Hersteller · Suhl
VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann", Suhl
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Jagdwaffen- und Fahrzeugfertigung sind unstrittig. Die zuvor hier als ungeklärt geführte Kurzwaffenfertigung ist inzwischen durch mehrere unabhängige Quellen und ein Objektmerkmal (Abnahmestempel K 100) gedeckt; offen bleiben Stückzahlen und Fertigungstiefe.
Der VEB führte die Suhler Fertigungstradition unter volkseigenen Bedingungen fort; zwei Schwerpunkte prägten den Betrieb: Jagdwaffen, die in erheblichem Umfang in das nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet exportiert wurden und der DDR Devisen einbrachten, sowie Zweiräder, die unter dem Markennamen Simson bis heute bekannt sind.
Dass ausgerechnet dieser Markenname weiterlebte, während die Familie, die ihn begründet hatte, 1936 vertrieben worden war, ist einer der bemerkenswertesten Züge der Suhler Industriegeschichte — und in der Literatur bislang eher beiläufig behandelt.
Kurzwaffenfertigung 1957–1965
Dieses Register hatte die Frage einer Suhler Kurzwaffenfertigung zunächst als ungeklärt geführt. Sie gilt inzwischen als hinreichend belegt:
- 1957 entstanden im Werk die ersten Prototypen der Pistole Makarow.
- 1958 lief die Serienfertigung als sowjetischer Lizenznehmer an.
- 1965 wurde sie eingestellt; als Grund wird sowjetischer Druck genannt.
Suhler Exemplare dieser Phase tragen den Abnahmestempel K 100 und unterscheiden sich von der sowjetischen Ausführung durch schwarz gesprenkelte Griffschalen (statt rotbrauner mit Stern) sowie durch die fehlende Bandöse. Damit existiert für die Zuschreibung ein Merkmal am Objekt und nicht nur eine Literaturangabe — Einzelheiten unter Pistole M (Makarow).
Der Bedarf der bewaffneten Organe wurde nach 1965 aus sowjetischer, ab Mitte der 1980er Jahre zusätzlich aus bulgarischer Fertigung gedeckt.
Weiterhin offen. Stückzahlen der Suhler Serie, die Fertigungstiefe (Vollfertigung oder Montage aus Zulieferungen) und die konkreten Umstände des Fertigungsendes 1965. Zu klären an Betriebsunterlagen und Beschaffungsakten.
Was auf dem Gelände geschah, aber nicht in diesem Betrieb
Anfang der 1980er Jahre errichtete die Abteilung Bewaffnung und Chemischer Dienst des Ministeriums für Staatssicherheit auf dem Werksgelände eine eigene Produktionsstätte, getarnt als „Zentrales Abnahmebüro” einer NVA-Dienststelle. Dort arbeiteten etwa 25 MfS-Mitarbeiter, und dort entstanden bis 1989 rund 1.900 Stück des Scharfschützengewehrs 82 — dazu ein Revolver „Smart” und eine Kleinstmaschinenpistole, die in diesem Register noch fehlen.
Dieses Register führt das SSG 82 deshalb nicht als Erzeugnis dieses Betriebs. Die Verbindung ist gleichwohl enger als bloße Ortsgemeinschaft: Grundlage der Konstruktion war das Kleinkaliber-Standardgewehr 150 aus dieser Fertigung. Ob darüber hinaus Bauteile, Läufe oder Personal übergingen — und ob die Betriebsleitung überhaupt wusste, was auf ihrem Gelände geschah —, ist nicht ermittelt.
Wie das Register hier zunächst danebenlag, steht unter Korrekturen.
Rechtsform und Firmierung
- 1952
- VEB Fahrzeug- und Gerätewerk Simson Suhl · Volkseigener Betrieb
Übergabe aus der Sowjetischen Aktiengesellschaft Awtowelo in Volkseigentum zum 1. Mai 1952. Der Betrieb hieß in diesen Jahren noch nicht „Ernst-Thälmann-Werk" — diesen Namen führte bis 1968 ein anderer Suhler Betrieb, der aus C. G. Haenel hervorgegangen war.
- 1968
- VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann" · Betriebszusammenschluss
Zusammenschluss des VEB Fahrzeug- und Gerätewerk Simson Suhl mit dem VEB Ernst-Thälmann-Werk Suhl (Haenel-Linie); der Name des kleineren Partners ging auf den vereinigten Betrieb über. Damit lief die Suhler Jagdwaffenfertigung im selben Betrieb zusammen wie die Zweiradfertigung.
- 1990
- Aufteilung nach der Einheit · Privatisierung
Fertigungsprogramm
- 1952–1990
- Jagdwaffen für den Export
In erheblichem Umfang in das nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet geliefert; ab 1970 die Luxuswaffenlinie, die in über 70 Länder ging und dem Staat Devisen einbrachte.
- 1952–1990
- Zweiräder unter dem Markennamen Simson
Der bekannteste Teil des Programms — und ausgerechnet unter dem Namen der Familie, die 1935/36 enteignet und vertrieben worden war.
- 1957–1965
- Pistole M (Makarow) in sowjetischer Lizenz
Prototypen 1957, Serie ab 1958, Einstellung 1965 auf sowjetischen Druck. Abnahmestempel K 100.
Standorte
- Suhl
Dasselbe Werksgelände, auf dem seit 1856 gefertigt wurde — über Simson, BSW, Gustloff und Awtowelo hinweg.
Personen
- Gerhard Grüber — Ingenieur; entwickelte 1970 die Luxuswaffenlinie, die zum Exporterfolg und zur Devisenquelle wurde, ab 1970
Kennzeichen
Firmen-, Fertigungs- und Abnahmekennzeichen dieses Betriebs. Jede Zuordnung ist einzeln zu belegen — Kennzeichen bezeichnen eine Firma, nicht zwingend ein Werk.
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K 100Abnahmestempel der Makarow-Fertigung 1958–1965 plausibel
Zwangsarbeit — Zeitraum nicht einschlägig
Der Betrieb bestand ab 1952 und liegt damit außerhalb des Zeitraums, für den die Prüfregel dieses Registers gilt. Für die Vorgängerbetriebe am selben Standort — insbesondere die Gustloff-Werke — ist der Einsatz von Zwangsarbeit gesondert ausgewiesen.
Stehende Regel dieses Registers: Bei jedem Betrieb, der zwischen 1933 und 1945 gefertigt hat, wird der Einsatz von Zwangsarbeit geprüft und der Stand ausgewiesen — auch wenn die Prüfung noch aussteht. Siehe Die Waffenregion im Nationalsozialismus .
Verbleib
Mit der deutschen Einheit wurde der Betrieb aufgeteilt. Die Jagdwaffenlinie besteht als Merkel Jagd- und Sportwaffen in Suhl fort, die Zweiradfertigung unter dem Namen Simson.