Modell
Suhler Drilling
- Fertigung
- Gebr. Merkel , VEB Ernst-Thälmann-Werk
- Kaliber
- 16/70 Schrot (Regelfall der DDR-Fertigung), 12/70 gelegentlich, 20/70 selten, Büchsenläufe überwiegend 7 × 57 R, 7 × 65 R und 8 × 57 IRS, daneben 6,5 × 57 R, 9,3 × 74 R und .30-06
- Zeitraum
- 1905–…
- Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden
Die Bauart (dreifache Verriegelung aus doppelter Laufhakenverriegelung und Greener-Querbolzen), die Markennamen Simson, Fortuna und Merkel, der Export in über 50 Länder zwischen 1980 und 1989 sowie der Zusammenhang zwischen Devisenmangel und Holzqualität sind durch Fachpresse gedeckt. Ebenfalls aus der Fachpresse stammen für die DDR-Fertigung: Blitzschlösser für die Flintenschlösser, Schraubenfeder für das Büchsenschloss bei Ausführungen mit gesonderter Spannung, Vorderabzug mit Rückstecher, seitliche Greener-Abzugssicherung an älteren Baustanden und später ein Sicherungsschieber auf der Scheibe hinter dem Kugel-Schrot-Umschalter, Messingrundkorn mit selbsttätig aufstellender Klappkimme, Krupp-Laufstahl, Lauflängen 600, 630 und 650 mm, Würgebohrung meist halb und voll, konventionell verlötetes Laufbündel, Kaliber 16 als Regelfall neben gelegentlich 12 und selten 20, Büchsenkaliber 7 × 57 R, 7 × 65 R und 8 × 57 IRS neben 6,5 × 57 R, 9,3 × 74 R und .30-06, Gewicht 3,2 bis 3,4 kg ohne Optik sowie Signalstifte an älteren Luxusausführungen. KORRIGIERT gegenüber der früheren Fassung ist die Schlossart: Sie führte ein „Kastenschloss (Boxlock)". Fachpresse und Herstellerangabe nennen für die Suhler Drillinge übereinstimmend das BLITZSCHLOSS, also Schlösser auf der Abzugsplatte, und nicht das Kastenschloss nach Anson & Deeley, bei dem die Schlösser in der Basküle sitzen. Der Eintrag zur Suhler Bockdoppelflinte führte diesen Befund bereits. MIT VORBEHALT und ausdrücklich als HERSTELLERANGABE ZUM HEUTIGEN BAUSTAND geführt sind die Einzelheiten des Umschaltwerks: dreistellige Funktion des Spannschiebers (hinten gesichert, Mitte Schrot, vorn Kugel und linker Flintenlauf), roter Signalpunkt, Stangensicherung, geteilter Patronenschieber mit größerem Hub links, Selbstspannung der Flintenschlösser über die Spannhebel, Spannen aller drei Schlösser beim Öffnen mit vorderster Schieberstellung, Entspannen über die Mittelstellung, Entspannungsverfahren mit Pufferpatronen und die Bedienung des Rückstechers. Sie stammen aus der Bedienungsanleitung des Modells 96K/96KS der heutigen Merkel Jagd- und Sportwaffen GmbH. Für die DDR-Fertigung sind sie NICHT gesondert nachgewiesen; die Fachpresse deckt für die DDR-Zeit lediglich den Umschalter mit selbsttätiger Kimmenverstellung, den Rückstecher und die Wanderung der Sicherung auf die Scheibe. Wer ein DDR-Stück beurteilt, prüft die Funktionen am Objekt und schließt nicht vom heutigen Modell zurück. NICHT BELEGT sind Stückzahlen, Modellchronologie und die Zuordnung einzelner Markennamen zu Fertigungszeiträumen. Eine Sammlerdarstellung in einem Jagdforum ordnet die Baustände so: seitliche Greener-Sicherung, dann Modelle 90 und 95 mit Sicherungsschieber auf der Scheibe hinter dem Umschalter, dann Modell 96 mit vereinigtem Schieber; Simson habe die Bauart als Modell 94, Merkel als Modell 30 geführt. Diese Zuordnung steht ausschließlich in einem Forumsbeitrag, ist hier NICHT übernommen und nur als Prüfspur genannt. ZUR HERSTELLERZUORDNUNG gilt derselbe Vorbehalt wie beim Eintrag zur Bockdoppelflinte: Die Merkel'sche Jagdgewehrfabrik ging nach der Chronologie dieses Registers erst 1968 im VEB auf und arbeitete zuvor unter der VVB MEWA. Ein Merkel-gezeichneter Drilling von 1960 stammt daher NICHT aus dem Ernst-Thälmann-Werk. Wer zuordnen will, braucht zuerst das Fertigungsjahr aus dem Beschusszeichen. NICHT GEPRÜFT ist ferner das Anfangsjahr 1905 im Datensatz; die Waffengattung Drilling selbst ist älter — ein Patent des Münchener Büchsenmachers Peter Oberhammer von 1878 gilt als das erste.
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Ein Drilling ist kein technisch besonders raffiniertes Gerät, sondern ein besonders vielseitiges. Drei Läufe stecken in einem Bündel: zwei nebeneinander für Schrot, also für viele kleine Kugeln auf einmal, und einer darunter für ein einzelnes Geschoss. Nachgeladen wird ausschließlich von Hand. Ein Hebel oben am Gehäuse wird zur Seite geschwenkt; damit ziehen sich die Riegel zurück, die das Laufbündel im Gehäuse halten, und das Bündel kippt vorn nach unten. Dabei werden die Hülsen angehoben oder die abgeschossenen herausgeworfen, und dieselbe Bewegung spannt die Schlagfedern der beiden Schrotläufe. Jeder Lauf wird einzeln gefüllt, dann wird zugeklappt, und die Riegel greifen wieder in die Haken unter dem Bündel. Die eigentliche Schwierigkeit steckt in diesen Riegeln. Schrot- und Kugelläufe arbeiten mit sehr verschiedenen Drücken, und beide Belastungen muss dasselbe Gehäuse aushalten, ohne sich mit den Jahren locker zu arbeiten. Die Suhler Lösung ist ein zusätzlicher Bolzen, der quer zur Schussrichtung durch eine Verlängerung des Laufbündels greift und die Kräfte aufnimmt, für die die unteren Riegel allein nicht ausgelegt sind. Wirklich eigen ist der Waffe aber ein kleiner Schieber oben auf dem Gehäuse. Steht er hinten, ist die Waffe gesichert. Steht er in der Mitte, sind die beiden Schrotläufe schussbereit. Schiebt man ihn nach vorn, spannt er das Schloss des Kugellaufs, legt den vorderen Abzug auf den Kugellauf um und stellt eine kleine Klappkimme auf, über die genauer gezielt werden kann. Ein Handgriff, vier Wirkungen — daran erkennt man die sorgfältige Arbeit am ehesten.
Dieses Register handelt überwiegend von Militär- und Behördenwaffen. Wirtschaftlich war das jedoch nie der Hauptgegenstand der Region. Der Drilling war es.
Konstruktion
Ein Drilling vereint typischerweise zwei nebeneinanderliegende Schrotläufe und einen darunter sitzenden Büchsenlauf in einem verlöteten Bündel. Daraus folgt das konstruktive Kernproblem. Schrot- und Büchsenläufe arbeiten mit sehr verschiedenen Gasdrücken, und der Verschluss muss beide beherrschen, ohne sich über Jahrzehnte freizuarbeiten.
Die Suhler Antwort ist eine dreifache Verriegelung: ein Riegel, der in die Riegelnuten zweier Laufhaken fasst, dazu ein Greener-Querbolzen quer zur Schussrichtung durch die Verlängerung der oberen Schiene. Wie ein solches Riegelwerk arbeitet, warum es an einer Dauerfestigkeitsfrage und nicht an einer Zeitfrage hängt und was am Objekt daran verschleißt, entwickelt der Eintrag zur Suhler Bockdoppelflinte. Hier steht nur, was den Drilling von ihr unterscheidet.
Der Unterschied ist die Höhe des Kraftangriffs. Bei der Bockwaffe liegt ein Lauf über dem anderen; die obere Laufachse steht rund 40 mm über der Riegelebene, und das Aufbiegemoment erreicht dort etwa das Zweieinhalbfache dessen, was nebeneinanderliegende Läufe erzeugen. Genau deshalb braucht der Bock zwei Querbolzen in seitlichen Laufverlängerungen, den Kersten-Doppelquerbolzen. Der Drilling stellt seine drei Läufe dagegen ins Dreieck: zwei Schrotläufe nebeneinander, der Büchsenlauf darunter. Alle drei greifen niedrig an, der Büchsenlauf sogar unterhalb der Schrotläufe. Ein einfacher, mittig sitzender Greener-Querbolzen genügt.
Wer beide Waffen aus derselben Fertigung nebeneinanderlegt, hat also ein sauberes Kontrollpaar: gleiche Betriebe, gleiche Schlossart, gleiche Riegellehre, verschiedene Laufanordnung — und daran lässt sich ablesen, dass nicht die Zahl der Läufe die Verriegelung bestimmt, sondern die Höhe, in der der Druck angreift.
Die Schlossart. Die Flintenschlösser sitzen bei den verbreiteten Suhler Ausführungen auf der Abzugsplatte und werden mit ihr nach unten herausgenommen: ein Blitzschloss. Die früher hier geführte Bezeichnung Kastenschloss war falsch; beim Kastenschloss nach Anson & Deeley von 1875 liegen Schlagstück, Feder und Stollen in der Basküle selbst. Höhere Ausführungen tragen lange Seitenplatten. Der Suhler Drilling galt seit jeher als Blitzschloss-Drilling, und der Eintrag zur Bockdoppelflinte hatte das bereits festgehalten.
Das Umschaltwerk
Selbstlademechanismus und Verriegelungsakrobatik fehlen. Die Konstruktionsleistung steckt in Verriegelung, Laufbündel, Schlossanlage — und in einer Baugruppe, die in Übersichtsdarstellungen regelmäßig zu kurz kommt.
Auf dem Rücken der Basküle sitzt ein Schieber. Er hat drei Stellungen, und er entscheidet über vier Dinge:
| Stellung | Sicherung | Büchsenschloss | Vorderes Züngel | Kimme |
|---|---|---|---|---|
| hinten | gesichert, Signalpunkt verdeckt | entspannt | gesperrt | liegend |
| Mitte | entsichert, Signalpunkt sichtbar | entspannt | rechter Schrotlauf | liegend |
| vorn | entsichert | gespannt | Büchsenlauf | aufgestellt |
Das hintere Züngel bleibt in allen Stellungen beim linken Schrotlauf. Ein Handgriff genügt mithin, um von der Schrotjagd auf den Kugelschuss zu wechseln, und der Schütze muss dafür weder die Waffe absetzen noch etwas anderes einstellen. Ob eine gebrauchte Waffe diese Kopplung noch sauber ausführt, ist die aufschlussreichste Funktionsprobe, die sie kennt.
Der Aufwand hat einen Grund, den man am Wild sieht und nicht an der Waffe. Wer im Treiben steht und plötzlich Rehwild vor sich hat, hat keine Zeit, ein Werkzeug zu suchen. Der gute Drilling ist der, bei dem der Wechsel vom Schrot- zum Kugelschuss mit dem Daumen der Schießhand geschieht und die Zielhilfe von selbst mitgeht.
Entwicklung
Die Gattung ist älter als jeder Suhler Eintrag. Als erstes Drillingspatent gilt eine Anmeldung des Münchener Büchsenmachers Peter Oberhammer aus dem Jahr 1878; 1881 folgte ein deutsches Patent von Sauer & Sohn auf Neuerungen an dreiläufigen Jagdgewehren. Suhl hat die Bauart nicht erfunden. Was die Stadt daraus machte, war eine Fertigung in einer Größenordnung, die über Jahrzehnte einen erheblichen Teil des Weltbedarfs deckte.
Für die Datierung eines Einzelstücks trägt die Erfindungsgeschichte nichts aus, und das Anfangsjahr 1905 im Datensatz dieses Eintrags ist nicht am Dokument geprüft. Wer datieren will, liest die Beschusszeichen.
Fertigung
Suhler Waffenfabriken deckten einen erheblichen Teil der Weltproduktion an Drillingen ab, und zwischen 1980 und 1989 exportierte der staatliche Außenhandel Suhler Jagd- und Sportwaffen in über 50 Länder. Gebaut wurde unter den Markennamen Simson, Fortuna und Merkel.
Das ordnet die DDR-Waffenfertigung anders ein, als es die Militärgeschichte nahelegt. Die Makarow-Lizenz endete 1965, die Kalaschnikow-Fertigung lief für die eigene Armee. Geld verdiente das Land mit Jagdwaffen.
Die Namen sind dabei Marken eines Betriebs und keine Herstellerangaben. Wer ein Stück zuordnen will, braucht zuerst sein Fertigungsjahr, denn die Merkel’sche Jagdgewehrfabrik ging nach der Chronologie dieses Registers erst 1968 im VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk auf. Der Bockflinten-Eintrag behandelt das Markenproblem ausführlich; es gilt hier unverändert.
Varianten
Eine belastbare Modellchronologie kann dieses Register nicht geben. Was sich sagen lässt, betrifft Baugruppen und nicht Nummern:
- Sicherung. Ältere Stücke tragen die seitliche Greener-Abzugssicherung. Später wandert der Sicherungsschieber auf die Scheibe des Verschlussstücks und sitzt dort hinter dem Kugel-Schrot-Umschalter. Der heutige Baustand vereinigt beide zu einem Schieber.
- Büchsenschlossspannung. Es gibt Ausführungen, deren Büchsenschloss beim Öffnen mitgespannt wird, und solche mit gesonderter Handspannung; die Fachpresse nennt letztere auch als Nachrüstung.
- Schloss und Ausstattung. Blitzschloss als Regelfall, lange Seitenplatten als höhere Ausführung. Signalstifte auf der Basküle finden sich vor allem an älteren Luxusstücken.
- Auszieher oder Ejektor. Wie bei den Bockwaffen des Hauses.
Modellnummern in Sammlerforen ordnen diese Merkmale einander zu. Belegt ist die Zuordnung nicht, und dieses Register führt sie deshalb nur in der Belegnotiz als Prüfspur.
Verwendung
Jagdwaffe für die gemischte Jagd. Die drei Läufe erlauben Flug-, Nieder- und Schalenwild ohne Waffenwechsel; das ist der ganze Zweck der Bauart und der Grund, warum sie in Mitteleuropa verbreiteter ist als anderswo. Für den Absatzweg und die Frage, warum DDR-Jäger diese Waffen praktisch nicht bekamen, siehe den Bockflinten-Eintrag und Sportwaffenbau in der DDR.
Für die Bestimmung
Beim Drilling prüft ein Sachverständiger in einer anderen Reihenfolge als bei einer Selbstladewaffe, weil hier nichts von selbst abläuft und deshalb auch nichts von selbst versagt. Was zuerst drankommt:
- Beschusszeichen und Beschussart. Zuerst, weil davon abhängt, welche Munition die Waffe heute noch führen darf, und weil erst daraus die Betriebszuordnung folgt. Die Suhler Zeichen tragen Monat und die letzten beiden Jahresziffern; siehe Beschusszeichen Suhl.
- Spiel im Verschluss. Vorderschaft ab, Laufbündel ohne Kraft auf die Basküle setzen und seitlich, senkrecht und in Schussrichtung auf Spiel prüfen. Ein Verschlusshebel, der bei geschlossener Waffe weit links von der Mittelstellung aufsitzt, deutet auf eine bereits nachgearbeitete Riegelfläche.
- Der Greener-Querbolzen. Ein Bolzenkopf mittig in der Schienenverlängerung gehört zum Drilling und zur Querflinte; zwei Bolzenköpfe beiderseits eines oberen Laufs bedeuten Kersten und damit eine Bockwaffe. Der Bolzen soll ohne Widerstand durchgehen und ohne Spiel sitzen.
- Das Umschaltwerk in allen drei Stellungen. Getrennt für Vorder- und Hinterabzug, mit Blick auf den Signalpunkt und auf die Klappkimme. Hier sitzt die Eigenart der Waffe und hier sitzt ihr häufigster funktioneller Mangel.
- Der Stecher. Einstechen, entstechen, Stellschraube ansehen. Ein zu fein gestellter Stecher ist die gefährlichste Fundlage an einem Gebrauchtstück.
- Ejektoren getrennt für jeden Lauf. Der Ejektor darf nur den Lauf auswerfen, dessen Schlagstück gefallen ist.
- Laufbündel und Lötungen. Eine gelöste Schienenlötung findet man am Klang und mit dem Fingernagel entlang der Schiene, eine Beule im Lichtdurchblick als Ringschatten. Der Büchsenlauf gehört gesondert durchgesehen; er wird seltener gereinigt als die Schrotläufe.
Was an dieser Waffe gern nachträglich hinzukommt, ist alles, was mit dem Kugelschuss zu tun hat: Zielfernrohrmontagen, ausgetauschte Klappkimmen, nachgerüstete Handspannung des Büchsenschlosses. Nachgerüstete Montagen sind keine Fälschung, verändern aber Wert und Originalität. Und die Devisenlage hat am Objekt eine Spur hinterlassen, die man kennen muss, um sie nicht misszuverstehen.
Der DDR fehlten Devisen für den Rohstoffeinkauf auf dem Weltmarkt, und das ist am Schaft ablesbar: Die Holzqualität der Standardausführungen litt darunter, während Exportmodelle besser bestückt wurden. Einfaches Schaftholz ist bei DDR-Drillingen also kein Zeichen minderer Fertigung, sondern der Devisenlage. Die Metallarbeit kann daneben ausgezeichnet sein.
Gefälscht wird an diesen Waffen selten die Waffe, häufiger die Zuschreibung. Ein Merkel-Schriftzug sagt nichts über den fertigenden Betrieb, solange das Beschussjahr nicht feststeht.
Einordnung
Derselbe Zusammenhang erklärt umgekehrt den bis heute guten Ruf dieser Waffen: Weil sie Devisenbringer waren, durfte die Fertigungsqualität nicht nachlassen. Bei Erzeugnissen für den Binnenmarkt war der Druck geringer.
Systematisch steht der Drilling in diesem Register für eine Verschlussfamilie, die aus der üblichen Ordnung herausfällt. Alle anderen Verschlüsse hier beantworten die Frage, was im Augenblick des höchsten Drucks zuhält, wenn niemand nachhelfen kann. Beim Kipplauf hilft der Schütze nach, lange bevor geschossen wird. Übrig bleibt eine Dauerfestigkeitsfrage: nicht wie lange es zuhält, sondern wie oft.
Und noch etwas macht diese Waffe zum Gegenstück der Selbstlader dieses Registers. Bei ihnen liegt die Konstruktionsleistung in der Zeitsteuerung, bei ihr in der Bedienlogik. Der Schieber auf der Basküle löst dieselbe Aufgabe, die beim Suhler Unterlader der schwenkbare Pistolengriff löst: Ein vorhandenes Bedienelement bekommt eine zweite und dritte Funktion, statt dass ein weiteres hinzukommt. Beides sind Suhler Antworten, und beide sparen dem Benutzer einen Handgriff, den er im entscheidenden Augenblick nicht hat.
Waffenrechtliches
Dreiläufige Kipplaufwaffe ohne Selbstlademechanismus; keine Kriegswaffe nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz und kein verbotener Gegenstand. Erwerb und Besitz richten sich nach dem Waffengesetz; für Langwaffen dieser Art hat der Jagdschein die weitreichendste Bedeutung. Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft. Siehe Methodik.
Praktisch wichtiger als die Erwerbsfrage ist auch hier der Beschusszustand. Ein auf Normalbeschuss geprüfter 16/70-Drilling ist keine Waffe für verstärkte Laborierungen oder Stahlschrot, und die Prüfung, was ein Altstück tragen darf, ist Aufgabe des Beschussamts und keine Ermessensfrage des Besitzers.
Offene Forschungsfragen. Erstens die Modellchronologie: Existiert ein Werks- oder Außenhandelskatalog der DDR-Zeit, aus dem sich die Baustände 90, 94, 95 und 96 mit Jahren belegen lassen? Die kursierende Zuordnung steht in einem Forum. Zweitens die Büchsenschlossspannung: Ab wann gab es sie in Suhl, und war sie Regel oder Aufpreis? Drittens der Beschuss im Kaliber 16, für den diesem Register keine Angabe des Beschussamts vorliegt, obwohl 16/70 das Regelkaliber der DDR-Fertigung war. Viertens die Stückzahlen: Die Herstellerangabe von 150.000 Bockwaffen zwischen 1945 und 1987 hat für den Drilling keine Entsprechung. Fünftens die Treffpunktverlagerung des Büchsenlaufs bei erwärmtem Laufbündel, für die dieses Register keine Messreihe kennt und die an einem einzigen Schießtag zu klären wäre.
Konstruktion
- Verschluss
- Kipplaufverschluss mit DREIFACHER Verriegelung: ein flacher Riegel, der aus dem Baskülenkörper nach vorn tritt und in die Riegelnuten der beiden Laufhaken fasst (doppelte Laufhakenverriegelung, im Schrifttum auch Doppelunterhaken), dazu ein Greener-Querbolzen, der quer zur Schussrichtung durch die Verlängerung der oberen Schiene zwischen den beiden Schrotläufen fasst. Rein formschlüssig und von Hand hergestellt; es hält keine Masse und kein Gas, sondern tragende Flächen. NICHT der Kersten-Doppelquerbolzen der Suhler Bockwaffen: Beim Drilling liegen die Schrotläufe nebeneinander, der Querbolzen sitzt deshalb einfach und mittig. Die Systematik der Kipplaufverriegelung steht ausführlich beim Eintrag zur Bockdoppelflinte und wird hier nicht wiederholt.
- Ladeprinzip
- Kipplauf, von Hand geöffnet und geladen; kein Selbstlademechanismus. Die beiden Merkmalsachsen sind sauber zu trennen: Verriegelt wird dreifach formschlüssig, geladen wird ausschließlich von Hand, Lauf für Lauf. Die Konstruktionsleistung liegt vollständig in Verriegelung, Laufbündel, Schlossanlage und Umschaltwerk.
- Zuführung
- Einzelladung in jeden der drei Läufe; kein Magazin. Hülsenauszug über einen GETEILTEN Patronenschieber — die linke Hälfte mit größerem Hub für Kugellauf und linken Flintenlauf, die rechte Hälfte für den rechten Schrotlauf. Beim heutigen Baustand belegt, für die DDR-Fertigung nicht gesondert nachgewiesen.
- Abzug
- Doppelabzug mit Rückstecher am vorderen Züngel. Der vordere Abzug bedient je nach Stellung des Spannschiebers den rechten Schrotlauf oder den Büchsenlauf und lässt sich in beiden Fällen einstechen — die Herstellerangabe nennt den Rückstecher ausdrücklich „für unteren oder rechten Lauf"; in der Praxis wird er für den Kugelschuss benutzt. Das hintere Züngel bleibt beim linken Schrotlauf. Schlossart: Blitzschloss, also Schlösser auf der Abzugsplatte, die mit ihr nach unten herausgenommen werden — NICHT das Kastenschloss nach Anson & Deeley. Höhere Ausführungen tragen lange Seitenplatten. Die Flintenschlösser spannen selbsttätig beim Abkippen, das Büchsenschloss bei Ausführungen mit gesonderter Spannung über den Schieber.
- Sicherung
- Stangensicherung — sie sperrt die Abzugsstangen zwischen Züngel und Schlagstück, nicht die Schlagstücke selbst; eine gespannte Waffe bleibt also gespannt. Ältere Suhler Baustände tragen die seitliche Greener-Abzugssicherung; später wandert der Sicherungsschieber auf die Verschlussstückscheibe hinter den Kugel-Schrot-Umschalter, beim heutigen Baustand mit ihm zu EINEM Schieber vereinigt: hinten gesichert, Mitte Schrot, vorn Kugel. Ein roter Signalpunkt hinter dem Schieber zeigt die Feuerbereitschaft. KEINE selbsttätige Sicherung.
- Visierung
- Messingrundkorn und Schiene über den Schrotläufen; für den Büchsenlauf eine Klappkimme, die sich bei Betätigung des Kugelumschalters selbsttätig hebt und senkt, dazu Vorbereitung für die Zielfernrohrmontage.
Maße und Leistung
- Länge
- keine Werksangabe für die DDR-Fertigung belegt
- Lauflänge
- 600, 630 oder 650 mm nach der Fachpresse; Schrotläufe meist halb und voll gewürgt. Laufwerkstoff Krupp-Stahl, Laufbündel konventionell verlötet
- Gewicht
- rund 3,2 bis 3,4 kg ohne Zielfernrohr (Fachpresse)
- Magazin
- entfällt — drei Läufe, Einzelladung
- V₀
- Bei Schrot kein Waffenkennwert; beim Büchsenlauf folgt die Anfangsgeschwindigkeit der Laborierung des jeweiligen Kalibers
- Kadenz
- entfällt — drei Schuss, danach wird von Hand geöffnet
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Ausgangslage — geschlossen, verriegelt, Spannschieber in der Mitte
Riegel und Querbolzen stehen in ihren Sitzen, die beiden Flintenschlösser sind gespannt, das Büchsenschloss ist entspannt. Der rote Signalpunkt hinter dem Schieber ist sichtbar. Am vorderen Züngel liegt der rechte Schrotlauf, am hinteren der linke. Selbsttätig sichert sich nichts.
- 2
Entriegeln — ein Handgriff, zwei Verriegelungsebenen
Der Verschlusshebel auf dem Baskülenrücken sitzt auf einer senkrechten Spindel. Seine Drehung nach rechts zieht den Riegel aus den Riegelnuten der beiden Laufhaken zurück und nimmt zugleich den Greener-Querbolzen aus der Schienenverlängerung. Die Systematik dieses Riegelwerks entwickelt der Eintrag zur Bockdoppelflinte; neu ist hier, dass ein dritter Lauf mitgehalten wird und der Querbolzen deshalb mittig zwischen den beiden oberen Läufen sitzt.
- 3
Abkippen und Selbstspannung der Flintenschlösser
Das Laufbündel schwenkt um den Scharnierbolzen im Baskülenknie nach unten. Dieselbe Bewegung spannt über die Spannhebel im Vorderschaft die beiden Flintenschlösser. Steht der Spannschieber vorn, werden beim Öffnen ALLE DREI Schlösser gespannt; steht er in der Mitte, nur die beiden oberen. Die Waffe muss dabei weit genug öffnen, dass alle drei Patronenböden frei kommen — die beiden Schrotläufe nebeneinander und der Büchsenlauf darunter. Eine Werksangabe zum Öffnungswinkel liegt diesem Register nicht vor; ein Vergleich mit der Bockwaffe wäre ohne sie geraten.
- 4
Hülsenauszug — der geteilte Patronenschieber
Ein Erstauszug im Sinne des Zylinderverschlusses fehlt der Bauart; was ihn ersetzt, ist die Hebelwirkung des abkippenden Laufbündels gegen den Auszieher. Dieser ist geteilt: Die linke Hälfte hat den größeren Hub und bedient Kugellauf und linken Flintenlauf, die rechte den rechten Schrotlauf. Bei Ejektorausführungen wird nur der Lauf ausgeworfen, dessen Schlagstück gefallen ist. Ein Ejektor, der auch die unabgeschossene Patrone auswirft, ist ein Defekt.
- 5
Laden und Schließen
Jeder Lauf wird einzeln geladen, und zwar mit drei verschiedenen Patronen. Beim Schließen läuft die Rundung des vorderen Laufhakens auf den Scharnierbolzen, der Riegel schiebt sich unter Federdruck in die Riegelnuten der beiden Haken, der Querbolzen fährt durch die Schienenverlängerung. Der Verschlusshebel muss in seine Ausgangsstellung zurückkehren; bleibt er stehen, gehört die Ursache geprüft.
- 6
Umschalten auf den Kugellauf — der Spannschieber
Wird der Schieber aus der Mittelstellung nach vorn geschoben, geschehen drei Dinge auf einmal: Das Büchsenschloss wird gespannt, der vordere Abzug wechselt vom rechten Schrotlauf auf den Büchsenlauf, und die Klappkimme stellt sich auf. Was dabei NICHT geschieht, gehört zur Bedienlogik: Der linke Schrotlauf bleibt über das hintere Züngel feuerbereit, der rechte ist es jetzt nicht mehr. Über alle drei Stellungen hinweg trägt ein Bedienelement damit Sicherung, Spannung, Laufwahl und Visierumstellung.
- 7
Stechen des vorderen Abzugs
Für den Kugelschuss wird der vordere Abzug mit dem Daumen nach vorn gedrückt, bis er merklich einrastet — ein Rückstecher. Danach löst geringste Berührung oder Erschütterung den Schuss; der Widerstand ist über eine Stellschraube im vorderen Züngel regelbar (Hineindrehen macht ihn leichter). Erst entsichern und den Schieber in die gewünschte Stellung bringen, dann stechen. Beim ENTSTECHEN gibt die Herstellerangabe eine Reihenfolge vor, auf die es ankommt: den eingestochenen Abzug mit dem Daumen bis zum Anschlag nach vorn drücken und DABEI festhalten, erst dann den Spannschieber langsam bis in die hinterste Stellung zurückführen — roter Signalpunkt verdeckt, Waffe gesichert —, und erst jetzt den Abzug loslassen und leicht zurückziehen. Wer zuerst loslässt und danach sichert, entsticht an ungesicherter Waffe.
- 8
Schuss und Rückschalten
Nach dem Schuss geschieht nichts von selbst. Einen Abzugsunterbrecher und eine Fangrast gibt es nicht, weil jedes der drei Schlösser getrennt ausgelöst wird und kein Zyklus abzufangen ist. Der Schieber zurück in die Mittelstellung entspannt das Büchsenschloss und legt die Kimme; ganz nach hinten sichert. Nach einem Versager bleibt die Patrone im Lager; die Herstellerangabe verlangt, vor dem Öffnen etwa eine Minute zu warten — Nachbrenner.
- 9
Entspannen zum Fortlegen
Der Schritt, den die Bauart erzwingt und den man gern übergeht. Wird die Waffe nach dem Entladen geschlossen, spannen sich die Flintenschlösser dabei wieder. Wer sie so fortlegt, lässt zwei Schlagfedern dauerhaft unter Last. Die Herstellerangabe verlangt deshalb Pufferpatronen in den Lagern, Schließen, Schieber in die Mittelstellung — womit das Büchsenschloss entspannt ist — und Abschlagen der beiden oberen Schlösser.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
Suhler Bockdoppelflinte und Bockbüchsflinte
VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann" · DDR (Suhl) · 1952- System
- Kipplauf mit zwei übereinanderliegenden Läufen, Kersten-Doppelquerbolzen und Laufhakenverriegelung, Blitz- oder Seitenschloss
- Unterschied
- Dieselbe Fertigung, dieselbe Verriegelungslehre, andere Laufanordnung. Der Bock stapelt zwei Läufe senkrecht; sein oberer Lauf greift rund 40 mm über der Riegelebene an und erzwingt deshalb zwei Querbolzen in seitlichen Laufverlängerungen. Der Drilling ordnet zwei Schrotläufe nebeneinander und den Büchsenlauf darunter an, hält damit alle Angriffspunkte niedrig und kommt mit einem mittigen Greener-Querbolzen aus.
- Befund
- Der lehrreichste Vergleich des Registers zur Kipplaufmechanik, weil alles außer der Laufanordnung gleich bleibt. Wer wissen will, was das Stapeln von Läufen konstruktiv kostet, hält Drilling und Bock aus derselben Fertigung nebeneinander.
Merkel Bock- und Doppelbüchsen der Gegenwart
Merkel Jagd- und Sportwaffen GmbH, Suhl · Deutschland · 1990 plausibel- System
- Kipplauf; die Drillingsreihe 96K/96KS führt Blitzschlosssystem, Greenerverschluss mit doppelter Laufhakenverriegelung und separate Büchsenschlossspannung über einen Spannschieber weiter
- Unterschied
- Dieselbe Bauart unter anderer Rechtsperson und für einen anderen Markt. Die Herstellerangaben zum heutigen Baustand sind die einzige zugängliche ausführliche Beschreibung der Mechanik dieser Waffenfamilie und tragen diesen Eintrag in mehreren Punkten. Geändert haben sich die Regelkaliber (12/76 und 20/76 statt 16/70), der Laufstahl und der Beschussstand.
- Befund
- Der Fortbestand liegt nicht in Modellnummern, sondern in der Verriegelungs- und Schlosslehre. Für die Bestimmung eines DDR-Stücks heißt das: Der heutige Baustand erklärt die Mechanik, datiert sie aber nicht.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Der Beschusszustand der Schrotläufe und die heutige Munition
Der praktisch wichtigste Punkt an einem Gebrauchtstück, und der einzige, der sicherheitsrelevant ist. Die DDR-Drillinge sind ganz überwiegend Kaliber 16/70 und auf den Höchstgebrauchsgasdruck der Normalpatrone geprüft. Verstärkte Laborierungen und Stahlschrot setzen einen entsprechenden Beschuss voraus, den diese Waffen regelmäßig nicht tragen; die Bleischrotverbote der Gegenwart drängen aber genau diese Munition in sie hinein. Für Kaliber 12 nennt das Beschussamt Ulm 740 bar für die Normalpatrone und eine Stahlschrotgrenze von 3,25 mm Durchmesser; für Kaliber 16 liegt dieser Registerfassung keine entsprechende Angabe vor, was die Frage nicht kleiner macht, sondern nur ungeklärter.
plausibel
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Das Bündel wandert, wenn die Schrotläufe warm werden
Drei Läufe sind untereinander verlötet, und der Büchsenlauf hängt am selben Bündel wie die beiden Schrotläufe. Wer eine Treibjagd hindurch aus den Schrotläufen schießt und dann eine Kugel setzen will, schießt aus einem erwärmten und dadurch verspannten Bündel. Der Treffpunkt des Büchsenlaufs verlagert sich. Das ist keine Fehlkonstruktion, sondern eine Eigenschaft der verlöteten Bauart, aber sie gehört zur Beurteilung von Einschießergebnissen. Eine Messreihe dazu liegt diesem Register nicht vor.
ungeklärt
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Der Rückstecher als Gefahrenquelle
Ein eingestochener Abzug löst bei geringster Berührung oder Erschütterung. Das Entstechen ist ein eigener, mehrschrittiger Handgriff und wird bei der Herstellerbeschreibung ausdrücklich nur an gesicherter Waffe zugelassen. Für die Zustandsbeurteilung folgt daraus ein Prüfpunkt: Die Stecherstellschraube ist verstellbar, und ein zu fein gestellter Stecher löst bei kalter Witterung und gefühllosem Abzugsfinger unbeabsichtigt aus. Ein Altstück kommt in unbekanntem Zustand.
plausibel
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Ein Bedienelement mit vier Aufgaben
Die konstruktive Eleganz des Spannschiebers ist zugleich seine Schwäche. Sichern, Spannen des Büchsenschlosses, Umschalten des vorderen Abzugs und Aufstellen der Kimme hängen an einem Schieber und an dem Gestänge dahinter. Verschleiß oder Verharzung an einer Stelle verändert mehrere Funktionen gleichzeitig, und der Befund ist ohne Zerlegen der Abzugsplatte nicht sicher einzugrenzen. Zu prüfen sind alle drei Stellungen einzeln, jeweils mit Blick auf den Signalpunkt und mit getrennter Auslöseprobe für Vorder- und Hinterabzug.
plausibel
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Ejektorfedern stehen dauernd unter Last
Die Ejektorfedern sitzen im Vorderschaft und stehen bei geschlossener, gespannter Waffe unter Last. Zwei Fehlerbilder wiederholen sich: Der Ejektor wirft nicht aus, weil die Feder erlahmt oder der Stollen verschmutzt ist, oder er wirft beide Hülsen aus, weil die Auslösung nicht mehr am Schlagstück abgreift. Das zweite ist das gefährlichere.
plausibel
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Munitionsversorgung der Regelkaliber
16/70 ist heute im Handel deutlich schlechter versorgt als 12/70, und die randbetonten Büchsenkaliber 7 × 57 R und 8 × 57 IRS sind Nischenware geworden. Für ein Gebrauchsstück ist das ein härterer Nachteil als jedes Verschleißbild, weil sich Verschleiß beheben lässt und ein Kaliber nicht.
plausibel
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Schaftholz der Standardmodelle
Der DDR fehlten Devisen für den Einkauf von Rohstoffen auf dem Weltmarkt. Das schlug sich unmittelbar in der Holzqualität der Standardausführungen nieder — während Exportmodelle besser bestückt wurden. Für die Zustandsbeurteilung heißt das: Einfaches Schaftholz ist bei DDR-Stücken kein Zeichen minderer Fertigung, sondern der Devisenlage.
plausibel
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Kein Spielraum für Mängel
Weil diese Waffen Devisenbringer waren, durfte die Fertigungsqualität nicht nachlassen — anders als bei Erzeugnissen für den Binnenmarkt. Das erklärt, warum DDR-Drillinge bis heute einen guten Ruf haben, während andere DDR-Konsumgüter ihn nicht haben.
plausibel
Verwendung
- Jagd; die Kombination aus Schrot- und Büchsenläufen erlaubt beide Schussarten ohne Waffenwechsel
- Zwischen 1980 und 1989 exportierte der staatliche Außenhandel Suhler Jagd- und Sportwaffen in über 50 Länder
Quellen
- [Online] PIRSCH — Jagdwaffenklassiker: Suhler Drilling — Exportschlager aus der DDR , Doppelte Laufhakenverriegelung mit Greener-Querriegel; Blitzschlösser für die Flintenschlösser, Schraubenfeder im Kugelschloss bei Modellen mit gesonderter Spannung; Vorderabzug mit Rückstecher; seitliche Greener-Abzugssicherung an älteren Stücken, später Sicherungsschieber auf der Scheibe hinter dem Kugel-Schrot-Umschalter; Messingrundkorn und selbsttätig aufstellende Klappkimme; Krupp-Stahl, Lauflängen 60, 63 und 65 cm, meist halb und voll gewürgt, verlötetes Laufbündel; Kaliber 16 als Regelfall, 12 gelegentlich, 20 selten; Büchsenkaliber 7 × 57 R, 7 × 65 R, 8 × 57 IRS, daneben 6,5 × 57 R, 9,3 × 74 R, .30-06; 3,2 bis 3,4 kg ohne Optik; Signalstifte an älteren Luxusmodellen; Export in über 50 Länder 1980 bis 1989 unter Simson, Fortuna und Merkel Link
- [Online] PIRSCH — DDR-Qualität: Was Merkels Gebrauchte heute noch taugen Link
- [Online] Merkel, Bedienungsanleitung Suhler Drilling 96K/96KS — Suhler Drilling Modell 96K, Modell 96KS — Bedienungsanleitung , HERSTELLERANGABE ZUM HEUTIGEN BAUSTAND, nicht zur DDR-Fertigung. Technische Daten S. 3 f.: Blitzschlosssystem; Greenerverschluss kombiniert mit doppelter Laufhakenverriegelung; separate Büchsenschlossspannung über Spannschieber auf der Verschlussstückscheibe; Selbstspannung der Flintenschlösser durch Abkippen über Spannhebel; Doppelabzug mit Rückstecher; 96KS mit langen Seitenplatten; geteilter Patronenschieber, linke Hälfte mit größerem Hub für Kugel- und linken Flintenlauf; indirekte Zündung über separate Schlagbolzen; manuell zu betätigende Stangensicherung, kombiniert mit dem Spannschieber; Kaliber 12/76 und 20/76, verstärkter Beschuss 1370 bar, Lauflängen 550 und 600 mm. Sichern und Entsichern S. 7 (drei Schieberstellungen, roter Signalpunkt, keine automatische Sicherung). Abzugssystem S. 8 (Rückstecher für unteren oder rechten Lauf, Stechen, Entstechen in der Reihenfolge Abzug vordrücken → Schieber nach hinten → loslassen, Stecherstellschraube). Visiereinrichtung und Entspannen S. 9 (Balkenkorn und Klappvisier — eine selbsttätige Kimmenverstellung nennt die Anleitung NICHT —, Entspannen mit Pufferpatronen). Sicherheitsregeln S. 12 (nach Versager eine Minute warten). Am PDF geprüft Link
- [Online] Jagdfibel — Drilling — Bauart und Frühgeschichte , Erstes Drillingspatent 1878 durch den Münchener Büchsenmacher Peter Oberhammer, deutsches Patent von Sauer & Sohn 1881; Bauteile Seitenschloss oder Blitzschloss, Doppelabzug mit oder ohne Rückstecher, kombinierte Sicherungs- und Umschalteinrichtungen, verlötete Laufbündel Link
- [Literatur] Beschussamt Ulm — Information — Verwendung von bleifreien Schroten, Kaliber 12 , Normalpatrone 12/70 mit 740 bar; Stahlschrot bis 3,25 mm bei Normal- und verstärktem Beschuss; Stand 7. November 2023. Eine entsprechende Angabe für Kaliber 16 enthält das Merkblatt nicht Link
- [Auskunft] WILD UND HUND Forum — Suhler Drilling Fan-Gruppe — Baustandsfolge der Sicherungen , SAMMLERDARSTELLUNG OHNE QUELLENAPPARAT, hier nicht übernommen: Modelle 90 und 95 mit Sicherungsschieber auf der Scheibe hinter dem Umschalter, Modell 96 mit vereinigtem Schieber; Simson-Bezeichnung Modell 94, Merkel-Bezeichnung Modell 30 Link