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OD WH

Modell

Haenel Modell 310

Fertigung
VEB Ernst-Thälmann-Werk , Haenel
Kaliber
4,4 mm Rundkugel
Zeitraum
1950–…
Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden

Entwicklung in den 1950er Jahren, Knicklaufbauart, das Kaliber 4,4 mm Rundkugel und der Einsatz in der GST mit stärkeren Federn sind übereinstimmend belegt. NEU IN DIESER FASSUNG und aus Sammler-, Händler- und Testberichten ergänzt sind: Gesamtlänge rund 1030 mm, Lauflänge rund 420 mm mit 400 mm gezogenem Teil und 12 Zügen, Gewicht rund 2,80 kg, Magazingrößen 6, 8 und 12 Schuss, Herstellerangabe v0 rund 115 m/s gegen rund 132 m/s im Test, Ausführungsbezeichnungen 310-2 bis 310-9 nebst 3.102 und 310-4, offene Visierung mit seitlich justierbarem Dachkorn und gerasteter Schiebekimme, Druckpunktabzug (bei einzelnen Ausführungen justierbar) sowie die Bauteilnamen der Zuführung. NICHT GEDECKT von diesen Quellen ist die SICHERUNG: Weder das Sammlerlexikon noch der Händlerkatalog noch der Testbericht beschreibt sie. Dass es Ausführungen mit selbsttätig einfallender Sicherung, solche mit Handsicherung und mit der 310-5 eine ganz ohne Sicherung gibt, steht allein in Forumsdiskussionen; der Eintrag führt die Angabe deshalb als ungeklärt und nicht als Modellmerkmal. KEINE WERKSQUELLE lag vor. Sämtliche Maß- und Leistungsangaben stammen aus Sammlerlexikon, Händlerkatalogen und einem Forumstestbericht und sind entsprechend zu behandeln. WIDERSPRÜCHLICH sind bereits die Eckdaten: Für die Fertigungszeit nennen dieselben Kreise „1960 bis 1989" und „1964 bis 1991", für die Gesamtlänge 1030 mm und 107 cm, für die Lauflänge 420 mm und „gezogen 400 mm". Der Datensatz führt unverändert 1950 als Anfangsjahr und kein Endjahr; auch dieses Jahr ist NICHT belegt, sondern gibt allein die verbreitete Angabe „Entwicklung in den 1950er Jahren" wieder. Die Modellchronologie der Ausführungen 310-2 bis 310-9 ist NICHT geklärt; eine Sammlerdarstellung führt die Unterschiede auf laufende konstruktive und fertigungstechnische Änderungen mit dem Ziel der Kostensenkung zurück, ohne Jahre zu nennen. DIE ENERGIERECHNUNG im Maßblatt ist ein ÜBERSCHLAG DIESES REGISTERS: Eine Bleikugel von 4,4 mm Durchmesser hat rund 0,045 cm³ und bei einer Dichte von 11,34 g/cm³ rund 0,50 g; 0,50 g bei 132 m/s ergeben rund 4,3 J und stimmen damit mit dem im Testbericht genannten Wert überein. Die Rechnung bestätigt die Größenordnung der Fremdangabe und ersetzt keine Messung. DIE BESCHREIBUNG DER ZUFÜHRUNG (Magazinfeder, Transportkugel, Versenkung am hinteren Laufende, federndes Halteblättchen) stammt aus Diskussionen eines Sammlerforums über Fehlerbilder und ist damit von der Störung her rekonstruiert und nicht aus einer Fertigungszeichnung. Ein Explosionsbild mit Werksbenennung der Teile liegt beim Ersatzteilhandel vor, ist für diesen Eintrag aber NICHT eingesehen worden. Die Beschreibung des Funktionsablaufs folgt im Übrigen der allgemeinen Federkolbensystematik und ist nicht am Objekt geprüft. KORRIGIERT gegenüber der früheren Fassung ist die Reihenfolge der beiden Ausschläge: Sie lautete dort, es wirke „zuerst die Kolbenmasse nach vorn, dann der Rückstoß nach hinten". Nach dem Impulssatz weicht das Gehäuse zunächst nach HINTEN aus, solange der Kolben nach vorn beschleunigt wird, und schnellt beim Abfangen des Kolbens nach VORN. Dieselbe Formulierung steht noch auf der Systemseite zu den Luftdrucksystemen.

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Diese Waffe braucht kein Pulver; sie arbeitet mit Luft. Vor jedem Schuss wird der Lauf nach unten geknickt — er sitzt in einem Gelenk und wirkt dabei als langer Hebel. Über dieses Gelenk zieht er einen Kolben im Inneren nach hinten gegen eine kräftige Feder, bis der Kolben einrastet. Damit ist der ganze Kraftvorrat der Waffe angelegt: eine gespannte Stahlfeder, mehr nicht. Der abgeknickte Lauf gibt zugleich die Öffnung frei, durch die die nächste Rundkugel nachrückt; sie kommt aus einem kleinen Vorratsbehälter an der Seite und muss nicht von Hand eingelegt werden — genau das macht die 310 zum Gerät für Schießbuden und Ausbildungsstände, an denen viele Schüsse hintereinander fallen. Beim Abdrücken wird der Kolben freigegeben. Die Feder treibt ihn nach vorn, er presst die Luft vor sich in einem Zylinder schlagartig zusammen, und dieser Druck schiebt die Kugel durch den Lauf. Die Waffe zuckt dabei zweimal, und zwar in dieser Reihenfolge: Solange die Feder den Kolben nach vorn schiebt, weicht das Gehäuse nach hinten aus; sobald der Kolben vorn auf das zusammengepresste Luftpolster trifft und abgebremst wird, schnellt die Waffe nach vorn. Beides geschieht, während die Kugel noch im Lauf steckt. Deshalb trifft nur, wer sie bei jedem Schuss genau gleich hält. Zwei Grenzen hat die Bauart. Die erste liegt im Laufgelenk: Es hat Spiel, und der Lauf kommt nach jedem Spannen ein wenig anders zu liegen. Die zweite liegt in der Kugel selbst. Eine glatte Bleikugel dichtet im Lauf schlechter ab und fliegt schlechter als das taillierte Geschoss der Wettkampfgewehre.

Die Haenel 310 war das Massengewehr des DDR-Breitensports. Entwickelt in den 1950er Jahren und gebaut als Knicklauf-Federkolbengewehr für 4,4-mm-Rundkugeln, umgangssprachlich „Kugelspritz”, galt sie lange als eines der präzisesten Luftdruckgewehre für den sportlichen Gebrauch.

Konstruktion

Drei Entscheidungen prägen diese Waffe, und alle drei folgen aus dem Zweck. Sie sollte viele Schüsse hintereinander abgeben, von ungeübten Händen bedient werden und wenig kosten.

Der Knicklauf. Der Lauf ist zugleich der Spannhebel. Das spart ein Bauteil, kostet aber Wiederholgenauigkeit, weil sich der Lauf bei jedem Spannvorgang gegenüber dem System bewegt. Beim Seitenspanner der Haenel 312 ist es umgekehrt. Die Systematik der Spannarten steht unter Luftdrucksysteme.

Das Magazin. Eine Stangenfeder schiebt eine Säule von 6, 8 oder 12 Rundkugeln vor. Genau darin liegt der Sinn der ganzen Waffe: An einer Schießbude oder auf einem Ausbildungsstand fällt Schuss auf Schuss, und wer dafür jedes Geschoss einzeln einlegen müsste, hätte das falsche Gerät. Der Preis ist eine Zuführung, in der weiches Blei durch einen engen Schacht geschoben wird.

Die Rundkugel. Sie ist die folgenreichste Entscheidung und wird am seltensten benannt. Ein Diabolo hat einen dünnwandigen Schaftrand, der sich beim Schuss an die Laufwand legt und dort abdichtet; eine glatte Kugel hat nichts dergleichen und dichtet allein über ihre eigene Verformung ab. Hinzu kommt der Flug: Die Kugel ist die schlechteste Geschossform, die für diesen Zweck in Frage kommt. Sie hat dafür einen Vorteil, den kein Diabolo hat — sie lässt sich in einer Säule stapeln und ohne Rücksicht auf ihre Lage zuführen, weil sie keine hat.

Die Bauart ist damit von hinten her konsistent. Weil die Waffe repetieren soll, muss das Geschoss eine Kugel sein; weil das Geschoss eine Kugel ist, kann die Waffe kein Matchgerät werden.

Entwicklung

Belegt ist wenig, und das Wenige widerspricht sich. Die verbreitete Angabe lautet, die 310 sei in den 1950er Jahren entwickelt worden; für den Fertigungsbeginn nennen Sammlerdarstellungen 1960, Händler dagegen 1964, für das Ende 1989 beziehungsweise 1991. Eine Werksquelle lag diesem Register nicht vor, und das Anfangsjahr 1950 im Datensatz ist eine Näherung an die Entwicklungsangabe und kein Beleg.

Fertigung

Ohne Stückzahlen. Was sich sagen lässt, ist eine Größenordnung aus zweiter Hand: Die 310 wurde über rund drei Jahrzehnte in mindestens sieben unterscheidbaren Ausführungen gebaut, und der Ersatzteilhandel führt sie bis heute in Sortimentsbreite. Eine Sammlerdarstellung führt die Unterschiede zwischen den Ausführungen ausdrücklich auf laufende Änderungen zur Senkung der Herstellungskosten zurück. Für ein Erzeugnis, das an Jahrmärkte, Schießbuden und die GST-Ausbildung ging, ist das die erwartbare Fertigungsgeschichte.

Varianten

Genannt werden die Ausführungen 310-2, 310-3, 310-4, 310-5, 310-6, 310-8 und 310-9 sowie eine Bezeichnung 3.102, die nach dem Muster der 312 (dort 3.121 für das Modell 312-1) eine innerbetriebliche Nummer sein dürfte. Die 310-5 wird als Ausführung ohne Sicherung geführt. Welche Nummer wann lief und was sich jeweils änderte, ist hier NICHT geklärt; eine Zuordnung nach Nummern wäre Raterei.

Für die Bestimmung folgt daraus dasselbe wie bei den Suhler Jagdwaffen: Die Nummer beschreibt einen Baustand und nicht ein Jahr.

Verwendung

Die 310 taucht in der DDR an drei sehr verschiedenen Orten auf: auf Jahrmärkten und Schießständen, in der vormilitärischen Ausbildung der GST und im Vereinsschießen. Unterschieden wurden diese Verwendungen nicht durch verschiedene Modelle, sondern durch die Federstärke. GST-Gewehre waren stärker gefedert als die Schießbudenausführungen. Der organisatorische Rahmen dahinter steht unter Sportwaffenbau in der DDR.

Für die Bestimmung

Ein Sachverständiger sieht sich bei dieser Waffe zuerst den Zuführweg an und erst danach das Laufgelenk. Die Reihenfolge ist nicht selbstverständlich, ergibt sich aber aus den Schadensbildern.

  1. Der Magazinschacht und die Zuführstelle. Grate, Ausbrüche und Bleireste zeigen an, dass Kugeln abgeschert wurden. Das ist das häufigste Fehlerbild dieses Modells, und es setzt sich fort, solange die Ursache im Schacht steht.
  2. Die Versenkung am hinteren Laufende. Sie hält die zugeführte Kugel, während der Lauf beim Spannen nach unten zeigt. Ist sie ausgeschlagen, rollt die Kugel vor. Zwei Kugeln im Lauf sind dieselbe Ursache, eine Stufe weiter.
  3. Das Laufgelenk. Bei geschlossener Waffe seitlich und senkrecht auf Spiel prüfen. Ein ausgeschlagenes Gelenk erklärt wandernde Treffpunktlage, nicht aber allgemeine Streuung.
  4. Die Leistung. Ein Stück, das deutlich unter rund 130 m/s bleibt, ist zuerst ein Dichtungs- und Manschettenfall. Feder und Manschette sind die Verschleißteile, an denen die Leistung hängt.
  5. Die Feder. Was verbaut ist, entscheidet über die Leistung, und der Ersatzteilhandel liefert bis heute gestaffelte Stärken. Ein Stück lässt sich also nicht allein am Modell beurteilen, und die Feder ist das am häufigsten getauschte Bauteil.
  6. Spuren des Dieselns. Verkokte Rückstände im Zylinder, eine verhärtete Manschette und auffällig hohe Einzelwerte auf dem Messgerät deuten auf Ölen im Zylinder hin. Der Befund gehört festgehalten, weil er die Leistungsmessung entwertet.

Nachträglich ergänzt oder ersetzt wird an diesen Waffen fast alles, was Verschleißteil ist: Federn, Manschetten, Dichtungen, Magazine, Schäfte. Verstärkte Federn aus dem Zubehörhandel heben die Leistung über den Werkszustand, und dann ist die Waffe waffenrechtlich eine andere als die, die auf dem Tisch zu liegen scheint. Gefälscht wird an diesem Modell selten etwas, weil sich der Aufwand nicht lohnt; verändert wird dafür ständig.

Einordnung

Die 310 und die 312 stammen aus demselben Werk, lösen aber verschiedene Aufgaben.

Einordnung
Modell 310Modell 312
SpannartKnicklaufSeitenspanner
ZuführungRepetierer mit StangenmagazinEinzellader
Geschoss4,4 mm Rundkugel4,5 mm Diabolo
Visierungoffenes VisierDiopter auf Prismenschiene
AbzugDruckpunktabzugeinstellbarer Matchabzug
Prellschlagdämpfungkeinegedämpfte Hülse über dem Laufansatz
Gewichtrund 2,8 kg4,4 kg
Mündungsenergierund 4,3 Jrund 8 J
ZweckMassengebrauchVereinswettkampf

Zwei Zeilen tragen den Rest. Die Spannart entscheidet über die Wiederholgenauigkeit: Beim Knicklauf bewegt sich der Lauf bei jedem Spannvorgang relativ zum System, beim Seitenspanner bleibt er fest. Und die Zuführung entscheidet über das Geschoss, das Geschoss über die erreichbare Präzision. Deshalb ist die 310 das robuste Massengewehr und die 312 das Matchgerät; Einzelheiten unter Luftdrucksysteme.

Die dritte Zahl fällt beim Nebeneinanderlegen zuerst auf und wird selten genannt. Die 312 leistet bei praktisch gleicher Lauflänge etwa das Doppelte. Die Bauart der 310 ist also nicht nur die weniger genaue, sondern auch die schwächere, und beides hat dieselbe Ursache: ein kleineres, leichteres Kolbensystem in einem Gehäuse, das mit 2,8 kg von einem Zwölfjährigen zu halten sein sollte.

Waffenrechtliches

Federkolben-Luftgewehr mit rund 4,3 J Mündungsenergie nach der einzigen vorliegenden Messung und damit unterhalb der bundesdeutschen Grenze von 7,5 J. Für Luftdruckwaffen, die vor dem 2. April 1991 auf dem Gebiet der ehemaligen DDR hergestellt und in den Handel gebracht wurden, gilt zudem eine eigene Übergangsregelung des Waffengesetzes. Keine Kriegswaffe, keine Schusswaffe im Sinne der Erlaubnispflicht. Maßgeblich ist der TATSÄCHLICHE Zustand: Eine nachträglich eingebaute stärkere Feder kann die Waffe über die Grenze heben. Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft. Siehe Methodik.

Offene Forschungsfragen. Erstens die Eckdaten: 1960 oder 1964 als Fertigungsbeginn, 1989 oder 1991 als Ende, und wann genau die Entwicklung lag. Zweitens die Modellchronologie der Ausführungen 310-2 bis 310-9. Drittens eine Werksangabe zu Maßen und Leistung; die hier geführten Zahlen stammen sämtlich aus Sammler- und Händlerquellen. Viertens die Bauteilnamen und die Kinematik der Zuführung, für die ein Explosionsbild mit Werksbenennung beim Ersatzteilhandel vorliegt und nicht eingesehen wurde. Fünftens die Frage, welche Federstärken die GST-Ausführungen tatsächlich trugen — die Aussage steht überall, eine Zahl nirgends. Und sechstens die Sicherung: Welche Ausführungen hatten eine selbsttätige, welche eine Handsicherung, welche gar keine? Keine der hier eingesehenen Darstellungen beschreibt die Baugruppe; die Frage ist am zerlegten Stück in einer Viertelstunde zu klären.

Konstruktion

Verschluss
Feststehendes System ohne Verschluss im Sinne der Feuerwaffe. Der Lauf sitzt im Kippgelenk am Systemgehäuse und wird zum Spannen abgeknickt; beim Schließen hält ihn eine federbelastete Rast und zieht die Laufwurzel gegen die Dichtung des Kompressionszylinders. Zuzuhalten ist hier nichts gegen den Druck einer Patrone — der Druck entsteht im Zylinder und steht nur für Millisekunden an. Was die Rast leistet, ist Abdichtung und Lagesicherung, nicht Verriegelung.
Ladeprinzip
Federkolben-Luftgewehr, Knicklaufspanner. Die beiden Merkmalsachsen sind zu trennen: Gespannt wird durch Abknicken des Laufs, der dabei selbst der Spannhebel ist; zugeführt wird aus einem federbelasteten Stangenmagazin. Die 310 ist damit im Wortsinn ein Repetierer, das Matchgewehr Modell 312 dagegen Einzellader.
Zuführung
Stangenmagazin für 4,4-mm-Rundkugeln, je nach Ausführung 6, 8 oder 12 Schuss, seitlich am System eingesetzt. Die Kugeln werden von Hand in das Magazin gedrückt; eine Magazinfeder schiebt die Säule vor.
Abzug
Druckpunktabzug, bei einzelnen Ausführungen justierbar. Kein Matchabzug.
Sicherung
UNEINHEITLICH und schlecht belegt. Sammlerdarstellungen kennen Ausführungen mit einem Sicherungsschieber am Zylinder, der beim Spannen selbsttätig einfällt, und solche mit einer nur von Hand zu bedienenden Sicherung; die Ausführung 310-5 wird ganz ohne Sicherung genannt. Keine der für diesen Eintrag eingesehenen Quellen — Sammlerlexikon, Händlerkatalog, Testbericht — beschreibt die Baugruppe; die Angabe stammt aus Forumsdiskussionen und ist am Einzelstück zu prüfen, statt vom Modellnamen abgeleitet zu werden.
Visierung
Offene Visierung: seitlich justierbares Dachkorn im Korntunnel, gerastete Schiebekimme, in Höhe und Seite verstellbar. Kein Diopter, keine Schiene.
Züge und Drall
12 Züge

Maße und Leistung

Länge
rund 1030 mm nach einer Sammlerdarstellung; eine Händlerangabe nennt 107 cm. Keine Werksangabe belegt
Lauflänge
rund 420 mm, davon nach einem Testbericht 400 mm gezogener Teil mit 12 Zügen. Keine Werksangabe belegt
Gewicht
rund 2,80 kg (Sammlerdarstellung)
Magazin
6, 8 oder 12 Rundkugeln je nach Ausführung
V₀
Herstellerangabe nach einem Testbericht rund 115 m/s; dort gemessen rund 132 m/s und daraus rund 4,25 J. Der Wert ist mit der Kugelmasse verträglich: Eine Bleikugel von 4,4 mm wiegt rechnerisch rund 0,5 g, und 0,5 g bei 132 m/s ergeben rund 4,3 J. Überschlag dieses Registers, kein Messwert
Kadenz
entfällt — jeder Schuss verlangt einen vollständigen Spannvorgang von Hand

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Ausgangslage — entspannt, Lauf geschlossen, Magazin gefüllt

    Die Kolbenfeder ist entspannt, der Kolben steht vorn am Zylinderkopf, der Lauf sitzt in seiner Rast. Im seitlich eingesetzten Stangenmagazin steht eine Säule aus 6, 8 oder 12 Rundkugeln unter Federdruck. Anders als bei einer Feuerwaffe steckt jetzt keinerlei Energie in der Waffe.

  2. 2

    Entriegeln und Abknicken — der Lauf als Hebel

    Der Lauf wird aus seiner Rast gelöst und nach unten geschwenkt. Er ist mit rund 420 mm kurz, und weil er selbst der Spannhebel ist, geht seine Länge unmittelbar in die aufzubringende Kraft ein: Bei gleicher Feder verlangt der kürzere Hebelarm die größere Handkraft. Wie schwer sich die 310 tatsächlich spannt, folgt daraus allein noch nicht — dafür ist die Feder maßgeblich, und die ist hier auf rund 4 J ausgelegt und damit schwächer als bei den Sportknickläufern, mit denen sich der Hebelvergleich anbietet. Eine Werksangabe zur Spannkraft liegt diesem Register nicht vor.

  3. 3

    Spannen — Kolben, Feder, Stollen

    Über das Gestänge am Laufgelenk läuft der Kolben nach hinten und drückt die Kolbenfeder zusammen, bis der Stollen der Abzugsbaugruppe hinter der Kolbenrast einfällt. Zwischen Kolben und Zylinderwand sitzt die Kolbenmanschette, ein Verschleißteil aus Leder oder Kunststoff, deren Zustand die Leistung stärker bestimmt als jedes andere Bauteil. Bei Ausführungen mit selbsttätiger Sicherung fällt diese jetzt ein; welche Ausführungen das sind, ist hier NICHT geklärt.

  4. 4

    Zuführen — Magazinfeder, Transportkugel, Versenkung

    Der abgeknickte Lauf gibt die Zuführstelle frei. Die Magazinfeder schiebt die Kugelsäule vor; über eine Transportkugel an ihrem Kopf wird die oberste Rundkugel in eine flache Versenkung am hinteren Laufende gedrückt und dort gehalten. Ein federndes Blättchen begrenzt den Weg. Diese Beschreibung stammt aus Sammlerquellen und nicht aus einer Werksangabe.

  5. 5

    Schließen — und was die Kugel dabei aushalten muss

    Beim Zurückschwenken des Laufs rastet dieser wieder ein und zieht die Laufwurzel an die Zylinderdichtung. Der Zuführweg ist die verwundbarste Stelle der ganzen Waffe: Ist der Magazinschacht ausgeschlagen oder das Magazin nicht vollständig eingerastet, wird die weiche Bleikugel abgeschert statt eingeschoben. Halbe Kugeln im Zuführweg sind das häufigste Fehlerbild dieses Modells.

  6. 6

    Auslösen

    Der Druckpunktabzug hebt den Stollen aus der Kolbenrast. Weiter geschieht am Abzug nichts: Es gibt keinen Unterbrecher und keine Fangrast, weil kein Zyklus selbsttätig abläuft. Die Abzugsfeder stellt das Züngel zurück, und der Stollen kann erst beim nächsten Spannvorgang wieder fassen.

  7. 7

    Verdichtung — der eigentliche Schuss

    Die entspannende Feder treibt den Kolben nach vorn. Die Luft vor ihm wird so rasch verdichtet, dass praktisch keine Wärme an die Zylinderwand abfließt; sie erhitzt sich dabei erheblich. Öl oder Fett im Zylinder kann unter diesen Bedingungen entflammen, was als Dieseln bekannt ist, die Leistung sprunghaft anhebt und Dichtung wie Feder beansprucht. Ein Federkolbengewehr wird deshalb im Zylinder nicht geölt.

  8. 8

    Die Rundkugel im Zug

    Der Druck presst die Kugel aus ihrer Versenkung in den gezogenen Lauf. Was sie dort dichtet, ist allein ihre eigene Verformung; ein Diabolo hätte dafür einen dünnwandigen Schaftrand, der sich anlegt, die Kugel hat nichts dergleichen. Sie nimmt die Züge schlechter an, dichtet schlechter ab und fliegt als glatte Kugel mit ungünstigem Formbeiwert. Genau hier und nicht am Laufgelenk liegt die härtere Präzisionsgrenze dieser Bauart.

  9. 9

    Prellschlag — die Reihenfolge der beiden Ausschläge

    Der Impulssatz ordnet, was der Schütze spürt. Solange die Feder den Kolben nach vorn beschleunigt, wandert das Gehäuse mit Visierung und Schulterauflage um denselben Impulsbetrag nach hinten. Beim Abfangen des Kolbens — im Regelfall am verdichteten Luftpolster, bei zu geringem Widerstand auch metallisch am Zylinderkopf — kommt dieser Impuls zurück, und die Waffe schnellt nach vorn; das ist der Prellschlag. Die beiden Impulsbeträge sind nahezu gleich groß, aber das Abfangen dauert viel kürzer als der Vorlauf, weshalb die zweite Bewegung mit der weit größeren Kraft einsetzt und die ist, die der Schütze wahrnimmt. Erst danach verlässt die Kugel den Lauf. Anders als die 312 hat die 310 dafür keinen Dämpfer.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

Haenel Modell 312

VEB Ernst-Thälmann-Werk · DDR (Suhl) · 1966
System
Federkolben-Seitenspanner, Einzellader, 4,5 mm Diabolo, Diopter
Unterschied
Dasselbe Werk, andere Aufgabe, und der Unterschied lässt sich beziffern. Die 310 wiegt rund 2,8 kg und leistet rund 4,3 J, die 312 wiegt 4,4 kg und leistet rund 8 J; die Lauflängen sind mit rund 420 und 421 mm praktisch gleich. Die doppelte Energie bei gleicher Lauflänge stammt aus dem größeren, stärker gefederten Kolbensystem, und das anderthalbfache Gewicht ist der Preis dafür.
Befund
Beide zusammen decken den gesamten DDR-Breitensport ab — vom Jahrmarkt über die GST-Ausbildung bis zum Vereinsschießen. Wer nur eine der beiden kennt, unterschätzt regelmäßig, wie weit sie technisch auseinanderliegen.

Weihrauch HW-Knickläufer

Weihrauch & Weihrauch · Deutschland (Mellrichstadt)
System
Federkolben-Knicklaufgewehre, überwiegend 4,5 mm Diabolo
Unterschied
Das westliche Gegenstück derselben Bauart — von einem Betrieb, der 1899 in Zella-Mehlis gegründet wurde und 1948 rund 50 Kilometer über die Zonengrenze zog. Beim Geschoss gingen beide Seiten auseinander: Der Westen blieb beim Diabolo, Suhl hielt für den Massengebrauch an der Rundkugel und damit am Magazin fest.
Befund
Der unmittelbarste Ost-West-Vergleich des ganzen Registers: gleiche Bauart, gleiche Waffenklasse, gemeinsamer Ursprung, geteilte Fortsetzung. Siehe Weihrauch & Weihrauch, Zella-Mehlis.

Bekannte Schwächen

Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.

  • Die Rundkugel ist die härtere Präzisionsgrenze, nicht das Gelenk

    Eine glatte Bleikugel hat keinen dünnwandigen Schaftrand, der sich beim Schuss an die Laufwand legt, und keinen Formbeiwert, der einer Diaboloform nahekäme. Sie dichtet über ihre eigene Verformung ab und fliegt entsprechend schlechter. Wer die Streuung einer 310 dem Laufgelenk zuschreibt, hat den größeren Anteil übersehen. Für die Beurteilung eines Stücks heißt das: Erst Munition und Zuführweg prüfen, dann das Gelenk.

    plausibel

  • Abgescherte Kugeln im Zuführweg

    Das häufigste Fehlerbild dieses Modells und eine unmittelbare Folge davon, dass weiches Blei durch einen engen Schacht geschoben wird. Grate, Ausbrüche am Magazinschacht, ein nicht vollständig eingerastetes Magazin oder ein nicht bis zum Anschlag gezogener Spannvorgang führen dazu, dass die Kugel angeschnitten statt zugeführt wird. Reste bleiben im Zuführweg und verschleppen den Fehler. Bei der Zustandsbeurteilung gehört der Magazinschacht angesehen, bevor irgendetwas geschossen wird.

    plausibel

  • Kugeln fallen aus dem Lauf

    Die zugeführte Kugel wird von einer flachen Versenkung am hinteren Laufende gehalten, und beim Spannen zeigt die Mündung nach unten. Ist die Versenkung ausgeschlagen oder die Magazinfeder zu stark, rollt die Kugel vor oder wird beim Schließen vorgeschoben. Zwei Kugeln im Lauf sind die gefährliche Ausbaustufe desselben Fehlers.

    plausibel

  • Knicklauf als Präzisionsgrenze

    Das Laufgelenk ist konstruktionsbedingt ein Spielpunkt. Mit zunehmendem Verschleiß wächst das Spiel, und die Lage von Lauf zu System wird von Schuss zu Schuss weniger wiederholbar. Bei der Zustandsbeurteilung ist das Gelenkspiel deshalb ein früher Prüfpunkt — nur eben nicht der erste.

    plausibel

  • Kein Prellschlagdämpfer

    Die 312 bekam für den Wettkampf eine gummipuffer- und federgedämpfte Hülse über dem Laufansatz. Die 310 hat nichts dergleichen. Ihr Kolben wird allein vom verdichteten Luftpolster abgefangen und sein Impuls ungedämpft ins Gehäuse zurückgegeben; der Ausschlag nach vorn ist entsprechend hart. Für ein Schießbudengewehr ist das folgerichtig; für Präzisionsansprüche ist es der Grund, warum diese Waffe nie eine Matchwaffe war.

    plausibel

  • Kolbenmanschette und Dichtungen als Leistungsträger

    Bei jeder Federkolbenwaffe bestimmen Kolbenmanschette und Laufdichtung die Leistung stärker als die Feder. Beide altern, Leder trocknet aus. Ein Stück, das deutlich unter den rund 130 m/s bleibt, ist deshalb zuerst ein Dichtungsfall und erst danach ein Federfall. Umgekehrt wird durch Ölen nichts besser: Öl im Zylinder führt zum Dieseln.

    plausibel

  • Unterschiedliche Federstärken je Verwendung

    Gewehre im Bestand der GST waren mit stärkeren Federn ausgestattet als die Schießbudenausführungen desselben Modells. Ein Stück lässt sich also nicht allein am Modell beurteilen — die verbaute Feder entscheidet über die Leistung und ist zugleich das häufigste getauschte Teil. Der Ersatzteilhandel führt bis heute Federn in gestaffelten Stärken, was die Frage für Altstücke eher verschärft als klärt.

    plausibel

Verwendung

  • Schießstände und Jahrmärkte
  • Vormilitärische Ausbildung in der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), dort mit stärkeren Federn
  • Breitensport bis zur Vereinsebene

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (de) Haenel 312 , Trägt allein die Vergleichszahlen des Schwestermodells (1066 mm, 421 mm, 4,4 kg, rund 8 J, Diopter, Prellschlagdämpfer). ZUM MODELL 310 enthält der Artikel NICHTS; er ist hier ausschließlich als Beleg der Gegenseite des Vergleichs geführt Link
  2. [Online] CO2air-Lexikon Haenel 310 — Lexikoneintrag , Fertigungszeitraum 1960 bis 1989, Ausführungen 310-2 bis 310-9, Kaliber 4,4 mm Blei-Rundkugel, Gesamtlänge 1030 mm, Lauflänge 420 mm, Gewicht 2,80 kg, v0 rund 130 m/s, Magazin zu 6, 8 oder 12 Schuss, Stangenmagazin, Druckpunktabzug bei einzelnen Ausführungen justierbar, seitlich justierbares Dachkorn im Korntunnel und gerastete Schiebekimme. Sammlerdarstellung ohne Quellenapparat Link
  3. [Auskunft] CO2air-Testbericht Haenel 310 — Bericht , Herstellerangabe v0 rund 115 m/s, gemessen rund 132 m/s und daraus rund 4,25 J; Lauf gezogen 400 mm mit 12 Zügen; drei Magazinarten zu 6, 8 und 12 Schuss; Rundkugeln von Hand in die Magazine gedrückt. Einzelmessung eines Sammlers, keine Prüfstelle Link
  4. [Auskunft] CO2air-Forum Fehlerbilder der Kugelzuführung — abgescherte Kugeln, Kugeln im Lauf , Bauteilnamen Stoßröhrchen, Transportkugel, Magazinfeder, Kugelhalteblättchen und Versenkung am Lauf; Ursachen für Kugelverlust und Abscherungen. Sammlerdiskussion, von der Störung her rekonstruiert Link
  5. [Online] Waffencenter Gotha Ersatzteile Haenel Modell 310 — Ausführungen und Verschleißteile , Ausführungen 310-2, 310-3, 310-4, 310-5, 310-6, 310-8 und 3.102; Herstellungszeitraum dort 1964 bis 1991; Magazin achtschüssig; Verschleißteilsätze in gestaffelten Federstärken. Händlerangabe Link

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