Modell
MPi K / MPi KM
- Fertigung
- GWB Wiesa
- Kaliber
- 7,62 × 39 mm
- Zeitraum
- 1959–1990
- Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden
Modellfolge, Fertigungsstätte und das Schaftholz-Problem sind in Sammler- und Museumsquellen übereinstimmend dargestellt. Stückzahlen, Exportanteile, Kadenzangaben und die Struktur der Zulieferbetriebe sind nicht amtlich belegt; die Kadenz ist als Größenordnung der AK-Familie angegeben, nicht als gemessener Wert der DDR-Fertigung. NEU HINZUGEKOMMEN und ausdrücklich NICHT am Wiesaer Stück belegt sind sämtliche Maße im Maßblatt: Lauflänge, Gesamtlänge und Gewicht stammen aus den Angaben zu den sowjetischen Vorbildern AK und AKM, die Mündungsgeschwindigkeit von rund 715 m/s gehört zur Patrone und nicht zur Waffe. Kein Stück wurde für diesen Eintrag eingesehen oder vermessen. Die Beschreibung des Funktionsablaufs folgt den Darstellungen zur AKM und ist in ihren Einzelheiten dort und nicht an der DDR-Fertigung geprüft; für den Verschluss ist das unerheblich, weil die Wiesaer Fertigung Lizenzfertigung war. NICHT MIT EINEM MASS BELEGT sind zwei Angaben, auf die es in diesem Eintrag ankommt: die Länge des Freilaufs, den der Verschlussträger vor dem Drehen zurücklegt, und der Drehwinkel des Verschlusskopfs. Beide sind hier ausdrücklich qualitativ beschrieben; kursierende Zahlenwerte sind nicht übernommen worden, weil keine eingesehene Darstellung sie an einem vermessenen Stück nachweist. ZUM ABZUG: Dass die Bauart im Dauerfeuer OHNE eine eigene Selbstschussklinke arbeitet und das Schlagstück vom Verschlussträger selbst freigegeben wird, ist aus mehreren Büchsenmacherdarstellungen erschlossen und hier als plausibel geführt. Der im amerikanischen Teilehandel gebräuchliche Ausdruck „auto sear" bezeichnet ein nachgerüstetes Umbauteil und KEINE Baugruppe der AKM; wer ihn in den Originalaufbau zurückliest, erfindet ein Bauteil. Die Verzögerungseinrichtung der AKM ist in der Übersichtsdarstellung als „hammer release delaying device" belegt; ob die Wiesaer Fertigung sie durchweg übernahm, ist hier NICHT am Stück geprüft. ÜBERHAUPT NICHT BELEGT ist die Kennzeichnung am Sicherungshebel der MPi K und MPi KM. Dass dort deutsche Buchstaben für Dauer- und Einzelfeuer stehen, ist Sammlerwissen; KEINE der hier geführten Quellen sagt es, und der Eintrag stellt es deshalb ausdrücklich ohne Beleg. Für die spätere 74er-Reihe nennt eine englischsprachige Übersichtsdarstellung dagegen das Unendlichkeitszeichen und die Ziffer 1 — also gerade keine Buchstaben. Ob, wann und in welche Richtung die Kennzeichnung wechselte, ist offen. ZU DEN JAHRESZAHLEN: Dieser Eintrag führt 1959 als Fertigungsbeginn und 1965 als Übergang zum Blechpressgehäuse. Die herangezogene Sammlerdarstellung nennt dagegen 1958 mit 30.000 Stück bis 1961 und „etwa 1966" für das Blechpressgehäuse. Beide Widersprüche sind hier nicht aufgelöst. ZUR GATTUNG: Die Einordnung als Sturmgewehr folgt der Regel, dass die Patronenklasse entscheidet, und nicht der DDR-Truppenbezeichnung „Maschinenpistole". Die 7,62 × 39 mm liefert nach der Übersichtsdarstellung rund 2036 J und ist damit Mittelpatrone.
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Beim Schuss strömt ein Teil der Pulvergase durch eine Bohrung in der Laufwand nach oben in ein Rohr über dem Lauf und drückt dort auf einen Kolben. Der Kolben sitzt fest an einem großen, schweren Schlitten und fährt die ganze Strecke mit ihm. Dieser Schlitten führt das Stahlstück, das den Lauf von hinten zuhält. Er läuft zuerst ein kurzes Stück für sich allein, ohne das Stahlstück mitzunehmen. Dieses Leerstück ist Absicht: In dieser Zeit fällt der Druck im Lauf ab, so dass der Lauf erst aufgeht, wenn es gefahrlos möglich ist. Danach greift eine schräge Nut im Schlitten an einen Zapfen des Stahlstücks und dreht es; dabei treten zwei Nasen aus den Aussparungen, in denen sie den Druck aufgenommen haben. Weil die Nasen einander genau gegenüberliegen, verteilt sich die Last gleichmäßig. Darauf beruht der Ruf der Waffe: Diese Verriegelung verträgt gröbere Fertigungsmaße als andere Bauarten. Die Drehung reißt zugleich die leere Hülse los, die der Druck an die Kammerwand gepresst hat. Nun laufen Schlitten und Stahlstück gemeinsam zurück, die Hülse wird herausgezogen, stößt hinten gegen eine feste Nase und kippt seitlich heraus. Eine Feder schiebt alles wieder nach vorn, die nächste Patrone gelangt aus dem gekrümmten Magazin in den Lauf, das Stahlstück dreht sich wieder fest. Der Lauf bewegt sich bei alldem nicht. An diesem Ablauf änderte die DDR-Fertigung nichts. Der Einschnitt von 1965 betraf die Herstellung: Das Gehäuse wurde nicht mehr aus vollem Stahl gearbeitet, sondern aus Blech gepresst.
Ab 1959 fertigte die DDR die MPi K (Maschinenpistole Kalaschnikow) auf Grundlage der sowjetischen AK, ab 1965 die MPi KM nach dem Vorbild der AKM im material- und kostensparenden Blechpressverfahren. Die Endmontage lief im Gerätewerk Wiesa.
Dieser Eintrag trägt für das Register die ausführliche Beschreibung der Mechanik. Drehkopf mit zwei Warzen und Langhubkolben sind bei allen drei DDR-Sturmgewehren dieselbe Grundlage; die Einträge zur MPi AK-74N und zur Wieger StG-940 setzen sie voraus und beschreiben nur, was sich bei ihnen ändert.
Konstruktion
Zwei Merkmale werden regelmäßig zusammengeworfen, obwohl sie voneinander unabhängig sind. Wie die Waffe die Kraft zum Nachladen gewinnt, ist die eine Frage; wie sie den Lauf verschließt, die andere. Die Kalaschnikow beantwortet die erste mit einem langhubigen Gaskolben und die zweite mit einem Drehkopf. Beide Antworten kommen auch getrennt vor: Das MKb 42(H) hat denselben Langhubkolben und einen Kippblock, das M16 hat denselben Drehkopf und gar keinen Kolben. Wer die Kalaschnikow über ihre Verriegelung von der M16 abgrenzen will, grenzt an der falschen Stelle ab; siehe Kalaschnikow gegen AR-15.
Der Drehkopf. Vorn im Gehäuse sitzt das Verschlussstück, in das der Lauf eingepresst und verstiftet ist. Es trägt die beiden Rastflächen, hinter die der Verschlusskopf seine zwei Warzen dreht, und es trägt die Zuführrampe. Die Warzen stehen einander um 180 Grad versetzt gegenüber. Am Kopf greift ein Steuerzapfen nach oben in eine Kurvennut des Verschlussträgers; diese Nut erzwingt die Drehung in beide Richtungen. Eigene Federn hat der Kopf nicht, abgesehen von der kleinen Schraubenfeder hinter der Auszieherkralle.
Die symmetrische Abstützung ist der ganze Grund für den Ruf der Bauart. Ein Kippblock stützt sich einseitig ab; die Last erzeugt am Verschluss ein Moment, und Maßabweichungen wirken sich auf das Tragbild aus. Zwei gegenüberliegende Flächen dagegen heben ihre Momente auf. Weite Passungen zwischen Träger und Gehäuse, in denen Sand und Verharzung Platz finden, sind deshalb bei dieser Verriegelung erträglich und bei einer einseitig tragenden nicht.
Der Langhubkolben. Der Kolben sitzt fest am Verschlussträger und legt den vollen Weg mit zurück. Die bewegte Masse ist entsprechend groß, der Schwerpunktwechsel beim Vor- und Rücklauf spürbar; für den Einzelschuss ist das ein Nachteil, für die Verschmutzungsfestigkeit ein Vorteil, weil der Verbrennungsrückstand im Gaszylinder bleibt und nicht in den Verschluss gelangt. Einen Gasregler führt die Bauart nicht. Was nicht gebraucht wird, entweicht durch Spalte.
Der Freilauf. Die Kurvennut beginnt mit einem geraden Stück parallel zur Laufachse. Solange der Steuerzapfen darin läuft, bewegt sich nur der Träger, und der Kopf bleibt verriegelt. Diese Strecke ist das Sicherheitsmaß der Konstruktion: Sie muss lang genug sein, dass der Druck im Lauf abfällt, ehe der Kopf zu drehen beginnt. Ein Maß dafür nennt keine der eingesehenen Darstellungen, und dieser Eintrag setzt deshalb keines ein. Nachmessen ließe es sich an einem zerlegten Träger in einer Minute.
Der Erstauszug. Beim Karabiner 98a zieht eine Steuerfläche am Fuß des Kammerstängels die Kammer um wenige Millimeter zurück und löst die Hülse mit großer Kraft bei kleinem Weg. Die Kalaschnikow hat nichts dergleichen. Ihr Erstauszug ist die Drehung selbst: Der Kopf verdreht die Hülse gegen die Kammerwand, an die der Druck sie gepresst hat, und bricht die Haftung, bevor überhaupt eine Längsbewegung beginnt. Was danach folgt, ist reines Herausziehen. Beim rollenverzögerten Verschluss fehlt beides, weshalb dort das Patronenlager gerieft werden muss; hier ist es glatt.
Auszieher und Auswerfer. Die Auszieherkralle sitzt rechts im Stoßboden, von einer Schraubenfeder angedrückt und von einem Stift gehalten. Sie dreht mit dem Kopf mit. Der Auswerfer dagegen bewegt sich überhaupt nicht: Er ist eine feste Nase links im Gehäuse, gegen die der Hülsenboden läuft. Der Auswurfzeitpunkt hängt damit allein am zurückgelegten Weg. Wo diese Nase sitzt, unterscheidet die beiden Ausführungen dieses Eintrags — dazu unten.
Der Abzug. Das Schlagstück wird von einer doppelten Schenkelfeder getrieben und trägt zwei Rasten: die Spannrast für die Abzugsstange und darunter die Fangrast, die es auffängt, falls es der Abzugsstange entkommt. Im Einzelfeuer fängt der Abzugsunterbrecher das vom Träger niedergedrückte Schlagstück und hält es fest, solange der Finger den Abzug gezogen hält; erst das Loslassen übergibt es zurück an die Abzugsstange. Ohne diesen Unterbrecher gäbe es kein Einzelfeuer, sondern nur eine Waffe, die so lange schießt, wie der Finger liegt.
Im Dauerfeuer hebt der Sicherungshebel den Unterbrecher aus dem Eingriff. An seine Stelle tritt dann keine eigene Selbstschussklinke, und das ist die Einzelheit, die in Beschreibungen am häufigsten falsch steht. Das Schlagstück reitet auf der Unterseite des vorlaufenden Verschlussträgers und wird von dessen Kante freigegeben, sobald der Träger weit genug vorn ist. Der Träger ist die Selbstschussklinke. Beim AKM-Vorbild kam eine Verzögerungseinrichtung hinzu, die das Schlagstück nach der Freigabe noch einen Augenblick festhält, damit der Träger die vordere Endlage sicher erreicht hat.
Ein Bauteil, das es im Original nicht gibt. Der amerikanische Teilehandel führt für AK-Umbauten einen „auto sear”. Er ist ein nachgerüstetes Teil und gehört nicht zum Aufbau der AKM. Wer den Begriff in die Originalkonstruktion zurückliest, erfindet eine Baugruppe. Die Aussage dieses Abschnitts ist aus Büchsenmacherdarstellungen erschlossen und hier als plausibel geführt, nicht als Werksangabe.
Warum es keinen Verschlussfang gibt. Ein Verschlussfang verlangt drei Dinge: einen Hebel im Gehäuse, eine Ausnehmung, in die er greift, und einen Magazinzubringer, der ihn beim letzten Schuss anhebt. Die Kalaschnikow hat keines davon. Nach dem letzten Schuss läuft der Verschluss vor und schließt auf ein leeres Lager. Der Verzicht ist Teil derselben Rechnung wie die weiten Passungen: weniger Teile, weniger Einstellarbeit, weniger, was klemmen kann. Bezahlt wird er in der Bedienung, denn das leere Magazin meldet sich nicht, und nach jedem Wechsel ist durchzuladen. Das HK G41 und das M16 haben den Fang; die Wiesaer Fertigung hat ihn in keiner Ausführung.
Entwicklung
Die Konstruktion ist sowjetisch und wurde in Lizenz übernommen. Für dieses Register ist daran zweierlei bemerkenswert. Erstens vollzog die DDR den Schritt 1959 und damit rund zehn Jahre nach der sowjetischen Einführung, aber sie vollzog ihn mit eigener Fertigung und nicht als Zukauf. Zweitens traf sie mit der MPi K zunächst die frästeilige Ausführung und ging 1965 auf das Blechpressgehäuse über, also denselben Weg, den die sowjetische Fertigung von der AK zur AKM gegangen war; siehe Fertigungsverfahren.
Fertigung
Einzelteile entstanden verteilt über zahlreiche Betriebe, die Endmontage lief in Wiesa zusammen. Eine amtliche Gesamtzahl liegt nicht vor. Eine Sammlerdarstellung schätzt die DDR-Fertigung aller MPi-Ausführungen auf annähernd vier Millionen Stück bei rund 100.000 im Jahr und rechnet etwa ein Drittel davon der Ausfuhr über die Außenhandelsbetriebe IMES und ITA zu. Die Größenordnung ist plausibel, geprüft ist sie nicht.
Varianten
| Ab | Ausführung | Merkmal |
|---|---|---|
| 1959 | MPi K | Frästeilgehäuse, fester Holzschaft |
| — | MPi KS | Klappschaft nach unten, Ausführung der AKS |
| 1965 | MPi KM | Blechpressgehäuse, Kunststoffausstattung |
| 1972 | MPi KMS-72 | Klappschaft aus gebogenem Rundstahl, nach rechts klappend |
| 1988 | PG 500 (Präzisionsgewehr) | 500-mm-Lauf, durchbrochener Schaft, Zieloptik |
Der nach rechts klappende Drahtschaft der KMS-72 ist eine DDR-Eigenheit; die sowjetische AKMS klappt nach unten. Für die Bestimmung ist die Klapprichtung damit belastbarer als das Material.
Verwendung
Standardwaffe der Nationalen Volksarmee von 1959 bis 1990, dazu Grenztruppen, Volkspolizei-Bereitschaften und Kampfgruppen.
Neben ihr stand der Karabiner S, der Selbstladekarabiner Simonow — dieselbe Patrone, aber festes Magazin zu zehn Schuss und nur Einzelfeuer. Er wurde nicht in der DDR gebaut, sondern aus der Sowjetunion geliefert, und wich zunehmend in die Repräsentation aus: Die Ehrenwache an der Neuen Wache trug ihn, nicht die MPi. Was die DDR selbst fertigte, war die modernere der beiden Waffen. Der Exportanteil war erheblich und lief über die Außenhandelsbetriebe; dieselben Firmen tauchen später beim Wieger-Auftrag wieder auf.
Für die Bestimmung
Die frühen Serien erhielten Buchenholzschäfte, weil das vorgesehene Birkenholz nicht verfügbar war; das Material erwies sich als zu wenig formstabil für die Dauerprüfungen der NVA. Schaftmaterial und Schaftausführung sind damit belastbare Datierungsmerkmale am Objekt.
Was ein Sachverständiger an genau dieser Waffe zuerst prüft, in dieser Reihenfolge:
- Gehäuseart. Frästeil oder Blechpressteil. Beim Frästeil verläuft über der Magazinöffnung eine ausgefräste Längsmulde, beim Blechpressteil sitzt dort eine eingeprägte Vertiefung an der Nietstelle des Verschlussstücks. Das Merkmal trennt MPi K von MPi KM und damit vor 1965 von nach 1965.
- Der Auswerfer. Beim Frästeilgehäuse ist die Auswerfernase mit der linken Führungsschiene aus dem Vollen gearbeitet, beim Blechpressgehäuse gehört sie zur eingenieteten linken Schienenbaugruppe. Eine gelockerte oder nachgeschweißte Niete an dieser Stelle erklärt unregelmäßigen Auswurf zuverlässiger als jede Vermutung über den Auszieher.
- Die Nieten des Verschlussstücks. Sie tragen die gesamte Verriegelungslast. Ausgeschlagene Nietlöcher, Spiel zwischen Verschlussstück und Gehäusewand oder nachgesetzte Schrauben statt Nieten sind der schwerste Befund, den ein Blechpressgehäuse haben kann.
- Kennzeichnung am Sicherungshebel. Nach Sammlerwissen trägt die DDR-Fertigung deutsche Buchstaben für Dauer- und Einzelfeuer statt der kyrillischen Kennzeichnung. Belegt ist das in diesem Register nicht: Keine der hier geführten Quellen sagt es, und für die spätere 74er-Reihe nennt eine Übersichtsdarstellung gerade keine Buchstaben, sondern Unendlichkeitszeichen und Ziffer 1. Das Merkmal ist deshalb ein Prüfansatz und kein Nachweis; siehe Belegnotiz.
- Der Prüfstempel. Eine Sammlerdarstellung nennt ein „K3” im Oval als Abnahmezeichen der DDR-Fertigung, angebracht sowohl in Suhl als auch in Wiesa.
- Der Schlagbolzen. Er muss im zerlegten Verschlusskopf ohne Widerstand fallen. Ein verharzter oder angerosteter Bolzen ist bei dieser Bauart kein Schönheitsfehler, weil er ungefedert läuft.
- Verschlusskopf und Warzen. Blanke, gestauchte Anlageflächen an den Warzen oder an den Rastflächen des Verschlussstücks, dazu der Steuerzapfen und seine Nut. Läuft der Zapfen mit Spiel, beginnt die Drehung zu früh.
Was gern nachträglich ergänzt wird: Ausstattungsteile. Kunststoffgriffstücke, Handschützer, Schäfte und Magazine sind zwischen den Ausführungen und über Landesgrenzen hinweg beliebig tauschbar und werden im Handel als Datierungsmerkmal verkauft. Sie datieren nichts. Was am Stück datiert, sitzt am Gehäuse, am Verschlussstück und an der Schienenbaugruppe. Umgekehrt gilt die Warnung dieses Registers zur verteilten Fertigung: Abweichende Fertigungskennungen an Einzelteilen sind bei der DDR-Fertigung nicht schon ein Beleg für nachträglichen Tausch.
Einordnung
Die MPi K und die MPi KM sind Lizenzfertigung und keine Eigenentwicklung. Der Beitrag Wiesas liegt in der Fertigung, nicht in der Konstruktion, und der Befund passt zu dem, was dieses Register für die Region insgesamt festhält: stark in der Fertigung, schwach in der Verriegelung; siehe Was diese Region hervorbrachte.
Bemerkenswert ist die Gattungsfrage. Die Truppe nannte die Waffe Maschinenpistole, dieses Register nennt sie Sturmgewehr, und der Unterschied ist keine Wortklauberei. Eine Maschinenpistole ist hier über die Pistolenpatrone definiert; die 7,62 × 39 mm ist eine Mittelpatrone. Dieselbe Regel hat das Register inzwischen auch gegen die vertraute Bundeswehr-Bezeichnung angewandt und G3 sowie FG 42 von Sturmgewehr auf Selbstladegewehr umgestellt; siehe Korrekturen. Eine Systematik, die nur gegen fremde Sprachregelungen gilt, ist keine.
Waffenrechtliches
MPi K und MPi KM sind vollautomatische Waffen und damit Kriegswaffen nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Sie sind für Sammlerinnen und Sammler nicht erwerbbar und stehen in diesem Register ausschließlich zur Dokumentation. Wer die Waffengattung sammeln will, ist auf halbautomatische zivile Ableitungen, Schnittmodelle oder unbrauchbar gemachte Exemplare verwiesen. Deren rechtliche Bewertung fällt jeweils eigen aus. Siehe Methodik.
Verzeichnet ist sie hier trotzdem. Das Register dokumentiert die Fertigung der DDR und beschränkt sich nicht auf das, was sich sammeln lässt.
Offene Forschungsfragen. Erstens der Freilauf: Wie lang ist die gerade Anfangsstrecke der Kurvennut, und welchem Druckabfall entspricht sie? An einem zerlegten Träger und einem Druckverlauf wäre die Frage in einer Stunde beantwortet. Zweitens der Drehwinkel des Verschlusskopfs, für den keine der eingesehenen Darstellungen ein geprüftes Maß nennt. Drittens die Kennzeichnung am Sicherungshebel, für die dem Register für MPi K und MPi KM überhaupt keine Darstellung vorliegt. Viertens die Jahreszahlen — Fertigungsbeginn 1958 oder 1959, Übergang zum Blechpressgehäuse 1965 oder 1966. Fünftens die Liste der Zulieferbetriebe und ihre Kennzeichnungssystematik, ohne die die verteilte Fertigung für die Objektbestimmung unbrauchbar bleibt.
Konstruktion
- Verschluss
- Drehkopfverschluss, formschlüssig verriegelt. Zwei kräftige, einander gegenüberliegende Warzen am Verschlusskopf greifen hinter Rastflächen des Verschlussstücks (Laufansatz) im Gehäuse; der Lauf steht fest. Gedreht wird der Kopf zwangläufig über einen Steuerzapfen, der in einer Kurvennut des Verschlussträgers läuft. Feder- und massegesteuerte Verzögerung gibt es nicht: Der Kopf öffnet erst, wenn die Nut ihn dreht.
- Ladeprinzip
- Gasdrucklader mit langhubigem Gaskolben oberhalb des Laufs, aufschießend (geschlossener Verschluss). Der Kolben ist fest mit dem Verschlussträger verbunden und legt den vollen Rücklaufweg mit zurück. Kein Laufrücklauf, keine Masseverzögerung. Verriegelungsart und Ladeprinzip sind zwei getrennte Merkmalsachsen: Dasselbe Ladeprinzip trägt beim MKb 42(H) einen Kippblock, dieselbe Verriegelung arbeitet beim M16 ohne Kolben.
- Zuführung
- Gekrümmtes Stangenmagazin zu 30 Patronen, zweireihig, wechselseitig zuführend; Einhaken vorn und Kippen nach hinten gegen den Magazinhalter. Zuführrampe am Verschlussstück im Gehäuse, nicht im Lauf
- Abzug
- Hammerschloss mit Abzugsstange und gesondertem Abzugsunterbrecher, umschaltbar Einzel- und Dauerfeuer; das Schlagstück trägt neben der Spannrast eine Fangrast. Eine eigene Selbstschussklinke gibt es nicht — im Dauerfeuer hält der Verschlussträger das Schlagstück selbst nieder. Das AKM-Vorbild trägt zusätzlich eine Verzögerungseinrichtung, die die Freigabe um einen Augenblick verzögert
- Sicherung
- Großer kombinierter Sicherungs- und Feuerwahlhebel rechts am Gehäuse, drei Stellungen. In der oberen Stellung sperrt er den Abzug, deckt zugleich den Führungsschlitz des Verschlussträgers gegen Schmutz ab und begrenzt den Rücklaufweg so, dass sich das Patronenlager besichtigen, aber nicht laden lässt. Kennbuchstaben der DDR-Fertigung siehe „Für die Bestimmung"
- Visierung
- Korn im Kornschutz auf eigenem Halter vor dem Handschutz, Kurvenvisier auf dem Verschlussstück über dem Patronenlager. Die Visierlinie endet damit weit vor dem Schaft und ist kurz; der abnehmbare Gehäusedeckel trägt nichts
- Schaft
- Buche; in späteren Serien Kunststoff
Maße und Leistung
- Länge
- Rund 870 mm für die MPi K, rund 880 mm für die MPi KM nach den Angaben zu AK und AKM, an denen sich die Wiesaer Fertigung ausrichtet. Ein an einem DDR-Stück gemessener Wert lag diesem Register nicht vor
- Lauflänge
- 415 mm nach der Angabe zur AKM. Für die Wiesaer Fertigung ist der Wert hier nicht gesondert belegt, sondern vom Vorbild übernommen
- Gewicht
- Größenordnung 3,3 kg ohne Magazin nach der AKM-Angabe; die frästeilige MPi K liegt darüber. Eigene Wiesaer Zahlen lagen nicht vor
- Magazin
- 30 Patronen, gekrümmtes zweireihiges Stangenmagazin
- V₀
- Rund 715 m/s nach der Angabe zur AKM; die Übersichtsdarstellung zur Patrone nennt für das Stahlkerngeschoss von 7,9 g 718 m/s. Der eine Wert gehört zum sowjetischen Vorbild, der andere zur Patrone im Normlauf — gemessen wurde keiner an einem Wiesaer Stück
- Kadenz
- ca. 600 Schuss/min als Größenordnung der AKM-Familie, nicht als gemessener Wert der DDR-Fertigung
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Ausgangslage — verriegelt, Schlagstück gespannt
Die Patrone liegt im Lager, das Schlagstück steht gespannt und wird von der Abzugsstange gehalten. Die beiden Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter den Rastflächen des Verschlussstücks, das im Gehäuse vernietet ist; der Verschlussträger hält mit seiner Kurvennut die Sperrlage. Weil die Warzen einander um 180 Grad versetzt gegenüberstehen, heben sich ihre Kippmomente am Kopf im Ansatz auf — vorausgesetzt, beide tragen gleichmäßig. Darauf beruht die Toleranzunempfindlichkeit dieser Verriegelung.
- 2
Auslösen und Zündung
Der Abzug dreht die Abzugsstange aus der Spannrast, das Schlagstück fällt und trifft den Schlagbolzen im Verschlusskopf. Der Bolzen läuft frei in seiner Bohrung und hat keine eigene Feder; ein Sicherungsstück gegen Vorlaufen fehlt der Bauart.
- 3
Gasentnahme und Kolbenlauf
Sobald das Geschoss die Gasentnahmebohrung passiert hat, strömt ein Teil der Gase durch den Gasblock in den Gaszylinder über dem Lauf und trifft auf den Kolbenboden. Der Kolben sitzt fest am Verschlussträger; in Bewegung setzt sich damit die gesamte schwere Baugruppe. Einen Gasregler führt die Bauart nicht, wohl aber weite Spalte, aus denen überschüssiges Gas entweicht.
- 4
Freilauf des Trägers
Die Kurvennut im Träger beginnt mit einem geraden, zur Laufachse parallelen Stück. Solange der Steuerzapfen darin läuft, bewegt sich der Träger allein, und der Kopf bleibt verriegelt; in dieser Strecke fällt der Druck im Lauf ab. Der Freilauf ist das Sicherheitsmaß der Konstruktion. Ein Maß dafür nennt keine eingesehene Darstellung; an der geraden Anfangsstrecke der Nut wäre es zu messen.
- 5
Steuerkurve, Drehung und Erstauszug
Danach steht die Nut schräg. Sie zwingt den Steuerzapfen zur Seite und dreht den Verschlusskopf, bis die Warzen aus den Rastflächen treten; nach hinten wandert der Kopf dabei noch nicht. Diese Drehung ist der Erstauszug der Waffe: Sie reißt die an die Kammerwand gepresste Hülse durch Verdrehen los und nicht über einen Keil, wie ihn der Zylinderverschluss am Fuß des Kammerstängels hat. Der Drehwinkel bleibt deutlich unter einer Vierteldrehung; ein belegtes Winkelmaß lag nicht vor.
- 6
Auszieherkralle und Rücklauf
Erst mit dem Ende der Drehung nimmt der Träger den Kopf nach hinten mit. Die Auszieherkralle sitzt rechts im Stoßboden, von einer Schraubenfeder angedrückt. Sie hat den Hülsenrand seit dem Zuführen gefasst und dreht beim Entriegeln mit — anders als beim Mauser-Zylinderverschluss, dessen Kralle auf einem Ring stehen bleibt.
- 7
Auswerfer, hintere Endlage, kein Verschlussfang
Der Auswerfer ist keine bewegte Nadel, sondern eine feste Nase links im Gehäuse. Der Hülsenboden läuft gegen sie, sobald der Verschlusskopf weit genug hinten ist; die Hülse kippt um die Auszieherkralle als Drehpunkt und fliegt nach rechts oben aus. Der Auswurfzeitpunkt hängt damit allein am Weg. Der Träger spannt im Weiterlaufen das Schlagstück und läuft gegen den hinteren Anschlag. Einen Verschlussfang gibt es nicht: Nach dem letzten Schuss läuft der Verschluss wieder vor und schließt auf ein leeres Lager.
- 8
Vorlauf, Zuführwinkel und Patronenlage
Die Schließfeder treibt die Baugruppe vor. Der Stoßboden nimmt die oberste Patrone aus dem zweireihigen Magazin, das wechselseitig zuführt, so dass die Zuführachse mit jedem Schuss die Seite tauscht. Die Patrone steigt über die Zuführrampe des Verschlussstücks, hebt sich mit dem Geschoss und liegt zuletzt in der Achse des Lagers; der Rand gleitet unter die Auszieherkralle. Die kegelige Hülse der 7,62 × 39 mm erzwingt die starke Magazinkrümmung.
- 9
Verriegeln, Unterbrecher und Fangrast
In der vorderen Endlage läuft der Steuerzapfen den schrägen Teil der Nut zurück und dreht den Kopf hinter die Rastflächen. Im Einzelfeuer fängt der Abzugsunterbrecher das vom Träger niedergedrückte Schlagstück, solange der Finger den Abzug hält; erst das Loslassen gibt es an die Abzugsstange zurück. Im Dauerfeuer hebt der Sicherungshebel den Unterbrecher aus dem Eingriff, und eine eigene Selbstschussklinke tritt nicht an seine Stelle: Das Schlagstück reitet auf der Unterseite des Trägers und wird von ihm freigegeben, sobald dieser weit genug vorn ist. Rutscht es ab, fängt es die Fangrast.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verriegelt: Die Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter den Rastflächen des Gehäuses. Der Lauf steht fest — er läuft nicht mit zurück.
- 2 Gasentnahme: Hinter dem Geschoss strömt ein Teil der Pulvergase durch die Laufbohrung in den Gaszylinder und treibt den Kolben zurück. Der Kolben ist fest mit dem Verschlussträger verbunden (Langhub).
- 3 Entriegelung: Eine Steuerkurve im Träger dreht den Verschlusskopf aus den Rastflächen; erst danach nimmt der Träger ihn nach hinten mit.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
MKb 42(H) / StG 44
C. G. Haenel · Deutschland (Suhl) · 1942- System
- Gasdrucklader mit Langhubkolben, aber Kippblockverriegelung; Kurzpatrone 7,92 × 33 mm
- Unterschied
- Dieselbe Stadt, zwei Jahrzehnte früher, dasselbe Ladeprinzip — aber eine andere Verriegelung. Kippblock gegen Drehkopf ist der greifbarste Beleg dafür, dass Ladeprinzip und Verriegelung zwei unabhängige Merkmale sind; siehe Ladeprinzipien. Der Kippblock stützt sich einseitig nach unten ab und erzeugt am Verschluss ein Kippmoment, der Drehkopf nimmt die Last über zwei gegenüberliegende Flächen auf.
- Befund
- Ausgerechnet an den beiden Suhler Automatwaffen lässt sich die Systematik am besten zeigen — und zugleich das sachliche Gegenargument zur These, die eine sei aus der anderen abgeleitet.
M16 / AR-15
Colt und Lizenznehmer · USA · 1963- System
- Direkte Gasabnahme ohne Kolben, Drehkopfverschluss mit sieben Warzen, Kaliber 5,56 × 45 mm
- Unterschied
- Das westliche Gegenstück derselben Waffengattung. Gleicher Grundgedanke (Mittelpatrone, Einzel- und Dauerfeuer) und dieselbe Verriegelungsart, aber ohne Gaskolben: Die Gase wirken unmittelbar auf den Verschlussträger. Die 5,56 × 45 mm gehört als innere Mittelpatrone derselben Oberklasse an wie die 7,62 × 39 mm — siehe Patronenklassen. Getrennt sind die beiden Waffen ferner durch das, was die eine hat und die andere nicht: Verschlussfang, Lochkimme am Gehäuseende und eine lange Visierlinie.
- Befund
- Leichter und präziser, dafür empfindlicher gegen Verschmutzung — der klassische Zielkonflikt zwischen Kolben- und Direktsystem. Die MPi steht konsequent auf der Robustheitsseite.
Vz. 58
Česká zbrojovka Uherský Brod · Tschechoslowakei · 1958- System
- Gasdrucklader mit Kurzhubkolben und linear verschiebendem Sperrstück, gleiche Patrone 7,62 × 39 mm
- Unterschied
- Der andere Warschauer-Pakt-Weg: gleiche Patrone und äußerlich ähnlich, aber konstruktiv vollständig eigenständig — Kurzhub statt Langhub, Sperrstück statt Drehkopf, kein einziges austauschbares Teil. Auch das Magazin passt nicht.
- Befund
- Widerlegt die verbreitete Annahme, alle Ostblock-Sturmgewehre seien Kalaschnikow-Ableitungen. Für die Bestimmung DDR-naher Bestände ein wichtiger Abgrenzungsfall.
Karabiner 98a
Gewehrfabrik Erfurt und weitere · Deutsches Reich · 1908- System
- Zylinderverschluss System Mauser 98, zwei vordere Warzen, Handrepetierung, 7,92 × 57 mm
- Unterschied
- Nicht als Zeitgenosse aufgeführt, sondern als der ältere Drehverschluss desselben Registers. Beide sperren mit zwei gegenüberliegenden Warzen unmittelbar hinter dem Lager, und beide lösen dieselbe Aufgabe beim Erstauszug verschieden: Der Mauser zieht die Hülse über eine Steuerfläche am Fuß des Kammerstängels um wenige Millimeter mit großer Kraft zurück, die Kalaschnikow reißt sie allein durch die Drehung los. Der Mauser dreht 90 Grad, die Kalaschnikow deutlich weniger.
- Befund
- Der Vergleich zeigt, was der Selbstlader vom Repetierer erbte und was nicht. Die Warzenanordnung ist alt; neu ist, dass eine Kurvennut die Drehung erzwingt und ein Gaskolben sie bezahlt.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Buchenholzschäfte der Frühserien
Weil das vorgesehene Birkenholz nicht verfügbar war, erhielten die ersten Serien Schäfte aus Buche. Das Material erwies sich als nicht formstabil genug und hielt den Dauerprüfungen der NVA nicht stand. Schaftmaterial ist damit zugleich Mangel- und Datierungsmerkmal.
plausibel
-
Verteilte Fertigung, uneinheitliche Kennzeichnung
Baugruppen entstanden in zahlreichen Zulieferbetrieben und liefen erst in Wiesa zusammen. Für die Objektbestimmung heißt das, dass Teile eines einzelnen Stücks unterschiedliche Fertigungskennungen tragen können — abweichende Markierungen sind hier kein Indiz für nachträglichen Tausch.
ungeklärt
-
Freier Schlagbolzen ohne Feder
Der Schlagbolzen läuft ungefedert in seiner Bohrung. Beim Vorlauf des schweren Verschlusses schlägt er durch seine eigene Trägheit gegen das Zündhütchen der zugeführten Patrone; jede aus einer Kalaschnikow gezogene Patrone trägt deshalb einen leichten Eindruck im Zündhütchen. Für die militärische Munition mit hartem Zündhütchen ist das ausgelegt und unbedenklich. Bei zivilen Ableitungen mit weichen Zündhütchen, verharztem Bolzen oder abgenutzter Bolzenspitze wird daraus ein Zünden beim Vorlaufen. Der Prüfpunkt am Objekt ist die Leichtgängigkeit des Bolzens im zerlegten Kopf; er muss ohne Widerstand fallen.
plausibel
-
Kein Verschlussfang
Nach dem letzten Schuss schließt der Verschluss auf ein leeres Lager. Der Schütze bemerkt das leere Magazin am ausbleibenden Schuss und nicht an der Waffe, und nach dem Magazinwechsel ist stets durchzuladen. Konstruktiv gespart wurden damit der Fanghebel, die Ausnehmung im Gehäuse und eine angepasste Magazinlippe. Verglichen mit M16 und HK G41, die den Fang haben, ist das der praktisch spürbarste Rückstand der Bauart. Einzelne AK-Ableitungen anderer Staaten haben einen Fang über den Zubringer nachgerüstet; die Wiesaer Fertigung nicht.
plausibel
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Kurze Visierlinie und ein Deckel, der nichts trägt
Die Kimme sitzt über dem Patronenlager und damit rund eine Handbreit weiter vorn als bei einer Waffe mit Kimme am Gehäuseende. Die kurze Visierlinie vergrößert jeden Richtfehler. Verlängern ließe sie sich nur über den Gehäusedeckel, und der ist abnehmbar, wird allein von der Schließfeder gehalten und sitzt bei jedem Zusammenbau ein wenig anders. Eine Zieloptik kann dort nicht sitzen. Aus dieser Zwangslage folgt die seitliche Montageschiene, die spätere Ausführungen tragen.
plausibel
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Kunststoff-Unterhandschutz der frühen MPi KM
Die MPi KM erhielt Kunststoffausstattung, darunter zunächst auch den unteren Handschutz. Nach einer Sammlerdarstellung wurde er wegen Wärmeschäden wieder durch Holz ersetzt. Der untere Handschutz liegt unmittelbar unter dem Gaszylinder und nimmt die Wärme des Gassystems auf. Am Objekt heißt das: Ein Stück mit Kunststoffoberteil und Holzunterteil ist nicht zwingend zusammengestückelt.
ungeklärt
Verwendung
- Standardwaffe der Nationalen Volksarmee von 1959 bis 1990
- Grenztruppen, Volkspolizei-Bereitschaften und Kampfgruppen
- Erheblicher Exportanteil. Eine Sammlerdarstellung schätzt die DDR-Fertigung aller MPi-Ausführungen auf annähernd vier Millionen Stück bei rund 100.000 im Jahr und nennt etwa ein Drittel davon als Ausfuhr über die Außenhandelsbetriebe IMES und ITA. Eine amtliche Zahl liegt nicht vor
- Ab 1988 die Ableitung PG 500 mit 500-mm-Lauf und Zieloptik
- AKMZ und AKMSZ mit Zweibein, dazu das als leichtes Maschinengewehr gedachte lMG GZ 500 — dessen Lauflänge von 500 mm die Grenze der Wiesaer Werkzeugmaschinen war, nicht eine Konstruktionsentscheidung
Quellen
- [Online] Faktory 47 — East German AK History , MPi K mit Frästeilgehäuse nach Art der sowjetischen Type 3 und ohne Putzstock, Fertigungsbeginn 1958 und 30.000 Stück bis 1961; MPi KM ab etwa 1966 mit Blechpressgehäuse und Kunststoffausstattung („pebble grain"), unterer Kunststoffhandschutz wegen Wärmeschäden durch Holz ersetzt; MPi KMS-72 ab 1972 mit Klappschaft aus gebogenem Rundstahl rechts und Bakelit-Unterhandschutz; Prüfstempel „K3" im Oval; Schätzung von annähernd vier Millionen MPi bei rund 100.000 im Jahr, davon rund ein Drittel Ausfuhr über IMES und ITA Link
- [Online] RRT877 — MPi KM — die Geschichte der Kalaschnikow in der DDR, Teil 1 Link
- [Online] DDR Museum — MPi KMS-72 (Maschinenpistole Kalaschnikow modifiziert) Link
- [Online] Wikipedia (en) — AKM , Gasdrucklader mit langhubigem, fest am Verschlussträger sitzendem Kolben; Drehkopfverschluss; Verzögerungseinrichtung im Abzugswerk der AKM („hammer-release delaying device"), die die Freigabe des Schlagstücks bis zum vollständigen Verriegeln zurückhält; kein Verschlussfang; Lauflänge 415 mm, Gesamtlänge 880 mm, Gewicht 3,3 kg, Magazin 0,33 kg, Kadenz rund 600 Schuss/min, vier rechtsdrehende Züge mit 240 mm Drall Link
- [Online] Wikipedia (en), 7,62 × 39 — 7.62×39mm , Hülsenboden- und Randdurchmesser 11,35 mm, Hülsenlänge 38,70 mm, Patronengesamtlänge 56,00 mm, Geschoss 7,9 g, 718 m/s, 2036 J, Höchstgasdruck 355,0 MPa nach C.I.P. Link
- [Online] The Firearm Blog — East Germany AKs — Part 3: Less Known Variants , Zur Kennzeichnung der DDR-Ausführungen der 74er-Reihe: Unendlichkeitszeichen für Dauerfeuer und Ziffer 1 für Einzelfeuer, also keine Buchstaben. Für MPi K und MPi KM trifft diese Darstellung keine Aussage Link