Vergleichsstück · Deutschland (Oberndorf am Neckar)
Mauser HSc
- Fertigung
- Mauser-Werke AG
- Kaliber
- 7,65 mm Browning
- Zeitraum
- 1940–1945
- Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden
GESICHERT bis mehrfach übereinstimmend belegt sind: der unverriegelte Masseverschluss bei feststehendem Lauf, der Spannabzug, die Auflösung des Kürzels als „Hahn-Selbstspanner-Pistole c" für die dritte, in Serie gegangene Ausführung, der Fertigungsbeginn Ende 1940 nach mehrjähriger Verzögerung durch das Heereswaffenamt, die Fertigung bis 1945 in einer Größenordnung von 250.000 Stück, der Seriennummernbeginn bei 700.000 in Fortsetzung der Reihe des Modells 1934, die Weiterfertigung unter französischer Besatzung 1945/46, die Wiederaufnahme 1968 bis 1977 und die Ableitung der HK 4 von dieser Konstruktion. KORRIGIERT gegenüber der früheren Fassung dieses Eintrags ist die LADEANZEIGE. Dort stand, ein Signalstift trete hinten aus dem Verschluss — das ist die Lösung der Walther PP und war hier von ihr übernommen worden. Nach der einschlägigen Fachliteratur ist die Anzeige der HSc der AUSZIEHER selbst, der über einer geladenen Patrone rund 1 mm aus der Schlittenfläche tritt und dort gesehen wie ertastet werden kann. Eine im Netz kursierende Darstellung nennt daneben einen zusätzlichen Stift auf der rechten Schlittenseite; sie stammt aus einer maschinell erzeugten Enzyklopädie, findet in der Fachliteratur keine Entsprechung und ist hier NICHT übernommen. ERGÄNZT ist die MAGAZINSICHERUNG, die in der früheren Fassung fehlte, obwohl sie in der deutschsprachigen Übersichtsdarstellung ausdrücklich genannt wird. Sie ist damit NUR EINFACH BELEGT: Die sonst maßgebliche Fachliteratur beschreibt Sicherung, Abzug und Zerlegung im Einzelnen und erwähnt keine Magazinsicherung. Der Eintrag führt sie trotzdem, weil der Ersatzteilhandel eine entsprechende Baugruppe als eigenes Teil führt; ein zweiter erzählender Beleg fehlt. Die Angabe, dass sie mit dem Auswerfer auf einem gemeinsamen Hebel sitzt, stammt ebenfalls aus Ersatzteilangaben. Die frühere Behauptung, die Nachkriegsausführung verwende stattdessen eine Lösung nach Art der Browning HP, ist bei dieser Prüfung ZURÜCKGENOMMEN worden: Sie war nirgends belegt, und der Ersatzteilhandel führt die Baugruppe für militärische und zivile Stücke gemeinsam. WIDERSPRÜCHLICH ist die Wirkungsweise des Sicherungshebels. Die einschlägige Fachliteratur beschreibt sie eindeutig und in dieser Reihenfolge: Der Schlagbolzen wird in den Verschlusskopf zurückgezogen, sein hinteres Ende ANGEHOBEN und gegen Längsbewegung festgelegt, danach wird der Hahnfang niedergedrückt und der Hahn fällt gegen die Fläche des Verschlusses; ein Spannen oder Gespannthalten des Hahns bei betätigter Sicherung ist nicht möglich, weil die Welle der Sicherung den Hahnfang sperrt. Verbreitete Netz- und Zeitschriftendarstellungen behaupten dagegen, die HSc entspanne NICHT selbsttätig und der Hahn müsse mit dem Daumen begleitet werden; sie werden hier NICHT als Quelle geführt, weil der Verfasser sie nicht im Wortlaut prüfen konnte. Der Eintrag folgt der Fachliteratur und weist den Widerspruch aus. Am Objekt ist er in einer Minute zu entscheiden, und die Prüfung ist im Abschnitt Für die Bestimmung beschrieben. BEI DER PRÜFUNG BERICHTIGT wurde die BEWEGUNG DES SCHLAGBOLZENS. Der Eintrag ließ ihn an mehreren Stellen „aus der Bahn des Hahns gedreht" werden. Die Fachliteratur sagt gehoben, nicht gedreht; gedreht wird der Hebel mit seiner Welle. Eine Zeitschriftendarstellung spricht daneben von einem Fortsatz, der sich mit der Welle mitdrehe — auch das ist hier nicht übernommen. Berichtigt wurde ferner die Beschreibung der Walther-PP-Sicherung: Sie SCHIEBT keinen Bolzen vor, sie DREHT einen Sperrblock zwischen Hahn und Schlagbolzen. NICHT ENTSCHIEDEN ist, was beim Entnehmen des Magazins mit dem gefangenen Schlitten geschieht. Die Fachliteratur beschreibt nur, dass der Zubringer den Verschluss fängt; dass er beim Magazinwechsel dann vorläuft, war eine Folgerung dieses Eintrags und kein Beleg. Sammlerdarstellungen beschreiben stattdessen den langen Hebel, der auch die Magazinsicherung trägt, als Verschlussfang, der bis zum Einsetzen eines neuen Magazins hält. Die Folgerung ist zurückgenommen. WIDERSPRÜCHLICH sind Gesamtlänge (152 mm gegen 165 mm) und Gewicht (584 g, 640 g und 700 g). Die Spanne ist zu groß, um allein aus Ausführungsunterschieden zu stammen; wahrscheinlich mischen sich Kriegs- und Nachkriegsausführungen sowie Umrechnungsfehler zwischen Zoll- und Metermaß. Der Eintrag legt sich nicht fest. NUR EINFACH BELEGT und deshalb ausdrücklich gekennzeichnet sind: die Zuschreibung des Entwurfs an Alex Seidel und die Datierung der Entwurfsarbeit auf 1935/36; die Aufschlüsselung der Kriegsfertigung auf Heer, Kriegsmarine, Polizei und freien Verkauf; das Beschusszeichen RW der französischen Fertigung und deren Bestimmung für Indochina; die Kennzeichnung der Spätstücke mit Adler über WaA135 und Adler über N sowie die Beobachtung, dass der Abnahmestempel bei den spätesten Stücken auf dem Kopf steht. Keine dieser Angaben ist an einem Objekt oder an einer Werksunterlage geprüft. NICHT AM OBJEKT GEPRÜFT ist dieser Eintrag insgesamt; kein Stück wurde eingesehen, zerlegt oder vermessen. Die Zuordnung von Unterbrecher, Abzugsfang und Auswerferlage folgt der Fachliteratur, nicht einem Befund. Vergleichsstück — nicht Teil des Untersuchungsraums.
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Der Verschluss dieser Pistole — das Stück, das den Lauf hinten schließt — ist denkbar einfach. Der Lauf steht fest im Griffstück, und verhakt sind die beiden an keiner Stelle. Was den Lauf im Augenblick des Schusses hinten geschlossen hält, ist allein das Gewicht des Verschlussstücks und die Kraft seiner Feder. Der Rückstoß muss diese Masse erst in Bewegung bringen; bis sie in Fahrt kommt, hat das Geschoss den Lauf verlassen. Danach läuft das Verschlussstück zurück, zieht die leere Hülse heraus, wirft sie aus und spannt dabei den Hahn, den Schlaghebel; die Feder schiebt es wieder vor und nimmt die nächste Patrone aus dem Magazin mit. Ob eine Patrone im Lauf steckt, verrät die Kralle am Hülsenrand: Sie steht dann rund einen Millimeter aus dem Verschluss und ist im Dunkeln zu ertasten. Nicht die Mechanik macht diese Waffe aus, sondern die Bedienung. Sie lässt sich geladen und mit ruhendem Hahn tragen; der erste Schuss löst durch bloßes Durchziehen des Abzugs aus, der den Hahn zuerst spannt und dann fallen lässt. Wer genauer zielen will, spannt vorher von Hand, und darum ging der Streit dieser Bauklasse. Walther ließ den Hahn offen liegen, Sauer verbarg ihn ganz und gab ihm einen eigenen Hebel. Mauser wählte die Mitte: Ein kurzer Sporn ragt so weit aus dem Verschlussrücken, dass der Daumen ihn erreicht und die Waffe trotzdem nicht in der Kleidung hängenbleibt. Zur Ruhe legt den Hahn der Sicherungshebel, und zwar auf eigene Weise: Er zieht den Zündstift zurück, hebt dessen hinteres Ende aus der Bahn und legt es dort fest, ehe er den Hahn fallen lässt. Solange der Hebel gesichert steht, lässt sich der Hahn auch nicht wieder spannen. Ohne Magazin lässt sich der Abzug nicht durchziehen.
Vergleichsstück. Gehört nicht zur ostdeutschen Fertigung; steht hier als Maßstab.
Die HSc ist der interessanteste Vergleichsfall zu den Thüringer Behördenpistolen, weil sie dieselbe Aufgabe unter denselben Bedingungen löst, allerdings in einem anderen Fertigungsraum und mit elf Jahren Abstand zum Vorbild. Dieses Register führt die Walther’sche Bedienlogik als Regionalleistung. Der vorliegende Eintrag ist die Gegenprobe darauf, und er fällt zweischneidig aus.
Konstruktion
Am Verschluss gibt es nichts zu erklären, was nicht schon bei der Walther PP stünde. Der Lauf steht fest, der Schlitten umschließt ihn auf ganzer Länge, die Schließfeder sitzt konzentrisch darauf, verriegelt ist nichts. Wer eine HSc bestimmen will, kommt über den Verschluss nicht weiter; er muss die Sicherung ansehen.
Die Klasse der Behördenpistolen um 1930 hatte ein gemeinsames Konstruktionsproblem. Der Spannabzug erlaubt es, die Waffe geladen und entspannt zu führen; offen bleibt zweierlei — wie der Schütze den Hahn gefahrlos in die Ruhe bringt und wie er ihn wieder heraufholt, wenn er einen präzisen Schuss braucht.
Der Weg zum Hahn — drei Antworten
| Waffe | Ort | Jahr | Antwort |
|---|---|---|---|
| Walther PP | Zella-Mehlis | 1929 | Hahn liegt offen, von Hand spannbar |
| Sauer 38H | Suhl | 1938 | Hahn verdeckt, Hebel spannt und entspannt |
| Mauser HSc | Oberndorf | 1940 | Hahnsporn ragt gerade heraus, Kompromiss |
Diese Dreiergruppe ist die dichteste Vergleichsgruppe der deutschen Behördenpistole überhaupt. Zwei der drei Antworten stammen aus Thüringen. Die dritte kam zuletzt.
Auf der Bedienebene ist die HSc damit eine PP mit flacherem Rücken. Auf der Bauteilebene ist sie etwas anderes, und genau darin liegt der Ertrag dieses Eintrags. Beide Waffen erreichen denselben sicheren Zustand über entgegengesetzte Wege — Patrone im Lager, Hahn unten, Schlagbolzen gesperrt.
| Walther PP (1929) | Mauser HSc (1940) | |
|---|---|---|
| Hahn | offen liegend | fast verdeckt, kurzer Sporn |
| Beim Sichern geschieht zuerst | ein Sperrblock dreht sich vor den ruhenden Schlagbolzen | der Schlagbolzen wird zurückgezogen, sein hinteres Ende angehoben und festgelegt |
| Danach | der Hahn fällt gegen den gesperrten Schlagbolzen | der Hahn fällt gegen die Verschlussfläche |
| Gespannt und gesichert führbar | nein | nein, nach der Fachliteratur konstruktiv ausgeschlossen |
| Ladeanzeige | eigener Stift am Verschlussrücken | der Auszieher tritt rund 1 mm aus dem Schlitten |
| Magazinsicherung | keine | vorhanden, sperrt den Abzug |
| Verschlussfang | Zubringer, kein Außenhebel | Zubringer, kein Außenhebel |
| Rückweg in den gespannten Zustand | Hahn von Hand, gut greifbar | Sporn von Hand, klein und hoch angesetzt |
Der Unterschied in der zweiten Zeile ist mehr als eine Bauvariante. Bei Walther bleibt der Schlagbolzen, wo er ist, und bekommt einen Riegel vorgesetzt; der Hahn schlägt gegen diesen Riegel. Bei Mauser verlässt der Schlagbolzen die Bahn des Hahns und wird dort festgelegt; der Hahn fällt dann nicht ins Leere, sondern nach der Fachliteratur gegen die Fläche des Verschlusses. Zwei Wege zum selben Ergebnis, mit verschiedenen Verschleißbildern: Bei der PP arbeitet der Riegel gegen den Hahnschlag, bei der HSc trägt die Verschlussfläche.
Für die Behauptung dieses Registers, Zella-Mehlis habe 1929 den Maßstab gesetzt, ist der Befund günstig und ungünstig zugleich. Günstig, weil Mauser die Aufgabe unverändert übernimmt: geladen tragen, entspannt tragen, ersten Schuss über den Abzug, Zustand am Verschluss ablesbar. Diese Liste ist Walthers Liste. Ungünstig für die stärkere Lesart, die frühere Fassung dieses Eintrags habe behauptet, die HSc übernehme das Konzept „vollständig” und optimiere allein die Bauform. Von den vier Baugruppen, die den sicheren Zustand herstellen, ist eine gleich (Spannabzug), eine anders gelöst (Schlagbolzensperre), eine durch ein anderes Bauteil ersetzt (Ladeanzeige) und eine neu hinzugekommen (Magazinsicherung).
Entwicklung
Die HSc ist die dritte Ausführung einer Reihe. Das Kürzel steht für Hahn-Selbstspanner-Pistole, und der Buchstabe c bezeichnet die Ausführung, die in Serie ging; die deutschsprachige Übersichtsdarstellung nennt sie ausdrücklich als Antwort auf den Markterfolg von Walther PP und PPK, der Mauser Marktanteile gekostet hatte.
Der Entwurf wird Alex Seidel zugeschrieben und auf 1935/36 datiert, die Serienreife auf 1938. Gefertigt wurde erst ab Ende 1940, weil das Heereswaffenamt die Kapazität zunächst anderweitig band. Fünf Jahre zwischen Serienreife und Serienbeginn sind für eine fertige Konstruktion ungewöhnlich lang und erklären, warum die HSc trotz besserer Bauform nie die Verbreitung der PP erreichte. Der Markt war besetzt, als sie kam.
Zur Person Seidels gehört ein Nachtrag, der über diesen Eintrag hinausreicht. Er gehört zu den Gründern von Heckler & Koch, und das Haus brachte 1967 mit der HK 4 eine Weiterentwicklung dieser Pistole heraus. Damit laufen zwei Linien dieses Registers bei denselben Personen zusammen: die Behördenpistolenlinie, die von Zella-Mehlis ausgeht, und die Rollenlinie, die über Oberndorf zum G3 und zur HK33 führt. Die Verbindung ist personell und nicht konstruktiv; ein Bauteil der HSc findet sich in keiner Rollenwaffe.
Fertigung
Für die Kriegsfertigung nennt eine Übersichtsdarstellung rund 252.000 Stück und schlüsselt sie auf:
| Empfänger | Stück | Anteil |
|---|---|---|
| Heer | rund 137.000 | 54 Prozent |
| Kriegsmarine | rund 27.000 | 11 Prozent |
| Polizeien | rund 28.000 | 11 Prozent |
| freier Verkauf, einschließlich Selbstbeschaffung | rund 59.000 | 23 Prozent |
Die Zahlen stammen aus einer einzigen Darstellung und sind hier nicht gegengeprüft. Ihr Aussagewert liegt weniger in den Absolutwerten als im letzten Posten: Fast ein Viertel der Fertigung ging nicht an eine Beschaffungsstelle, sondern in den Verkauf. Für eine Waffe, die als Behördenpistole entworfen wurde, ist das ein hoher Anteil, und er erklärt, warum HSc-Stücke ohne Abnahmestempel keine Ausnahme sind.
Die Seriennummern beginnen bei 700.000 und setzen die Reihe des Mauser-Modells 1914/34 fort. Wer eine HSc mit fünfstelliger Nummer vor sich hat, hat keine HSc.
Im Kriegsverlauf wich das Polieren und Brünieren einer Phosphatierung. Die späten Stücke sind daran erkennbar und tragen nach Sammlerdarstellungen den Abnahmestempel Adler über WaA135 sowie den Beschussstempel Adler über N.
Varianten
- Kriegsfertigung 1940 bis 1945, 7,65 mm Browning, Abnahme durch das Heereswaffenamt, gegen Ende phosphatiert.
- Französische Fertigung 1945/46. Nach der Besetzung Oberndorfs ließ die französische Verwaltung weiterbauen. Diese Stücke tragen nach Sammlerdarstellungen ein Beschusszeichen RW und gingen überwiegend nach Indochina.
- Oberndorfer Nachkriegsfertigung 1968 bis 1977, überwiegend 9 mm kurz. Griffstück und Abzugsgruppe weichen nach Sammlerangaben ab. Welche Teile im Einzelnen geändert wurden, ist hier nicht belegt: Der Ersatzteilhandel führt die Baugruppe aus Magazinsicherung und Auswerfer für militärische und zivile Stücke gemeinsam, was gegen eine durchgreifende Änderung spricht.
- Lizenzausführungen von Renato Gamba in Italien, ab 1979 mit erheblich vergrößerter Magazinkapazität und geänderter Griffform. Mit der Kriegswaffe verbindet sie wenig mehr als der Name.
Für die Bestimmung
Die HSc lässt sich schnell einordnen, weil sie sich in mehreren Punkten selbst verrät. Die Reihenfolge:
- Die Seriennummer. Sie liegt oberhalb von 700.000. Eine niedrigere Nummer gehört zu einem anderen Mauser-Modell, meist zum 1914/34; das sieht äußerlich anders aus, wird im Handel aber gelegentlich verwechselt.
- Die Funktionsprobe der Sicherung — an der entladenen Waffe. Hahn spannen, Sicherung betätigen. Nach der Fachliteratur muss der Hahn dabei kontrolliert fallen und darf nicht gespannt stehen bleiben; zugleich muss der Schlagbolzen zurückgezogen und festgelegt sein. Bleibt der Hahn gespannt, weicht das Stück von der Beschreibung ab, und die Ursache ist zu klären: entweder eine Nachkriegsausführung mit geänderter Abzugsgruppe oder Verschleiß am Entspannteil. Dieser eine Handgriff entscheidet zugleich den in der Belegnotiz benannten Widerspruch zwischen Fachliteratur und Zeitschriftendarstellungen.
- Die Zerlegeprobe. Nach der Fachliteratur lässt sich die Waffe bei ausgeschalteter Sicherung und entspanntem Hahn NICHT zerlegen; erforderlich sind gespannter Hahn und anschließend betätigte Sicherung, dann der Laufhalter im Abzugsbügel und der Schlitten nach vorn. Lässt sich ein Stück im entspannten, ungesicherten Zustand öffnen, ist am Halter oder an der Sicherung gearbeitet worden.
- Die Ladeanzeige. Mit einer Übungspatrone laden und den Auszieher ansehen und ertasten: Er muss rund einen Millimeter aus der Schlittenfläche treten. Tut er es nicht, ist die Auszieherfeder müde oder das Lager verharzt, und die Waffe hat gleichzeitig ihre Anzeige und ihren sicheren Auszug verloren.
- Die Magazinsicherung. Magazin heraus, Abzug betätigen: Der Abzug muss gesperrt sein. Ein nicht sperrender Abzug bedeutet, dass die Baugruppe fehlt oder entfernt wurde — ein Eingriff, der bei Sammlerwaffen vorkommt und das Stück verändert.
- Abnahme und Beschuss. Adler über WaA135 als Abnahmestempel, Adler über N als Beschusszeichen; bei den spätesten Stücken steht der Abnahmestempel nach Sammlerangaben auf dem Kopf. Ein Beschusszeichen RW weist auf die französische Fertigung von 1945/46 und damit auf ein Stück, das keine Wehrmachtsabnahme haben kann. Siehe Stempelkunde.
- Kaliber und Zeitstellung zusammen lesen. Ein Stück in 9 mm kurz gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Fertigung ab 1968 und nicht zur Kriegsfertigung. Die Kaliberangabe allein datiert nicht, aber sie schränkt ein, und zusammen mit der Oberfläche und den Stempeln ergibt sie ein eindeutiges Bild.
Was an der HSc nachträglich ergänzt oder gefälscht wird, ist selten die Waffe. Es sind die Stempel und das Zubehör. Wehrmachtsabnahme und Marinekennzeichnung heben den Wert deutlich, sitzen in weichem Stahl und sind mit einfachen Mitteln nachzuschlagen; bei jedem Behördenstück ist deshalb die Stempelqualität mit der Serienbeschriftung zu vergleichen. Die zweite Fundstelle sind die Griffschalen: Originale Kriegsschalen mit Mauser-Schriftzug werden nachgefertigt, und eine Nachkriegswaffe mit Kriegsschalen ist kein Kriegsstück.
Einordnung
Die HSc übernimmt Verschlussprinzip, Abzugssystem, Entspannfunktion und die Idee der Zustandsanzeige von der Walther PP. Ihr eigener Beitrag liegt in der Ausführung der Sicherung und in der Bauform: flacher Verschlussrücken, in den Verschluss eingearbeitete Kimme, kaum hervorstehende Kanten.
Damit belegt sie, was das Register an anderer Stelle behauptet, allerdings genauer, als die frühere Fassung dieses Eintrags es tat. Zella-Mehlis hat 1929 den Maßstab gesetzt, an dem sich der deutsche Behördenpistolenbau der folgenden Jahrzehnte orientierte: Die Frage, in welchem Zustand eine geladene Selbstladepistole getragen wird, war ab 1929 gestellt, und niemand kam mehr an ihr vorbei. Dass die Konkurrenz die Frage übernimmt, wiegt schwerer als deren eigene Verbreitung.
Übernommen hat Mauser aber die Frage und nicht die Antwort. Die Sicherung ist anders gebaut, die Ladeanzeige nutzt ein anderes Bauteil, und eine Magazinsicherung kommt hinzu, die Walther nicht hatte. Wer die HSc als bloße Nachahmung führt, unterschätzt sie; wer sie als eigenständigen Entwurf führt, überschätzt die Eigenständigkeit. Sie ist eine zweite Ausführung derselben Aufgabe, und zweite Ausführungen fallen in der Regel besser aus. Genau das ist hier der Fall, und genau deshalb kam sie zu spät.
Siehe Abzugs- und Sicherungssysteme.
Waffenrechtliches
Halbautomatische Kurzwaffe, keine Kriegswaffe nach dem KWKG. Für Erwerb und Besitz gilt das Waffengesetz. Stücke mit Hoheitszeichen der Jahre 1933 bis 1945 unterliegen zusätzlich den Vorschriften über verfassungswidrige Kennzeichen; die Ausnahme für Sammlung und Forschung ist im Einzelfall zu prüfen. Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft. Siehe Methodik.
Zu klären. Erstens die Wirkungsweise des Sicherungshebels am Objekt, mit der sich der Widerspruch zwischen Fachliteratur und Zeitschriftendarstellungen in einer Minute entscheiden ließe. Zweitens Gesamtlänge und Gewicht, für die drei einander widersprechende Werte kursieren; drei gemessene Stücke würden genügen. Drittens der Zuschreibungsnachweis für Alex Seidel, der bisher nur in Sekundärdarstellungen steht. Viertens die Aufschlüsselung der Kriegsfertigung nach Empfängern, für die eine einzige Quelle vorliegt und keine Akte. Fünftens der Umfang der französischen Fertigung von 1945/46, für die weder Stückzahl noch Seriennummernblock ermittelt werden konnte.
Konstruktion
- Verschluss
- Unverriegelter Masseverschluss bei feststehendem Lauf. Der Schlitten umschließt den Lauf über die volle Länge; sein hinterer Abschnitt bildet den Stoßboden. Die Schließfeder sitzt konzentrisch um den Lauf. Verriegelt ist an keiner Stelle etwas — die Bauart setzt damit die Patronenobergrenze dieser Klasse.
- Ladeprinzip
- Rückstoßlader, unverriegelt (Blowback), aufschießend, ohne Gasentnahme und ohne Laufrücklauf. Hahnschloss mit Spannabzug; die Selbstladefunktion spannt den Hahn, der erste Schuss wird vom Abzug gespannt. Verriegelungsart und Ladeprinzip fallen hier zusammen, weil eine Verriegelung fehlt
- Zuführung
- Einreihiges Stangenmagazin, 8 Patronen in 7,65 mm Browning (7 in den späteren 9-mm-kurz-Ausführungen), Halteknopf am Griffboden. Nach der Fachliteratur fängt der Zubringer des leeren Magazins den Verschluss; einen äußeren Verschlussfanghebel hat die Waffe nicht. Was beim Herausnehmen des Magazins geschieht, ist STRITTIG: Sammlerdarstellungen beschreiben statt des Zubringers einen langen Hebel im Griffstück, der den Schlitten auch ohne Magazin offen hält. Der Eintrag entscheidet das nicht (siehe Belegnotiz)
- Abzug
- Spannabzug (Double Action / Single Action) mit Unterbrecher; dazu eine Magazinsicherung, die bei entnommenem Magazin den Abzug sperrt — belegt nur durch die deutschsprachige Übersichtsdarstellung und durch den Ersatzteilhandel, nicht durch die Fachliteratur. Nach Ersatzteilangaben sitzt sie auf einem langen Hebel, der zugleich als Auswerfer arbeitet
- Sicherung
- Sicherungs- und Entspannhebel links am Verschluss, mit einer Welle quer durch den Schlitten. Beim Sichern wird der SCHLAGBOLZEN SELBST in den Verschlusskopf zurückgezogen, sein hinteres Ende ANGEHOBEN — nicht gedreht — und gegen Längsbewegung festgelegt; erst danach drückt der Hebel den Hahnfang nieder, und der Hahn fällt gegen die Verschlussfläche. Dieselbe Welle sperrt den Hahnfang, solange gesichert ist, weshalb sich der Hahn bei betätigter Sicherung nach der Fachliteratur nicht spannen und nicht gespannt halten lässt — eine Führung im Zustand „gesichert und gespannt" ist konstruktiv nicht vorgesehen. Ladeanzeige ist NICHT ein eigener Stift, sondern der Auszieher, der über einer geladenen Patrone rund 1 mm aus dem Schlitten tritt
- Visierung
- In den Verschlussrücken eingearbeitete Kimme, sehr flache Bauform — auf verdecktes Tragen ausgelegt
Maße und Leistung
- Länge
- Widersprüchlich. Beide Übersichtsdarstellungen nennen 152 mm (englischsprachig als 6,0 Zoll), die Fachliteratur dagegen 6,5 Zoll = 165 mm. Der Eintrag nennt beide Werte und legt sich nicht fest
- Lauflänge
- 86 mm (Fachliteratur 3,37 Zoll = 85,6 mm)
- Gewicht
- Widersprüchlich. 640 g nach der deutschsprachigen Darstellung, 20,6 Unzen (584 g) nach der Fachliteratur, 700 g nach der englischsprachigen Übersicht. Ein gewogenes Stück lag diesem Register nicht vor
- Magazin
- 8 Patronen (7,65 mm Browning), 7 Patronen (9 mm kurz)
- V₀
- 290 m/s nach der deutschsprachigen Übersichtsdarstellung; ein Messwert mit Angabe von Ladung und Lauflänge liegt nicht vor
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Ausgangslage — geladen, Hahn in Ruhe
Der Verschluss liegt am feststehenden Lauf an, die Schließfeder umgibt den Lauf. Der Hahn ruht; aus dem Verschlussrücken sieht nur ein kurzer Sporn heraus, gerade so weit, dass der Daumen ihn fasst und die Waffe nicht in der Kleidung hängenbleibt. Die Kralle des Ausziehers steht rund 1 mm aus dem Schlitten und zeigt die Patrone im Lager an. Für diesen Zustand ist die Waffe gebaut; er war 1940 der Sinn der ganzen Bauklasse.
- 2
Erster Schuss über den Spannabzug
Der Abzug wirkt über eine Abzugsstange auf den Hahn und spannt ihn beim Durchziehen selbst; am Ende des Wegs rutscht er ab, und der Hahn fällt. Wer genauer setzen will, spannt den Hahn vorher am Sporn von Hand; der Abzug arbeitet dann als kurzer Einzelabzug.
- 3
Zündung und Trägheitsphase
Der Gasdruck presst den Hülsenboden gegen den Stoßboden. Gehalten wird der Verschluss allein durch seine Masse; er weicht sofort zurück, bis zum Mündungsaustritt aber nur um den Bruchteil des Geschossweges, der dem Massenverhältnis entspricht. So weit steht die Hülse aus dem Lager, und so weit muss die Lagerwandung sie stützen.
- 4
Öffnen und Ausziehen
Nach dem Druckabfall läuft der Schlitten frei zurück. Die federbelastete Auszieherkralle hält die Hülse am Bodenrand fest; dieselbe Kralle, die vorher als Ladeanzeige diente, arbeitet nun als Auszieher. Beides an einem Bauteil ist die sparsamste Lösung der Dreiergruppe und zugleich ihre empfindlichste: Eine erlahmte Auszieherfeder nimmt der Waffe Anzeige und Auszug in einem Zug.
- 5
Auswerfen und Hahnspannen
Der Hülsenboden trifft auf den Auswerfer und kippt seitlich aus. Zugleich drückt der zurücklaufende Schlitten den Hahn nieder in die Spannrast. Der Auswerfer sitzt nach Ersatzteilangaben mit der Magazinsicherung auf einem gemeinsamen Hebel an der linken Innenseite — ein Bauteil für zwei Aufgaben. Der Ersatzteilhandel führt diese Baugruppe für militärische und zivile Ausführungen gemeinsam; ob die Fertigung ab 1968 sie trennte, ist damit NICHT belegt und hier auch nicht behauptet.
- 6
Unterbrechen und Rückstellen des Abzugs
Eine glatte Fläche an der linken hinteren Unterkante des Schlittens drückt im Rücklauf den Unterbrecher nieder und trennt die Abzugsstange vom Hahn; erst das Loslassen des Abzugs lässt sie wieder einlaufen. Ohne diesen Schritt liefe die Waffe als Vollautomat. Ein zweiter Fang, in der Literatur als Abzugsfang bezeichnet, hält den Hahn währenddessen.
- 7
Vorlauf, Zuführwinkel und Patronenlage
Die Schließfeder treibt den Schlitten vor. Der Stoßboden nimmt die oberste Patrone aus dem einreihigen Magazin; der Zubringer hält sie mit der Spitze leicht nach oben, und sie gleitet über die Zuführrampe ins Lager. Am Ende des Weges schnappt die Auszieherkralle in die Auszugsrille und tritt dabei aus dem Schlitten. Die Anzeige entsteht also nicht durch ein eigenes Bauteil, sondern als Nebenwirkung des Zuführens.
- 8
Verschlussfang und Magazinsperre
Nach dem letzten Schuss fängt der Zubringer des leeren Magazins den Verschluss — so die Fachliteratur; einen äußeren Verschlussfanghebel gibt es nicht. Ob der Schlitten beim Entnehmen des Magazins vorläuft oder von dem langen Hebel, der auch die Magazinsicherung trägt, offen gehalten wird, geben die Darstellungen verschieden an; dieser Eintrag legt sich nicht fest. Sicher ist nur das Ergebnis: Ohne Magazin sperrt die Magazinsicherung den Abzug — auch wenn im Lager noch eine Patrone liegt. Die Waffe ist damit nicht sicher, nur unbrauchbar gemacht; das Lager ist trotzdem zu prüfen.
- 9
Sichern und Entspannen — der Schlagbolzen weicht
Hier trennt sich die HSc von ihrem Vorbild. Der Hebel am Verschluss zieht zunächst den Schlagbolzen in den Verschlusskopf zurück, hebt sein hinteres Ende aus der Bahn des Hahns und legt es dort gegen Längsbewegung fest; erst danach drückt er den Hahnfang nieder, und der Hahn fällt gegen die Verschlussfläche. Die Fachliteratur nennt die Reihenfolge ausdrücklich in dieser Folge — zurückziehen, festlegen, dann fallen lassen. Die Walther PP legt umgekehrt einen drehbaren Sperrblock zwischen Hahn und ruhenden Schlagbolzen. Beide Wege enden im selben Zustand; der Mauser'sche nimmt dem Schlagbolzen die Bahn, statt sie zu versperren. Die Welle des Sicherungshebels sperrt zugleich den Hahnfang, weshalb sich der Hahn bei betätigter Sicherung nach der Fachliteratur weder spannen noch gespannt halten lässt.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verschlussruhelage: Die Schließfeder presst den Verschluss gegen den feststehenden Lauf. Verriegelt ist nichts — es hält allein die Masse.
- 2 Schuss: Der Gasdruck treibt Geschoss und Hülse auseinander. Der Verschluss beginnt zurückzuweichen, bewegt sich wegen seiner Trägheit aber nur wenige Zehntelmillimeter, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat.
- 3 Rücklauf: Erst nach dem Druckabfall öffnet der Verschluss weit, wirft die Hülse aus und spannt die Feder.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
Walther PP
Carl Walther · Deutschland (Zella-Mehlis) · 1929- System
- Masseverschluss, offener Hahn, Spannabzug, Entspannhebel, Ladeanzeige
- Unterschied
- Elf Jahre älter und das Vorbild der ganzen Klasse. Ihr Hahn liegt offen und ist uneingeschränkt von Hand bedienbar, dafür ragt er weiter heraus. Verschieden sind darüber hinaus drei Baugruppen, die man leicht übersieht: Die PP legt beim Sichern einen drehbaren Sperrblock vor den ruhenden Schlagbolzen, die HSc zieht den Schlagbolzen zurück und hebt sein hinteres Ende aus der Hahnbahn. Die PP zeigt den Ladezustand mit einem eigenen Stift, die HSc mit dem heraustretenden Auszieher. Und die HSc hat eine Magazinsicherung, die PP keine.
- Befund
- Die HSc übernimmt die BEDIENLOGIK der PP vollständig — geladen tragen, entspannt tragen, ersten Schuss über den Abzug. Im Innern folgt sie ihr nicht. Für das Register heißt das: Zella-Mehlis hat 1929 die Aufgabe gestellt, nicht die Bauteile geliefert.
Sauer 38H
J. P. Sauer & Sohn · Deutschland (Suhl) · 1938- System
- Masseverschluss, vollständig verdeckter Hahn, Spann- und Entspannhebel
- Unterschied
- Sauer verbirgt den Hahn ganz und ersetzt den Zugriff durch einen Hebel, der auch wieder spannt. Mauser lässt einen Sporn stehen und kommt mit einem reinen Entspannhebel aus. Beide Häuser bauen eine Magazinsicherung ein. Der entscheidende Unterschied liegt im Rückweg: Die 38H kommt aus dem entspannten Zustand lautlos und ohne Patronenverlust in den gespannten, die HSc nur über den Daumen am Sporn — und der ist klein, hoch angesetzt und mit Handschuh schwer zu greifen.
- Befund
- Zwei Lösungen desselben Problems binnen zwei Jahren. Die Suhler ist konstruktiv aufwendiger und im Rückweg überlegen, die Oberndorfer einfacher und flacher. Beide sind Antworten auf eine Zella-Mehlisser Frage.
Heckler & Koch HK 4
Heckler & Koch GmbH · Deutschland (Oberndorf am Neckar) · 1967 plausibel- System
- Masseverschluss, Spannabzug, Wechselläufe für vier Kaliber von .22 lfB bis 9 mm kurz
- Unterschied
- Die Fortsetzung derselben Konstruktion im selben Ort, siebenundzwanzig Jahre später und in einem anderen Haus. Übersichtsdarstellungen führen die HK 4 als Weiterentwicklung der HSc; einer der Gründer von Heckler & Koch, Alex Seidel, wird zugleich als Konstrukteur der HSc genannt. Neu ist bei der HK 4 vor allem der Kaliberwechsel über Wechsellauf und Wechselmagazin.
- Befund
- Der Fall verbindet zwei Linien dieses Registers, die sonst nichts miteinander zu tun haben: die Behördenpistolenlinie aus Thüringen und die Oberndorfer Rollenlinie, die über StG 45 und G3 zur HK33 führt. Beide laufen bei denselben Personen zusammen. Die Verbindung ist personell und nicht konstruktiv, und sie ist hier nur über Sekundärdarstellungen belegt.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Schwaches Dienstkaliber
Wie die gesamte Klasse auf 7,65 mm Browning begrenzt — der Masseverschluss setzt die Obergrenze. Was die Waffe einfach und flach macht, begrenzt sie zugleich: Eine stärkere Patrone verlangt mehr Verschlussmasse und mehr Federkraft, und beides verdirbt genau die Eigenschaften, für die diese Bauklasse beschafft wurde.
plausibel
-
Der Hahnsporn ist ein Kompromiss und verhält sich auch so
Der Sporn ragt so weit heraus, dass ein bloßer Daumen ihn erreicht, und so wenig, dass er nicht hängenbleibt. Beides zugleich geht nur ungefähr. Mit Handschuh, mit klammen Fingern oder in Eile ist der Sporn schwer zu fassen, und einen zweiten Weg in den gespannten Zustand gibt es nicht: Wer den Hahn nicht von Hand spannt, muss repetieren und verliert die Patrone im Lager. Genau diesen Rückweg hatte die Sauer 38H zwei Jahre zuvor gelöst.
plausibel
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Gesichert heißt hier zwangsläufig entspannt
Nach der Fachliteratur lässt sich der Hahn bei betätigter Sicherung nicht gespannt halten; das Sichern schließt das Entspannen ein. Für die Tragweise, für die die Waffe gebaut wurde, ist das folgerichtig. Ein Führen im Zustand „gespannt und gesichert", wie ihn Waffen mit reiner Hebelsicherung erlauben, ist damit ausgeschlossen, und der erste Schuss geht immer über den langen Abzugsweg. Für die Zustandsprüfung folgt daraus ein einfacher Test, der zugleich Verschleiß aufdeckt (siehe Für die Bestimmung).
plausibel
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Ladeanzeige und Auszieher hängen an einem Bauteil
Die Anzeige entsteht dadurch, dass die Auszieherkralle über der geladenen Patrone rund einen Millimeter aus dem Schlitten tritt. Erlahmt oder verharzt die Auszieherfeder, verschwindet die Anzeige und der Auszug wird unsicher, und zwar gleichzeitig. Eine PP mit defektem Anzeigestift zieht weiterhin aus; eine HSc mit müdem Auszieher tut beides nicht mehr. Der Befund ist an der entladenen Waffe mit einer Übungspatrone in Sekunden zu prüfen und wird regelmäßig übersehen.
plausibel
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Magazinsicherung — eine Sicherheit, die keine ist
Bei entnommenem Magazin sperrt die Magazinsicherung den Abzug, auch wenn im Lager noch eine Patrone liegt. Die Einrichtung verhindert den unbeabsichtigten Schuss beim Entladen in falscher Reihenfolge und erzeugt zugleich die Vorstellung, eine Waffe ohne Magazin sei ungefährlich. Für die Zustandsbeurteilung heißt das: Das Patronenlager wird geprüft, nicht der Magazinschacht. Hinzu kommt, dass die Baugruppe nach Ersatzteilangaben mit dem Auswerfer auf einem Hebel sitzt — ein Bruch dort trifft zwei Funktionen auf einmal.
plausibel
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Vereinfachungen der Spätfertigung
Wie bei den Thüringer Vergleichsstücken sanken Oberflächengüte und Ausstattung im Kriegsverlauf; das aufwendige Polieren und Brünieren wich einer schlichten Phosphatierung. Für die Bestimmung gilt dieselbe Regel wie dort: grobe Ausführung kann Datierungs- statt Zustandsmerkmal sein. Sammlerdarstellungen führen die phosphatierten Spätstücke mit Abnahmestempel Adler über WaA135 als eigene, seltene Gruppe.
plausibel
Verwendung
- Polizei-, Verwaltungs- und Wehrmachtsbeschaffung ab Ende 1940. Nach einer Aufschlüsselung der englischsprachigen Übersichtsdarstellung entfielen von rund 252.000 Kriegsstücken etwa 137.000 auf das Heer, 27.000 auf die Kriegsmarine, 28.000 auf Polizeien und 59.000 auf den freien Verkauf einschließlich der Selbstbeschaffung durch Offiziere
- 1945/46 unter französischer Besatzung in Oberndorf weitergefertigt; die Stücke dieser Fertigung tragen nach Sammlerdarstellungen ein Beschusszeichen RW und gingen überwiegend nach Indochina
- 1968 bis 1977 erneut in Oberndorf gefertigt, überwiegend im Kaliber 9 mm kurz; danach Lizenzausführungen in Italien
Quellen
- [Literatur] Smith, Mauser Rifles and Pistols — Mauser Rifles and Pistols — Kapitel Mauser HSc , Reiner Masseverschluss, Schlitten umschließt den Lauf auf ganzer Länge. Sicherung: Schlagbolzen wird in den Verschlusskopf gezogen, sein hinteres Ende angehoben und über einen zylindrischen Ansatz in einer Bohrung festgelegt; der Hahn kann bei betätigter Sicherung nicht gespannt bleiben, das Sichern entspannt selbsttätig. Auszieherkralle greift in die Auszugsrille und tritt rund 1 mm aus der Schlittenfläche — sicht- und fühlbare Anzeige des geladenen Lagers. Unterbrecher wird von der glatten Fläche an der linken hinteren Unterkante des Schlittens niedergedrückt; Abzugsfang hält den Hahn. Zubringer fängt nach dem letzten Schuss den Verschluss. Zerlegung über den Laufhalter im Abzugsbügel, Schlitten nach vorn abziehen; bei ausgeschalteter Sicherung und entspanntem Hahn ist die Waffe NICHT zerlegbar. Maße 3,37 Zoll Lauf, 6,5 Zoll Gesamtlänge, 20,6 Unzen, 8 Patronen Link
- [Online] Wikipedia (de) — Mauser HSc , Auflösung des Kürzels als Hahn-Selbstspanner-Pistole c, dritte Ausführung in Serie; Antwort auf den Markterfolg von Walther PP und PPK; Kaliber 7,65 × 17 mm und 9 × 17 mm; Magazin 8 bzw. 7 Patronen; Lauflänge 86 mm, Gesamtlänge 152 mm, Gewicht 640 g, v0 290 m/s; MAGAZINSICHERUNG — bereits das Entfernen des Magazins blockiert den Abzug; mehr als eine Viertelmillion Stück; Phosphatierung statt Politur im Kriegsverlauf; französische Weiterfertigung; HSc-80 der 1970er Jahre; HK 4 auf dieser Grundlage Link
- [Online] Wikipedia (en) — Mauser HSc , Entwurf 1935/36 durch Alex Seidel; Fertigung ab Ende 1940 bis 1945, Weiterfertigung für französische Stellen bis 1946, erneute Fertigung 1968 bis 1977 überwiegend in 9 × 17 mm; Gewicht 700 g, Gesamtlänge 152 mm; Lizenzausführung HSc Super bei Renato Gamba Link
- [Online] Forgotten Weapons — Mauser HSc , Entwicklungsbeginn 1934, Serienreife 1938, Freigabe durch das Heereswaffenamt erst 1940; rund 252.000 Kriegsstücke, davon 137.000 Heer, 27.000 Kriegsmarine, 28.000 Polizei, 59.000 freier Verkauf; Seriennummernbeginn 700.000 in Fortsetzung der Reihe des Mauser 1914/34; Lizenzfertigung durch Renato Gamba Link
- [Auskunft] Sammler- und Auktionsangaben — Kennzeichnung der HSc — Abnahme, Beschuss, französische Fertigung , Späte Kriegsstücke mit Phosphatierung, Abnahmestempel Adler über WaA135 und Beschusszeichen Adler über N; bei den spätesten Stücken steht der Abnahmestempel auf dem Kopf. Die 1945/46 unter französischer Aufsicht gefertigten Stücke tragen ein Beschusszeichen RW und gingen überwiegend an französische Verbände in Indochina. Foren- und Handelsangaben, KEINE Werksunterlage Link
- [Online] Ammoland — Mauser HSc Pistol — The Other German Medium Auto Handgun , Bezeichnet den Hebel ausdrücklich als „decocker/safety lever" am hinteren linken Schlitten und stützt damit die Entspannfunktion. ABWEICHEND von der Fachliteratur beschreibt der Beitrag die Bewegung als Drehung: Ein Fortsatz des Schlagbolzens drehe sich mit der Welle der Sicherung aus dem Weg, während die Walther PP einen drehbaren Sperrblock verwende. Die Angabe zur Walther-Bauart ist hier für den Vergleichsblock übernommen, die Angabe zur HSc nicht Link
- [Auskunft] Ersatzteilhandel — HSc — Baugruppe „magazine safety and ejector" , US-Ersatzteilhändler führen Magazinsicherung und Auswerfer der HSc als EIN Teil (Teilnummer 57-18), ausdrücklich für militärische und zivile Ausführungen. Belegt damit die gemeinsame Baugruppe, NICHT die im Eintrag genannte abweichende Bauart der Nachkriegsfertigung. Händlerkatalog, keine Werksunterlage; die Katalogseite ist maschinell nicht abrufbar und hier ohne Adresse geführt