Modell
MG 42
- Fertigung
- Großfuß , Gustloff-Werke Suhl
- Kaliber
- 7,92 × 57 mm
- Zeitraum
- 1942–1945
- Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden
Fertigung bei Großfuß in Döbeln, Gruners Rolle, Blechpressbauweise, Rollenverriegelung und die hohe Kadenz sind übereinstimmend belegt. Der Konstrukteur der Rollenverriegelung selbst ist unbekannt. NEU BELEGT und für dieses Register erheblich: Der Wettbewerb vom Februar 1937 lief zwischen Großfuß (Döbeln), Rheinmetall-Borsig (Sömmerda) und Stübgen (Erfurt) — alle drei im Untersuchungsraum; die Entwürfe wurden am 26. Oktober 1937 vorgelegt. Die Fertigungs- und Kostenvergleiche gegen das MG 34 (75 zu 150 Stunden, 27,5 zu 49 kg, 250 zu 327 RM), die Gesamtstückzahl von 423.600 und die Jahreswerte stammen aus einer einzelnen, allerdings ausführlich belegten Darstellung und sind hier NICHT gegen Primärakten geprüft. Für die Fertigung im Untersuchungsraum ist belegt, dass die Gustloff-Werke Suhl 1944 annähernd 62.000 MG 42 fertigten — das ist knapp ein Drittel der Jahresfertigung von 211.806 Stück; der Anteil ist hier gerechnet, nicht zitiert. NICHT ERFASST sind die vollständige Fertigerliste mit Kennzeichen, die Zulieferstruktur und die Frage, welcher Anteil der Gesamtfertigung auf den Untersuchungsraum entfällt. Ein Herstellereintrag zu Stübgen Erfurt fehlt bislang.
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Bei diesem Maschinengewehr treibt nicht abgezweigtes Gas den Nachladevorgang an, sondern der Rückstoß selbst. Beim Schuss wird der Lauf zusammen mit dem Verschluss ein kurzes Stück nach hinten geschoben — der Verschluss ist das Stahlstück, das den Lauf von hinten zuhält. Zusammengehalten werden beide von zwei Stahlrollen an seinem vorderen Ende, die ein keilförmiges Stück von innen nach außen in Aussparungen drückt; solange der Keil dahintersteht, kann der Druck des Schusses die Rollen nicht hereindrücken. Nach dem kurzen gemeinsamen Weg laufen die Rollen auf schräge Flächen, werden nach innen gedrängt und geben den Verschluss frei — ganz ohne Drehbewegung, weshalb die Baugruppe kurz baut und sehr schnell arbeitet. Der Verschluss läuft zurück, wirft die leere Patronenhülse aus, zieht über einen Nocken im Deckel den Patronengurt um eine Stelle weiter und wird von einer Feder wieder nach vorn geschoben. Dazu kommt ein zweiter Kniff an der Mündung: Ein aufgesetztes Teil fängt die austretenden Gase auf und stößt den Lauf damit zusätzlich nach hinten. Das beschleunigt den Ablauf so stark, dass die Waffe etwa zwölfhundert Schuss in der Minute abgibt — mehr als jede vergleichbare Konstruktion ihrer Zeit. Wie schnell genau, hängt an einer einzigen Größe: dem Gewicht des Verschlusses. Ein leichterer läuft schneller hin und her, ein schwererer langsamer; die Nachkriegsausführungen haben die Waffe allein dadurch gebremst, dass man ihr einen schwereren Verschluss gab. Der Preis der Geschwindigkeit steht unmittelbar daneben: Der Lauf wird in kürzester Zeit glühend heiß und lässt sich deshalb seitlich ausschwenken und in Sekunden gegen einen Ersatzlauf tauschen. Ohne diesen Wechsel ist längeres Feuern nicht möglich — und genau diese Sekunden nutzten gegnerische Truppen später, um anzugreifen.
Das MG 42 gehört in dieses Register, weil es in Döbeln in Sachsen entstand, bei der Metall- und Lackwarenfabrik Johannes Großfuß, einem Betrieb, der zuvor nie Waffen gebaut hatte. Beim Nachrecherchieren stellte sich heraus, dass die regionale Verbindung noch weiter reicht, als der Eintrag bislang sagte.
Ein Wettbewerb zwischen drei Betrieben — alle drei aus dieser Region
Im Februar 1937 forderte das Heereswaffenamt drei Firmen auf, ein neues Maschinengewehr zu entwerfen:
| Firma | Ort | Entwurf |
|---|---|---|
| Metall- und Lackwarenfabrik Johannes Großfuß | Döbeln, Sachsen | Rückstoßlader mit Rollenverriegelung |
| Rheinmetall-Borsig | Sömmerda, Thüringen | Gasdrucklader (Louis Stange) |
| Stübgen AG | Erfurt, Thüringen | Gasdrucklader |
Alle drei liegen im Gebiet der heutigen ostdeutschen Länder. Wer immer diesen Wettbewerb gewonnen hätte — das Einheitsmaschinengewehr der Wehrmacht wäre aus dieser Region gekommen.
Die Ausschreibung war ungewöhnlich präzise darin, was sie wollte, und ungewöhnlich offen darin, wie: gefordert war eine Konstruktion in Blechpressbauweise, mit weiteren Toleranzen als beim MG 34 und einem Gehäuse, in dem eingedrungener Schmutz Platz hat, bei möglichst weitgehender Weiterverwendung des vorhandenen MG-34-Zubehörs — insbesondere der Gurte 33 und 34. Das Verriegelungsprinzip war freigestellt.
Am 26. Oktober 1937 wurden die Entwürfe vorgelegt. Rheinmetall und Stübgen brachten Gasdrucklader, Großfuß einen Rückstoßlader. Großfuß gewann.
Zwei Nebenbefunde. Der Rheinmetall-Entwurf stammte von Louis Stange — demselben Konstrukteur, der wenige Jahre später in Sömmerda das FG 42 entwarf. Er verlor also den MG-Wettbewerb und löste dieselbe Grundaufgabe kurz darauf anders. Und: Stübgen Erfurt fehlt in diesem Register bislang vollständig; der Betrieb ist damit als Lücke benannt.
Fertigung
Die Konstruktion kam aus Döbeln, gebaut wurde in mehreren Werken: Großfuß selbst, Mauser-Werke, Wilhelm-Gustloff-Stiftung, Steyr-Daimler-Puch und MAGET in Berlin-Tegel.
Insgesamt entstanden 423.600 Stück, verteilt über vier Jahre:
| Jahr | Stück |
|---|---|
| 1942 | 17.915 |
| 1943 | 116.725 |
| 1944 | 211.806 |
| 1945 | 61.877 |
Für dieses Register ist eine dieser Zahlen entscheidend. 1944 fertigten die Gustloff-Werke in Suhl annähernd 62.000 MG 42, dazu 2.500 Lafetten für die 2-cm-Flak 38. Gegen die Jahresfertigung von 211.806 Stück gerechnet sind das knapp drei Zehntel der gesamten MG-42-Fertigung des Jahres 1944 — aus einem einzigen Werk in Suhl.
Damit liegen Entwurf und ein erheblicher Teil der Großserienfertigung dieser Waffe beide im Untersuchungsraum, an zwei Orten, die sonst wenig miteinander zu tun haben: eine sächsische Lackierwarenfabrik und der enteignete Suhler Simson-Betrieb.
Die Kehrseite gehört dazu. Das Suhler Werk war 1944 ein Betrieb der Wilhelm-Gustloff-Stiftung, also ein enteigneter jüdischer Familienbetrieb, und produzierte unter Einsatz von Zwangsarbeit. Wer die Fertigungsleistung nennt, muss die Bedingungen mitnennen.
Warum es das MG 42 überhaupt gibt
Nicht, weil das MG 34 schlecht schoss. Es war konstruktiv hochwertig — und aus zwei Gründen untauglich für einen langen Krieg: Es war zu teuer in der Fertigung und empfindlich gegen Nässe, Schmutz und Schlamm, weil enge Toleranzen keinen Platz für eingedrungenes Material lassen.
Der Fortschritt des MG 42 liegt deshalb nicht in der Ballistik, sondern im Verfahren. In Zahlen:
| MG 34 | MG 42 | Ersparnis | |
|---|---|---|---|
| Fertigungsstunden | 150 | 75 | 50 % |
| Werkstoffeinsatz | 49 kg | 27,5 kg | 44 % |
| Preis | 327 RM | 250 RM | 24 % |
Die Waffe ist im Wesentlichen aus gehärtetem Kohlenstoffstahlblech gepresst und gestanzt, punkt- geschweißt und genietet, statt aus dem Vollen gefräst.
Bemerkenswert ist das Verhältnis der drei Zahlen zueinander: Die Arbeitszeit halbiert sich, der Werkstoff sinkt um 44 Prozent — der Preis aber nur um ein knappes Viertel. Blech war nicht billig, und die Presswerkzeuge mussten erst gebaut werden. Der Gewinn liegt nicht im Stückpreis, sondern darin, dass die Fertigung nicht mehr an gelernten Facharbeitern und Fräsmaschinen hängt. Genau das ist der Punkt, an dem Rüstungsfertigung im Krieg skalierbar wird — und genau darin liegt die Verbindung zum Sturmgewehr aus Suhl und, zwei Jahrzehnte später, zur MPi KM aus Wiesa. Siehe Fertigungsverfahren.
Konstruktion
Rollenverriegelung
Zwei Rollen werden von einem keilförmigen Steuerstück nach außen in Ausnehmungen der Laufverlängerung gedrückt. Zur Entriegelung laufen sie auf schräge Flächen und werden nach innen gezwungen — ohne Drehbewegung.
Der Unterschied zum Drehkopfverschluss des MG 34 ist nicht ästhetisch, sondern zeitlich: Ein Drehkopf muss erst eine Drehung zurücklegen, bevor er sich lösen kann. Die Rollen brauchen nur einen kurzen radialen Weg. Das macht die Baugruppe kürzer und den Zyklus schneller — und ist einer der beiden Gründe für die außergewöhnliche Kadenz.
Der Rückstoßverstärker
Der zweite Grund sitzt an der Mündung. Ein aufgesetztes Teil fängt die austretenden Pulvergase auf und treibt den Lauf damit zusätzlich nach hinten. Es ist zugleich Mündungsfeuerdämpfer.
Das Bauteil ist der Grund, warum ein MG 42 ohne diesen Aufsatz nicht funktioniert — die Waffe läuft dann nicht durch. Für die Beurteilung eines Stücks ist das ein Prüfpunkt: Ein fehlender oder falscher Rückstoßverstärker ist kein Zubehörmangel, sondern ein Funktionsmangel.
Die Kadenz sitzt im Verschlussgewicht
Die theoretische Feuergeschwindigkeit des MG 42 liegt bei rund 1.200 Schuss je Minute — je nach eingebautem Verschluss zwischen 900 und 1.500. Das ist keine Streuung, sondern eine Einstellgröße:
| Verschluss | Kadenz | wo verbaut |
|---|---|---|
| 505 g | rund 1.500/min | frühe Ausführung |
| 650 g | 1.100–1.300/min | MG 3, Standard |
| 900 g | 800–950/min | MG 3, schwerer Verschluss |
| 950 g | 850/min | österreichisches MG 74 |
| 1.200 g | rund 800/min | italienisches MG 42/59 |
Die gesamte Nachkriegsgeschichte dieser Waffe besteht im Wesentlichen darin, sie langsamer zu machen — durch nichts anderes als einen schwereren Verschluss.
Beliebig geht das nicht. Der Gurttransport braucht eine Mindestkadenz von rund 850 Schuss je Minute, um zuverlässig zu arbeiten. Die Grenze der Verlangsamung liegt also nicht im Verschluss, sondern in der Zuführung — ein Zusammenhang, den man der Waffe von außen nicht ansieht.
Theoretische und praktische Feuerrate
1.200 Schuss je Minute heißt nicht, dass ein MG 42 in einer Minute 1.200 Schuss abgibt. Die Ausbildung sah Stöße von drei bis sieben Schuss auf dem Zweibein vor und zwanzig bis fünfzig von der Lafette, mit Nachrichten zwischen den Stößen. Die praktische Feuerrate lag bei rund 153 Schuss je Minute — einem Achtel des theoretischen Wertes. Im Notfall, zur letzten Abwehr, waren bis zu 500 Schuss je Minute vorgesehen.
Wer eine Kadenzangabe liest, liest also eine Eigenschaft des Mechanismus, nicht eine Aussage über den Munitionsverbrauch.
Der Laufwechsel — und was er den Gegnern verriet
Aus der Kadenz folgt die Überhitzung, aus der Überhitzung der Wechsellauf. Ein Hebel entriegelt den Mantel, der Lauf schwenkt seitlich heraus, das Ganze dauert unter zehn Sekunden. Die Standzeit liegt je nach Zugausführung bei 3.500 bis 8.000 Schuss; 500 Schuss ohne Pause machen einen Lauf unbrauchbar.
Diese elegante Lösung schuf ihr eigenes Problem. Amerikanische und britische Truppen lernten, in Deckung zu bleiben und die Stellung genau während des Laufwechsels anzugreifen. Eine konstruktive Antwort auf eine physikalische Grenze wurde damit zu einer vorhersehbaren, wiederkehrenden Blöße — die Waffe kündigte ihre eigene Feuerpause an.
Warum der Nachbau scheiterte
1944 versuchten die Vereinigten Staaten, die Waffe für die eigene Patrone .30-06 nachzubauen: der T24. Die Erprobung in Aberdeen im Januar und Februar 1944 ergab im Mittel 614 Schuss je Minute und 51 Störungen auf 1.583 Schuss. Das Vorhaben wurde eingestellt.
Der Grund ist lehrreich. Die .30-06 ist länger als die 7,92 × 57 und verlangt einen längeren Verschlussweg. Damit stimmten die aufeinander abgestimmten Massen- und Wegverhältnisse nicht mehr, und die Waffe lief nicht durch. Eine aus Blech gepresste Konstruktion ist also einfach zu fertigen, aber deshalb nicht einfach zu verändern — die Einfachheit sitzt im Verfahren, die Empfindlichkeit in der Abstimmung.
Der Gegenbeleg dazu ist das jugoslawische M53: weitgehend maßgleich, in derselben Patrone 7,92 × 57, auf deutschen Maschinen gefertigt — und funktionierend. Wer nichts änderte, bekam eine funktionierende Waffe; wer die Patrone tauschte, nicht.
Was aus dem Prinzip wurde
Von der Rollenverriegelung führen zwei Linien in die Gegenwart:
- Die ČZ vz. 52 von 1952, die erste Pistole überhaupt mit Rollenverriegelung.
- Über die Mauser’sche Weiterentwicklung vom verriegelnden zum verzögernden Rollensystem entstand die Grundlage der gesamten Heckler-&-Koch-Familie: G3, MP5 und ihre Ableitungen. Siehe Die Rollenlinie.
Die Waffe selbst lebte ebenfalls weiter: ab 1958 als MG 1 in 7,62 × 51 mm NATO bei der Bundeswehr, später als MG 3; in Jugoslawien als M53, in Italien als MG 42/59, in Österreich ab 1974 als MG 74. Die Schweizer MG 51 übernahm die Bauform, aber nicht die Rollen — sie verriegelt mit Klappen.
Zurechnung mit Vorsicht. Wer die Rollenverriegelung des MG 42 konstruierte, ist unbekannt; Gruner war Massenfertigungsfachmann und wurde vermutlich von Waffenfachleuten unterstützt. Die HK-Linie geht auch nicht unmittelbar auf Döbeln zurück, sondern auf die Mauser’sche Umdeutung des Prinzips. Die Verbindung ist real, aber indirekt.
Der Name, der schon vergeben war
Unter den vielen Beinamen der Waffe steht auf britischer Seite auch „Spandau” — als Sammelbezeichnung für deutsche Maschinengewehre überhaupt.
Das ist bemerkenswert, weil dieser Name aus dem Ersten Weltkrieg stammt und dort seine Berechtigung hatte: Auf dem Gehäuse der in der Gewehrfabrik Spandau gefertigten Maschinengewehre stand SPANDAU in großen Buchstaben. Ein Vierteljahrhundert später wurde er auf eine Waffe übertragen, die in Döbeln entworfen und unter anderem in Suhl gebaut wurde — mit Spandau hatte sie nichts zu tun.
Für die Objektkunde ist das der Musterfall dafür, dass ein geläufiger Waffenname über den Fertigungsort nichts aussagt. Die übrigen Beinamen — Hitlersäge, Knochensäge, „Linoleumreißer” auf sowjetischer Seite — beschreiben immerhin das Geräusch, das aus der Kadenz folgt: Bei 1.200 Schuss je Minute kann das Ohr die Einzelschüsse nicht mehr trennen.
Für die Bestimmung
- Rückstoßverstärker an der Mündung vorhanden und passend? Ohne ihn läuft die Waffe nicht durch; sein Fehlen ist ein Funktions-, kein Zubehörmangel.
- Verschlussgewicht. Es bestimmt die Kadenz und unterscheidet die Ausführungen — 505 g früh, 650 g und 900 g beim MG 3, 950 g österreichisch, 1.200 g italienisch.
- Patronenlager. 7,92 × 57 mm bei MG 42 und jugoslawischem M53; 7,62 × 51 mm NATO bei MG 1 und MG 3. Das ist der erste Schnitt zwischen Kriegs- und Nachkriegsstück.
- Zuführdeckel und Gurt. Gurte 33, 34 oder 34/41 — der 34/41 hat 0,5 mm statt 0,7 mm starke Glieder und spart damit ein Drittel Metall; er ist ein spätes Merkmal.
- Fertigerkennzeichen. Großfuß, Mauser, Gustloff, Steyr und MAGET. Welches Kennzeichen zu welchem Werk gehört, ist in diesem Register bislang nicht erfasst — siehe Fertigungskennzeichen für die Systematik.
Offene Forschungsfragen. Welchen Anteil an den 423.600 Stück trug der Untersuchungsraum insgesamt? Belegt ist nur ein einzelnes Jahr eines einzelnen Werks. — Welche Fertigungskennzeichen führten Großfuß und die Gustloff-Werke am MG 42? — Was war die Stübgen AG in Erfurt, und was wurde aus ihr? — Und wer konstruierte die Rollenverriegelung tatsächlich?
Waffenrechtliches
Vollautomatische Waffe und damit Kriegswaffe nach dem KWKG. Sie wird hier ausschließlich industrie- und technikgeschichtlich dokumentiert. Siehe Methodik.
Konstruktion
- Verschluss
- Rollenverriegelung: Zwei Rollen am Verschlusskopf werden von einem keilförmigen Steuerstück nach außen in Ausnehmungen der Laufverlängerung gedrückt. Beim Rücklauf laufen sie auf schräge Flächen und werden nach innen gezwungen — die Entriegelung erfolgt ohne jede Drehbewegung.
- Ladeprinzip
- Rückstoßlader mit kurzem Laufrücklauf, unterstützt durch einen Rückstoßverstärker an der Mündung, der die austretenden Gase auffängt und den Lauf zusätzlich nach hinten treibt.
- Zuführung
- Gurtzuführung mit zwei Zuführklinken; nicht zerfallende Metallgliedgurte Patronengurt 33, 34 oder 34/41, dazu die Gurttrommel mit 50 Schuss. Kastengurte zu 250 oder 300 Schuss.
- Abzug
- Nur Dauerfeuer. Einzelfeuer ist bei dieser Kadenz auch mit Übung nicht zu treffen.
- Sicherung
- Druckknopfsicherung am Pistolengriff
- Visierung
- Klappkorn und Klappvisier mit V-Kimme, 200 bis 2.000 m in 100-m-Schritten, Visierlinie 430 mm. Auf der Lafette Zielfernrohr MG Z 34/40 mit vierfacher Vergrößerung, spät im Krieg MG Z 44. Dazu ein Ringkorn gegen Flugziele.
Maße und Leistung
- Länge
- 1.220 mm
- Lauflänge
- 530 mm
- Gewicht
- 11,6 kg mit Zweibein; Laufeinheit 1,75 kg; Lafette 42 zusätzlich 20,5 kg
- Magazin
- Gurt zu 50 oder 250 Schuss; Gurttrommel 50 Schuss
- V₀
- 740 m/s mit dem s.S.-Geschoss
- Kadenz
- theoretisch rund 1.200/min, je nach Verschlussgewicht zwischen 900 und 1.500/min — praktisch dagegen 153 bis 154 Schuss/min im geregelten Feuer
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Verriegelt und schussbereit
Die beiden Rollen sitzen in Ausnehmungen der Laufverlängerung, nach außen gedrückt von einem keilförmigen Steuerstück im Verschlussträger. Der Gasdruck kann sie nicht nach innen drücken, solange das Steuerstück dahintersteht. Die Waffe schießt zu — der Verschluss steht vor dem Schuss offen, wie bei der MP 18.
- 2
Gemeinsamer Rücklauf
Lauf, Laufverlängerung und Verschluss laufen verriegelt zurück. Ein Rückstoßverstärker an der Mündung fängt die austretenden Gase ab und treibt den Lauf zusätzlich nach hinten — daraus stammt ein erheblicher Teil der außergewöhnlich hohen Kadenz. Er ist zugleich Mündungsfeuerdämpfer.
- 3
Entriegelung
Die Rollen treffen auf schräge Steuerflächen und werden nach innen gezwungen; das Steuerstück wird dabei zurückgedrängt. Der Verschlusskopf ist frei — ohne jede Drehbewegung, was die Baugruppe kurz und schnell macht. Genau hier liegt der Unterschied zum Drehkopfverschluss des MG 34, der erst eine Drehung zurücklegen muss.
- 4
Rücklauf, Auswurf, Gurttransport
Der Verschluss läuft zurück, wirft die Hülse nach unten aus und betätigt über einen Steuernocken im Deckel den Gurttransport. Zwei Zuführklinken teilen sich den Weg des Gurtes: Die eine zieht, während die andere hält, so dass der Gurt nicht ruckartig, sondern in zwei halben Schritten wandert. Das ist der Grund, warum die Zuführung diese Kadenz überhaupt verträgt.
- 5
Vorlauf und Verriegelung
Die Schließfeder treibt vor; der Verschluss nimmt die Patrone aus dem Gurt, schiebt sie ins Lager, und das Steuerstück drückt die Rollen wieder nach außen in die Ausnehmungen. Erst danach kann gezündet werden.
- 6
Laufwechsel
Wegen der hohen Kadenz überhitzt der Lauf schnell. Ein Hebel entriegelt den Laufmantel, der Lauf schwenkt seitlich heraus und ist in unter zehn Sekunden getauscht. Die Standzeit liegt je nach Zugausführung und Feuerdisziplin bei 3.500 bis 8.000 Schuss; 500 Schuss am Stück machen einen Lauf unbrauchbar.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verriegelt: Ein keilförmiges Steuerstück am Verschlusskopf drückt zwei Rollen nach außen in Ausnehmungen des Laufhalters. Der Formschluss ist vollständig — der Verschluss kann sich nicht öffnen, solange die Rollen außen stehen.
- 2 Gemeinsamer Rücklauf: Lauf, Laufhalter und verriegelter Verschluss laufen als eine Einheit zurück, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat. Diese Waffen haben Laufrücklauf.
- 3 Zwangsentriegelung: Feste Steuerflächen im Gehäuse laufen gegen die Rollen und drücken sie nach innen. Erst danach trennt sich der Verschluss vom Lauf und läuft allein weiter — die Rollen wirken hier als Riegel, nicht als Bremse.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
MG 34
Rheinmetall-Borsig Sömmerda, Mauser-Werke u. a. · Deutschland (u. a. Sömmerda) · 1934 plausibel- System
- Rückstoßlader mit kurzem Laufrücklauf, Drehkopfverschluss mit Verriegelungswarzen, gefräste Bauweise
- Unterschied
- Der unmittelbare Vorgänger und der Grund, warum es das MG 42 gibt. Das MG 34 war konstruktiv hochwertig, aber zu aufwendig für die Massenfertigung und empfindlich gegen Nässe, Schmutz und Schlamm. Der Unterschied ist in Zahlen messbar: 75 statt 150 Fertigungsstunden, 27,5 statt 49 kg Werkstoff, 250 statt 327 Reichsmark.
- Befund
- Das MG 42 ist keine bessere Waffe im technischen Sinn, sondern eine billigere bei gleicher oder besserer Wirkung. Genau darin liegt seine Bedeutung für dieses Register: Der Fortschritt liegt im Verfahren, nicht in der Ballistik.
MG 39 Rh
Rheinmetall-Borsig, Sömmerda · Deutschland (Sömmerda) · 1939 plausibel- System
- Gasdrucklader, Konstruktion Louis Stange
- Unterschied
- Der unterlegene Mitbewerber aus dem Wettbewerb von 1937 — und zwar aus demselben Untersuchungsraum, von demselben Konstrukteur, der wenig später das FG 42 entwarf. Rheinmetall und Stübgen legten am 26. Oktober 1937 Gasdrucklader vor, Großfuß einen Rückstoßlader.
- Befund
- Der Wettbewerb um das deutsche Einheitsmaschinengewehr wurde zwischen drei Firmen ausgetragen, die alle drei im Gebiet der heutigen ostdeutschen Länder lagen. Wer immer gewonnen hätte — die Waffe wäre aus dieser Region gekommen.
FG 42
Rheinmetall-Borsig, Sömmerda · Deutschland (Sömmerda) · 1942 plausibel- System
- Gasdrucklader mit Langhubkolben, Drehkopfverschluss, 7,92 × 57 mm
- Unterschied
- Im selben Jahr und aus demselben Haus wie der unterlegene MG-Entwurf. Louis Stange löste dieselbe Aufgabe — Dauerfeuer mit der Gewehrpatrone — auf dem Weg des Gasdrucks statt des Laufrücklaufs, und für einen Mann statt für eine Bedienung.
- Befund
- Zwei Antworten desselben Konstrukteurs, beide 1942, beide aus Sömmerda. Zusammen mit dem MG 42 und dem Sturmgewehr aus Suhl fallen damit vier grundverschiedene Dauerfeuerkonstruktionen in dieselben zwei Jahre und in dieselbe Region.
MKb 42(H) / StG 44
C. G. Haenel · Deutschland (Suhl) · 1942 gesichert- System
- Gasdrucklader, Kippblockverriegelung, Kurzpatrone, Blechpressbauweise
- Unterschied
- Im selben Jahr und im selben Untersuchungsraum entstanden, mit derselben fertigungstechnischen Grundidee: Blechpressteile statt gefräster Bauteile. Verschieden sind Ladeprinzip, Verriegelung und Patrone.
- Befund
- Zwei Waffen, zwei Betriebe, ein Verfahren. Die Blechpresstechnik ist der technische rote Faden dieser Region — siehe Fertigungsverfahren.
ČZ vz. 52
Česká zbrojovka · Tschechoslowakei · 1952 plausibel- System
- Pistole mit Rollenverriegelung, 7,62 × 25 mm
- Unterschied
- Die erste Pistole überhaupt mit Rollenverriegelung — abgeleitet von diesem Prinzip und zehn Jahre später.
- Befund
- Der erste Beleg dafür, dass die Rollenverriegelung über das Maschinengewehr hinaus wirkte. Die zweite, weit folgenreichere Linie führt über die Mauser'sche Umdeutung zum verzögernden System — siehe Die Rollenlinie.
T24
Saginaw Steering Gear, General Motors · Vereinigte Staaten · 1944 plausibel- System
- Nachbauversuch des MG 42 in .30-06 Springfield, Verschluss 1.332 g
- Unterschied
- Der Versuch, die Waffe aus erbeuteten Stücken nachzubauen — und er scheiterte. Die Erprobung in Aberdeen im Januar und Februar 1944 ergab im Mittel 614 Schuss/min und 51 Störungen auf 1.583 Schuss. Das Vorhaben wurde eingestellt.
- Befund
- Ein selten deutliches Gegenbeispiel zur Annahme, eine aus Blech gepresste Waffe sei leicht zu kopieren. Die längere Patrone .30-06 verlangte einen längeren Verschlussweg, und die abgestimmten Massenverhältnisse gingen dabei verloren. Die Konstruktion ist einfach zu FERTIGEN, aber nicht einfach zu VERÄNDERN.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Munitionsverbrauch durch die hohe Kadenz
Rund 1.200 Schuss pro Minute sind taktisch nicht nur ein Vorteil: Der Verbrauch ist entsprechend hoch, und die Streuung des Feuerstoßes wächst. Die Ausbildung antwortete darauf mit Feuerdisziplin — Stöße von drei bis sieben Schuss auf dem Zweibein, zwanzig bis fünfzig auf der Lafette. Die praktische Feuerrate lag damit bei rund 153 Schuss/min, also bei einem Achtel der theoretischen.
plausibel
-
Laufüberhitzung und der Wechsel als taktische Lücke
Die Kadenz erzwingt den schnellen Laufwechsel; ein Ersatzlauf gehört zur Waffe, und die Standzeit liegt bei 3.500 bis 8.000 Schuss. Amerikanische und britische Truppen lernten, in Deckung zu gehen und die Stellung während des Laufwechsels anzugreifen. Die konstruktive Antwort auf die Überhitzung — Wechsel in unter zehn Sekunden — schuf damit selbst eine wiederkehrende, vorhersehbare Blöße.
plausibel
-
Die Kadenz lässt sich nicht beliebig senken
Die Zuführung braucht eine Mindestkadenz von rund 850 Schuss/min, um zuverlässig zu arbeiten. Wer die Waffe langsamer machen will, stößt also an eine Grenze, die nicht im Verschluss, sondern im Gurttransport liegt. Die Nachkriegsausführungen bewegen sich alle oberhalb dieser Schwelle.
plausibel
-
Kein Einzelfeuer
Die Waffe kennt nur Dauerfeuer. Bei 1.200 Schuss/min ist ein Einzelschuss auch mit Übung nicht abzugeben — der kürzeste beherrschbare Stoß liegt bei drei Schuss.
plausibel
Verwendung
- Erster Einsatz im Mai 1942 beim Deutschen Afrikakorps
- Einheitsmaschinengewehr der Wehrmacht: leichtes MG auf dem Zweibein in der zehnköpfigen Gruppe, schweres MG auf der Lafette 42
- Ab 1958 als MG 1 in 7,62 × 51 mm NATO bei der Bundeswehr, später als MG 3
- Jugoslawien als M53 in 7,92 × 57 mm bei Crvena Zastava, weitgehend maßgleich und auf deutschen Maschinen gefertigt
- Italien als MG 42/59, Österreich ab 1974 als MG 74 — beide mit schwererem Verschluss und dadurch niedrigerer Kadenz
Quellen
- [Online] Wikipedia (de) — MG 42 Link
- [Online] Wikipedia (en) — MG 42 , Wettbewerb Februar 1937 mit Großfuß (Döbeln), Rheinmetall-Borsig (Sömmerda) und Stübgen (Erfurt); Funktionsmuster April 1938, MG 39 Februar 1939, rund 1.500 Vorserienwaffen MG 39/41 bis Ende 1941, Annahme Anfang 1942, erster Einsatz Mai 1942 beim Afrikakorps; Gesamtfertigung 423.600 Stück (1942: 17.915, 1943: 116.725, 1944: 211.806, 1945: 61.877); Länge 1.220 mm, Lauf 530 mm, 11,6 kg mit Zweibein, Laufeinheit 1,75 kg, Lafette 42 20,5 kg; V0 740 m/s mit s.S.; Kadenz 1.200/min bei Schwankung 900–1.500 je nach Verschluss, praktisch 153–154/min, Notfeuer bis 500/min; Verschlussgewichte 505 g, 650 g, 900 g, italienisch 1.200 g, österreichisch 950 g; Mindestkadenz der Zuführung 850/min; Visierlinie 430 mm, Visier 200–2.000 m, mit Lafette und Zielfernrohr bis 3.500 m; Laufwechsel unter zehn Sekunden, Standzeit 3.500–8.000 Schuss; Fertigungsvergleich zum MG 34 75 zu 150 Stunden, 27,5 zu 49 kg, 250 zu 327 RM; Fertiger Großfuß, Mauser-Werke, Wilhelm-Gustloff-Stiftung, Steyr-Daimler-Puch, MAGET Berlin-Tegel; Gurte 33, 34, 34/41 und Gurttrommel zu 50; Lafette 42 mit Tiefenfeuerautomat; MG 1 von 1958 und MG 3; jugoslawisches M53, Schweizer MG 51, österreichisches MG 74; amerikanischer Nachbauversuch T24 mit 614 Schuss/min und 51 Störungen auf 1.583 Schuss, Erprobung Aberdeen Januar bis Februar 1944; Feuerstöße von 3–7 Schuss auf dem Zweibein und 20–50 auf der Lafette; alliierte Taktik des Angriffs während des Laufwechsels; Beinamen einschließlich „Spandau" als britischer Sammelbegriff Link
- [Online] Forgotten Weapons — Dead End: MG 39 Rh , Ausschreibung Februar 1937 an drei Firmen, Anforderung Blechpressbauweise mit weiteren Toleranzen als beim MG 34, Gehäuse mit Raum für Schmutz, Weiterverwendung des Zubehörs einschließlich der Gurte 33 und 34; Vorlage der Entwürfe am 26. Oktober 1937, Rheinmetall und Stübgen mit Gasdruckladern, Großfuß mit Rückstoßlader; Konstrukteur des Rheinmetall-Entwurfs Louis Stange Link
- [Online] Wikipedia (de) — Metall- und Lackwarenfabrik Johannes Großfuß Link
- [Online] Wikipedia (de) — Simson (Unternehmen) — Fertigung der Gustloff-Werke Suhl, Stückzahlen 1944 Link