitzt fest am Träger. Wäre die Rast früher, wäre der Lauf nicht verschlossen; wäre sie später, hätte der Schuss bereits gebrochen. Ein zerlegtes Originalstück würde die Lage in Sekunden zeigen.
Aufschlussreich ist noch etwas anderes. Die Umschaltung verteilt zwei Nachteile auf zwei Feuerarten, statt einen zu beseitigen. Der zuschießende Verschluss verzieht den ersten Schuss, und im Dauerfeuer nimmt die Konstruktion das in Kauf; der aufschießende Verschluss lässt die Patrone im heißen Lager liegen, und im Einzelfeuer nimmt sie das in Kauf. Beides ist begründet, und beides bleibt bestehen.
Entwicklung
Die Frage lautet: Wie erreicht man beherrschbares Dauerfeuer aus der Hand?
| MKb 42(H), Haenel | FG 42, Krieghoff | |
|---|---|---|
| Ansatz | schwächere Patrone | konstruktiver Aufwand |
| Patrone | 7,92 × 33 mm Kurz | 7,92 × 57 mm, volle Gewehrpatrone |
| Reichweite | auf ~400 m ausgelegt | volle Gewehrreichweite |
| Fertigung | Blechpresstechnik, Massenwaffe | aufwendig, Kleinserie |
| Ausgang | begründete eine Waffengattung | blieb Sonderlösung |
Der Anstoß kam nicht vom Heer, sondern von der Luftwaffe. Auf Kreta hatte sich 1941 gezeigt, dass Fallschirmjäger nach der Landung zunächst nur mit Pistolen dastanden, weil die Gewehre in gesonderten Behältern abgeworfen wurden. Das Reichsluftfahrtministerium verlangte daraufhin eine Waffe, die Gewehr, Maschinenpistole und leichtes Maschinengewehr in einem ersetzte und am Mann springen konnte. Den Entwurf lieferte Louis Stange im Werk Sömmerda der Rheinmetall-Borsig AG unter der Werksbezeichnung Gerät 450; erprobt wurde er Mitte 1942 bei der Prüfstelle GL/C E-6 in Tarnewitz.
Fertigung
Rheinmetall hatte für die Serie keine Kapazität. Den Auftrag erhielt deshalb Heinrich Krieghoff in Suhl, ein Haus, das aus dem Jagdwaffenbau kam und im Wettbewerb zuvor mit einem eigenen Entwurf gescheitert war. In geringerem Umfang beteiligten sich das Werk Sömmerda selbst sowie die Vesta-Nähmaschinenwerke L. O. Dietrich in Altenburg.
Damit liegen alle drei genannten Fertigungsorte in Thüringen. Für den Untersuchungsraum ist das kein Zufall, sondern der Regelfall: Die Waffe wurde dort gebaut, wo Feinmechanik in Serie vorhanden war, und in Altenburg hieß Feinmechanik Nähmaschinen.
Ein Konstrukteur ist kein Herstellernachweis. Dass Louis Stange in Sömmerda arbeitete, sagt über die dortige Fertigung nichts; geführt wird das Werk hier als Fertiger, weil sein eigener Betriebseintrag für 1943 bis 1945 Fertigungsanteile am FG 42 verzeichnet. Eine Werksquelle liegt auch dafür nicht vor.
Die Stückzahlen sind widersprüchlich überliefert und bewegen sich zwischen rund 6.000 und rund 7.500. Übereinstimmend genannt wird allein die Größenordnung von rund 2.000 Waffen der ersten Ausführung — und das ist zugleich die Zahl, an der die Fertigung ihren Bruch erlitt.
Varianten
| erste Ausführung | späte Ausführung | |
|---|---|---|
| Gehäuse | Manganstahl, geschmiedet | Blechprägeteile |
| Schaft | Blech | Holz |
| Pistolengriff | stark nach hinten geneigt | annähernd senkrecht |
| Zweibein | vorn am Gehäuse angelenkt | an der Mündung, nach hinten angelenkt |
| Gasentnahme | ohne Regler | Regler mit vier Stellungen |
| Zusätzlich | — | Klappbajonett unter dem Lauf, Hülsenabweiser, Staubschutz am Magazinschacht |
Der Wechsel ist keine Verbesserungsfolge, sondern eine erzwungene Umkonstruktion. Nach rund 2.000 Waffen wurde der Manganstahl für die geschmiedeten Gehäuse anderweitig gebraucht, und die Waffe musste auf Blech umgezeichnet werden. Was dabei an Verbesserungen mit einfloss, also Gasregler, versetztes Zweibein und senkrechterer Griff, gehört in dieselbe Umkonstruktion und lässt sich von ihr nicht sauber trennen.
Die Zählung der Ausführungen ist eine eigene Fehlerquelle. Deutschsprachige Darstellungen sprechen von Modell 1, 2 und 3, englischsprachige von Typ I und II oder von Ausführungen A bis G, wobei „Ausführung A” das Vorserienmuster Gerät 450 bezeichnet. Wer eine Zahl zitiert, muss die Zählung mitzitieren.
Verwendung
Geführt wurde die Waffe von den Fallschirmjägern der Luftwaffe ab 1943. Als erster dokumentierter Einsatz gilt die Befreiung Mussolinis vom Gran Sasso im September 1943. Für eine Truppenausstattung reichte die Fertigung nie; das FG 42 blieb eine Sonderwaffe für eine Sondertruppe, und die Fallschirmtruppe selbst wurde ab 1944 überwiegend als Erdinfanterie verwendet, also gerade nicht in der Rolle, für die die Waffe gedacht war.
Für die Bestimmung
Vorweg der Satz, der für diese Waffe wichtiger ist als jedes Einzelmerkmal: Bei rund 7.000 gefertigten Stück ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein angebotenes FG 42 ein Nachbau ist, hoch. Die Prüfung beginnt deshalb nicht bei der Erhaltung, sondern bei der Frage, ob das Stück überhaupt aus Suhl stammt.
- Die Beschriftung des Gehäuses. Originale tragen oben auf dem Gehäuse in Höhe des Patronenlagers die Modellangabe FG42, das Fertigungskennzeichen fzs für Krieghoff und die Seriennummer.
- Die Nummerngleichheit. Seriennummer am Gehäuse, an der Schaftseite und am Verschluss sollten übereinstimmen. Bei einer Waffe dieser Stückzahl und dieser Einsatzgeschichte ist eine Abweichung ein Befund und keine Kleinigkeit.
- Nachbaukennzeichnungen. Die japanischen Shoei-Nachbauten führen die Originalbeschriftung nach, tragen daneben aber eigene Angaben auf der linken Gehäuseseite und einen Hinweis auf das Fertigungsland an der Unterseite. Ein Stück mit stimmiger Oberseite und fremder Unterseite ist damit erklärt. Amerikanische halbautomatische Nachbauten sind entsprechend gekennzeichnet und haben zusätzlich eine geänderte Abzugseinrichtung, weil sie nur Einzelfeuer geben dürfen.
- Erste oder späte Ausführung. Gehäusewerkstoff, Schaftwerkstoff, Griffwinkel und vor allem die Lage des Zweibeins trennen beide zuverlässig. Ein Blechgehäuse mit Blechschaft ist ein Widerspruch, der aufzuklären ist.
- Der Verschlussträger und seine Rasten. Hier sitzt die Erfindung, und hier sitzt der Verschleiß. Ausgeschlagene oder verrundete Rastflächen sind bei dieser Bauart nicht nur ein Funktionsmangel, sondern ein Sicherheitsbefund: Rutscht der Stollen im Einzelfeuer aus der vorderen Rast, löst die Waffe ohne Abzug aus.
- Der Gasregler und der Kolben. An der späten Ausführung ist die Stellung des Reglers zu notieren, bevor daran gedreht wird. Ein zu schwach eingestellter oder verkokter Regler senkt bei dieser Waffe nicht nur die Nachladesicherheit, sondern wegen des am Träger sitzenden Schlagbolzens unmittelbar die Zündsicherheit.
- Zubehör. Mündungsbremse, Zweibein, Magazine und Zielfernrohrmontagen werden nachgefertigt und sind die am häufigsten ergänzten Teile. Sie datieren die Waffe nicht und sagen über sie nichts.
Einordnung
Gescheitert ist die Waffe an der Physik. Auch mit allen Kunstgriffen bleibt Dauerfeuer mit voller Gewehrpatrone aus der Hand schwer zu beherrschen. Dazu kam der Aufwand: Das FG 42 war teuer, während das StG 44 in Blechpresstechnik zur Massenwaffe wurde.
Die Suhler Konstrukteure lösten dasselbe Problem zweimal, und die einfachere Lösung gewann. Nicht die raffiniertere Mechanik setzte sich durch, sondern die neu gedachte Patrone; siehe Patronenklassen.
Eine Behauptung nimmt dieser Eintrag dabei zurück. Die Kombination aus zwei Verschlusszuständen war selten, aber sie war weder einzigartig noch in Suhl erfunden. Das amerikanische leichte Maschinengewehr Johnson M1941 arbeitet seit 1941 nach demselben Grundsatz, auf einem anderen Ladeprinzip und für eine andere Armee, und auch dort war die Fallschirmtruppe der Anlass. Ein Zusammenhang zwischen beiden Konstruktionen ist nirgends belegt; zwei Häuser kamen unabhängig auf dieselbe Antwort, weil sie dieselbe Frage hatten. Die Leistung des FG 42 liegt nicht in der Idee, sondern in ihrer Ausführung mit einem einzigen Stollen und zwei Rasten.
Was von der Waffe blieb, blieb anderswo. Die englischsprachige Darstellung hält fest, dass Merkmale des FG 42 verbreitet dem amerikanischen Maschinengewehr M60 zugeschrieben werden; welche das im Einzelnen sind, sagt sie nicht, und dieser Eintrag behauptet es deshalb auch nicht. Für den Untersuchungsraum bleibt dieselbe Figur wie beim MG 42: Die Bauart wanderte weiter, der Betrieb nicht.
Waffenrechtliches
Vollautomatische Waffe und damit Kriegswaffe nach dem KWKG. Sie wird hier ausschließlich industrie- und technikgeschichtlich dokumentiert. Halbautomatische Nachbauten unterliegen einer eigenen rechtlichen Bewertung. Siehe Methodik.
Offene Forschungsfragen. Erstens die Abzugseinrichtung: Wo genau liegen die beiden Rasten am Verschlussträger, wie weit ist der Restweg im Einzelfeuer, und existiert eine zeitgenössische Schnittzeichnung oder Dienstvorschrift, die das zeigt? Das ist die Kernfrage dieses Eintrags, und sie hängt derzeit an Sekundärdarstellungen. Zweitens die Stückzahlen und ihre Verteilung auf Krieghoff, Sömmerda und Altenburg — die Angaben schwanken zwischen 6.000 und 7.500, und für die beiden kleineren Fertiger liegt keine Zahl vor. Drittens die Maße: Fast jede Angabe kursiert in zwei bis vier Fassungen; drei vermessene Stücke würden die Tabelle bereinigen. Viertens der Werkstoffwechsel: Existiert ein Vorgang, der die Umstellung vom Manganstahlgehäuse auf Blech datiert?
Konstruktion
- Verschluss
- Formschlüssig verriegelter Drehkopfverschluss mit zwei Verriegelungswarzen am Verschlusskopf, die nach der englischsprachigen Darstellung in Rastflächen des Gehäuses greifen. Gesteuert wird die Drehung von einer Schrägkurve im Verschlussträger, der zugleich der Gaskolben ist. Der Schlagbolzen sitzt fest im Träger; ein Hahn oder ein eigenes Schlagstück ist nicht vorhanden.
- Ladeprinzip
- Gasdrucklader mit Langhubkolben unterhalb des Laufs; die zweite Ausführung erhielt einen Gasregler mit vier Stellungen. Der Lauf steht fest. Verriegelungsart und Ladeprinzip sind hier beide voll besetzt — verriegelt und gasbetrieben —, und genau deshalb ist der Verschlusszustand frei wählbar: Einzelfeuer aufschießend aus dem geschlossenen, Dauerfeuer zuschießend aus dem offenen Verschluss.
- Zuführung
- Seitlich links waagerecht eingeführtes Stangenmagazin zu 10 oder 20 Patronen; nachgeladen werden kann bei offenem Verschluss auch über Ladestreifen zu fünf Patronen. Auswurf nach rechts
- Abzug
- Umschaltbar Einzel- und Dauerfeuer über einen Drehhebel rechts über dem Griffstück. Ein einziger Abzugsstollen greift in zwei Rasten des Verschlussträgers; nach der einzigen Fundstelle, die den Mechanismus beschreibt, liegen diese seitlich gegeneinander versetzt, und der Feuerwahlhebel dreht den Stollen in die jeweils passende Stellung
- Sicherung
- Der Spann- und Ladehebel dient nach der englischsprachigen Darstellung zugleich als Sicherung und sperrt in der Sicherungsstellung den Abzugsstollen
- Visierung
- Klappbares Visier aus Korn und Lochkimme, nach der englischsprachigen Darstellung geteilt von 100 bis 1.200 m in Schritten von 100 m bei einer Visierlinie von 530 mm; Montage für Zieloptik (ZFG 42, ZF 4)
Maße und Leistung
- Länge
- 945 mm (erste Ausführung) und 975 mm (späte Ausführung) nach der deutschsprachigen Darstellung; andere Darstellungen nennen 937 mm und 1.060 mm, siehe Belegnotiz
- Lauflänge
- 500 mm; abweichend werden 508 mm und 525 mm genannt
- Gewicht
- 4,2 kg (erste Ausführung) und 4,95 kg (späte) nach der deutschsprachigen Darstellung; andere Darstellungen nennen 4,38 kg, 4,5 kg und 5,05 kg
- Magazin
- 10 oder 20 Patronen, seitlich links; Magazin leer 185 g bzw. 290 g
- V₀
- 740 m/s nach der englischsprachigen, 765 m/s nach einer deutschsprachigen Darstellung; gemessen ist hier keine der beiden
- Kadenz
- 750 bis 800 Schuss/min nach der deutschsprachigen Darstellung; andere nennen rund 900 für die erste und 600 bis 750 für die späte Ausführung
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Ausgangslage im Einzelfeuer — verriegelt, aber noch nicht zündbereit
Die Patrone liegt im Lager, der Verschlusskopf ist mit seinen beiden Warzen eingedreht, der Lauf also verschlossen. Der Verschlussträger steht dabei nicht ganz vorn: Der Abzugsstollen hält ihn in der vorderen der beiden Rasten fest, kurz bevor der fest eingesetzte Schlagbolzen das Zündhütchen erreicht. Nach vorn drückt ihn die Schließfeder. Was hier vor dem Schuss stillsteht, ist also ein festgehaltener Restweg.
- 2
Auslösen im Einzelfeuer
Der Abzug schwenkt den Stollen aus der vorderen Rast. Der Träger legt den verbliebenen Weg zurück, und der mit ihm verbundene Schlagbolzen schlägt das Zündhütchen an. Die Zündenergie stammt damit aus der Vorlaufbewegung des Trägers und nicht aus einer eigenen Schlagfeder. Weil der Weg kurz und die Masse gering ist, liegt die Präzision näher am Repetierer als am zuschießenden Selbstlader.
- 3
Gasentnahme und Entriegelung
Ist das Geschoss an der Gasbohrung vorbei, tritt Gas in den Zylinder unter dem Lauf und treibt den Langhubkolben nach hinten. Der Kolben ist der Verschlussträger. Seinen ersten Weg legt er frei zurück, ohne den Verschlusskopf zu berühren — diese Leerstrecke ist die Zeit, in der der Druck im Lauf fällt. Erst danach greift ein Zapfen in die Schrägkurve und dreht den Kopf aus den Rastflächen; nach der englischsprachigen Darstellung geschieht das gegen Ende des Trägerwegs. Weil die Kurve schräg steht, zieht sie den Kopf beim Drehen zugleich um ein kleines Stück nach hinten, und dieses Stück mit großer Kraft und kurzem Weg ist der Erstauszug: Es löst die Hülse von der Wandung des Lagers.
- 4
Rücklauf, Auszug, Auswurf
Erst nach vollendeter Drehung nimmt der Träger den Verschlusskopf ganz mit zurück. Die Auszieherkralle im Kopf, die beim Zuführen über den Hülsenrand geschnappt ist, hält die Hülse am Stoßboden; der Auswerfer kippt sie nach rechts aus, sobald der Verschluss weit genug offen ist. Weil das Magazin links sitzt, liegen Zuführung und Auswurf auf verschiedenen Seiten.
- 5
Rücklaufende und Puffer
Der Träger läuft gegen den Puffer im Schaftrohr, der die Restenergie aufnimmt. Er ist eine von drei Maßnahmen gegen den Rückstoß der vollen Gewehrpatrone; die beiden anderen sind die Mündungsbremse und der in einer Linie mit der Seelenachse liegende Schaft, der den Hochschlag mindert, statt ihn erst entstehen zu lassen.
- 6
Vorlauf, Zuführwinkel, Verriegeln
Die Schließfeder treibt den Träger vor. Der Stoßboden nimmt die oberste Patrone aus dem waagerecht links liegenden Magazin und schiebt sie seitlich versetzt in das Lager; die Zuführbahn muss den Versatz auffangen, was die Patronenlage empfindlicher macht als bei senkrechter Zuführung. Kurz vor der vorderen Endlage dreht die Schrägkurve den Verschlusskopf in die Rastflächen zurück.
- 7
Der Feuerwahlhebel — was beim Umschalten geschieht
Umgeschaltet wird nicht der Verschluss, sondern der Abzugsstollen. Dass er bei Einzel- und Dauerfeuer in zwei verschiedene Rasten des Verschlussträgers greift, ist doppelt belegt; dass diese Rasten seitlich gegeneinander versetzt sind und der Drehhebel den Stollen zwischen ihnen dreht, steht nur in einer Fundstelle, die für diesen Eintrag nicht unmittelbar abrufbar war. Ein zweiter Stollen, ein zweiter Abzug oder eine zweite Feder ist in keiner Lesart nötig.
- 8
Dauerfeuer — Fang in der hinteren Rast
In dieser Stellung fasst der Stollen die hintere Rast und hält den Träger samt Verschlusskopf ganz hinten fest: offener Verschluss. Wird abgezogen, läuft die Baugruppe vor, führt zu, verriegelt und zündet in einem Zug; danach wiederholt sich der Ablauf, solange der Abzug gehalten wird. Das Patronenlager steht zwischen den Feuerstößen offen und kühlt aus.
- 9
Ende des Feuerstoßes und Sichern
Wird der Abzug losgelassen, tritt der Stollen wieder in die Bahn des Trägers und fängt ihn — im Dauerfeuer hinten, im Einzelfeuer vorn in der Fangrast, aus der ihn erst der nächste Abzug befreit. Gesichert wird nach der englischsprachigen Darstellung über den Spann- und Ladehebel, der in seiner Sicherungsstellung den Stollen sperrt.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verriegelt: Die Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter den Rastflächen des Gehäuses. Der Lauf steht fest — er läuft nicht mit zurück.
- 2 Gasentnahme: Hinter dem Geschoss strömt ein Teil der Pulvergase durch die Laufbohrung in den Gaszylinder und treibt den Kolben zurück. Der Kolben ist fest mit dem Verschlussträger verbunden (Langhub).
- 3 Entriegelung: Eine Steuerkurve im Träger dreht den Verschlusskopf aus den Rastflächen; erst danach nimmt der Träger ihn nach hinten mit.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
MKb 42(H) / StG 44
C. G. Haenel · Deutschland (Suhl) · 1942- System
- Gasdrucklader, Kippblock, Kurzpatrone 7,92 × 33 mm
- Unterschied
- Zwei Suhler Antworten auf dieselbe Frage — beherrschbares Dauerfeuer aus der Hand —, im selben Jahr und wenige Kilometer voneinander entfernt. Das StG 44 löst sie über eine schwächere Patrone, das FG 42 über konstruktiven Aufwand bei voller Gewehrpatrone. Der MKb 42(H) schoss zudem in beiden Feuerarten zu; das FG 42 trennt die Verschlusszustände nach Feuerart und gewinnt damit im Einzelfeuer, was jener verlor.
- Befund
- Historisch setzte sich der Weg über die Patrone durch. Das FG 42 blieb eine Sonderlösung für eine Sondertruppe — aber es zeigt, dass Suhl beide Wege gleichzeitig verfolgte.
Johnson M1941 (leichtes Maschinengewehr)
Johnson Automatics / Cranston Arms · USA · 1941 plausibel- System
- Rückstoßlader mit kurzem Laufrücklauf und Drehkopfverschluss, .30-06 Springfield; Einzelfeuer aufschießend, Dauerfeuer zuschießend
- Unterschied
- Dieselbe Umschaltung zwischen zwei Verschlusszuständen, zwei Jahre früher und auf einem anderen Ladeprinzip. Melvin Johnson löste die Aufgabe an einer Waffe mit zurücklaufendem Lauf, Louis Stange an einem Gasdrucklader mit feststehendem Lauf. Auch die Aufgabe war dieselbe: volle Gewehrpatrone, Dauerfeuer, Fallschirmtruppe.
- Befund
- Der Vergleich korrigiert eine Behauptung, die dieser Eintrag früher geführt hat. Die Kombination war selten, aber nicht einzigartig, und sie war in Suhl nicht erfunden. Ein Übertragungsweg zwischen beiden Häusern ist allerdings nirgends belegt; beide Konstruktionen entstanden gleichzeitig und unabhängig voneinander.
M1 Garand
Springfield Armory und weitere · USA · 1936- System
- Gasdrucklader, Drehkopf, volle Gewehrpatrone, nur Einzelfeuer
- Unterschied
- Dieselbe Patronenklasse und dasselbe Verriegelungsprinzip, aber ohne Dauerfeuer. Die Garand akzeptiert die Grenze, die das FG 42 zu überwinden versucht.
- Befund
- Der Vergleich zeigt, wie ungewöhnlich der FG-42-Ansatz war: Alle anderen zogen aus der vollen Gewehrpatrone den Schluss, auf Dauerfeuer zu verzichten.
Gewehr 43
Walther, Berlin-Lübecker Maschinenfabrik, Gustloff-Werke · Deutschland · 1943- System
- Gasdrucklader mit Gasentnahme über einen Kolben, Kippblockverriegelung, 7,92 × 57 mm, nur Einzelfeuer
- Unterschied
- Der deutsche Regelfall desselben Jahres und derselben Patrone: ein Selbstlader für die Infanterie, ohne Dauerfeuer, ohne Zweibein, aus einfacherer Fertigung und in ungleich größerer Stückzahl. Beide Waffen stehen in diesem Register in derselben Gattung.
- Befund
- Nebeneinandergestellt zeigen die beiden, was der Anspruch auf Dauerfeuer kostete: Das FG 42 wiegt bei kürzerem Lauf mehr, ist erheblich aufwendiger und wurde in einem Bruchteil der Stückzahl gebaut.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Rückstoß bei voller Gewehrpatrone
Trotz Mündungsbremse, gerader Schaftlinie und Puffer bleibt Dauerfeuer aus der Hand schwer zu beherrschen. Das ist die Grenze, an der die Konstruktionsidee scheitert — und die das Sturmgewehr durch die Patrone umgeht.
plausibel
-
Die Mündungsbremse zahlt mit Knall und Blitz
Eine Mündungsbremse mindert den Rückstoß, indem sie austretendes Gas seitlich und teilweise nach hinten ablenkt. Was der Schütze an Rückstoß spart, bekommen er und seine Nachbarn als Druckwelle und Blitz zurück, und zwar bei einer vollen Gewehrpatrone in erheblichem Maß. Aus liegender Stellung kommt aufgewirbelter Boden hinzu.
plausibel
-
Der Verschlusszustand des Dauerfeuers kostet den ersten Treffer
Was das Einzelfeuer gewinnt, verliert das Dauerfeuer: Vor jedem Feuerstoß läuft die gesamte Verschlussbaugruppe nach vorn, und dieser Massenwechsel verzieht den ersten Schuss. Die Umschaltung löst also nicht ein Problem, sondern verteilt zwei Nachteile auf zwei Feuerarten. Genau diesen Nachteil trug der zuschießende MKb 42(H) in beiden Feuerarten.
plausibel
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Der Schlagbolzen sitzt fest im Verschlussträger
Ein eigenes Schlagstück gibt es nicht; die Zündenergie liefert der Vorlauf des Trägers. Eine ermüdete Schließfeder, ein verschmutzter Gaskolben oder ein zu schwach eingestellter Gasregler senken damit nicht nur die Nachladesicherheit, sondern unmittelbar die Zündsicherheit. Der Fehler zeigt sich als Zündversager und wird gern der Munition zugeschrieben.
plausibel
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Seitliches Magazin
Die seitliche Zuführung verlagert den Schwerpunkt beim Leerschießen und erschwert das Schießen aus Deckung. Sie war der Bauhöhe geschuldet, nicht der Ergonomie. Hinzu kommt der seitliche Versatz der Patrone auf dem Weg ins Lager; die Zuführung ist dadurch empfindlicher gegen verbogene Magazinlippen als eine senkrechte.
plausibel
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Fertigungsaufwand und Werkstoffabhängigkeit
Die Waffe war aufwendig und teuer. Sie blieb deshalb eine Kleinserie für die Fallschirmtruppe, während das StG 44 in Blechpresstechnik zur Massenwaffe wurde. Der Bruch kam mitten in der Fertigung: Nach rund 2.000 Stück ging der Manganstahl, aus dem die Gehäuse geschmiedet waren, in andere Verwendungen, und die Waffe musste auf Blechprägeteile umgezeichnet werden. Die zweite Ausführung ist deshalb keine Verbesserung aus Erkenntnis, sondern zuerst eine Antwort auf einen Werkstoffmangel.
plausibel
Verwendung
- Fallschirmjäger der Luftwaffe ab 1943 — eine Sonderwaffe für eine Sondertruppe, in Kleinserie; als erster dokumentierter Einsatz gilt die Befreiung Mussolinis („Unternehmen Eiche") im September 1943
- Serienfertigung bei Heinrich Krieghoff in Suhl, in geringerem Umfang bei Rheinmetall und bei L. O. Dietrich in Altenburg
Quellen
- [Online] Wikipedia (en) — FG 42 , Louis Stange als Konstrukteur im Werk Sömmerda der Rheinmetall-Borsig AG; Forderung des Reichsluftfahrtministeriums 1941 nach Kreta; Werksbezeichnung „Gerät 450" beziehungsweise Ausführung A; Erprobung bei der Prüfstelle GL/C E-6 in Tarnewitz Mitte 1942; Vergabe an Krieghoff in Suhl, weil Rheinmetall keine Fertigungskapazität hatte; Wechsel vom geschmiedeten Manganstahlgehäuse zum Blechprägegehäuse nach rund 2.000 Stück; rund 7.000 Waffen 1943 bis 1945 bei Krieghoff, Rheinmetall und L. O. Dietrich; Langhubkolben, Drehkopf mit zwei Warzen, Schlagbolzen am Verschlussträger, Freigabe über die vordere Rast im Einzelfeuer und gleichzeitige Freigabe von Verschluss und Träger im Dauerfeuer, Feuerwahlhebel rechts über dem Griffstück, Ladehebel zugleich Sicherung; Maße 945/975 mm, Lauf 500 mm, 4,2/4,95 kg, 740 m/s, Visierlinie 530 mm mit Teilung 100 bis 1.200 m, Magazine zu 10 (185 g) und 20 (290 g), Ladestreifen zu fünf; Gasregler mit vier Stellungen und Klappbajonett an der späten Ausführung Link
- [Online] Wikipedia (de) — Fallschirmjägergewehr 42 , Gasdrucklader mit Gaskolben (Steuerstück), Drehverschluss und seitlichem Magazin; „Bei Einzelfeuer funktioniert das FG 42 aufschießend, um eine größere Treffergenauigkeit zu erzielen. Bei Dauerfeuer ist die Waffe zuschießend, um einer Selbstzündung der Patrone in einem heißen Patronenlager vorzubeugen"; Schulterstütze gegen den Hochschlag; Maße 945 mm und 975 mm, Lauf 500 mm, 4,2 kg und 4,95 kg, 750 bis 800 Schuss/min; rund 7.500 Stück Link
- [Online] Lutz Möller — Fallschirmjägergewehr 42 , Deutschsprachige Systembeschreibung. Fundstelle für den Mechanismus der Umschaltung: Der Abzugstollen im Griffstück greift bei Einzel- und Dauerfeuer in verschiedene, seitlich versetzte Rasten des Verschlussträgers, und der Feuerwahlschalter dreht ihn in die entsprechende Position. ACHTUNG: Die Seite war für diesen Eintrag nur über die Suchmaschinenwiedergabe zugänglich; der unmittelbare Abruf lieferte eine leere Seite. Eine Werksquelle ist sie nicht Link
- [Online] American Rifleman — SMG Guns FG42 , Beschreibung eines modernen Nachbaus mit Angaben zum Original: „it fired in full-automatic mode from an open bolt and semi-automatically from a closed bolt, this being effected by two different sear/bolt-carrier notches"; Langhubkolben mit Verschlussträger, der zwei Warzen am Verschlusskopf dreht; Puffer im Schaftrohr, um 90 Grad zu drehen und auszubauen; verbesserte Mündungsbremse und versetztes Zweibein an der zweiten Ausführung. ACHTUNG: Die Abzugseinrichtung des Nachbaus ist gegenüber dem Original geändert; Angaben zu Federn sind daher nicht übernommen Link
- [Online] Modern Firearms — FG-42 Fallschirmjäger rifle , Maxim Popenker. Langhubkolben unter dem Lauf, Drehkopf mit zwei Warzen; Gasregler an der zweiten Ausführung; Staubschutzklappen am Magazinschacht und Hülsenabweiser hinter dem Auswurffenster; Maße Typ A 937 mm mit 508 mm Lauf, 4,38 kg, rund 900 Schuss/min, rund 2.000 Stück; Typ B 1.060 mm mit 525 mm Lauf, 5,05 kg, rund 600 Schuss/min, rund 5.000 Stück Link
- [Literatur] Krieg 1984 — SWM-Serie „Sturmgewehre" (3): Fallschirmjägergewehr 42 , Max Meinrad Krieg, Schweizer Waffen-Magazin, Heft 6/1984; hier nur über eine Netzwiedergabe des Beitrags eingesehen. Gasdrucklader mit Drehwarzenverschluss, Gasgestänge zugleich Verschlussträger; Konstrukteur Louis Stange von Rheinmetall, Fertigung bei Krieghoff; Gesamtlänge 948 mm, Lauf 500 mm, 4,5 kg, 750 Schuss/min; rund 6.000 Stück, davon rund 2.000 der ersten und gut 3.000 der zweiten Ausführung Link
- [Online] Wikipedia (en) — M1941 Johnson machine gun , Vergleichsstück: Dauerfeuer aus dem offenen, Einzelfeuer aus dem geschlossenen Verschluss; Rückstoßlader mit kurzem Laufrücklauf, .30-06 Springfield, rund 450 Schuss/min Link
- [Online] Krieghoff — Unternehmensgeschichte Link
- [Online] Bundesministerium der Justiz — Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen, Anlage (Kriegswaffenliste) Link