Modell
Weihrauch HWZ Modell 21
- Fertigung
- Weihrauch
- Kaliber
- .22 lfB
- Zeitraum
- 1921–1939
- Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden
Existenz, Verschlussbauart, Visierung, Beschriftung und Logo sind über eine Objektmonographie des Historic Arms Resource Centre sowie über Albl und Dieter belegt. Maßangaben stammen aus Einzelstücken und streuen. Abzug, Sicherung, Gesamtlänge und Gewicht sind in keiner zugänglichen Quelle beschrieben und bleiben offen. Ungeklärt sind außerdem die Herkunft der Systemkästen und die Systembeschriftung (siehe unten).
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Diese Büchse lädt man einzeln, und der Verschluss ist ein massiver Stahlblock, der senkrecht im Gehäuse auf und ab geht. Bewegt man den Hebel unter dem Kolbenhals nach unten, sinkt der Block ab und gibt hinten am Lauf eine Mulde frei; dort legt man die Patrone von Hand ein. Zieht man den Hebel wieder nach oben, steigt der Block hinter die Patrone und verschließt den Lauf — er stützt sich dabei mit seiner ganzen Fläche im Gehäuse ab, weshalb diese Bauart als besonders verwindungssteif gilt. Zugleich spannt derselbe Hebelweg das Schlagstück, das beim Auslösen nach vorn schnellt und die Patrone am Rand zündet. Nach dem Schuss klappt man den Hebel erneut nach unten; der Block sinkt ab und zieht die leere Hülse mit heraus. Genau diese Ruhe und Steifigkeit ist der Grund, warum die Bauart im Scheibenschießen so lange verwendet wurde: Es gibt kein Magazin, keine hin- und herlaufenden Massen und nichts, was den Lauf im Schuss verzieht.
Der Name Weihrauch steht heute für Luftdruckwaffen aus Mellrichstadt. Das ist die zweite Hälfte der Geschichte. Die erste spielt in Zella St. Blasii, ab 1919 Zella-Mehlis, und sie sieht anders aus: Hermann Weihrauch baute dort Scheibenbüchsen — und zwar nach englischem Vorbild.
Warum dieser Eintrag hier steht
Das Register führt mit der HW-Modellreihe bereits die Nachkriegsfertigung des Hauses als Vergleichsstück. Ohne das Zella-Mehliser Gegenstück wäre das eine Aussage über Mellrichstadt, keine über den Untersuchungsraum. Erst beide Einträge zusammen erlauben die eigentliche Frage: Was setzte sich über den Bruch von 1945 hinweg fort, und was nicht?
Der Befund ist bemerkenswert negativ. Die Mellrichstädter Linie beginnt 1950 mit einem Luftdruckgewehr; die Zella-Mehliser Linie war eine Fallblock-Sportbüchse. Konstruktiv verbindet beide nichts. Was fortbesteht, ist der Betrieb und die Familie — nicht die Konstruktion. Genau diese Unterscheidung führt der Aufsatz Wie weit reicht die Wirkung? als methodisches Problem.
Eine Ausnahme gibt es: Aus Zella-Mehlis ist ein Luftpistolen-Prototyp belegt, die HWZ Para, gestützt auf ein Patent von 1939. Sie kam nicht in Serie. Die Patentschrift nennt als Zweck ausdrücklich eine Übungswaffe, die sich „in ähnlicher Weise wie die Armeepistole 08 handhaben” lässt — ein Beleg dafür, dass die Luftdrucklinie des Hauses im Untersuchungsraum immerhin angelegt war, bevor sie im Westen ausgeführt wurde.
Kennzeichnung
Das Firmenlogo ist ein großes Z, in dessen Winkeln H und W stehen — Hermann Weihrauch Zella-Mehlis. Am Modell 21 ist es vorn am System eingeschlagen, bei der Luxusausführung als hochstehendes Oval an der Systemunterseite graviert. Das Warenzeichen HWZ wurde 1921 unter der Nummer 27893 eingetragen und 1926 in vereinfachter Form erneuert.
Am Lauf steht oben CAL 6/22 Long Rifle, unterseits die Kaliberangabe 5,4 m/m neben den
deutschen Beschusszeichen — zur Datierung siehe Beschuss
Zella-Mehlis.
Offene Fragen
Die Systembeschriftung. Dokumentierte Stücke tragen an der linken Systemseite H.W.Z. MOD.21
in der Luxus- und H.W.Z. MCD.21 in der Standardausführung. Die naheliegende Erklärung ist ein
abgenutzter oder falsch gelesener O-Stempel; belegt ist sie nicht. Die Frage stammt nicht von
hier — die englische Objektmonographie stellt sie selbst und bittet um Aufklärung.
Die Herkunft der Systemkästen. Ob Weihrauch bei BSA zukaufte und umprofilierte oder selbst fertigte, ist offen. Beide Antworten hätten Gewicht: Zukauf hieße, dass eine der bekanntesten Zella-Mehliser Sportbüchsen im Kern englisch ist. Die Frage ist am Objekt entscheidbar.
Die Stückzahl. Ein dokumentiertes Exemplar trägt eine Seriennummer um 12.500. Rückschlüsse auf die Fertigungsmenge aus unbekannten Nummernkreisen sind notorisch unzuverlässig; hier wird deshalb keine genannt.
Abgrenzung
Der Name Weihrauch identifiziert in Zella-Mehlis keinen Betrieb eindeutig: Neben Hermann Weihrauch bestand seit 1898 die Werkstatt Oskar Weihrauch, von der gravierte Querflinten belegt sind; von Otto Weihrauch ist eine Querflinte mit Suhler Beschuss von 1951 bekannt. Zuschreibungen sind deshalb nur über Marke und Beschriftung am Stück zu treffen, nicht über den Familiennamen.
Konstruktion
- Verschluss
- Fallblockverschluss nach Martini-Bauart, Betätigung über Unterhebel; am hinteren Systemende ein waagerecht eingeschwalbter Ansatz zur Aufnahme des Visiers.
- Ladeprinzip
- Einzellader, Handbetätigung
- Zuführung
- kein Magazin; Patrone von Hand in die Ladenut im Oberteil des Fallblocks — diese ist geringfügig schmaler ausgeführt als bei den englischen BSA-Martinis.
- Abzug
- in den zugänglichen Quellen nicht beschrieben
- Sicherung
- in den zugänglichen Quellen nicht beschrieben
- Visierung
- Lochvisier (Diopter) auf dem Ansatz, Höhen- und Seitenverstellung über Vierkantschlüssel; der Ansatz erlaubt das schnelle Abnehmen des Visiers für den Zugang zur Putzstockbohrung. Korn in jagdlicher Form, an dokumentierten Stücken auch als Goldperlkorn. Luxusausführungen zusätzlich mit Klauenmontage für Zielfernrohr.
Maße und Leistung
- Länge
- nicht überliefert
- Lauflänge
- 27 bis 27½ Zoll (686–699 mm), zwischen den Exemplaren streuend
- Gewicht
- nicht überliefert
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Öffnen
Der Unterhebel wird nach unten geschwenkt. Der Fallblock sinkt senkrecht ab und gibt die Ladenut hinter dem Patronenlager frei; derselbe Hebelweg spannt das Schlagstück.
- 2
Laden
Die Randfeuerpatrone wird von Hand in die Ladenut eingelegt und ins Patronenlager geschoben. Ein Magazin gibt es nicht — jede Patrone ist ein eigener Ladevorgang.
- 3
Verschließen
Beim Hochschwenken des Hebels steigt der Fallblock hinter die Patrone. Er stützt sich mit voller Fläche im Systemkasten ab; die Bauart bringt die Abstützung damit unmittelbar hinter das Patronenlager, ohne bewegte Verriegelungswarzen.
- 4
Schuss
Der Abzug löst das Schlagstück aus, das den Schlagbolzen gegen den Patronenrand treibt und die Randfeuerzündung auslöst. Verschluss und Lauf bleiben unbewegt — es laufen keine Massen, die den Schuss stören könnten.
- 5
Auswerfen
Beim erneuten Öffnen zieht der absinkende Block die leere Hülse aus dem Patronenlager. Damit ist das System wieder in der Ausgangslage.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verriegelt: Der Verschlussblock ist als Ganzes nach unten in eine Rastfläche des Gehäuses gekippt und stützt sich dort ab.
- 2 Entriegelt: Der zurücklaufende Verschlussträger hebt den Block aus der Rastfläche aus; die Baugruppe läuft gemeinsam zurück.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
BSA Model No. 12 Target Rifle
Birmingham Small Arms · Großbritannien ungeklärt- System
- Martini-Fallblock, Einzellader, .22 lfB
- Unterschied
- Die Bauart des Modells 21 entspricht der BSA No. 12 mit geringen Abweichungen; gemessen wurde eine Systembreite von 1,075 Zoll, die zwischen der No. 12 (1,20 Zoll) und den unteren BSA-Modellen (1,00 Zoll) liegt. Die Ladenut ist bei Weihrauch etwas schmaler.
- Befund
- Ob die Systemkästen bei BSA zugekauft und umprofiliert wurden, ist offen. BSA-Kleinsysteme wurden nachweislich auch von anderen Herstellern verbaut. Die Frage wäre am Objekt zu klären — über Bearbeitungsspuren, Fasenverlauf und Materialbefund.
J. G. Anschütz Modell „Germania"
J. G. Anschütz, Germaniawaffenwerk A.G. · Zella-Mehlis plausibel- System
- Zylinderverschluss, Einzellader, .22 lfB
- Unterschied
- Zwei Kleinkaliber-Einzellader aus demselben Ort, aber mit unterschiedlichem Verschlussprinzip: hier der stehende Fallblock nach englischem Vorbild, dort der laufende Zylinderverschluss nach dem Muster der Militärrepetierer.
- Befund
- Der Vergleich zeigt, dass „Zella-Mehliser Kleinkaliberbüchse" keine Bauartbeschreibung ist. Die Wahl des Systems folgte dem Verwendungszweck — Scheibenschießen gegen wehrsportliche Ausbildung —, nicht einer regionalen Tradition.
Quellen
- [Online] HARC — The H.W.Z. Model 21 .22RF Martini Target and Sporting rifles Link
- [Online] Wikipedia (de) — Weihrauch & Weihrauch Link
- [Archiv] Reichsanzeiger 1921 — Warenzeichen HWZ, Nr. 27893, Deutscher Reichsanzeiger 1921, S. 238 Link
- [Literatur] Albl — Josef Albl, Scheibenwaffen. Hinterladersysteme von 1850 bis 1950, Selbstverlag 2014, S. 530–533
- [Literatur] Dieter — Ernst G. Dieter, Im Zeichen des Waffenschmieds, Teil 2, S. 72 (HWZ 21), S. 53 (HWZ Para)